Hallo Gelöschter Benutzer 2394,
dein Name bedeutet "Hoffnung", gib die Hoffnung nicht auf!
Mein Sohn (34) Jahre, Asperger Autist, ist ebenfalls psychisch schwer erkrankt. Vor anderthalb Jahren teilte er mir mit, er wolle nichts mehr mit mir zu tun haben, und brach den persönlichen Kontakt zu mir komplett ab, fing dann aber an, mir furchtbare, aggressive, teils auch bedrohliche E-Mails zu schreiben, mit völlig irrealen Inhalten. Ich habe dann versucht, per E-Mail Dinge freundlich mit ihm zu klären, aber es war eindeutig, dass er sich nicht mehr in unserer Realität befindet. Er hatte vor neun Jahren schon mal eine Psychose und hörte damals Stimmen, vor denen er sehr viel Angst und Panik hatte (es ging immer darum, dass er in die Hölle käme etc.) Er war jahrelang in verschiedenen religiösen Gruppen aktiv, von denen ich der Meinung bin, dass sie seinem Geist nicht wirklich gut getan haben, aber er hatte sich schon von klein auf vor allem für Religionen interessiert.
Als er die Stimmen hörte und in Panik war, ließ er sich von uns überreden, in eine Klinik zu gehen, er war dann zweieinhalb Monate in der anthroposophischen Friedrich Husemann Klinik in Buchenbach bei Freiburg. Ich hatte einen guten Eindruck von der Klinik, die ganze Atmosphäre erschien mir sehr viel angenehmer als in normalen Psychiatrien (ich habe den Vergleich, weil meine Mutter und meine Schwester in "normalen" psychiatrischen Kliniken waren). Er bekam in Buchenbach Risperdal 4mg, was ihn zunächst völlig außer Gefecht setzte, aber die Stimmen gingen weg. Zuhause wurde das Risperdal dann schrittweise reduziert, die Stimmen kamen zurück aber er war in Behandlung bei einer Psychiaterin, die neben ihrer schulmedizinischen Ausbildung auch eine Ausbildung in klassischer Homöopathie hat. Die hat ihm dann zusätzlich zum Risperdal mehrmals ein homöopathisches Mittel gegeben. Die Stimmen verschwanden wieder. Damals war er sehr dankbar für meine Unterstützung. Er hat das Risperdal in geringer Dosis fast sechs Jahre lang genommen und es lief ziemlich gut, bis er irgendwann sagte, er wolle es ganz absetzen (zum Schluss war er auf 0,5 mg Risperdal). Nachdem es dann ganz ausgeschlichen wurde, begannen etwa zwei Monate später seine autistischen Züge, die unter Risperdal sehr zurück gegangen waren, wieder stärker zu werden. Und dann wurde er mir gegenüber immer ablehnender und feindseliger. Ich konnte ihm nicht mehr helfen, weil er keinerlei persönlichen Kontakt zu mir mehr zuließ.
Er hat seit fast neun Monaten seine Wohnung nicht mehr verlassen und hat das in absehbarer Zeit wohl auch nicht vor. Mein Lebensgefährte, der noch Zugang zu ihm hat, versorgt ihn einmal pro Woche mit Lebensmitteln, Getränken und mit allem, was er sonst noch braucht.
Er wohnt im selben Mehrfamilienhaus wie wir in einer eigenen Wohnung. Manchmal schimpfte er so laut und wütend über mich, dass es im ganzen Treppenhaus zu hören war und sich der Mieter unter ihm mehrfach beim Vermieter (der auch im Haus wohnt) beschwerte. Ich hatte Angst, dass er seine Wohnung verlieren würde. Als er noch rausging hat der sich des Öfteren mit Tüchern verschleiert und hier und da flach auf den Boden gelegt, auf den Supermarktparkplatz oder beim Bahnhof oder sonstwo. Die Leute haben es mir dann erzählt und manchmal habe ich es auch selbst gesehen. Ich hatte immer Angst, dass ihm was passiert. Diese Angst ist zumindest weg, seit er nicht mehr rausgeht, aber das ist ja auch kein Zustand.
Ich war beim Sozialpsychiatrischen Dienst, sie waren sehr freundlich und wir konnten meinen Sohn überreden, dass er einen Mitarbeiter empfing. Der wollte mit ihm Kontakt aufnehmen aber es funktionierte nicht, mein Sohn hielt dabei nur religiöse Monologe und schrieb am nächsten Tag, er wolle nicht, dass jemand zu ihm kommt. Es besteht keinerlei Krankheitseinsicht und seine Psychiaterin sagte mir, ihr seien die Hände gebunden, sie könne ihn nicht behandeln, wenn er nicht bereit wäre, in die Praxis zu kommen. Mein Lebensgefährte konnte ihn dann überzeugen, dasselbe homöopathische Mittel einzunehmen, das er vor Jahren von der Psychiaterin bekommen hatte. Wir haben es auch mit ihr besprochen. Und es hat gewirkt! Das heißt nicht, dass seine irrealen Vorstellungen verschwunden sind, aber er wurde viel ruhiger. Mein Lebensgefährte hat ihm das Mittel noch ein paarmal gegeben, immer wenn er sehr unruhig wurde, und er hat seit vielen Wochen nicht mehr laut und aggressiv im Haus rumgeschrien. Er ist jetzt sehr ruhig und das ist schon mal eine Erleichterung. Ich bin überzeugt, dass man auch bei schweren psychischen Erkrankungen mit Homöopathie viel erreichen kann. Mein Sohn bräuchte sicher auch gleichzeitig noch eine geringe Dosis eines antipsychotischen Medikaments aber da er keine Krankheitseinsicht hat und sich nicht behandeln lässt, ist die Verbesserung des Zustands durch das homöopathische Mittel schon mal besser als nichts. Es gibt in München einige Psychiater, die gleichzeitig zur schulmedizinischen Behandlung auch Homöopathie mit guten Erfolgen einsetzen. Einer davon heißt Dr. Nikolaus Hock, wer sich dafür interessiert kann sich ja mal seine Webseite anschauen. Es ist jedenfalls eine sanfte Heilmethode.
Ich fühle mit allen hier, die mit ihren Kindern solche schweren Zeiten durchmachen aber ich denke, es kann sich immer auch etwas zum Besseren verändern. Sehr wichtig ist es, als Angehörige(r) auch gut für sich selbst zu sorgen und etwas für sich selbst zu tun, um nicht in der Verzweiflung zu versinken.
Oh je, eigentlich wollte ich gar nicht so einen langen "Roman" schreiben.