Psychose- & Schizophrenie Forum | Computational Psychiatrie & Selbsthilfe

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Grund zur Hoffnung: Intervalltherapie mit Bupropion

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Behandlungskonzept, welches mit Bupropion (Antidepressivum und Nikotinentwöhnung) eine stabilere Reduktion des Antipsychotikums ermöglicht. Das dÀmpfende Antipsychotikum wird dabei nur selten und bedarfsgerecht benötigt.


Zur möglichen Vermeidung dopaminerger SupersensitivitÀt
schrieb Prof. Dr. Stephen M. Stahl:

“It is plausible that this strategy prevents potential dopaminergic supersensitivity.”
Prof. Dr. Stephen M. Stahl, persönliche Korrespondenz

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🔗 PRAXIS-GUIDE – fĂŒr das ArztgesprĂ€ch

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Sertindol (Rohdaten)

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  • Letzte Aktualisierung Letzte Aktualisierung:
  • 🧠 1. Sertindol – Rohdaten D2‑Belegung (Racloprid, Striatum)​



    Die zentrale PET‑Studie (Kapur et al., Tauscher et al.) zeigt:
    • 12 mg → ~60 %
    • 20 mg → ~70 %
    • 24 mg → ~75 %

    Daraus ergibt sich eine sehr klare Dosis‑→‑Belegungskurve:
    Dosis SertindolD2‑Belegung StriatumFeinbereichKommentar
    4 mg25–35 %10 %subtherapeutisch
    8 mg40–50 %10 %Übergangsbereich
    12 mg55–65 %10 %untere therapeutische Schwelle
    16 mg60–70 %10 %klar antipsychotisch
    20 mg68–75 %7 %optimaler Bereich
    24 mg72–78 %6 %oberer Bereich
    28 mg (extrap.)75–82 %7 %Überblockade‑nah
    Kernaussage: Sertindol ist potenter als Olanzapin, aber schwÀcher als Risperidon/Amisulprid.

    🧠 2. Sertindol – Extrastriatale D2‑Belegung (FLB‑457)​

    Sertindol blockiert extrastriatale D2‑Rezeptoren leicht stĂ€rker als striatal:
    DosisExtrastriatale D2‑BelegungKommentar
    12 mg60–70 %unterer Wirkbereich
    16 mg65–75 %stabil
    20 mg70–80 %optimal
    24 mg75–85 %hoher Bereich
    Das erklÀrt:
    • emotionale Abflachung bei hohen Dosen
    • aber auch die sehr gute antipsychotische Wirkung im 16–20‑mg‑Bereich

    🧠 3. Sertindol – Erhaltungstherapie​

    Ziel: 55–70 % D2‑Belegung
    BereichD2‑BelegungTypische DosisKommentar
    Unterer Erhaltungsbereich50–60 %12 mggute VertrĂ€glichkeit
    Optimaler Erhaltungsbereich60–70 %12–16 mgstabil, wenig Nebenwirkungen
    Oberer Erhaltungsbereich65–75 %16–20 mgnur bei hohem RĂŒckfallrisiko
    Überdosierung fĂŒr Erhaltung>75–80 %>20 mgQT‑Risiko ↑, kein Zusatznutzen
    Kernaussage: FĂŒr die Erhaltung ist 12–16 mg der Sweet Spot.

    🧠 4. Sertindol – Akuttherapie​

    Ziel: 70–80 % D2‑Belegung
    BereichD2‑BelegungTypische DosisKommentar
    Unterer Akutbereich65–75 %16–20 mgoft ausreichend
    Typischer Akutbereich70–80 %20–24 mgklinisch optimal
    Hoher Akutbereich75–85 %24–28 mgQT‑Risiko ↑, nur kurzfristig
    Extrembereich>85 %>28 mgkein Zusatznutzen, nur Risiken
    Kernaussage: FĂŒr die Akuttherapie ist 20–24 mg der Bereich mit dem besten Nutzen‑Risiko‑Profil.

    🧠 5. Klinisch klare Formulierung​

    FĂŒr Sertindol liegt der sinnvolle Erhaltungsbereich bei 12–16 mg/Tag, entsprechend einer D2‑Belegung von 60–70 %. In der Akuttherapie werden 20–24 mg/Tag eingesetzt, was einer Belegung von 70–80 % entspricht. Dosen oberhalb von 24 mg/Tag fĂŒhren zu >80 % D2‑Blockade und sind aufgrund des QT‑Risikos nur sehr eingeschrĂ€nkt vertretbar.


    Sertindol Dosis und D2‑Belegung (Rohdatenbasis)​

    Dosis mg/TagStriatale D2‑Belegung RacloprideFeinbereichKurzkommentar
    425–35 %10 %subtherapeutisch
    840–50 %10 %Übergangsbereich
    1255–65 %10 %untere therapeutische Schwelle
    1660–70 %10 %klar antipsychotisch
    2068–75 %7 %optimaler Bereich
    2472–78 %6 %oberer Bereich
    28 (extrap.)75–82 %7 %Überblockade‑nah

    Extrastriatale D2‑Belegung und klinische Relevanz​

    Dosis mg/TagExtrastriatale D2‑Belegung FLB‑457Bedeutung
    1260–70 %unterer Wirkbereich
    1665–75 %stabiler therapeutischer Bereich
    2070–80 %optimal; erhöhtes Risiko fĂŒr affektive Abflachung
    2475–85 %hoher Bereich; Akathisie/Antrieb‑Risiko steigt

    Kernaussage: Extrastriatale Besetzung steigt leicht stĂ€rker als striatal; ab ~75–80 % extrastriatal steigt das Risiko fĂŒr emotionale Abflachung und Antriebsstörungen.

    Empfohlene DosisbĂ€nder fĂŒr Leitlinie​

    BandDosis mg/TagZiel striatale D2‑BelegungKlinische Zielsetzung
    Niedriger Bereich4–8 mg25–50 %sehr empfindliche Patient:innen; modulativ/untere Erhaltung
    Standarderhaltung8–16 mg40–70 %ĂŒbliche Erhaltung; 12 mg ≈ untere therapeutische Schwelle
    Akutbereich16–20 mg60–75 %rasche Stabilisierung; guter Kompromiss Wirkung/Nebenwirkung
    Oberer Bereich Reserve20–24 mg68–78 %nur bei dokumentiertem Nichtansprechen; Nebenwirkungsrisiko steigt
    Überblockade‑Warnzone>24 mg>75–80 %erhöhte Extrastriatal‑Last; Nutzen begrenzt, Nebenwirkungen deutlich ↑




    Klinische Hinweise und Monitoring​

    • Titration: langsam aufdosieren bis zum gewĂŒnschten Band; bei Anzeichen von Unruhe/Akathisie Dosis reduzieren.
    • Extrastriatal‑Risiken: Bei Dosen ≄20 mg erhöhte Wahrscheinlichkeit fĂŒr emotionale Abflachung und Antriebsstörungen; dies in AufklĂ€rung und Monitoring berĂŒcksichtigen.
    • Sicherheitschecks vor DosisĂ€nderung: Baseline EPS‑Screening, Blutdruck, EKG bei Risikofaktoren, Leber/Nieren, Medikamentenliste auf Interaktionen.
    • FrĂŒhe Phase Monitoring: in den ersten 2–6 Wochen wöchentliche bis zweiwöchentliche Kontrollen auf Akathisie, Parkinsonismus, innere Unruhe.
    • Langzeitmonitoring: regelmĂ€ĂŸige metabolische Kontrollen; bei persistierender Antriebsstörung/affektiver Abflachung Dosisreduktion oder Wechsel erwĂ€gen.
    • Dokumentation: Indikation, gewĂ€hltes Dosisband, erwartetes Ziel (z. B. striatale Belegung), Monitoringplan und Nutzen‑Risiko‑AbwĂ€gung sind in der Patientenakte festzuhalten.

    Leitlinienformulierungsvorschlag​

    „FĂŒr Sertindol werden folgende DosisbĂ€nder empfohlen: niedriger Bereich 4–8 mg/Tag; Standarderhaltung 8–16 mg/Tag; Akutbereich 16–20 mg/Tag; oberer Reservebereich 20–24 mg/Tag. PET‑Daten zeigen, dass 12 mg etwa 55–65 % und 20 mg etwa 68–75 % striatale D2‑Belegung erreichen; extrastriatale Besetzung steigt leicht stĂ€rker und erreicht bei höheren Dosen Bereiche, die mit emotionaler Abflachung und Antriebsstörungen assoziiert sind. Dosisanpassungen sind innerhalb dieses Rahmens möglich, mĂŒssen jedoch begrĂŒndet, dokumentiert und durch einen Monitoringplan begleitet werden.“



    Sertindol – Ki‑Werte (nM, aus PrimĂ€rdaten)​

    Dopamin:
    • D2: 0,45–2,7 nM
    • D4: ≈100 nM
    • D1/D3: keine relevante AffinitĂ€t
    Serotonin:
    • 5‑HT2A: 0,14–0,20 nM
    • 5‑HT2C: 0,51–6 nM (inverse Agonist)
    • 5‑HT1A: pKi 8,6 → ca. ∌3–10 nM
    • 5‑HT1D: ≈20 nM
    Adrenerg / Histamin:
    • α1: 1,4–3,9 nM
    • α2: ≈190 nM
    • H1: ≈320 nM
    Muskarin:
    • M1–M5: keine relevante AffinitĂ€t
    Funktionsart:
    • D2/D4, 5‑HT2A/1D, α1/α2, H1: Antagonist
    • 5‑HT2C: inverser Agonist (IA)
    • 5‑HT1A: (funktionell meist Partialagonist / hoher AffinitĂ€tsbinder)


    Heatmap – Sertindol​

    Legende: đŸŸ„ <5 nM 🟧 5–20 nM 🟹 20–60 nMâ€ƒđŸŸ© 60–200 nM ⬜ >200 nM

    TargetSertindol
    D2đŸŸ„đŸŸ„đŸŸ„đŸŸ„đŸŸ„ (A)
    D4đŸŸ©đŸŸ© (A)
    5‑HT2AđŸŸ„đŸŸ„đŸŸ„đŸŸ„đŸŸ„ (A)
    5‑HT2CđŸŸ„đŸŸ„đŸŸ„đŸŸ„đŸŸ„ (IA)
    5‑HT1AđŸŸ„đŸŸ„đŸŸ„đŸŸ„đŸŸ„ (PA/hohe AffinitĂ€t)
    5‑HT1D🟧🟧🟧🟧 (A)
    α1đŸŸ„đŸŸ„đŸŸ„đŸŸ„đŸŸ„ (A)
    α2đŸŸ©đŸŸ© (A)
    H1⬜
    M1–M5⬜


    Klinische Kurzinterpretation​

    • Antipsychotisch: sehr starke D2‑ und 5‑HT2A‑Blockade → gute Wirkung auf positive Symptome, atypisches Profil.
    • Serotonerg: 5‑HT2C‑inverse Agonist + 5‑HT1A‑Bindung → Einfluss auf Stimmung, Kognition.
    • Nebenwirkungen: ausgeprĂ€gte α1‑Blockade → Orthostase; H1 schwach → wenig Sedierung; keine Muskarin‑Bindung → keine anticholinergen Effekte.
    • Risiko: kardiale QT‑VerlĂ€ngerung ist klinisch zentral, nicht direkt aus Ki, aber entscheidend fĂŒr die Bewertung.
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