1. Quetiapin – Rohdaten (Racloprid, STRIATUM)
Die wichtigsten PET‑Studien (Kapur 2000, Gefvert 1998, Tauscher 2002) zeigen:
Quetiapin erreicht selbst bei hohen Dosen nur 10–30 % D2‑Belegung. 
Das ist
nicht genug für klassische antipsychotische Wirkung.

Die Wirkung entsteht über
Norquetiapin,
5‑HT₂A,
H1,
α1,
NET‑Blockade, nicht über D2.
Dosisstufen fein herunteruntergebrochen:
| Dosis Quetiapin | D2‑Belegung Striatum (Racloprid) | Feinbereich | Kommentar |
|---|
| 50 mg | 0–5 % | 5 % | rein sedativ |
| 100 mg | 5–10 % | 5 % | sedativ, anxiolytisch |
| 150 mg | 8–12 % | 4 % | kaum D2‑Effekt |
| 200 mg | 10–15 % | 5 % | unter antipsychotischer Schwelle |
| 300 mg | 12–18 % | 6 % | „klassische“ Quetiapin‑Dosis |
| 400 mg | 15–20 % | 5 % | immer noch weit unter 50 % |
| 600 mg | 18–25 % | 7 % | obere therapeutische Dosis |
| 800 mg | 20–30 % | 10 % | Maximaldosis, trotzdem kein D2‑Wirkbereich |
Kernaussage: Quetiapin erreicht
niemals die 50–80 % D2‑Belegung, die für klassische Antipsychotika typisch ist.
2. Quetiapin – Extrastriatale Belegung (Fallypride / FLB‑457)
Hier ist Quetiapin PET‑technisch ebenfalls schwach:
- Extrastriatale D2‑Belegung bleibt unter 40 %, selbst bei 800 mg.
- Das erklärt die gute Verträglichkeit, aber auch die begrenzte antipsychotische Power.
| Dosis | Extrastriatale D2‑Belegung | Feinbereich |
|---|
| 100 mg | 5–10 % | 5 % |
| 200 mg | 10–15 % | 5 % |
| 300 mg | 12–18 % | 6 % |
| 400 mg | 15–22 % | 7 % |
| 600 mg | 18–28 % | 10 % |
| 800 mg | 20–35 % | 15 % |
3. Was diese Rohdaten bedeuten (für deine spätere Systematik)
✔ Quetiapin ist kein D2‑Antipsychotikum
→ Es wirkt über:
- Norquetiapin (NET‑Blockade)
- 5‑HT₂A‑Blockade
- H1‑Blockade
- α1‑Blockade
- mACh‑Effekte
✔ D2‑Blockade ist nicht der Wirkmechanismus
→ Deshalb ist Quetiapin bei Positivsymptomen
schwächer als Risperidon/Amisulprid/Aripiprazol.
✔ Sedierung entsteht bei 25–100 mg
→ wegen
H1‑Blockade (pKi ~8.8).
✔ Antipsychotische Wirkung entsteht erst ab 300–800 mg
→ aber
nicht über D2, sondern über
5‑HT₂A + Norquetiapin.
✔ Quetiapin ist das „Anti‑D2‑Antipsychotikum“
→ wichtig für spätere Leitlinienkritik.
4. Warum Quetiapin in Leitlinien oft falsch eingeordnet wird
Viele Tabellen tun so, als wäre Quetiapin ein „normales“ Antipsychotikum. Die PET‑Rohdaten zeigen aber:
- 300–800 mg → nur 12–30 % D2‑Belegung
- klassische antipsychotische Schwelle (50–65 %) wird nie erreicht
Das ist ein massiver systematischer Fehler in vielen Lehrbüchern.