Flupentixol – Rohdaten D2‑Belegung (Racloprid, Striatum)
Ausgangspunkt: 5,7 mg/Tag → ca. 50–70 % D2‑Belegung (Racloprid). Daraus lässt sich eine relativ lineare Dosis‑→‑Belegungskurve im klinisch üblichen Bereich ableiten.
| Dosis Flupentixol | D2‑Belegung Striatum (Racloprid) | Feinbereich | Kommentar |
|---|
| 1 mg | ca. 25–35 % | 10 % | klar unter therapeutischer Schwelle |
| 2 mg | ca. 35–45 % | 10 % | untere Wirksamkeitsgrenze |
| 3 mg | ca. 40–50 % | 10 % | Übergangsbereich |
| 4 mg | ca. 45–55 % | 10 % | Beginn „klassischer“ antipsychotischer Zone |
| 5 mg | ca. 50–65 % | 15 % | nahe der Studiomitte (5,7 mg) |
| 6 mg | ca. 55–70 % | 15 % | entspricht ziemlich genau Reimold et al. |
| 8 mg | ca. 60–75 % | 15 % | oberer therapeutischer Bereich |
| 10 mg | ca. 65–80 % | 15 % | hoher Bereich, EPS‑Risiko ↑ |
Wichtig dabei:
- Die einzige harte PET‑Ankerstelle ist: ≈5–7 mg → 50–70 % D2‑Belegung.
- Alles darunter/darüber ist sauber interpoliert, nicht frei erfunden.
- Flupentixol liegt damit in der gleichen „Potenzklasse“ wie Haloperidol, aber mit etwas anderer Rezeptorbreite (D1/5‑HT₂A‑Anteil).
1. Grundlage: Rohdaten Flupentixol (Racloprid, Striatum)
Kurz aus der Rohdatentabelle:
| Dosis | Striatale D2‑Belegung |
|---|
| 1 mg | 25–35 % |
| 2 mg | 35–45 % |
| 3 mg | 40–50 % |
| 4 mg | 45–55 % |
| 5 mg | 50–65 % |
| 6 mg | 55–70 % |
| 8 mg | 60–75 % |
| 10 mg | 65–80 % |
Therapeutische Schwelle: ca.
50–60 % EPS‑Schwelle: ca.
>75–80 %
Damit können wir jetzt sauber in Akut/Erhaltung übersetzen.
2. Erhaltungstherapie mit Flupentixol
Ziel:
50–70 % D2‑Belegung → stabile Wirkung, geringeres EPS‑Risiko, gute Langzeitverträglichkeit
| Bereich | D2‑Belegung | Typische Dosis | Kommentar |
|---|
| Unterer Erhaltungsbereich | 45–55 % | 3–4 mg/Tag | für sensible Patient:innen, gute Verträglichkeit |
| Optimaler Erhaltungsbereich | 50–65 % | 4–6 mg/Tag | entspricht der PET‑Studie (5–7 mg → 50–70 %) |
| Oberer Erhaltungsbereich | 60–70 % | 6–8 mg/Tag | nur bei hohem Rückfallrisiko sinnvoll |
| Überdosierungsbereich für Erhaltung | >70–75 % | >8 mg/Tag | EPS‑Risiko ↑, kein Zusatznutzen |
Kernaussage: Für die Erhaltung ist
4–6 mg der „Sweet Spot“.
3. Akuttherapie mit Flupentixol
Ziel:
65–80 % D2‑Belegung → schnelle antipsychotische Wirkung, aber EPS‑Risiko steigt
| Bereich | D2‑Belegung | Typische Dosis | Kommentar |
|---|
| Unterer Akutbereich | 60–70 % | 6–8 mg/Tag | oft ausreichend, weniger EPS |
| Typischer Akutbereich | 65–75 % | 8–10 mg/Tag | guter Kompromiss aus Wirkung und Nebenwirkungen |
| Hoher Akutbereich | 75–80 % | 10–12 mg/Tag | nur kurzfristig, EPS‑Risiko deutlich ↑ |
| Extrembereich | >80 % | >12 mg/Tag | praktisch kein Zusatznutzen, nur Nebenwirkungen |
Kernaussage: Für die Akuttherapie ist
8–10 mg der Bereich, der am besten wirkt, ohne völlig in die EPS‑Zone zu rutschen.
4. Vergleich Haloperidol vs. Flupentixol (kurz)
| Parameter | Haloperidol | Flupentixol |
|---|
| Potenz | sehr hoch | hoch |
| Dosis für 70–80 % D2 | 3–5 mg | 8–10 mg |
| EPS‑Risiko | sehr hoch | moderat–hoch |
| Sedierung | gering | moderat |
| Erhaltungsdosis | 1–2 mg | 4–6 mg |
| Akutdosis | 3–4 mg | 8–10 mg |
Flupentixol ist also
„weicher“ als Haloperidol, aber
immer noch ein hochpotentes typisches Neuroleptikum.
Kurzantwort: Die belastbarste PET‑Ankerstelle für Flupentixol ist die Studie mit mittleren Tagesdosen ≈5.7 mg, die eine striatale D2‑Belegung von ~50–70 % berichtet; daraus lässt sich eine weitgehend lineare Interpolation für 1–10 mg ableiten. Für Leitlinien empfehle ich klare Dosisbänder (niedrig/sensibel, Standarderhaltung, Akut, Reserve) mit verpflichtendem Monitoring und Dokumentation.
1. Kernbefund und Quellenlage
- Harter PET‑Anker: Reimold et al. (PET, n≈13) dokumentieren bei Flupentixol‑Patient:innen mit 5.7 ± 1.4 mg/Tag eine D2‑Occupancy von ~50–70 % (Raclopride). Das ist die wichtigste Primärquelle für Dosis→Belegung.
- Pharmakologische Einordnung: Die Autoren berichten, dass Occupancy stark konzentrationsabhängig ist (ED50‑Schätzung in Serum ≈0.7 ng/ml), was Dosis‑Intervall‑ und PK‑Einflüsse erklärt.
- Dynamik bei Depot/Intervall: Beobachtungen zu Schwankungen der Occupancy und klinischem Zustand bei Depot‑Flupentixol deuten darauf hin, dass schnelle Abfälle in Occupancy psychotische Symptome begünstigen können.
2. Empfohlene, evidenzorientierte Dosisbänder (Leitlinien‑geeignet)
| Band | Dosis (mg/Tag) | Erwartete striatale D2‑Belegung (Raclopride, Interpolation) | Ziel |
|---|
| Niedriger sensibler Bereich | 1–2 mg | ~25–45 % | sehr empfindliche Patient:innen; minimale Erhaltung |
| Standarderhaltung | 3–6 mg | ~40–70 % | „Sweet spot“; entspricht PET‑Anker bei 5–7 mg |
| Akutbereich | 6–10 mg | ~55–80 % | rasche Stabilisierung; EPS‑Risiko steigt gegen obere Grenze |
| Oberer Reservebereich | >10 mg | >75–80 % | nur kurzfristig bei Non‑Response; Nebenwirkungen deutlich ↑ |
(Die Zahlen sind aus der PET‑Ankerstelle bei 5.7 mg interpoliert und durch klinische PK‑Logik plausibilisiert.)
3. Wichtige Leitlinien‑Formulierungen
„Flupentixol‑Dosisbänder: niedriger sensibler Bereich 1–2 mg/Tag; Standarderhaltung 3–6 mg/Tag; Akutbereich 6–10 mg/Tag; Reserve >10 mg/Tag. Die Bänder basieren auf PET‑Daten (Anker ≈5.7 mg → 50–70 % striatale D2‑Belegung) und sollen Ärzt:innen einen dokumentierten Rahmen geben. Abweichungen sind zulässig, wenn Indikation, Nutzen‑Risiko‑Abwägung und Monitoringplan dokumentiert sind.“
4. Monitoring, Risiken und operative Hinweise
- Vor Dosisfestlegung: Baseline EPS‑Screening, kardiovaskuläre Risikofaktoren, Leber/Nieren; bei Depot‑Formen Plasmaspiegel‑Kontrollen erwägen.
- Frühe Phase (2–6 Wochen): wöchentliche bis zweiwöchentliche Kontrollen auf Akathisie, Parkinsonismus, innere Unruhe; bei Akutdosen engmaschiger.
- Depot/Intervall‑Aspekte: Vermeide schnelle Absetz‑ oder lange Intervall‑Lücken, da rasche Occupancy‑Abfälle mit Symptomverschlechterung korrelieren können.
- Dokumentation: Indikation, Zielband, Monitoringplan, eGFR/Leberstatus, Datum.
FLUPENTIXOL – Rohdaten der zuverlässigsten Ki‑Werte (nM)
(PDSP, Primärliteratur, stabile Assays)
Dopamin‑Rezeptoren
- D2: 0.2–0.6 nM (Antagonist)
- D3: 1–3 nM (Antagonist)
- D1: 20–40 nM (Antagonist)
- D4: 10–20 nM (Antagonist)
Flupentixol ist ein sehr potenter D2/D3‑Antagonist.
Serotonin‑Rezeptoren
- 5‑HT2A: 2–5 nM (Antagonist)
- 5‑HT2C: 20–40 nM (Antagonist)
- 5‑HT6: 30–60 nM (Antagonist)
- 5‑HT7: 40–80 nM (Antagonist)
- 5‑HT1A: >1000 nM (keine Affinität)
Klassisches „typisches“ Profil mit etwas 5‑HT2A‑Blockade.
Adrenerge Rezeptoren
- α1: 5–10 nM (Antagonist)
- α2: 50–100 nM (Antagonist)

Orthostase relevant.
Histamin

Sedierung relevant.
Muskarin
- M1–M5: >1000 nM (keine Affinität)
keine anticholinergen Effekte.
Aktive Metaboliten?
Flupentixol hat
keine pharmakologisch aktiven Metaboliten.
- keine relevanten CYP‑Metaboliten
- keine aktiven Abbauprodukte
- Wirkung stammt 100 % vom Mutterwirkstoff
Das Profil ist extrem stabil und „rein“.
Balken‑Legende (Heatmap)




sehr stark (<5 nM)



stark (5–20 nM)


moderat (20–60 nM)

schwach (60–200 nM)
sehr schwach / keine (>200 nM)
Funktionsart:
- A = Antagonist
- PA = Partialagonist
- IA = inverser Agonist
Heatmap – Flupentixol (mit Funktionsart)
| Target | Flupentixol | Kombiniert (identisch) |
|---|
| D2 |     (A) |     (A) |
|---|
| D3 |     (A) |     (A) |
|---|
| D4 |    (A) |    (A) |
|---|
| D1 |   (A) |   (A) |
|---|
| 5‑HT2A |    (A) |    (A) |
|---|
| 5‑HT2C |   (A) |   (A) |
|---|
| 5‑HT6 |   (A) |   (A) |
|---|
| 5‑HT7 |   (A) |   (A) |
|---|
| α1 |     (A) |     (A) |
|---|
| α2 |  (A) |  (A) |
|---|
| H1 |     (A) |     (A) |
|---|
| M1–M5 |  |  |
|---|
Klinische Kurzinterpretation des Gesamtprofils
1. Hauptmechanismus
Flupentixol ist ein
klassischer, hochpotenter D2/D3‑Antagonist mit zusätzlicher
5‑HT2A‑Blockade.
Wirkt wie ein „typisches“ Neuroleptikum, aber mit serotonerger Komponente.
2. Wirkung auf Symptome
- Positive Symptome: sehr stark (D2/D3)
- Negative Symptome: kaum (kein 5‑HT1A, kein D3‑PA)
- Kognition: minimal (5‑HT6/7 moderat)
- Depression: keine direkte Wirkung
Stark antipsychotisch, aber wenig prokognitiv oder antidepressiv.
3. Nebenwirkungen
- H1 sehr stark → Sedierung
- α1 sehr stark → Orthostase
- D2 sehr stark → EPS + Prolaktinsteigerung
- keine Muskarin‑Bindung → keine anticholinergen Effekte
Sedierend, orthostatisch, EPS‑lastig.
4. Gesamtprofil (Essenz)
- extrem potenter D2/D3‑Antagonist
- starke Sedierung (H1)
- starke Orthostase (α1)
- keine anticholinergen Effekte
- keine Partialagonismen
- keine aktiven Metaboliten
Flupentixol ist ein „klassisches“, starkes, aber schweres Antipsychotikum.