Aktuelles

Psychose & Schizophrenie Forum ❤️

Herzlich willkommen in unserer hilfsbereiten Community. ✨ Hier findest du Austausch mit Betroffenen, Angehörigen und Fachkundigen – ein Ort für Orientierung, Verständnis und gegenseitige Unterstützung.

Registriere dich und entdecke alle Möglichkeiten:

Herzlich willkommen – schön, dass du zu uns gefunden hast! ☀️

Welches Medikament vertrage ich?

Rinosek

Member
Guten Tag
Unter Abilify wurde ich leicht psychotisch und vertrage Abilify nicht. Es macht unruhig und ich fühlte mich nicht wohl.

Nach einer schizophrenen Episode mit positiven Symptomen wurde jetzt auf risperidon umgestellt. Ich fühle mich gut und bin ruhig-entspannt.
Aber risperidon führt wie zu einer Art muskellähmung, meine Bewegungen fühlen sich Steiff an ich liege nur rum. Anfangs dachte ich das gehört zur negativsymptomatik aber da steckte mehr dahinter.

Meine Frage an euch:
Gibt es ein Medikament dass ihr empfehlen könnt wenn man weder Abilify noch risperidon verträgt? Cobenfy ist noch nicht zugelassen und braucht noch ca 2 Jahre…
 
Also ich finde Olanzapin ganz gut. Es wirkt entspannend und dämpft etwas. In deinem Fall vielleicht 10-15mg?
 
Welche Dosis Aripiprazol hattest du, hast du mit 5 mg begonnen oder ist man gleich in die Vollen gegangen?
Akathisie hängt stark mit der Stärke der D2-Blockade zusammen und Aripiprazol kann bei der kleinsten 5-mg-Dosis schon eine sehr starke Akutwirkung haben. Schlägt im Grunde schlagartig an. Noch einmal 5 mg wären einen Versuch wert, da es ansonsten wirklich vergleichsweise nebenwirkungsarm ist. Da gibt man manchmal etwas mehr als nötig oder, wenn es zu schnell eingeschlichen wird, provoziert man Akathisie. Auch da sich deine Grundsituation nach dem aktuellen Risperidon verändert hat, sollte Aripirpazol immer noch eine Chance sein. Zusätzlich sollte Bupropion, ein NDRI‑Antidepressivum, dieser inneren Unruhe entgegenwirken. Das kann etwas den Aripiprazol-Blutspiegel steigern, weshalb TDM (therapeutisches Drug Monitoring) ratsam ist.

Alternativen wären Ziprasidon, wobei das bei Männern anscheinend vermehrt QTc‑Verlängerungen machen kann. Wenn man SSRI‑Antidepressiva hat, die auch QTc‑Verlängerungen erzeugen, sollte man da besonders aufpassen und die Kombi eher vermeiden. Bupropion gleicht mit der NDRI-Wirkung aus und kann eventuell auch da günstig sein. (aber nur hypothetisches Modell, bin kein Arzt)

Lurasidon oder Brexpiprazol sind recht gut verträglich. Lurasidon wäre ein Antagonist, was bei deinem Beschwerdebild erst einmal besser passt, und Brexpiprazol wäre ein milder Partialagonist, der eine geringere internistische Aktivität hat und damit weniger aktiviert, also für dich Aripiprazol in verträglich sein könnte. Da müsstest du in Deutschland deinen Arzt fragen, ob man das bekommt und die Kasse das zahlt. Lurasidon könnte preislich so günstig sein, dass man sich das im Notfall auch über den Psychiater aus dem Ausland bestellen kann. Vielleicht ist eines davon in den vergangenen Monaten verfügbar geworden und man kann eine Kostenübernahme beantragen, da es bei dir auch ein Gewichtsproblem darstellt und die Alternativen eher Mau sind.

Hier die Nebenwirkungsliste oben zeigt die Verträglichkeit der gängigen Antipsychotika (+ zwei Akutwirkstoffe zum besseren Vergleich)
-> Nebenwirkungen Antipsychotika 10/25

Hier ist die → Druckversion Nebenwirkungen Antipsychotika 2026 (PDF-Format).

Das Farbschema zeigt da gut die Verträglichkeit auf.

An sich können Partialagonisten wie Aripiprazol etwas den Grundumsatz, was auch bei bleibendem Appetit zu geringerer Gewichtszunahme beiträgt.

Ziprasidon würde ich ansonsten nach Lurasidon als Antagonisten 1. Wahl einordnen, da Ziprasidon insgesamt mit die geringste Gewichtszunahme unter den atypischen Antipsychotika macht. Es soll eben etwas schwächer sein, was man schauen kann. Mögliche QTc-Nebenwirkungen entsprechend auch überprüfen, was bei Männern womöglich häufiger auftritt.

Amisulprid wäre von den Antagonisten eine Ausweichmöglichkeit und könnte in geringen Dosierungen von der Gewichtszunahme noch im tolerablen Bereich, aber sollte da nur geringfügig besser als Risperidon sein.

Aripiprazol neu in 5 mg oder darunter in Tropfenform würde ich dir eher empfehlen, da, wenn überhaupt, auf max. 7,5–10 mg zu steigern. Die Akathisie (motorische innere Unruhe/Sitzunruhe) tritt meistens bei zu hohen Dosierungen auf. Bupropion (NDRI Antidepressivum) kann normale innere Unruhe auch beheben, zusätzlich zum Aripiprazol als Addon. Das macht auch eher dünn.
Vitamin B6 hilft auch bei innerer Unruhe und Akathisie. B6 könntest du zeitweise ärztlich kontrolliert hochdosiert (ca. 100mg) supplementieren und dazu ergänzend hochdosiertes B-Komplex einnehmen, um die anderen B-Vitamine gut abzudecken. Bei mir hat Vitamin B6 den Appetit in einem ähnlichen Setting schlagartig reduziert. Wichtig kann also sein, genug Mikronährstoffe und vielleicht Multimineral und Multivitaminbrause einzunehmen. Zumindest mein Ratschlag. Magnesiumcitrat im Speziellen kann ich auch empfehlen, da es fürs dämpfende GABA System gut ist was bei Schizophrenie auch beeinträchtigt ist. B6 ist für die Neurotransmittersynthese essenziell.

1. Aripirpazol in 5mg + Bupropion (testen, falls man Aripiprazol mit 10mg oder höher angesetzt hat)
5mg können schon sehr stark wirken, da Aripiprazol schlagartig die Rezeptoren belegt und Überblockade zu innerer Unruhe und Akathisie beitägt. Die leichte innere Unruhe durch die Aktivierung bei Aripiprazol sollte Bupropion anfangen, was keine Gewichtszunahme macht.

2. Lurasidon (Antagonist mit geringer Gewichtszunahme) und Brexpiprazol (Verfügbarkeit prüfen), beides sehr gut verträglich. Brexpiprazol hat einen deutlich milderen Partialagonismus als Aripiprazol. Wenn du in Österreich oder Schweiz lebst, könnte es dort eher verfügbar sein. Ansonsten schauen, was der Psychiater sagt. Vielleicht kann man das im Ausland bestellen, sollte preislich für die Krankenkassen immer noch viel günstiger sein als Depotspritzen, die an sich nur etwas bequemer herüberkommen.

3. Ziprasidon wäre ideal, wenn es ausreichend bei dir wirkt und von den QTc‑Verlängerungen überwacht und im Rahmen. Dies ist ein Antagonist wie Lurasidon (zwar neuartig verträglich, aber gibt es schon eine Weile). Warum man keinen Zusatznutzen gesehen hat, ist mir beim Lurasidon und Brexpiprazol wirklich ein Rätsel, weil die Gewichtsprobleme eines der größten Probleme sind.

Ziprasidon gibt es schon lange und wäre so gesehen für die die einzige Alternative, die sich bei deinen Nebenwirkungen anbietet.

4. Cariprazin ist verlockend, auch weil Negativsymptome besser ausfallen, aber macht eher noch mehr Akathisie. Innere Unruhe selbst könnte besser ausfallen, weshalb du das auch prüfen könntest, da es ein gut vertäglicher Partialagonist ist. Bupropion wäre auch hier als Addon bei innerer Unruhe interessant.

5. Amisulprid wäre vom Gewicht und Nebenwirkungen etwas besser als Risperidon, aber vom Gewicht nur minimale Unterschiede von der Studienlage.
 
Zuletzt bearbeitet:
5. Amisulprid wäre vom Gewicht und Nebenwirkungen etwas besser als Risperidon, aber vom Gewicht nur minimale Unterschiede von der Studienlage.
Bei mir war das Amisulprid da deutlich besser, von Risperidon ist bei Gewichtsproblemen generell eher abzuraten. Einmal wegen 5HT-2C wird immer noch zu stark gedämpft und (de-) reguliert den Appetit, und dann komme ich mit einer starken 5HT2A-Komponente eines Wirkstoffs (beim Risperidon klassisch) nicht zurecht, diese macht mich ebenfalls müde / spürbar (!) gedämpft und hungrig. Und dann gibt es immer noch den Themenkreis, was kann ich besser runterdosieren und die Wirkung ist nicht stark davon beeinträchtigt, hier kann ich auch nur sagen, dass das Amisulprid dem Risperidon eigentlich fast schon überlegen war - trotz seiner intrinsisch in der Eindosierung zunächst schwach Dopamin-anregenden Wirkung.
 
Vielen Dank für die tollen informativen antworten! Ich werde meinen Arzt diesbezüglich befragen, das gibt mir Hoffnung denn das risperidon ist kaum zu ertragen!
 
Ich wohne in Deutschland-es gibt hier leider kein lurasidon habe ich gelesen, wiso gibt es das nicht wenn es so gut wirkt? In der Nebenwirkungen Liste hier im Forum Schneidet es am besten ab…
 
Ich wohne in Deutschland-es gibt hier leider kein lurasidon habe ich gelesen, wiso gibt es das nicht wenn es so gut wirkt? In der Nebenwirkungen Liste hier im Forum Schneidet es am besten ab…

Mit KI erstellt:
Kurzfassung: Lurasidon ist in der EU zugelassen, war in Deutschland aber lange Zeit nicht regulär erhältlich – nicht wegen mangelnder Wirksamkeit oder schlechter Verträglichkeit, sondern aus gesundheitspolitischen und wirtschaftlichen Gründen. Die gute Nebenwirkungsbilanz erklärt, warum es in Foren oft positiv bewertet wird, sie reicht im deutschen System allein jedoch nicht aus.

Warum Lurasidon in Deutschland (lange) nicht verfügbar war​

🏛️ AMNOG‑Bewertung & Erstattungslogik

  • In Deutschland entscheidet nach der Zulassung nicht nur die EMA, sondern auch das AMNOG‑Verfahren, ob ein neues Medikament einen „Zusatznutzen“ gegenüber bestehenden Therapien zeigt.
  • Für Lurasidon wurde dieser Zusatznutzen in den frühen Bewertungen nicht anerkannt.
  • Ohne anerkannten Zusatznutzen darf kein höherer Preis verlangt werden → wirtschaftlich unattraktiv für den Hersteller.

💶 Rückzug aus wirtschaftlichen Gründen​

  • Der damalige Hersteller (Takeda) zog Lurasidon 2015 nach nur wenigen Monaten wieder vom deutschen Markt zurück.
  • Begründung: keine kostendeckende Vermarktung möglich, nicht: mangelnde Wirksamkeit oder Sicherheitsprobleme.

Warum es trotzdem als „gut verträglich“ gilt​

🧠 Pharmakologisches Profil

  • Geringe Affinität zu H1‑, M1‑ und α1‑Rezeptoren
  • weniger Gewichtszunahme, weniger Sedierung, kaum anticholinerge Effekte
  • Kaum metabolische Nebenwirkungen im Vergleich zu vielen anderen Atypika

📊 Studien & Erfahrungsberichte​

  • In Studien wirksam gegen Positiv‑ und Negativsymptome
  • In Foren schneidet es oft gut ab, weil:
    • wenig Gewichtszunahme
    • relativ klare Kognition
    • gute Alltagsverträglichkeit
Diese Punkte erklären, warum es in Nebenwirkungslisten häufig „oben“ steht – das widerspricht der Marktsituation nicht, sondern zeigt eine Lücke zwischen klinischer Erfahrung und Erstattungspolitik.

Aktueller Stand (wichtig)​

  • Lurasidon ist seit Ende 2020 wieder EU‑weit zugelassen, auch für Jugendliche ab 13 Jahren.
  • Die tatsächliche Verfügbarkeit in Deutschlandhängt jedoch weiterhin von:
    • Preisverhandlungen
    • Erstattungsstatus
    • Importmöglichkeiten
      ab.
In der Praxis wird es teils über Einzelimporte oder spezielle Verordnungen bezogen.

Fazit​

Lurasidon fehlt(e) in Deutschland nicht wegen schlechter Wirkung, sondern weil:
  • das deutsche Erstattungssystem klinische Vorteile nicht automatisch honoriert
  • wirtschaftliche Kriterien über Marktzugang entscheiden
Dass es in Nebenwirkungslisten gut abschneidet, ist konsistent mit der Studienlage – und erklärt, warum viele Betroffene es vermissen.

Wenn du möchtest, kann ich dir auch:
  • eine Einordnung im Vergleich zu ähnlichen Antipsychotika geben
  • oder erklären, welche Alternativen in Deutschland ein ähnliches Nebenwirkungsprofil haben.
Quellen: APOTHEKE ADHOC – Marktrückzug und erneute Zulassung von Latudaema.europa.euEuropean Medicines Agency (EMA) – Latuda (Lurasidon) EPARWikipedia – Lurasidon (Marktsituation Deutschland)
 
Aktueller Stand (wichtig)
  • Lurasidon ist seit Ende 2020 wieder EU‑weit zugelassen, auch für Jugendliche ab 13 Jahren.
  • Die tatsächliche Verfügbarkeit in Deutschlandhängt jedoch weiterhin von:
    • Preisverhandlungen
    • Erstattungsstatus
    • Importmöglichkeiten
      ab.


      In der Praxis wird es teils über Einzelimporte oder spezielle Verordnungen bezogen.
@Rinosek
In der Tabelle gehört es zu den vier verträglichsten, wobei diese individuelle Unterschiede haben und drei davon ja Partialagonisten sind. Die Reihenfolge ist da nur grob, da die drei darüber Partialagonisten sind.

Du könntest deinen Psychiater trotzdem fragen, da man es normal über Import Auslandapotheken beziehen kann und je die EMA Zulassung in der EU hat.

1000€ und mehr für Risperdal ISM (also einfaches Risperdal aus den 90er Jahren was man für 20€ bekommt) hat man. Dieses Risperdal Depot hat bis ca. 2035 ein Patent.
Will nur sagen, für solche Spilenzien ist Geld da.
Auch für andere Depots hat man unnötig viel Geld übrig.

Lurasidon und Brexpiprazol würden vermutlich einen Bruchteil davon kosten, aber so ist unser System.
Für jene die den Rachen kaum voll genug bekommen, ist immer Geld da.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich nehme im Moment 75mg xeplion (Spritze Paliperidon) sowie 1mg risperidon

Ich bin froh mich hier angemeldet zu haben, tolles Forum hier:-)
 
Der Sinn erschliesst sich mir nicht, zum Xeplion noch Risperidon Tabletten verschrieben zu bekommen. Ist doch ein und dasselbe:)
Paliperidon und Risperidon waren für mich die Hölle, nun gut jeder reagiert anders. Olanzapin geht wohl auch nicht bei deinem Gewicht. Vielleicht das Amisulprid mal probieren?
 
Ich hatte erst 100mg xeplion (Paliperidon Spritze) da konnte ich mich kaum bewegen.

Dann wurde auf 75mg xeplion reduziert dann hatte ich Unruhe und gedankenrasen
Dann hat man 1mg risperidon dazugegeben

Wie gesagt bin mit der aktuellen medikation sehr unzufrieden und das Abilify macht halt unruhig, habe auch immer mit den Füßen gewippt
Hatte schonmal 400mg abilifyspritze, 300mg und auch Tabletten 10-20mg…
 
Ich habe 150mg Xeplion. Ausser dass ich wenig fühlen kann habe ich keine Nebenwirkungen. Ist aber trotzdem doof.
 
Wie gesagt bin mit der aktuellen medikation sehr unzufrieden und das Abilify macht halt unruhig, habe auch immer mit den Füßen gewippt
Hatte schonmal 400mg abilifyspritze, 300mg und auch Tabletten 10-20mg…
Wenn D2 über 80 % blockiert werden, dann entsteht Akathisie oder auch innere Unruhe. Bei Aripiprazol geht das bis zu 95 %, was bei Antagonisten im toxischen Bereich wäre. Der D2-Partialagonismus schafft also höhere Blockaden und kleinste Dosierungen Aripiprazol (5 mg) können schon im akut wirksamen Bereich ca. 60–80 % liegen.

@Rinosek
Du könntest beides, also die Depotinjektion weglassen und Risperidon absetzen, und direkt auf 5mg Aripiprazol wechseln.

Akathisie (Sitzunruhe / hängt mit innerer Unruhe zusammen) tritt beim Aripiprazol dosisabhängig auf. Bei 5 mg sollte das nur minimal sein und dann könntest du gegen den Rest an innerer Unruhe später im Verlauf das Bupropion SNDRI-Antidepressivum ergänzen, was diese Restunruhe lindern kann.

Einfachster Weg:
Bitte frag deinen Psychiater, ob du 7,5mg (15mg geteilt) Aripiprazol ausprobieren kannst, die du dann immer noch auf max. 10 mg aufdosieren könntest.
Das Paliperidon-Depot und das Risperidon solltest du dann direkt absetzen, wenn du das Aripiprazol neu ansetzt. Das sollte kein Problem sein.


KI-Einordnung als Beleg:

Kurzkommentar: Deine Antwort ist inhaltlich korrekt und lässt sich sehr gut durch PET‑Studien untermauern. Die Studienlage zeigt klar, dass bereits sehr niedrige Aripiprazol‑Dosen (2–5 mg) bei vielen Menschen D2‑Belegungen im therapeutisch relevanten Bereich erreichen – weitgehend unabhängig vom Körpergewicht.


Kommentierung zur Aussage des Fragestellers​

Das geschilderte ständige Füßewippen und die innere Unruhe passen sehr typisch zu Akathisie, einer bekannten Nebenwirkung von Aripiprazol. Wichtig ist dabei:
  • Akathisie korreliert nicht primär mit der nominellen Dosis, sondern mit der D2‑Rezeptorbelegung
  • Aripiprazol erreicht aufgrund seines Partialagonismus sehr hohe Belegungen, ohne klassische EPS‑Marker auszulösen
  • Subjektiv wird das jedoch häufig als starke Unruhe erlebt
Deine Erklärung greift diesen Mechanismus korrekt auf.


Studienlage zur D2‑Belegung bei niedrigen Dosen​

🧠 PET‑Studien (Kegeles et al., 2007)​

In einer zentralen PET‑Studie mit [¹⁸F]‑Fallypride zeigte sich:
  • 2 mg Aripiprazol: ca. 65 % D2‑Belegung
  • 5 mg: typischerweise 70–80 %
  • 10–30 mg: häufig >90 %
  • ED50 ≈ 2 mg (Dosis für 50 % Belegung)
Diese Werte gelten sowohl striatal als auch extrastriatal, also ohne „Schonung“ bestimmter Hirnareale Journal of Nuclear Medicine.

➡️ Das stützt deine Aussage, dass 5 mg bereits im akut wirksamen Bereich liegen.


🧪 Partialagonisten‑Spezifikum​

Eine große Übersichtsarbeit aus Deutschland (Gründer et al., 2022) fasst zusammen:
  • Für D2‑Antagonisten liegt der therapeutische Bereich bei 65–80 %
  • Für Partialagonisten (Aripiprazol, Brexpiprazol, Cariprazin) ist eine sehr hohe Belegung (>90 %) oft Voraussetzung für antipsychotische Wirkung
  • Gleichzeitig steigt mit zunehmender Belegung das Risiko für Akathisie und innere Unruhe, auch ohne klassische EPS Frontiers.
Das erklärt, warum Aripiprazol:
  • formal „gut verträglich“ gilt
  • subjektiv aber häufig als aktivierend oder quälend erlebt wird


Körpergewicht vs. Dosis – warum 130 kg nicht zwingend mehr brauchen​

Mehrere PET‑Studien zeigen:
  • Die D2‑Belegung korreliert stärker mit Plasmaspiegeln als mit Körpergewicht
  • Aripiprazol ist:
    • hochlipophil
    • stark protein‑gebunden
    • metabolisch individuell sehr variabel (CYP2D6/3A4)
➡️ Körpergewicht ist kein verlässlicher Prädiktor für notwendige Dosis
➡️ Auch bei 130 kg können 5 mg bereits 70–80 % Belegung erzeugen

Das unterscheidet Aripiprazol deutlich von klassischen Antagonisten.


Einordnung deiner Antwort​

Deine Kernaussagen sind wissenschaftlich gut gedeckt:
  • ✔️ Akathisie ab ~80 % D2‑Belegung
  • ✔️ Aripiprazol erreicht bis ~95 % Belegung
  • ✔️ 5 mg können bereits therapeutisch (und nebenwirkungsrelevant) sein
  • ✔️ Gewicht spielt eine untergeordnete Rolle

Fazit​

Die Studienlage stützt deine Argumentation sehr gut. Die Erfahrung des Fragestellers ist kein Einzelfall, sondern passt exakt zu dem, was PET‑Daten seit Jahren zeigen:
Aripiprazol ist ein Hoch‑Occupancy‑Wirkstoff – auch in niedriger Dosis.

Wenn du willst, kann ich dir daraus auch eine kompakte, forumstaugliche Kurzfassung oder eine grafische Vergleichstabelle (Aripiprazol vs. Antagonisten) formulieren.

Quellen:
PET‑Dose‑Occupancy‑Studie Aripiprazol Journal of Nuclear Medicine
Gründer et al., Frontiers in Psychiatry 2022 Frontiers
 
Zurück
Oben