Hallo Kiwi,
Ich habe mich nach langer Zeit des Mitlesens ohne registriert zu sein eben wieder angemeldet,um dir zu antworten.
Ich hatte im Sommer 21 eine erste schwere psychotische Episode.
In einer langen Zeit danach habe ich mich ähnlich gefühlt wie du jetzt.
Schwere,Leere,Verzweiflung.
Ich habe auch die Tage damit verbracht,auf Anzeichen einer Besserung zu warten,Tag für Tag.
Zu allem Überfluss hatte ich plötzlich Ängste,die ich vorher nie gekannt hatte.
Heute geht es mir deutlich besser.
Das liegt zum einen wohl daran,dass mir nach 2 Jahren ein Antidepressivum verschrieben wurde,nachdem ich meiner Ärztin sagte,dass ich keine positiven Gedanken mehr hätte.Und das hat eine sehr gute Wirkung gezeigt bei mir,Glück gehabt.
Seitdem sind Gedächtnis- und Konzentrationsschwierigkeiten passé und Gefühle und Gedanken haben wieder "Luft zum Atmen".Die Ängste sind beruhigt.
Was aber von den Medikamenten unabhängig eine grosse Rolle gespielt hat,war die Zeit.
Der Abstand zum Erlebten.
Die Möglichkeit,die eigene Wahrnehmung als wieder zuverlässig zu erleben.
Es gab Zeiten,zu denen es mir kaum möglich war eine kleines Gespräch zu führen,weil mir einfach die Gedankenimpulse fehlten.
Und wenn ich kommunizierte,war ich nach kurzer Zeit erschöpft,mir wurde schwindelig und ich bekam Kopfschmerzen.
Ich war äusserst einsilbig unterwegs und fühlte mich vollumfänglich blockiert.Es gab keinen anregenden -geschweige denn erfüllenden- Austausch mit der Umwelt mehr,egal in welchem Bereich.Extrem belastend.
Mit der Zeit die verging,ist es langsam besser geworden.
Ich habe immer darauf gewartet,dass es "klick" macht,und ich wieder empfinde und denke wie vor der Krankheitsphase.
So ist es nicht gelaufen.
Es war ein fast unmerklicher,langsamer Prozess.
Nun fühle ich mich wieder.
Kann den Moment geniessen.
Mich erinnern und gelassener ans Morgen denken.
Auch mal richtig doll lachen.
Da ist wieder Vorfreude und es werden Erinnerungen gemacht und genossen.
Beziehungen fühlen sich wieder vertraut an.
Es ist eigentlich auch ein komischer Gedanke,wieder so sein zu wollen,wie man mal war,finde ich jetzt.
Ich verstehe zwar woher der Wunsch kommt-das "alte Ich" bot mir eine Orientierung nach der extrem verstörenden Erfahrung in der Psychose in der ich mein Selbstbewusstsein verloren hatte.
Aber es ist weitergegangen.Und ich bin daran gewachsen.
Also bin ich natürlich nicht mehr die,die ich vor 3 Jahren war.
Und in 3 Jahren werde ich nicht mehr die sein,die ich jetzt bin.
Und den Gedanken find ich mittlerweile sogar schön,weil es auch bedeutet,dass das Leben wieder stattfindet und seine Spuren an mir hinterlässt.
Und dafür bin ich sehr dankbar,was widerum ein schönes Gefühl ist
Ich wünsch dir,dass du dir die Zeit nehmen und gönnen kannst,um dich gut und gründlich zu erholen.
Es wird wieder anders werden,und mit hoher Wahscheinlichkeit besser.
Liebe Grüsse
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