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“It is plausible that this strategy prevents potential dopaminergic supersensitivity.”
– Prof. Dr. Stephen M. Stahl

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Meine Mutter befindet sich aktuell in einer Psychose - Wie kann ich ihr helfen?

Andreas91

New member
Hallo zusammen,

meine Mutter hat seit sie ca. 20 Jahre alt ist die Krankheit Schizoaffektive Störung. Sie ist jetzt 53 Jahre Alt und die Krankheit ist erneut ausgebrochen. Sie nimmt Abilify 400 mg Depot. Leider hilft das ihr nicht wirklich. Sie hat Paranoia und ist getrieben vom Wahn, bestimmt Dinge zu erledigen.

Ihre Paranoia zeichnet sich aus indem sie nicht mehr arbeiten geht. Sie glaubt, dass es ihr wegen anderen Menschen schlecht geht und sie sich deshalb isoliert hat. Gleichzeitig hat sie ein Misstrauen gegenüber Ärzte in ihrer Stadt entwickelt, so dass ich sie nicht mehr überreden kann, eine Klinik aufzusuchen. Auch gegenüber Kliniken außerhalb der Stadt, wehrt sie sich. Ihre Argumente sind, dass es ihr es am nächsten Tag besser geht, wenn sie alleine ist. Sie glaubt auch dran, dass sie einen Reha Platz bekommt für psychisch kranke, wo es ihr dann besser gehen wird. Der Reha Platz ist jedoch noch nicht beantragt und ich befürchte, dass das 3 bis 6 Monate dauert, bis sie dort unterkommt. Sie sucht ständig ausreden, gegenüber einen Aufenthalt in der Klinik. Gleichzeitig möchte sie auch auf keinen Fall ihre alten Medikamente (ich glaube es heißt Risperdal) nehmen. Diese waren in der Vergangenheit sehr gut und sie konnte Symptom frei Leben. Leider hatte sie die Nebenwirkungen, dass ihr Appetit angeregt wurde und sie dadurch Zunahm. Das ist auch der Grund, warum sie auf abilify umgestiegen ist. Um das zu erreichen, hat sie ihren Psychiater gewechselt. Sie hat fast alle Kontakte in WhatsApp blockiert, bis auf mich und ihre Schwester und möchte mit keinem reden. Generell hat sie in letzter Zeit ihre Ärzte gewechselt, sobald ihr etwas nicht gepasst hat. Einmal hat sie mitbekommen, dass nicht der Arzt selber ihre spritze gemischt hat, sondern eine Angestellte. Laut ihr hat die Angestellte das falsch gemacht und deshalb wirkt die Spritze nicht. Direkt am nächsten Tag hat sie mich angerufen und darüber ihren Frust abgelassen. Sie hat nun eine neue Hausärztin die ihre die Spritze bisher einmal verabreicht hat.

Ihr Wahn zeichnet sich dadurch aus, dass irgendwelche Dinge im Kopf hat, die sofort und dringend erledigt werden müssen. Beispiel sind, Objekte aus ihrer Wohnung zu entfernen, oder dass sie plötzlich dringend spenden muss.

Heute wollte ich sie besuchen, da sie mich gestern drum gebeten hat. Vorher angekommen, wurde ich drum gebeten wieder nach Hause zu gehen, weil sie alleine sein muss damit es ihr besser geht. Der Grund warum es ihr schlecht ging, lag aus ihrer Sicht, an ihrer Nachbarin. Ich habe sie versucht zu überreden, in eine Klinik zu gehen für professionelle Hilfe. Sobald man das erwähnt wird sie wütend und auch laut und verneint dies. Sie möchte auf keinen Fall in eine Klinik, da sie auch erst 1 Monat krank geschrieben ist und andere länger Zeit haben krankgeschrieben zu sein, laut ihr. Als ich in ihre Wohnung gesehen habe, lagen ebenfalls ganz viele alte Fotos sortiert auf dem Boden. Sie war auch kurz draussen und ist wirr umher gelaufen um an bestimmten Stellen etwas aufzusammeln oder hin zu legen. Gleichzeitig hat sie mich ständig darum endlich zu gehen. Ich stand draussen verzweifelt und wusste nicht so Recht was ich tun sollte. Ihr Zustand machte auf mich keinen guten Eindruck. Am Ende bin ich gegangen.

Die Krankheit wurde in den letzten Wochen immer intensiver. Vor über einem Monat war sie noch auf der Arbeit und wollte zum Anwalt und Betriebsrat um mehr Homeoffice Tage durch zu bekommen, da ihre Abteilung nur 1 Tag Home Office hatte, während andere Abteilungen mehrere Tage HO haben. Dazu kommt, dass sie neidisch auf einen jungen Kollegen war, der wohl vom Chef immer gelobt wurde, weil der Chef ihn befördern möchte. Sie selbst wollte aber ebenfalls befördert werden. Vor ca. 4 Wochen hat sie immer über ihre Krankheit geredet und die Ursache dafür in ihrer Vergangenheit gefunden. Das hat sie allen erzählt. Sie hat mir gesagt, dass wenn sie das allen erzählt, wird es ihr besser gehen. Nachdem sie das allen erzählt hatte, kam die Phase, wo sie Abstand suchte und alle am Handy blockierte.
In den letzten 4 Wochen hat sie ebenfalls gesagt, dass sie weg ziehen muss, am besten 200 bis 300 km weg. Wo sie keiner kennt, da jeder auf der Arbeit von ihrer Krankheit weiß und alle Leute darüber sprechen. Auch die Ärzte sprechen laut ihr über sie und ihre Krankheit.

Aus meiner Sicht, der Sicht meiner Tante und den Nachbarn, muss sie dringend in eine Klinik um professionelle Hilfe zu bekommen. Leider schaffe ich es nicht, sie davon zu überzeugen mit in die Notfall Aufnahme zu kommen.

Meine Mutter ist aktuell bei einer Psychaterin in Behandlung. Mit ihr, meiner Mutter und mir gab es auch ein Gespräch, wo sie meine Mutter dazu bewegen wollte, zusätzlich abilify Medikamente einzunehmen. Dies war vergeblich. Die Psychaterin hat leider bis zum 01.06. Urlaub.

Mich und alle anderen Angehörigen belastet die Situation gerade sehr. Ich stehe kurz vor einem Job Wechsel und würde sie gerne täglich in professionellen Händen haben, da sie auch fast täglich von morgens bis abends schreibt und anruft, um ihre wahnhaften Aufgaben zu erledigen.

Ich dachte mir, ich Frage mal hier im Forum um Rat. Vielleicht hat jemand hier eine ähnliche Situation gehabt und es geschafft, dass die betroffene Person, sich freiwillig in eine Klinik begeben hat.

Gerne würde ich auch meine Mutter Zwangs einweisen lassen, da sie nicht mehr Herr über ihre eigenen Gedanken ist. Hat hier jemand Erfahrung mit? Ist es möglich die 110 oder 112 zu wählen um jemanden zu holen, der sich ihren Zustand vor Ort Anschauen und bewerten kann und sie auch in eine Klinik einweist? Die letzten Psychoseschübe haben alle damit geendet, dass meine Mutter freiwillig in eine Klinik gegangen ist. Es gab eine Freundin, die sie überreden konnte. Leider kann sie in ihrem jetzigen Zustand die Freundin nicht leiden, da sie aus ihrer Sicht eine "Verräterin" ist. Sie wurde ebenfalls blockiert.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Solange deine Mutter nicht eigen oder fremdgefährdend ist kann man leider (oder auch zum Glück)nichts machen. Bleibe doch dabei es ihr vorzuschlagen. Vielleicht geht sie wenn ihr Zustand sich verschlechtert. Es tut mir leid dass du das mit ansehen musst. Ist bestimmt nicht so leicht. Du könntest in eine Angehörigen Selbsthilfegruppe gehen. Diese gibt es oft in Psychiatrien.
 
Leider hatte sie die Nebenwirkungen, dass ihr Appetit angeregt wurde und sie dadurch Zunahm. Das ist auch der Grund, warum sie auf abilify umgestiegen ist. Um das zu erreichen, hat sie ihren Psychiater gewechselt. Sie hat fast alle Kontakte in WhatsApp blockiert, bis auf mich und ihre Schwester und möchte mit keinem reden
Das hört sich aber alles nicht so unvernünftig an, und schon gar nicht psychotisch. Eine 400mg-Spritze Aripiprazol wirkt nicht? Vielleicht bist du überbesorgt! Schau dir mal die Statistiken an, wieviele Menschen 20 Jahre früher sterben, weil sie durch die Gewichtszunahme und die erschwerte Tabakabstinenz diese Jahre eben verlieren, da gönnst du deiner Mutter doch etwas Besseres!


zusätzlich abilify Medikamente einzunehmen. Dies war vergeblich.
Hat auch seinen guten Grund gehabt. Risperidon wurde durch die große Dosis Aripiprazol (es gibt noch eine 300 mg-Spritze) ersetzt, seitdem gesteigerte Aktivität.

In den USA hat eine Universität einmal rausgehauen, dass die mid-ager vielleicht gar keine Neuroleptika mehr brauchen... Ich kann das nicht selbst beurteilen, weil ich selbst zu dieser Altersgruppe gehöre, es wäre jedoch weitere Recherchen wert. Wir Schizophrenen sind keine Abfallkübel für die Sonderwünsche und Tricks der Pharmaindustrie, sich eventuell einen Zugang zu einem bloßen Abnehmer von deren Produkten zu erschleichen!
 
Wenn es schlimmer wird mit deiner Mutter würde ich die 112 wählen und sie einweisen lassen. Du musst halt Gründe finden, dass sie sie mitnehmen.
Ist sie evtl. eigengefährdet?
 
Das ist auch der Grund, warum sie auf abilify umgestiegen ist. Um das zu erreichen, hat sie ihren Psychiater gewechselt. Sie hat fast alle Kontakte in WhatsApp blockiert, bis auf mich und ihre Schwester und möchte mit keinem reden. Generell hat sie in letzter Zeit ihre Ärzte gewechselt, sobald ihr etwas nicht gepasst hat. Einmal hat sie mitbekommen, dass nicht der Arzt selber ihre spritze gemischt hat, sondern eine Angestellte. Laut ihr hat die Angestellte das falsch gemacht und deshalb wirkt die Spritze nicht. Direkt am nächsten Tag hat sie mich angerufen und darüber ihren Frust abgelassen. Sie hat nun eine neue Hausärztin die ihre die Spritze bisher einmal verabreicht hat.
@Andreas91
Bei mir ist es von den früheren Diagnosen her ähnlich: F20 (paranoide Psychose) und F25.2 gemischte schizoaffektive Psychose. Das kann sich ja im Verlauf ändern, und schizoaffektiv F25 zeigt häufig auch die Möglichkeit eines besseren Verlaufs auf als eine reine F20 Diagnose.

Seit wann ist sie auf das Aripiprazol-Depot umgestiegen?

Abilify ist an sich ein vergleichsweise sehr verträgliches Antipsychotikum. Angesichts dessen ist ihr Schritt mit der Umstellung in meinen Augen richtig.
Es kann sein, dass sie Supersensitivität bereits vorher hatte, da es bei den atypischen Antagonisten über die Jahre Dauereinnahme zu dieser Problematik kommen kann, dass Betroffene immer höhere Dosierungen benötigen.

Aripiprazol ist ein Partialagonist, der da geringere Risiken hat, starke Rezeptorblockaden macht und aufgrund des Partialagonismus das Risiko bei Überdosierung zumindest geringer ist.

Was du beschreibst, ist ein Verfolgungswahn, wobei keiner wirklich beweisen kann, ob die Angestellte die Spritze vielleicht wirklich anders gemischt hat, als es vorgeschrieben ist. Ich finde, es ist von daher okay, und ein zusätzlicher Kontakt bei der Psychiaterin ist aktuell eher positiv, da ihr da etwas engere Termine helfen.
=> Gute Entscheidung, die ihr nützt, auch wenn die Angestellte alles richtig gemaacht hat.


Risperidon ist schlimm und Paliperidon, der aktive Metabolit, ist teils noch unverträglicher. Das habe ich auch zu Beginn der Behandlung 2010/11 bekommen und es war kein Leben. Vor allem ein Beruf kann mit diesen Wirkstoffen eine einzige Qual sein, da man dann völlig weggetreten sein kann und entsprechend selbst einfachste Aufgaben zur extremen Herausforderung werden. Bei mir hat es körperlich zu einem Leistungseinbruch geführt. Nach 5–15 min etwas schwerer Waldarbeit, war ich damals fix und fertig und kopfmäßig eine Eigen- und Fremdgefährdung, da die Einschränkungen zumindest bei mir sehr gravierend waren. Solche eher dämpfenden Wirkstoffe können zu Beginn einer Therapie stehen und da vielleicht auch in manchen Fällen richtig oder angebracht sein, aber als Patient sehe ich vorwiegend bei diesen Wirkstoffen einen extremen ökonomischen Druck.
=> Deine Mutter liegt richtig.


Ihr Wahn zeichnet sich dadurch aus, dass irgendwelche Dinge im Kopf hat, die sofort und dringend erledigt werden müssen. Beispiel sind, Objekte aus ihrer Wohnung zu entfernen, oder dass sie plötzlich dringend spenden muss.
Das hatte ich auch mit dem Spenden. Ansonsten: Was ist bei dir dein normaler innerer Antrieb und deine Motivation? Das zeichnet sich bei Betroffenen als Wahn ab. Dieser ist schwieriger zu behandeln und hat viel damit zu tun, sich selbst und die Diagnose zu verstehen und Resilienz zu entwickeln.
Das mit den Objekten klingt eher nach einem leichten Zwang, wobei andersherum ein Messiesyndrom, bei dem man sich zumüllt, das in meinen Augen problematischere Problem ist. Viele Betroffene tun sich ja schwer, ihre Wohnung zu putzen oder ausreichend Körperpflege zu betreiben, wenn man gerade keinen Sauberkeitswahn hat.

Um ihr zu helfen, würde ich sogar vorschlagen, dass sie bei ihrer Psychiaterin zusätzlich nach Bupropion fragt.
Bupropion ist ein ideales Add-on, als NDRI-Antidepressivum moduliert es präfrontales Dopamin über NET (Aggressivität und Reizbarkeit, innere Unruhe werden reduziert). Dopamin im Striatum moduliert es auf eine halluzinationsreduzierende Art, da zu leise Dopaminsignale verstärkt werden. Somit verbessert sich die Wahrnehmung und das Gehirn muss weniger Gedächtnislücken durch Fantasie und Halluzinationen füllen.
Antipsychotika wie Aripiprazol schneiden die zu lauten Dopaminsignale ohnehin verlässlich ab. Damit werden leise Dopaminsignale auch klarer.

Also wie eine Schere. Antipsychotika schneiden zu laute Dopaminsignale ab. Bupropion verstärkt zu schwache Dopaminsignale, ohne die lauteren zu verstärken, da bei den Lauteren die präsynaptischen Autorezeptoren das Dopamin verzögert freigeben müssen, da es sich wie ein Stau länger im synaptischen Spalt bleibt.

Bupropion hat ein Verhältnis von 2:1 von NET zu DAT. NET ist der Noradrenalintransporter. Dieser baut präfrontales Dopamin ab und wiederverwertet es teilweise. Diese präfrontale Gehirnregion ist bei Schizophrenie häufig unterversorgt, was Negativsymptome, Unruhe und Reizbarkeit fördert. Wenn man Medikamente absetzt, dann bricht diese präfrontale Kontrolle weg, dann wird man reizbar und empfindlich für Kritik und andere Probleme.
Die DAT-Wirkung über den Dopamintransporter wirkt überwiegend im Striatum, wo viele Dopamintransporter sind. Dort dämpfen die Antipsychotika selbst die Überschüsse herunter, wobei Bupropion die leiseren Signale dort verstärkt,.
Das ist wie wenn man vor dem Fernseher sitzt und zwei sich lautstark über etwas anderes unterhalten und alles andere übertönen. Antipsychotika machen die Allgemeinlautstärke leiser und Bupropion stellt das Fernsehgerät etwas lauter oder die Bildqualität schärfer. Damit muss man sich dann weniger zusammenfantasieren, da weniger übertönt wird.

Ich würde ihr also empfehlen, Bupropion zum Aripiprazol-Depot zu ergänzen. Fallberichte zeigen Verbesserungen im PANSS von 100 auf 50 oder von 100 auf 40, bei einer Neueinstellung mit zusätzlich Bupropion bei bestehender Medikation.
Das kann für deine Mutter ein weiterer großer Schritt sein. Da Bupropion an sich sehr verträglich ist und bereits 150 mg in Studien diese hohe Wirkung gezeigt haben, bedeutet das Medikament keine Zusatzbelastung, also nimmt von der Wirkweise das Antipsychotikum viel ab und verbessert Motivation und Antrieb für die normalen Dinge.

https://journals.lww.com/clinicalne...and_benefits_of_bupropion_treatment_in.5.aspx

Du solltest mit deiner Mutter also eher darüber sprechen, ob sie sich zusätzlich Bupropion vorstellen kann, da dies auch die leichte innere Unruhe, die Aripiprazol hinterlässt, gut ausgleichen kann.
 
Heute wollte ich sie besuchen, da sie mich gestern drum gebeten hat. Vorher angekommen, wurde ich drum gebeten wieder nach Hause zu gehen, weil sie alleine sein muss damit es ihr besser geht. Der Grund warum es ihr schlecht ging, lag aus ihrer Sicht, an ihrer Nachbarin. Ich habe sie versucht zu überreden, in eine Klinik zu gehen für professionelle Hilfe. Sobald man das erwähnt wird sie wütend und auch laut und verneint dies. Sie möchte auf keinen Fall in eine Klinik, da sie auch erst 1 Monat krank geschrieben ist und andere länger Zeit haben krankgeschrieben zu sein, laut ihr. Als ich in ihre Wohnung gesehen habe, lagen ebenfalls ganz viele alte Fotos sortiert auf dem Boden. Sie war auch kurz draussen und ist wirr umher gelaufen um an bestimmten Stellen etwas aufzusammeln oder hin zu legen. Gleichzeitig hat sie mich ständig darum endlich zu gehen. Ich stand draussen verzweifelt und wusste nicht so Recht was ich tun sollte. Ihr Zustand machte auf mich keinen guten Eindruck. Am Ende bin ich gegangen.
Seit wann nimmt sie denn Aripiprazol und wie zufrieden ist sie selbst mit dem Wirkstoff? Man muss sich auch erst mal an eine Umstellung und veränderte Wahrnehmung gewöhnen. Restsymptome hat man mit jedem Antipsychotikum, und nur weil sie von außen einen gesunden Eindruck macht, sagt das wenig über ihr Innenleben aus, wie man sich selbst mit den jeweiligen Medikamenten fühlt.
Sie benötigt auch keine Klinik in dem Fall, in dem sie gesichert das Aripiprazol verlässlich nimmt. Bupropion als Addon zu ergänzen, kann man auch ambulant machen, und es ist nur ein Antidepressivum, die eher milderen Wirkstoffe, die wie Smarties teils eingesetzt werden.

Einziges Problem: Sie müsste dann das Aripiprazol-Depot eher um einen Schritt reduzieren (falls möglich) oder die Tablettenform von Aripiprazol einnehmen. Bupropion steigert den Blutspiegel vom Aripiprazol um ca. 50 % = 1,5-fach, da es einen Abbauweg über CYP2D6 hemmt.
Vielleicht hast du ihre genaue Depotgröße, da sie dann das nächstkleinere nehmen könnte.

Wie viele Monate hat sie das Aripiprazol schon in Depotform und welche Wirkstoffe, Depot und Dosierungen hatte sie vorher? Nimmt sie noch weitere Medikamente ein?

In den letzten 4 Wochen hat sie ebenfalls gesagt, dass sie weg ziehen muss, am besten 200 bis 300 km weg. Wo sie keiner kennt, da jeder auf der Arbeit von ihrer Krankheit weiß und alle Leute darüber sprechen. Auch die Ärzte sprechen laut ihr über sie und ihre Krankheit.
Meinst du jetzt, dass sie Stimmen hat, in denen Ärzte über sie sprechen? Weißt du, ob sie den Arzttermin wahrgenommen hat und wirklich ein Depot nimmt? Kann sein, dass sie dir auch eine Geschichte auftischt. Wäre also für dich als Sohn vielleicht gut, dich bei ihrem Psychiater über die Medikamenteneinnahme genau zu erkundigen, da sie dir auch etwas auftischen kann, was du hören sollst, obwohl sie beispielsweise Aripiprazol-Tabletten hat und diese nur sehr unregelmäßig einnimmt. Normalerweise ist Aripiprazol hochwirksam und dieses Misstrauen sollte geringer sein.
Es ist auch normal, dass Arbeitskollegen von so einer Diagnose Wind bekommen. Das ist keine Depression, die man unter Medikamenten verstecken oder komplett überspielen kann. Psychose ist kein Grund, sich zu verstecken.
Sie müsste das ja dann schon länger haben. Hat sie vorher die Medikamente abgesetzt? Wenn man die Aripiprazol-Depotspritze neu ansetzt, dann sollte man nach 2–4 Wochen auch aus einem schweren akuten Schub draußen sein.
Bupropion zusätzlich wäre gut, aber du müsstest wirklich sicher wissen, was sie an Medikamenten nimmt! Wenn sie sich über die Angestellte beschwert hat, dann wollte sie vielleicht daheim keine Spritze, und in der Praxis lässt sie sich ein Tablettenrezept geben und lügt dich mit der Depot-Einnahme komplett an. Das würde auch die fehlende Wirkung erklären.

Du könntest bei ihrem Psychiater anrufen und fragen, ob sie tatsächlich ein Depot bekommt, oder bist du dabei? Wenn die Angestellte etwa Hausbesuche macht, dann würdest du das vielleicht mitbekommen, wenn sie es sich in der Praxis von der Psychiater:in geben lässt, dann kann sie dich auch anlügen, indem sie weiß, dass du bei bestehender Medikamenteneinnahme wenig machen kannst und da auch eine Klinikeinweisung übertrieben wäre.

Der Psychiater kann die Medikamentenspiegel überprüfen,, falls sie doch nur Tabletten hat, denn das würde eher passen, und dass sie dir dann so eine Geschichte auftischt, damit ihr sie mit Antipsychotika in Ruhe lasst, da eine Spritze Aripiprazol-Depot im Normalfall ausreichen würde um einen bei vorherig fehlender Medikamenteeinnahme aus einen Schub zu bringen. 2–4 Wochen dauert das dann auch.

Wer ist die Betreuung deiner Mutter? Sie kann sich ja kaum selbst betreuen.

110 bringt dir in dem, was du beschrieben hast, wenig, da ist mir zumindest nichts Hervorstechendes aufgefallen, was man als konkrete Eigen- und Fremdgefährdung sehen kann. Da müsstest du eben schauen, ob sie überhaupt in dem Zustand ihren Job machen kann. Klinik hilft, wenn viele Baustellen da sind und sie wirklich keine Antipsychotika einnimmt (ich glaube, da lügt sie). Aripiprazol kann leichte Restsymptome wegen des Partialagonismus machen, aber wirkt sehr stark und verlässlich bei Akutsymptomen. Einzig wenn sie wirklich eine Resistenz hat und die Antipsychotika einnimmt, dann wäre Klinik für eine Neueinstellung wichtig. Also bei ihrem Psychiater nachfragen und dieser kann wenn sie doch Tabletten bekommt auch eine TDM (Therapeutisches Drug Monitoring) machen, also die Medikamentespiegel im Blut überprüfen um zu sehen was und ob sie überhaupt etwas einnimmt.

Der sozialpsychiatrische Dienst in deiner Nähe, wäre neben ihrem Psychiater:in erst einmal die erste Anlaufstelle. Da man dich als Angehörigen informieren muss und sie dir in einer von dir eher abgezeichneten Akutsituation sonst was erzählen kann, wenn du keinen Nachweis hast, ob sie tatsächlich die Spritze bekommt. Gibt Betroffnee die holen ihre Medikamente und Spritze beim Psychiater ab um sie hinterher wegzuwerfen. Also Rezept bei der Apotheke einlösen (schein gewahrt) und was hinterher passiert, das sieht ja keiner. Deswegen gibt es unter anderem auch TDM um die Blutspiegel der Wirkstoffe zu messen.

Ich sehe also nur, dass sie nichts einnimmt, und von den Symptomen ist es sehr ungewöhnlich, dass Aripiprazol derart schwach ist. Ja dann braucht es Klinik, aber eher über 112 oder sozialpsychiatrischen Dienst, solange sie kein echtes Risiko für sich und andere darstellt.

Wie lange hat sie Aripiprazol-Depot schon? 2–4 Wochen kann es schon dauern, bis man grob aus dem akuten Schub bei vorher fehlender antipsychotischer Einnahme draußen ist. Wenn sie aber kein Depot oder Tabletten einnimmt, dann kann auch nichts wirken.
 
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