Meine Mutter befindet sich aktuell in einer Psychose - Wie kann ich ihr helfen?
Das ist auch der Grund, warum sie auf abilify umgestiegen ist. Um das zu erreichen, hat sie ihren Psychiater gewechselt. Sie hat fast alle Kontakte in WhatsApp blockiert, bis auf mich und ihre Schwester und möchte mit keinem reden. Generell hat sie in letzter Zeit ihre Ärzte gewechselt, sobald ihr etwas nicht gepasst hat. Einmal hat sie mitbekommen, dass nicht der Arzt selber ihre spritze gemischt hat, sondern eine Angestellte. Laut ihr hat die Angestellte das falsch gemacht und deshalb wirkt die Spritze nicht. Direkt am nächsten Tag hat sie mich angerufen und darüber ihren Frust abgelassen. Sie hat nun eine neue Hausärztin die ihre die Spritze bisher einmal verabreicht hat.
@Andreas91
Bei mir ist es von den früheren Diagnosen her ähnlich: F20 (paranoide Psychose) und F25.2 gemischte schizoaffektive Psychose. Das kann sich ja im Verlauf ändern, und schizoaffektiv F25 zeigt häufig auch die Möglichkeit eines besseren Verlaufs auf als eine reine F20-Diagnose.
Seit wann genau ist sie auf das Aripiprazol-Depot umgestiegen und nahm sie ihre Medikamente vorher, wenn ja, welche und welche Dosierungen?
Abilify ist an sich ein vergleichsweise sehr verträgliches Antipsychotikum. Angesichts dessen ist ihr Schritt mit der Umstellung in meinen Augen richtig.
Es kann sein, dass sie Supersensitivität bereits vorher hatte, da es bei den atypischen Antagonisten über die Jahre Dauereinnahme zu dieser Problematik kommen kann, dass Betroffene immer höhere Dosierungen benötigen.
Aripiprazol ist ein Partialagonist, der da geringere Risiken hat, starke Rezeptorblockaden macht und aufgrund des Partialagonismus das Risiko bei Überdosierung zumindest geringer ist.
Was du beschreibst, ist ein Verfolgungswahn, wobei keiner wirklich beweisen kann, ob die Angestellte die Spritze vielleicht wirklich anders gemischt hat, als es vorgeschrieben ist. Ich finde, es ist von daher okay, und ein zusätzlicher Kontakt bei der Psychiaterin ist aktuell eher positiv, da ihr da etwas engere Termine helfen.
=> Gute Entscheidung, die ihr nützt, auch wenn die Angestellte alles richtig gemacht hat.
Risperidon ist schlimm und Paliperidon, der aktive Metabolit, ist teils noch unverträglicher. Das habe ich auch zu Beginn der Behandlung 2010/11 bekommen und es war kein Leben. Vor allem ein Beruf kann mit diesen Wirkstoffen eine einzige Qual sein, da man dann völlig weggetreten sein kann und entsprechend selbst einfachste Aufgaben zur extremen Herausforderung werden. Bei mir hat es körperlich zu einem Leistungseinbruch geführt. Nach 5–15 min etwas schwerer Waldarbeit, war ich damals fix und fertig und kopfmäßig eine Eigen- und Fremdgefährdung, da die Einschränkungen zumindest bei mir sehr gravierend waren. Solche eher dämpfenden Wirkstoffe können zu Beginn einer Therapie stehen und da vielleicht auch in manchen Fällen richtig oder angebracht sein, aber als Patient sehe ich vorwiegend bei diesen Wirkstoffen einen extremen ökonomischen Druck.
=> Deine Mutter liegt richtig.
Ihr Wahn zeichnet sich dadurch aus, dass irgendwelche Dinge im Kopf hat, die sofort und dringend erledigt werden müssen. Beispiel sind, Objekte aus ihrer Wohnung zu entfernen, oder dass sie plötzlich dringend spenden muss.
Das hatte ich auch mit dem Spenden. Ansonsten: Was ist bei dir dein normaler innerer Antrieb und deine Motivation? Das zeichnet sich bei Betroffenen als Wahn ab. Dieser ist schwieriger zu behandeln und hat viel damit zu tun, sich selbst und die Diagnose zu verstehen und Resilienz zu entwickeln.
Das mit den Objekten klingt eher nach einem leichten Zwang, wobei andersherum ein Messiesyndrom, bei dem man sich zumüllt, das in meinen Augen problematischere Problem ist. Viele Betroffene tun sich ja schwer, ihre Wohnung zu putzen oder ausreichend Körperpflege zu betreiben, wenn man gerade keinen Sauberkeitswahn hat.
Um ihr zu helfen, würde ich sogar vorschlagen, dass sie bei ihrer Psychiaterin zusätzlich nach Bupropion fragt.
Bupropion ist ein ideales Add-on, als NDRI-Antidepressivum moduliert es präfrontales Dopamin über NET (Aggressivität und Reizbarkeit, innere Unruhe werden reduziert). Dopamin im Striatum moduliert es auf eine halluzinationsreduzierende Art, da zu leise Dopaminsignale verstärkt werden. Somit verbessert sich die Wahrnehmung und das Gehirn muss weniger Gedächtnislücken durch Fantasie und Halluzinationen füllen.
Antipsychotika wie Aripiprazol schneiden die zu lauten Dopaminsignale ohnehin verlässlich ab. Damit werden leise Dopaminsignale auch klarer.
Also wie eine Schere. Antipsychotika schneiden zu laute Dopaminsignale ab. Bupropion verstärkt zu schwache Dopaminsignale, ohne die lauteren zu verstärken, da bei den Lauteren die präsynaptischen Autorezeptoren das Dopamin verzögert freigeben müssen, da es sich wie ein Stau länger im synaptischen Spalt bleibt.
Bupropion hat ein Verhältnis von 2:1 von NET zu DAT. NET ist der Noradrenalintransporter. Dieser baut präfrontales Dopamin ab und wiederverwertet es teilweise. Diese präfrontale Gehirnregion ist bei Schizophrenie häufig unterversorgt, was Negativsymptome, Unruhe und Reizbarkeit fördert. Wenn man Medikamente absetzt, dann bricht diese präfrontale Kontrolle weg, dann wird man reizbar und empfindlich für Kritik und andere Probleme.
Die DAT-Wirkung über den Dopamintransporter wirkt überwiegend im Striatum, wo viele Dopamintransporter sind. Dort dämpfen die Antipsychotika selbst die Überschüsse herunter, wobei Bupropion die leiseren Signale dort verstärkt,.
Das ist wie wenn man vor dem Fernseher sitzt und zwei sich lautstark über etwas anderes unterhalten und alles andere übertönen. Antipsychotika machen die Allgemeinlautstärke leiser und Bupropion stellt das Fernsehgerät etwas lauter oder die Bildqualität schärfer. Damit muss man sich dann weniger zusammenfantasieren, da weniger übertönt wird.
Ich würde ihr also empfehlen, Bupropion zum Aripiprazol-Depot zu ergänzen. Fallberichte zeigen Verbesserungen im PANSS von 100 auf 50 oder von 100 auf 40, bei einer Neueinstellung mit zusätzlich Bupropion bei bestehender Medikation.
Das kann für deine Mutter ein weiterer großer Schritt sein. Da Bupropion an sich sehr verträglich ist und bereits 150 mg in Studien diese hohe Wirkung gezeigt haben, bedeutet das Medikament keine Zusatzbelastung, also nimmt von der Wirkweise das Antipsychotikum viel ab und verbessert Motivation und Antrieb für die normalen Dinge.
Für zusätzlich Bupropion müsste sie dann mindestens beim Aripiprazol 400er auf das 300er Depot, da Bupropion den Aripiprazolspiegel um das 1,5-Fache steigern kann.
https://journals.lww.com/clinicalne...and_benefits_of_bupropion_treatment_in.5.aspx
Du solltest mit deiner Mutter also eher darüber sprechen, ob sie sich zusätzlich Bupropion vorstellen kann, da dies auch die leichte innere Unruhe, die Aripiprazol hinterlässt, gut ausgleichen kann.