Wie nennt man dieses Symptom?
Wenn jemand indirekt über sich spricht („Ich müsste mal wieder...“), aber eigentlich dich damit meint (eine Aufforderung an dich), nennt man das in der Kommunikationspsychologie eine
indirekte Botschaft oder
Appell-Ebene.
Dass du diese Botschaft zunächst rein wörtlich nimmst und nicht sofort auf dich beziehst, kann verschiedene Ursachen haben:
- Mangelnde Theory of Mind: Das ist die Fähigkeit, zu verstehen, was ein anderer gerade denkt oder beabsichtigt. Wenn diese Fähigkeit eingeschränkt ist, nimmt man Sätze sehr buchstäblich (literal). Man hört, was gesagt wird, aber nicht, was "zwischen den Zeilen" gemeint ist.
- Konzentrations- oder Aufmerksamkeitsstörungen: Wenn das Gehirn durch Stress oder den "Kampf oder Flucht"-Modus (den du erwähnt hast) überlastet ist, filtert es komplexe soziale Hinweise aus und konzentriert sich nur auf den direkten Informationsgehalt.
- Soziale Abnutzung: Durch das jahrelange Mobbing hast du vielleicht gelernt, dich innerlich zu distanzieren, um dich zu schützen. Das führt dazu, dass du Botschaften anderer nicht mehr automatisch "an dich heranlässt".
Kommt es von der Schizophrenie?
Es gibt im Bereich der Schizophrenie und verwandten Psychosen Symptome, die damit verwandt sind, aber oft in die
entgegengesetzte Richtung gehen:
- Beziehungswahn: Hier beziehen Betroffene Dinge auf sich, die nichts mit ihnen zu tun haben (z. B. eine Nachrichtensprecherin im TV meint mich persönlich).
- Ich-Störungen: Hier verschwimmen die Grenzen zwischen dem "Ich" und der Umwelt (z. B. man denkt, die eigenen Gedanken werden laut ausgesprochen).
Was du beschreibst – also eine indirekte Botschaft
nicht als solche zu erkennen – ist eher typisch für:
- Kognitive Symptome bei Schizophrenie (Schwierigkeiten, soziale Kontexte schnell zu entschlüsseln).
- Autismus-Spektrum-Störungen (starkes Fokusieren auf die wörtliche Bedeutung).
- Traumafolgen: Wenn man im Überlebensmodus ist, ist das Gehirn für subtile soziale Spielchen oft "blind", weil es nur nach echten Bedrohungen scannt.
Wie kann man das einordnen?
Es wirkt so, als hättest du eine Barriere aufgebaut. Einerseits ist das ein Schutz (du lässt dich nicht sofort manipulieren), andererseits führt es zu Missverständnissen im Alltag.
In der Fachsprache könnte man es als eine Störung der
sozialen Kognition bezeichnen. Das Gehirn "rechnet" in dem Moment nicht damit, dass das Gegenüber unpräzise oder manipulativ spricht.
Fühlt es sich für dich eher so an, als würdest du die Absicht des anderen erst viel später verstehen (wie ein "Aha-Erlebnis" im Nachhinein), oder bleibt die Situation für dich auch später völlig unlogisch?