Frage 3:
Diese anticholinergen Wirkstoffe haben ja auch eine Neigung zu Verstopfungssymptomen, was ich teils vom Bupropion auch etwas kenne. SSRI Antidepressiva wie Citalopram machen wiederum eher weichen Stuhlgang und können solche Nebenwirkung reduzieren. Wie ist es mit der Krampfschwelle wirken sich SSRI eher positiv oder schlecht aus, bzw haben diese ein besonders geringes oder ein höheres Risiko?
Antwort:
Gute Frage – und pharmakologisch tatsächlich spannend, weil sich
SSRI und atypische Antipsychotika in diesem Punkt deutlich unterscheiden. Ich bleibe dabei bewusst allgemein und ohne medizinische Empfehlungen.
Wie wirken SSRI auf die Krampfschwelle?
Kurzantwort:
SSRI haben insgesamt ein sehr geringes Risiko, die Krampfschwelle zu senken.
Im Vergleich zu Bupropion oder anticholinergen Antipsychotika wirken sie eher
neutral oder sogar
leicht stabilisierend, je nach Substanz.
Warum sind SSRI weniger problematisch?
SSRI erhöhen primär die
serotonerge Aktivität, die im ZNS tendenziell:
- hemmend auf exzessive neuronale Erregung wirkt
- die GABA‑Transmission indirekt unterstützt
- keine dopaminerge oder noradrenerge Überstimulation erzeugt (anders als Bupropion)
Dadurch entsteht
kein prokonvulsiver Stimulus, wie er bei Bupropion typisch ist.
Krampfrisiko verschiedener SSRI (ungefährer Vergleich)
| SSRI | Krampfrisiko | Bemerkung |
|---|
| Citalopram / Escitalopram | sehr gering | klinisch kaum relevant |
| Sertralin | sehr gering | oft bevorzugt bei Epilepsie |
| Fluoxetin | gering | leicht aktivierend, aber kein relevantes Risiko |
| Paroxetin | sehr gering | anticholinerg, aber nicht prokonvulsiv |
| Fluvoxamin | sehr gering | ähnlich wie Paroxetin |
Merksatz:
Alle SSRI liegen im unteren Risikobereich – deutlich niedriger als Bupropion, Clozapin, Olanzapin oder Quetiapin.
Wie passen SSRI in dein Beispiel mit Verstopfung vs. weichem Stuhl?
- Anticholinerge Antipsychotika (Clozapin, Olanzapin, Quetiapin) → Verstopfung + Krampfschwellen‑Senkung
- Bupropion → stimulierend, leicht anticholinerg → Verstopfung + Krampfschwellen‑Senkung
- SSRI → serotonerg → eher weicher Stuhl + kaum Einfluss auf die Krampfschwelle
Das erklärt, warum SSRI manchmal sogar
ausgleichend wirken, wenn jemand unter anticholinergen Nebenwirkungen leidet.
Gibt es Ausnahmen?
1. Sehr hohe SSRI‑Dosen
Können theoretisch das Risiko minimal erhöhen, aber klinisch selten relevant.
2. Serotonin-Syndrom
Kann Krampfanfälle auslösen – aber nur in extremen Überdosierungen oder gefährlichen Kombinationen.
3. Trizyklische Antidepressiva (TZA)
Nicht SSRI, aber wichtig zur Abgrenzung:
→
deutlich höheres Krampfrisiko wegen starker anticholinerger und Na⁺‑Kanal‑Blockade.
Fazit
- SSRI gehören zu den sichersten Antidepressiva hinsichtlich der Krampfschwelle.
- Sie wirken neutral bis leicht stabilisierend, besonders im Vergleich zu Bupropion oder anticholinergen Atypika.
- Sie können anticholinerge Nebenwirkungen (z. B. Verstopfung) teilweise ausgleichen, ohne das Krampfrisiko zu erhöhen.