Anfangs ist er mit Nachbar in die Wohnung gestürmt, sie haben jedes Zimmer nach meinem Sohn und Schwiegertochter abgesucht, weil mein Mann gesagt hat, sie würden ihn in Gedanken in die Wohnung locken. Nachbar ist über 80, war am Zittern und hat auch verworren geguckt. Dann wollte er sofort aus der Wohnung raus, als ich mich näherte. Ich fragte ihn, was mein Mann über mich erzählen würde. Da sagte er nix und als er schnell aus der Tür raus ist, flüsterte er Mörderin.
Dann war dreimal Polizei hier. Erstmal hat er sie angerufen, damit sie mich in Psychiatrie bringen, weil er behauptete ich hätte meinen besten Freund im Kongo ermordet. Habe alle Drohungen und Diagnosen gezeigt, die haben nichts gemacht. Ihn nur aus der Wohnung verwiesen. Für die Nacht, ich sollte mich schützen und hab gesagt, ich dreh den Schlüssel zweimal um und lass ihn stecken.
Kommt er zwei Stunden später wieder und macht einen Radau, weil er nicht in die Wohnung kam. Ich sagte, ich ruf die Polizei, weil er Platzverweis bis morgen acht Uhr hätte. Dann war Ruhe. Plötzlich hörte ich fremde Männerstimme. Da hat er unseren Nachbar geholt und beide haben versucht, die Tür aufzuhebeln. Ich hab geschrien und viermal 110 angerufen, vor lauter Angst. Da ist Nachbar abgehauen als Polizeiwagen kam. Wir wohnen 7. Stock und Haustür ist über Laubengang erreichbar. Andere Polizisten gekommen, sehr nett. Aber nicht wirklich brauchbar.
Zwischendurch hat meine Schwiegertochter angerufen weil er sie und meine Enkelin wieder bedroht hat über Telefon und SMS. Polizist hat mit beiden Schwiegertochter und Sohn, telefonisch gesprochen. Mein Sohn sollte nach der Arbeit kommen und die Nacht bei mir bleiben. Sie haben wieder Platzverweis ausgesprochen und sind weg.
Eine dreiviertel Stunde später kam mein Sohn. Mein Mann hat vorm Haus gestanden, geschrien, er dürfe nich hochgehen, weil ich schon in Büschadrie abgeholt wäre. Dann hat er meinen Sohn geschubst, naja der hat sich gewehrt. Haben zwei Türken hier im Haus gesehen und gesagt, sie würden jetzt beobachten und wenn er noch mal hochkommen würde, würden sie uns helfen.
Er hat diesmal wieder die Polizei angerufen und hat meinen Sohn angezeigt. Fallengelassen wegen Notwehr. Wieder Platzverweis bis morgen 8.00 Uhr. Diesmal große Diskussion gleich vier Polizisten, haben gedroht, ihn beim nächsten Mal mitzunehmen, damit er in der Zelle übernachtet.
Bis eben haben wir gepackt, mein Sohn bringt mich morgen früh zu meinen Freunden, ein Ehepaar, die mich erstmal aufnehmen, bis sich alles weitere klärt. Eigentlich solange bis er entweder Tabletten nimmt oder in der Psychiatrie landet. Schlafe solange auf dem Sofa und kann wenigstens in der Stadt bleiben, aber weiter weg von ihm.
Ich hab ihn jetzt überall blockiert, und werde mich trennen. Er hatte sooft seine Chance und sie nicht genutzt. Zu guter Letzt muss ich nicht berichten, dass unser Block so hell gestrahlt hat wie ein Sonnentag. Und die Fenster waren zum Teil offen.
Sowas habe ich noch nie erlebt, obwohl ich in den 90ern sogar in der Psychiatrie gearbeitet habe. Mit 65 wollte ich eigentlich nur Ruhe in meinem Leben haben, aber jetzt stehe ich wieder vor einem großen Scherbenhaufen. Danke für eure Geduld mit mir. Schlaft gut.