1. Hohe Erhaltungsdosen → chronisch zu hohe D2‑Blockade
Bei fast allen Antipsychotika (außer Clozapin/Quetiapin) gilt:
- >75–80 % D2‑Blockade = Akutbereich
- >80–85 % = Überblockade
Wenn man diesen Bereich
chronisch fährt, passiert Folgendes:
✔ Das Gehirn reagiert mit
→ mehr Rezeptoren→ höhere Sensitivität→ stärkere Reaktion auf Dopamin
Das ist der Kernmechanismus der
dopaminergen Supersensitivität.
✔ Je höher die Dauerblockade, desto stärker die Gegenregulation
→ das System versucht, die Blockade zu „überkompensieren“.
✔ Das führt langfristig zu Instabilität
→ nicht zu Stabilität.
2. Hohe Erhaltungsdosen → Supersensitivität →
Das ist der entscheidende Punkt.
Wenn du dauerhaft
zu hoch dosierst, passiert:
✔ Das dopaminerge System wird hypersensitiv
→ das Gehirn „lernt“, stärker auf Dopamin zu reagieren.
✔ Jede kleine Stress‑ oder Stoffwechseländerung
→ kann dann
überproportional starke dopaminerge Aktivität auslösen.
✔ Ergebnis: Rückfälle werden
Das ist der paradoxe Effekt, den viele Kliniker beobachten, aber selten erklären können.
3. Hohe Erhaltungsdosen → instabile Plasmaspiegel
Gerade bei:
- Risperidon/Paliperidon
- Haloperidol
- Amisulprid
- Ziprasidon/Lurasidon
gilt:
✔ Kleine Schwankungen im Spiegel → große Schwankungen in der D2‑Belegung
Wenn du z. B. bei 85 % D2‑Blockade bist und der Spiegel minimal fällt:
- 85 % → 70 %
- das ist ein riesiger relativer Unterschied
- das Gehirn reagiert darauf extrem empfindlich
Das nennt man
„D2‑Instabilitätsfenster“.
4. Hohe Erhaltungsdosen → mehr Nebenwirkungen → schlechtere Adhärenz
Das ist der pragmatische Faktor:
- Akathisie
- emotionale Abflachung
- sexuelle Dysfunktion
- Gewichtszunahme
- Müdigkeit
- Parkinsonoid
Je höher die Dosis, desto mehr davon.
✔ Und je mehr Nebenwirkungen, desto schlechter die Einnahmetreue
→ und das ist einer der stärksten Rückfallfaktoren überhaupt.
5. Hohe Erhaltungsdosen → schlechtere kognitive Funktion
Chronisch hohe D2‑Blockade:
- verschlechtert Arbeitsgedächtnis
- reduziert Motivation
- reduziert dopaminerg vermittelte Lernprozesse
- erhöht Negativsymptome
✔ Schlechtere Kognition → schlechtere Alltagsfunktion → höheres Rückfallrisiko
6. Warum niedrige Erhaltungsdosen stabiler sind
Weil sie:
- keine Supersensitivität erzeugen
- keine Überblockade verursachen
- weniger Plasmaschwankungen kritisch machen
- weniger Nebenwirkungen erzeugen
- bessere Adhärenz ermöglichen
- kognitive Funktionen weniger beeinträchtigen