Aktuelles

Psychose & Schizophrenie Forum ❤️

Herzlich willkommen in unserer hilfsbereiten Community. ✨ Hier findest du Austausch mit Betroffenen, Angehörigen und Experten – ein Ort, an dem du deine Symptome und Erfahrungen verarbeiten kannst.

Registriere dich jetzt und nutze alle Vorteile:

  • 🌐 Ein aktives Forum mit Chat- und PN-Funktion
  • 💊 Medikamente-Empfehlung ← Empfehlung bei Kognitiv-, Positiv- und Negativsymptomen fĂźr mehr Lebensqualität
  • ⚠️ Ambulante Zwangsbehandlung – Eine gefährliche Entwicklung ← Depotspritzen sind ein teurer Zwang: Sie sichern Patente, verschärfen Nebenwirkungen und nehmen Patienten die Freiheit, Ăźber ihre Therapie zu entscheiden. Kontinuierliche Einnahme fĂśrdert Supersensitivität und Chronifizierung, während verträgliche Tabletten gĂźnstiger und sicherer wären – doch ihr Zugang wird systematisch blockiert.
  • 🛡️ Patientenrechte 2.0 ← Schutz. Transparenz. WĂźrde.
  • 💙 Eine unterstĂźtzende Community, die an deiner Seite steht

Wir freuen uns darauf, dich in unserer Gemeinschaft zu begrüßen! ☀️

Nach dem Login wird dieses Textfeld automatisch ausgeblendet.

📘 B.4.2.3 Clozapin

Maggi

Administrator

📘 Clozapin

Multimodale Wirkmechanismen, Norclozapin, M1/M4, D4‑Historie & α2‑Modelle


🔹 KurzĂźberblick​

Clozapin gilt als Goldstandard bei therapieresistenter Schizophrenie (TRS).
Gleichzeitig ist es eines der pharmakologisch komplexesten Psychopharmaka, dessen Wirksamkeit sich nicht auf einen einzelnen Rezeptor zurßckfßhren lässt.

Dieser Artikel ordnet Clozapin mechanistisch und kritisch ein und trennt klar zwischen:
  • antipsychotischer Wirksamkeit
  • sedierender Symptomdämpfung
  • EPS‑Maskierung durch anticholinerge Effekte
  • metabolischen und autonomen Nebenwirkungen
  • historischen Hypothesen (D4)
  • modernen Modellen (M1/M4, Îą2, Glutamat)


1️⃣ Clozapin ist kein „D2‑Antipsychotikum“​

Im Gegensatz zu klassischen Antipsychotika:
  • blockiert Clozapin D2 nur schwach
  • verursacht kaum EPS
  • erhĂśht Prolaktin kaum
  • wirkt auch dort, wo D2‑Blockade versagt
➡️ Clozapin passt nicht in das klassische Dopamin‑Blockade‑Modell.


2️⃣ Die historische D4‑Hypothese – warum sie entstand und warum sie nicht trägt​

🔸 Warum D4 attraktiv erschien​

  • Clozapin zeigt hohe Affinität zu D4
  • D4 ist kortikal/lokalisiert, nicht striatal
  • Hoffnung: antipsychotisch ohne EPS

🔸 Warum die Hypothese scheiterte​

  • selektive D4‑Antagonisten waren klinisch unwirksam
  • keine Effekte auf Positivsymptome
  • keine TRS‑DurchbrĂźche
➡️ D4‑Blockade allein erklärt Clozapin nicht.

🔸 Was davon bleibt​

  • D4 ist kein Hauptwirkhebel
  • kĂśnnte aber Netzwerkzustände modulieren
  • wurde nie in Kombination mit D2‑Blockade getestet
➡️ D4 ist historisch überschätzt, aber nicht vollständig irrelevant.


3️⃣ Anticholinerge Effekte: Sedierung & EPS‑Maskierung​

Clozapin wirkt anticholinerg, insbesondere:
  • M1‑Antagonismus
  • M3‑Antagonismus (peripher)
  • zentrale Sedierung

🔸 Klinische Konsequenzen​

  • Reduktion motorischer Symptome
  • Maskierung von EPS
  • subjektive Beruhigung
  • „Herunterdimmen“ psychotischer Erregung
➡️ Sedierung ist nicht gleich antipsychotische Wirkung.

Ein Teil der scheinbaren Wirksamkeit kann auf:
  • reduzierte Reizverarbeitung
  • verminderte motorische Expression
  • Schlafverbesserung
zurĂźckzufĂźhren sein.


4️⃣ Norclozapin – der oft unterschätzte SchlĂźssel​

Der aktive Metabolit Norclozapin unterscheidet sich deutlich von Clozapin selbst.

🔸 Zentrale Eigenschaften von Norclozapin​

  • M4‑Agonist
  • M1‑positiver allosterischer Modulator (PAM)
  • geringere anticholinerge Last
  • andere Netzwerk‑Effekte als Clozapin

🔸 Bedeutung fĂźr TRS​

Norclozapin passt mechanistisch zu modernen Modellen:
  • M4‑Aktivierung → indirekte Dopamindämpfung
  • M1‑Modulation → kognitive & kortikale Effekte
  • weniger reine Sedierung
  • mehr Netzwerk‑Stabilisierung
➡️ Ein Teil der Clozapin‑Sonderstellung könnte metabolitenvermittelt sein.


5️⃣ M1/M4‑Modelle – Anschluss an moderne Konzepte​

Die Wirkung von Norclozapin zeigt Parallelen zu:
  • muskarinischen Antipsychotika (z. B. Xanomeline)
  • nicht‑D2‑basierten Modellen
  • upstream‑Regulation dopaminerger Aktivität

🔸 Aber:​

  • Clozapin selbst ist kein selektiver M4‑Agonist
  • anticholinerge Effekte wirken teilweise entgegen
  • M4 erklärt nicht alle Effekte
➡️ Clozapin ist kein M4‑Medikament, sondern ein multimodaler Netzwerkmodulator.


6️⃣ Îą2‑adrenerge Modelle & Glutamat​

Zusätzlich relevant:

🔸 Îą2‑Blockade​

  • erhĂśhte Noradrenalinfreisetzung
  • Einfluss auf Aufmerksamkeit & Wachheit
  • mĂśgliche Modulation negativer Symptome

🔸 Glutamaterge Effekte​

  • indirekte NMDA‑Normalisierung
  • Einfluss auf kortikale Netzwerke
  • mĂśgliche Relevanz fĂźr TRS‑Subtypen
➡️ Diese Effekte sind plausibel, aber schwer isolierbar.



7️⃣ Warum Clozapin wirkt – und warum das schwer zu beweisen ist​

Clozapin vereint:
  • schwache D2‑Blockade
  • D4‑Affinität
  • anticholinerge Effekte
  • M1/M4‑Modulation (Ăźber Norclozapin)
  • Îą2‑Blockade
  • glutamaterge Effekte
  • Sedierung
➡️ Kein einzelner Mechanismus erklärt die Wirksamkeit.

Das macht Clozapin:
  • klinisch einzigartig
  • wissenschaftlich schwer analysierbar
  • anfällig fĂźr Überinterpretation einzelner Rezeptoren


8️⃣ Clozapin & TRS – methodische Grenzen​

  • TRS ist heterogen
  • Studien messen oft Symptomreduktion, nicht Mechanismen
  • Sedierung & EPS‑Maskierung verzerren Endpunkte
  • Metaboliten werden selten getrennt analysiert
➡️ Clozapin ist wirksam – aber nicht mechanistisch sauber auflösbar.


🔹 Fazit​

  • Clozapin ist kein klassisches Antipsychotikum.
  • D4 erklärt Clozapin nicht, ist aber historisch relevant.
  • Anticholinerge Effekte tragen zur Symptomdämpfung bei, maskieren aber auch.
  • Norclozapin erĂśffnet einen plausiblen Zugang Ăźber M1/M4‑Modulation.
  • Îą2‑ und glutamaterge Effekte ergänzen das Bild.
  • Clozapin wirkt netzwerkweit, nicht rezeptorspezifisch.
  • TRS bleibt methodisch schwer fassbar.
➡️ Clozapin ist kein Beweis für ein einzelnes Modell – sondern ein Argument für Komplexität.


🔜 Ergänzungen & Vertiefungen


🔜 Nächster Schritt​

  • 4.3 – M3‑Rezeptor (Speichelfluss, periphere Marker, Fehlinterpretationen)
 
Interessant, habe ich noch nicht gewusst. Wäre interessant, die verwendete KI hier nach den Referenzen zu fragen. Vielleicht mache ich das bei mir als nächsten Thread in perplexityAPP auf.
:)
Das ist genau der Knackpunkt, wo es in dem Artikel zu D4-Abwertung kommt, aber in Wahrheit wissen wir es nicht, da der D4-Antagonist einzeln untersucht wurde fßr die antipsychotische Wirkung, aber man etwa D2 und D4-Antagonismus kombiniert bräuchte. Da D4 eben keine antipsychotische D2-Wirkung ersetzt, aber bei TRS sehr wohl eine entscheidende Rolle spielen kann.
Es ist einfach wissenschaftlich bis heute unklar inwieweit und ob D4 eine entscheidende Rolle bei TRZ spielt

Hier ist dies etwa erklärt:
4.2.2 – 📘 D4‑Rezeptor: Neurobiologie & Messprobleme

Hier auch nochmal erklärt:
4.2.4 – 📘 KarXT (Xanomeline + Trospium)


@content-creat-or wäre super wenn du das prßfen kÜnntest. Die Frage wäre eben auch ob nur dieser reine D4-Antagonist untersucht wurde oder ob es wirklich keine Studien von Kombinationen von D2/D3+D4 vs. D2/D3 bei Therapieresistenten Fällen gibt, um diese Frage ßberhaupt klären zu kÜnnen. So wird immer erwähnt, dass D4 einzeln keine Vorteile zeigte, was fßr mich eine rechtliche Formulierung ist.
 
"Von hinten durch die Brust ins Auge", ginge nämlich sonst der Beweis dafür, dass DA D4 antipsychotisch wirksam wäre (antagonisiert), wenn man nur Clozapin dafür hernimmt, denn dieses agonisiert teilweise muskarinische Acetylcholinrezeptoren M1 und antagonisiert wenn auch im geringen Maße zusätzlich DA D2 (auch hier veränderte DA-Neurotransmission). Insofern wüsste ich gerne, ob deine Antwort / dein Arbeitssheet in der KI-Antworten-Kette einen Link enthalten hat.

Übrigens ist die "Beweisführung 'Von hinten durch die Brust ins Auge!'" die Grundlage der sogenannten Dopaminhypothese der Schizophrenie. Was deren Erfolg bisher keinen Abbruch tut. Sehr oft angefochten, aber nie besiegt, ist sie wegen den bisherigen Geschäftsmodellen der Pharmaindustrie sogar zum solitären "Highlander" geworden. Ich denke, wir sollten das neidlos anerkennen. Es erspart uns ein wenig Stigma und Psychologisierung/"Typisierung", und das ist bei Schizophrenie schon hilfreich; alle fallen über uns her, so gibt es wenigstens eine Klasse Remedia, wir dürfen quasi raus aus der inquisitorischen Folterkammer der übermächtigen Psychiatrie, sobald wir Abbitte getan haben: "Ja, das Haloperidol/Benperidol/Olanzapin/... hat bei mir gewirkt" (sonst würde Verwahrpsychiatrie angewandt, die es auch heute noch oft genug gibt).

Allerdings wird es bald neue Medikamente geben, so dass vielleicht der unglßckselige Satz "...seine/ihre Medikamente nehmen..." verschwinden wird - und einiges an paternalistischer Betreuung aufgrund unserer Krankheit mit dazu. Dabei ist nur der Kritikpunkt, dass die Neuen oft nur einen Teilfortschritt bringen (das Cariprazin und das Brexpiprazol), dass man sich gar nicht erst traut, sie fßr die breite Masse verfßgbar zu machen (das KarXT in Deutschland) und dass parallel zur psychiatrischen Auffassung noch die psychologische, dass es eigentlich gar keine "Psychopharmaka" gibt, es sind gesellschaftliche Probleme, die sich in den "psychiatrischen" Krankheitsbildern widerspiegeln, munter wächst und gedeiht wie das nicht immer gern gesehene Unkraut in den Ritzen und Fugen der Bebauung im städtischen Raum. Uns sollte aber vor allem interessieren, dass die Neuen weniger Nebenwirkungen mit sich bringen werden, vielleicht ist es ja ein Experiment wert, auch die atypischen Neuroleptika haben es ja bis in die Akutbehandlung geschafft, vielleicht ist das ein Vor-Bild fßr die Ereignisse, denen wir (längerfristig dann auch im knauserigen Kranke( n )-Kassen-Deutschland) entgegensehen.
 
"Von hinten durch die Brust ins Auge", ginge nämlich sonst der Beweis dafür, dass DA D4 antipsychotisch wirksam wäre (antagonisiert), wenn man nur Clozapin dafür hernimmt, denn dieses agonisiert teilweise muskarinische Acetylcholinrezeptoren M1 und antagonisiert wenn auch im geringen Maße zusätzlich DA D2 (auch hier veränderte DA-Neurotransmission). Insofern wüsste ich gerne, ob deine Antwort / dein Arbeitssheet in der KI-Antworten-Kette einen Link enthalten hat.
Sehr interessant geschrieben, auch wenn ich manchmal nur Bahnhof verstehe.

Ich werde den Artikel wohl auch so neu schreiben mĂźssen, da Clozapin ja trotzdem einen schwachen D2-Mechanismus hat.

Kannst du mal in Klartext schreiben, was du von D4 hältst, ob das und D2(wenn auch nur sehr schwach) hier eher absichtlich ausgeblendet wird?
Ich glaube, eben das Medikamentemarketing beeinflusst die Trends der KI-Ausgaben etwas, wobei auch zählt, woran aktuell geforscht wird.

Sollte ich diesen Artikel noch einmal neu und ausgewogen machen, da hier eben schon sehr die Überlagerungen von Clozapin zu KarXT sichtbar werden, und man womöglich absichtlich D4 und D2 ganz herausnimmt.

Du kannst ja so mal eine Quellenrecherche machen und ich schreibe den Artikel etwas ausgewogener neu, da mir das etwas zu einseitig und vereinfacht erscheint. Ich mache aber erstmal die LexikonblÜcke gar fertig und wir kÜnnen das ja alle im Forum erstmal durchdiskutieren, wo die Schwächen jeweils liegen.
 
D1 und D5 bildet eine Gruppe, dann D2, D3 und D4 eine weitere. D3-Rezeptoren wirken auch, auch wenn sie im Kleinhirn besonders verbreitet sind. Im Striatum sind die D4 weniger häufig, deshalb keine EPS und Clozapin auch fßr "Psychotiker" / Menschen mit Schizophrenie geeignet.

Bei D3 hat man auch vorschnell den Schluss gezogen, dass man damit keine relevante antipsychotische Wirkung erzielen kann, dann kam das Cariprazin und hat dies revidiert. Ähnlich war es mit dem Leponex ® / Clozapin und dessen spezieller D4-Rezeptorbelegung und D4-Dämpfung.

EDIT Nachtrag:
Die KI sagt u. a.:
"Antwort auf die Kernfrage
Primäre, selektive D4‑Antagonisten mit expliziter Prüfung der antipsychotischen Wirkung beim Menschen:
L‑745,870
Sonepiprazole

Ergebnisse: Beide waren in kontrollierten Studien bei Schizophrenie klinisch unwirksam als Antipsychotika.�����".

Morgen kann ich mal weitertasten mit D3 statt D4, ich denke, ein reines D4-Antipsychotikum wird in nächster Zeit wegen den beiden Fehlschlägen nicht mehr entwickelt werden, aber in Kombination kÜnnte der D4-Antagonismus bei einem Wirkstoff vielleicht einen Unterschied machen, siehe Clozapin (hier neben 5HT2A).
 
Zuletzt bearbeitet:
ZurĂźck
Oben