Ja, das kostet uns beide hier Zeit, nur, weiß ich das es dabei um mich geht. Du hast da also gar nichts groß davon. Ich aber schon.
Mir hilft es auch etwas und ich lerne auch dazu. Ich habe zwar schon 10 Jahre das Bupropion und seitdem kontinuierliche Erfolge, vorherige Absetzversuche waren Horror, zumindest war das kein Leben. Negativsymptome und Kognitionen hat Bupropion dramatisch bei mir verbessert, auf kurz und lang.
Heute schaffe ich es ohne Antipsychotika, was bei mir vorher undenkbar war.
Übliche Absetzversuche führen zu Rückfällen, die hinterher häufig noch mehr Antipsychotika und zu schlechteren Verläufen führen können.
Supersensibilisierung bedeutet wenn jemand immer mehr Antipsychotika braucht und du hattest ja teils schon sehr hohe Dosierungen:
Supersensibilisierung bei Schizophrenie bezeichnet meist eine Dopamin‑Supersensitivität: Das Gehirn reagiert übermäßig stark auf Dopamin, häufig als Folge einer längerfristigen Antipsychotika‑Behandlung. Dadurch können trotz Medikation Rückfälle, Wirkverlust oder Bewegungsstörungen auftreten.
Was passiert dabei biologisch?
- Langzeitblockade von Dopamin‑D2‑Rezeptoren (v. a. bei hohen Dosen) führt zur Hochregulation dieser Rezeptoren.
- Ein Teil der neu gebildeten Rezeptoren befindet sich im High‑Affinity‑Zustand und reagiert besonders stark auf Dopamin.
- Ergebnis: Schon normale Dopaminmengen lösen überproportionale Effekte aus.
Klinische Folgen
- Toleranzentwicklung: Die bisher wirksame Dosis verliert an Effekt.
- Rückfälle trotz stabiler Medikation („Breakthrough‑Psychosen“).
- Dopamin‑Supersensitivitätspsychose: Verschlechterung bei Dosisreduktion oder sogar unter unveränderter Dosis.
- Tardive Dyskinesien (späte Bewegungsstörungen) treten häufiger auf.
Wodurch wird das Risiko erhöht?
- Hohe D2‑Rezeptorbesetzung (≈ ≥ 80 %).
- Langjährige Dauertherapie ohne Dosisanpassung.
- Häufige Dosissteigerungen bei Rückfällen.
- Abrupte Dosisreduktionen oder Absetzen.
Therapeutische Konsequenzen (konzeptionell)
- Frühes Erkennen der Supersensitivität, um Eskalationen zu vermeiden.
- Minimal wirksame Erhaltungsdosen anstreben.
- Partialagonisten (z. B. Aripiprazol) können heraufregulierte Rezeptoren wieder normalisieren und induzieren selbst keine Supersensitivität.
- Atypika mit starker 5‑HT2A‑Affinität und stabile Spiegel (z. B. Depotformen) gelten als günstiger.
- Intermittierende Strategien werden diskutiert, um Dauerblockade zu vermeiden.
Einordnung
Supersensibilisierung ist
keine Eigenschaft der Schizophrenie an sich, sondern ein
iatrogenes (behandlungsbedingtes) Anpassungsphänomen des dopaminergen Systems. Sie erklärt, warum manche Verläufe mit der Zeit instabiler werden, obwohl „mehr Medikament“ gegeben wird.
Punkt 1:
"Partialagonisten (z. B. Aripiprazol) können heraufregulierte Rezeptoren wieder normalisieren und induzieren selbst keine Supersensitivität."
@Byakko du wolltest ja zuerst Aripiprazol absetzen und dann Haloperidol. Der Schritt das Haloperidol loszuwerden ist richtig, da vor allem Haloperidol als starker Antagonist die Supersensivität induzieren kann.
Bei zu hohen Dosierungen und kontinuierlicher Einnahme ist das Risiko für Supersensivität gegeben.
Punkt 2
Dear Professor Stahl,
I have been following your work on functional psychopharmacology and monoaminergic balance with great interest, particularly your emphasis on differentiating dopaminergic and noradrenergic mechanisms beyond simple receptor blockade.
Based on my own long‑term experience with an interval‑based antipsychotic strategy, I would like to share an observation that may be conceptually relevant to your framework. During temporarily antipsychotic‑free periods, continuous treatment with bupropion led to marked improvements in cognitive functioning, motivation, and overall functional stability. At the same time, inner tension, irritability, and aggressive drive were substantially reduced, while psychotic stability was maintained.
Functionally, these effects appeared dissociable: The noradrenergic component (NET modulation) primarily reduced inner unrest and irritability, an effect I had already observed to a lesser degree with duloxetine. The additional dopaminergic component of bupropion (DAT modulation), however, seemed to improve negative symptoms, motivation, and cognitive processing and—contrary to common assumptions—contributed to psychotic stability rather than destabilization. Improved wakefulness and cognitive integration appeared to reduce misinterpretation and psychotic triggering, thereby extending stable antipsychotic‑free intervals without directly “blocking” psychosis.
Importantly, these effects depended on a therapeutic window. Continuous dopaminergic suppression through long‑term antipsychotic treatment proved functionally limiting, while excessively prolonged antipsychotic‑free phases eventually led to instability and reduced effectiveness of bupropion. In this context, short periods of antipsychotic re‑stabilization were sufficient to restore responsiveness, suggesting a dynamic balance rather than a linear dose–response relationship.
I have attached a brief brochure (German/English) summarizing this strategy and including a comparative overview of antipsychotic side‑effect profiles, reflecting my focus on long‑term tolerability and functional outcomes. My intention is not to propose a treatment recommendation, but to ask whether such patient‑derived observations might be conceptually relevant to ongoing discussions about monoaminergic modulation, therapeutic windows, and functional recovery in psychotic disorders.
Kind regards,
Markus Schmitt
schizophrenie-forum.com
„It is plausible that this strategy prevents potential dopaminergic supersensitivity.“—
Stephen M. Stahl, persönliche Kommunikation
Bei dir
@Byakko ist eine Intervalltherapie der Antipsychotika ist erstmal schwer zu realisieren, da kaum so einfach ganz absetzen kannst und praktisch betrachtet schon Supersensivität hast.
Das du im September einen Reduzierungsversuch unternehmen konntest spricht dafür, dass die Medikamente diese Supersensivität ein Stückweit überwunden haben. Nur das du mit Bupropion anfängst zu reduzieren war ungünstig. Du wolltest ja glaube ich Haloperidol als letztes absetzen, welches wiederum Supersensivität induziert und ohne zusätzliche 5-HT2A Blockade des Aripiprazol's würden beim Haloperidol womöglich schwere Bewegunsgsstörungen auftreten.
Somit hast du das genau falsch herum aufgezogen.
Die Erfahrung mit Berberin war trotzdem wertvoll und zudem hast du ja auch ins Forum hier gefunden, wo du Infos praktisch aus erster Hand bekommst ohne das eine leichte Nebenwirkung gleich einen völligen Therapieabbruch bedeutet.
Andere Betroffene beschweren sich einmal über die Schlafströrungen beim Bupropion, dann gibt es eben kein Rezept mehr es wird dauerhaft abgesetz und der Zug ist abgefahren.
Du kannst hier zumindest mit einfachen Mitteln, was Schlaftropfen wie Doxylamin oder auch Doxepin-Tropfen oder Trimipamin-Tropfen sind, diese Problematik abmildern und das bei schwereren Schlafströrungen höhere Dosierungen der Antipsychotika helfen können.
Das gilt es für dich ja nur umzusetzen und auszuprobieren und ein paar Tage deines Lebens dafür aufzuwenden für eine Krankheit die dich ein Leben lang begleitet. Die Schlafstörungen selbst sind behandelbar und war mehr oder weniger unser Fehler das Haloperidol parallel zum neuansetzen des Bupropion's reduziert zu haben.
Gut, jetzt hast du dafür Aripiprazol erhöht und nun sollte Bupropion unter den Umständen keine Schlafstörungen machen, zudem hast du dir Doxylamin-Tropfen von der Apotheke besorgt die leichte anfängliche Einschlafstörungen auch relativ gut wirksam adressieren können.
Das Berberin kannst du im Grunde beibehalten, da wenn es wirkt dieser Zusatznutzen dir zugute kommt und die Blutspiegelanstiege der Antipsychotika verglichen zum Bupropion moderat ausfallen.
Wenn du Bupropion wieder einnimmst und aktuell auf 15 mg Aripiprazol erhöht hast, dann solltest du wenn keine Schlafstörungen mehr auftreten eben langsam wieder auf 10 mg Aripiprazol reduzieren. Haloperidol hast du dann auch weiterhin auf 2 mg also den vorherigen Reduktionsschritt weiter eingepreist.
Bei Schlafstörungen hast du noch Doxylamin und wenn du deinen nächsten Psychiater-Termin hast, kannst du ja nach Doxepin-Tropfen oder Trimipramin-Tropfen fragen, die nix schaden wenn man zuhause hat.
In diesen weiteren Reduzierungsphasen wären dann Schlafstörungen dein Hauptproblem.
Ohne dem Bupropion wären psychotische Symptome und echte Rückfälle dein Hauptproblem die dich bei einem schweren Rückfall die Erfolge von Jahren Absetzens rauben können.
Für dich fällt dann die Intervalleinnahme des Antipsychotikums erstmal flach, aber anderweitig kannst du es so übernehmen:
Medikamentöse Orientierung bei Psychose – Schizophrenie (Langfassung)