@Benutzer_Trichtersieb,
auch KI‑Sprachmodelle irren manchmal, auch unabhängig vom Hersteller. Häufig muss man sich mit mehreren Fragen in Themen erst reinarbeiten.
Perplexity PRO sagt: "Bei Aripiprazol (und seinem aktiven Metaboliten Dehydroaripiprazol) ist die Hemmung des Serotonintransporters (SERT) schwach bis moderat und die des Noradrenalintransporters (NET) praktisch vernachlässigbar – beides gilt als zu schwach, um klinisch relevant zu sein."
Das ist falsch. Passiert mir auch manchmal, dass ich solche Antworten bekomme. Hat manchmal trotzdem einen Lerneffekt, wenn man sich etwa reinfuchsen muss.
Aripiprazol (Rohdaten)
In der verlinkten Tabelle kannst du optisch sehr deutlich erkennen, dass NET stärker als SERT ist:
Heatmap – Aripiprazol vs. Dehydro‑Aripiprazol vs. Kombiniert (mit Funktionsart)
| Target | Aripiprazol | Dehydro‑Aripiprazol | Kombiniert (realistisch) |
|---|
| D2 |     (PA) |     (PA) |     (PA) |
|---|
| D3 |     (PA) |     (PA) |     (PA) |
|---|
| D4 |   (A) |   (A) |   (A) |
|---|
| 5‑HT1A |     (PA) |     (PA) |     (PA) |
|---|
| 5‑HT2A |     (A) |     (A) |     (A) |
|---|
| 5‑HT2B |     (IA) |     (IA) |     (IA) |
|---|
| 5‑HT2C |    (A) |    (A) |    (A) |
|---|
| 5‑HT7 |   (A) |   (A) |   (A) |
|---|
| α1A |   (A) |   (A) |   (A) |
|---|
| H1 |   (A) |   (A) |   (A) |
|---|
| M1–M5 |  |  |  |
|---|
| SERT |  (98nM) |  (98nM) |   |
|---|
| NET |   (30nM) |   (30nM) |    |
|---|
Balken‑Legende (Heatmap)




sehr stark (<5 nM)



stark (5–20 nM)


moderat (20–60 nM)

schwach (60–200 nM)
sehr schwach / keine (>200 nM)
- PA = Partialagonist
- A = „normaler“ Antagonist
- IA = inverser Agonist
- (leer) = keine relevante Funktion / praktisch inaktiv
Hier mit KI formuliert:
1. Ki vs. pKi – fachlich korrekt und eindeutig
Ki (nM) = gemessene Bindungsstärke.
pKi = logarithmisch umgerechneter Wert (−log(Ki)).
Die Skalen sind
gegensätzlich:
- Ki: kleiner = stärker
- pKi: größer = stärker
Die Rohdaten zu Aripiprazol und Dehydro‑Aripiprazol zeigen ausschließlich
Ki‑Werte.
Das ist eindeutig belegt durch die Literatur: Ki‑Tabellen für Aripiprazol listen Werte wie
0.34 nM (D2),
1.7 nM (5‑HT1A),
15 nM (5‑HT2C) usw.
Damit ist klar:
SERT 98 nM = schwach
NET 30 nM = moderat
Die Verwechslung entsteht, weil pKi‑Werte typischerweise im Bereich
5–10 liegen und dort
höhere Zahlen stärkere Bindung bedeuten.
Das hat aber
nichts mit den nM‑Werten zu tun.
2. Dosisabhängigkeit – fachlich korrekt eingeordnet
Die D2‑Affinität von Aripiprazol liegt im
Sub‑nM‑Bereich (0.34–0.56 nM).
Das ist extrem stark.
Daraus folgt:
5–7.5 mg Aripiprazol
- D2‑Wirkung voll aktiv (55–80 % Belegung)
- SERT/NET praktisch irrelevant (98 nM / 30 nM → kaum Wirkung)
15 mg Aripiprazol
- D2‑Belegung 80–90 %
- NET wird funktionell relevant
- SERT bleibt schwach
Das deckt sich mit den Leitlinien, die höhere Dosierungen nennen, obwohl die antipsychotische Wirkung schon bei 5–10 mg vollständig wäre.
Die höheren Dosen dienen also
nicht der Psychosebehandlung, sondern der
NET‑Komponente.
3. Funktionelle Interpretation: NET‑dominante Aktivierung
NET (30 nM) ist deutlich stärker als SERT (98 nM).
Das erklärt:
- Antriebssteigerung bei höheren Dosen
- Impulsivitätsdämpfung (noradrenerge Kontrolle)
- keine typischen SSRI‑Nebenwirkungen (SERT zu schwach)
Die Literatur bestätigt, dass Aripiprazol über seine Serotonin‑ und Noradrenalin‑Interaktionen ein „dopamine‑serotonin system stabilizer“ ist, aber die Transporterwirkungen sind
schwach bis moderat und dosisabhängig.
4. Vegetative Effekte: NET vs. SERT
NET wirkt
vegetativ aktivierend (Sympathikus).
SERT wirkt
vegetativ entspannend (Parasympathikus).
Aripiprazol hat:
- moderates NET
- schwaches SERT
Daraus folgt:
- kaum Miktionsstörungen
- kaum Obstipation
- teilweise weicher Stuhlgang (Serotonin → Darmmotilität)
Diese Zusammenhänge sind plausibel und kompatibel mit der Literatur, auch wenn die Transporterwirkung insgesamt schwach ist.
5. Warum man Aripiprazol überdosiert, wenn man NET will
Antipsychotisch reicht
5–10 mg.
Für NET‑Effekte braucht man
15 mg oder mehr.
Das ist der Grund, warum manche Patienten bei höheren Dosen:
- mehr Antrieb
- weniger Impulsivität
- stabilere Stimmung
erleben — obwohl die D2‑Belegung eigentlich schon „zu hoch“ wäre, wenn Aripiprazol ein Antagonist wäre.
Der Partialagonismus schützt vor Überblockade.
6. SSNRI‑Vergleich: Was wir suchen
Wir brauchen ein SSNRI mit:
- NET > SERT
- oder NET ≈ SERT
- und kompatiblem CYP‑Profil (Aripiprazol: CYP2D6 + CYP3A4)
Die Standard‑SSNRIs:
- Venlafaxin → SERT‑dominant
- Duloxetin → SERT‑dominant
- Sertralin → primär SSRI
Diese passen nicht.
NET:SERT‑Verhältnis (funktionell passend zu Aripiprazol)
| Wirkstoff | SERT Ki (nM) | NET Ki (nM) | Verhältnis NET:SERT | Bewertung im Kontext Aripiprazol |
|---|
| Levomilnacipran | ~11–19 | ~21–92 | ≈ 1–2 : 1 (NET ≥ SERT) | passt funktionell → NET‑dominant, keine übermäßige SERT‑Last |
|---|
| Milnacipran | ~11–16 | ~92–100 | ≈ 6–8 : 1 (NET‑dominant) | passt → klare NET‑Komponente, wenig CYP, keine SSRI‑Last |
|---|
Duloxetin | ~0.8–1.2 | ~6.5–22 | ≈ 8–20 : 1 (NET‑dominant, aber extrem SERT‑potent) | zu viel SERT → Durchfall, Nervosität, vegetative Übersteuerung |
|---|
Sertralin | ~0.4–1.0 | ~420–500 | ≈ 0.002 : 1 (SERT‑dominant) | primär SSRI → völlig ungeeignet, SERT‑Last + Aripiprazol = Nervosität |
|---|
Venlafaxin | ~82 | ~2480 | ≈ 0.03 : 1 (SERT‑dominant) | NET erst bei hohen Dosen → falsches Verhältnis |
|---|
Desvenlafaxin | ~40 | ~558 | ≈ 0.07 : 1 (SERT‑dominant) | immer noch SERT‑dominant → ungeeignet |
|---|
6. Warum Levomilnacipran oder Milnacipran logisch aus den Aripiprazol‑Daten folgen
Die Auswahl ergibt sich direkt aus den Rohdaten von Aripiprazol:
- SERT: 98 nM → schwach
- NET: 30 nM → moderat
- D2: <1 nM → extrem stark
Damit ist die funktionelle Gewichtung klar:
- D2 dominiert immer, auch bei 5–7,5 mg
- NET wird erst ab ~15 mg relevant
- SERT bleibt selbst bei hohen Dosen schwach
Das bedeutet:
Aripiprazol erzeugt
noradrenerge Aktivierung (Antrieb, Impulskontrolle), aber
keine starke serotonerge Valenzdämpfung.
Genau dieses Verhältnis muss ein SSNRI nachbilden, wenn man die Aktivierung gezielt verstärken will, ohne die SSRI‑typischen Nebenwirkungen zu provozieren.
Warum Duloxetin, Sertralin, Venlafaxin ungeeignet sind
Diese Wirkstoffe haben
viel zu starke SERT‑Komponenten:
- Duloxetin → SERT sehr potent → häufig Durchfall
- Sertralin → primär SSRI → ebenfalls Durchfallneigung
- Venlafaxin/Desvenlafaxin → SERT‑dominant → NET erst bei hohen Dosen
Das passt nicht zu Aripiprazol, weil:
- Übermäßiges SERT → Nervosität, innere Unruhe, vegetative Übersteuerung
- SERT‑Valenzdämpfung ist unter Antipsychotika nicht nötig, weil die emotionale Überbewertung durch D2‑Blockade bereits reduziert ist
- SERT‑Last + Aripiprazol → oft schlechtere Verträglichkeit (Darm, vegetativ, Schlaf)
Die serotonerge Valenzdämpfung wird
nur in Intervallphasen ohne Antipsychotikum gebraucht, weil dort die emotionale Gewichtung wieder hochfährt.
Unter laufender Antipsychotikatherapie ist das Gegenteil sinnvoll:
NET zur Impulskontrolle, nicht
SERT zur Emotionsdämpfung.
Warum Levomilnacipran und Milnacipran passen
Beide haben ein
NET ≥ SERT‑Profil, das funktionell dem Aripiprazol‑Verhältnis ähnelt:
Levomilnacipran
- NET ≈ SERT oder leicht NET‑dominant
- klinisch: antriebssteigernd, weniger SSRI‑typische Nebenwirkungen
- CYP3A4 → kompatibel mit Aripiprazol
Milnacipran
- NET:SERT ≈ 6–8 : 1
- wenig CYP‑Interaktionen
- klar noradrenerg, ohne starke SERT‑Last
Damit spiegeln beide genau das, was Aripiprazol bei höheren Dosen macht:
- mehr Antrieb
- weniger Impulsivität
- keine übermäßige serotonerge Dämpfung
- keine SSRI‑typischen vegetativen Nebenwirkungen
Sie liefern also die
gezielte NET‑Komponente, ohne die Nachteile der SERT‑dominanten SSNRIs.
Warum das logisch ist
Aripiprazol wird in Leitlinien höher dosiert, obwohl die antipsychotische Wirkung schon bei 5–10 mg vollständig wäre.
Der Grund ist nicht die Psychosebehandlung, sondern:
- NET‑Aktivierung
- Impulskontrolle
- Stabilisierung des Antriebs
Wenn man diese Komponente
gezielt verstärken will, ohne die D2‑Belegung weiter hochzutreiben, ist ein SSNRI mit
NET‑Dominanz die logischste Ergänzung.
Levomilnacipran und Milnacipran sind die einzigen SSNRIs, die dieses Verhältnis liefern.