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“It is plausible that this strategy prevents potential dopaminergic supersensitivity.”
– Prof. Dr. Stephen M. Stahl

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Clozapin nach 17 Jahren wechseln wegen schwerer Obstipation? Erfahrungen & Ratschläge gesucht

Simon_

New member
Hallo zusammen,

ich nehme seit etwa 17 Jahren Clozapin. Das Medikament hat mir über die Jahre hinweg sehr gut geholfen, und ich komme im Alltag inzwischen bestens damit zurecht – mit einer gravierenden Ausnahme: der Verdauung.

Inzwischen habe ich massive Probleme mit der Darmentleerung und bin auf sehr hohe Dosen an Abführmitteln angewiesen. Da dieser Zustand dauerhaft extrem belastend ist, ziehe ich aktuell einen Medikamentenwechsel in Erwägung.

Mir ist durchaus bewusst, wie schwer ein erfolgreicher Wechsel nach so langer Zeit der Stabilität sein kann und welche Risiken damit verbunden sind. Dennoch möchte ich mich informieren, ob es gangbare Wege gibt.

Mich würden eure Erfahrungen und Einschätzungen zu folgenden Punkten interessieren:

  • Erfahrungen beim Wechsel: Hat jemand von euch nach jahrelanger Clozapin-Einnahme erfolgreich auf ein anderes Präparat gewechselt? Falls ja, welches hat sich als stabilisierend erwiesen?
  • Teilweiser Wechsel / Dosisreduktion: Gibt es Erfahrungen mit einer Reduktion von Clozapin in Kombination mit einem zweiten Antipsychotikum, um die anticholinerge Last auf den Darm zu senken?
  • Darm-Management: Gab es bei euch spezielle gastroenterologische Ansätze oder Präparate, die bei clozapininduzierter Obstipation noch geholfen haben, wenn Standard-Laxanzien an ihre Grenzen stießen?
Selbstverständlich werde ich jeden Schritt ausschließlich in enger Absprache mit meinem behandelnden Psychiater und Gastroenterologen gehen. Mir geht es hier vor allem um den Austausch von Praxiserfahrungen und Orientierungshilfen für mein nächstes Arztgespräch.

Vielen Dank für eure Rückmeldungen!
 
Ich habe mit Olanzapin in Höchstdosis auch dieses "Scheißproblem".

Bisher half mir das Rauchen von Tabakprodukten, meine Peristaltik anzuregen.

Ohne zu rauchen hilft mir Lactulose in Kombination mit eingelegten Trockenpflaumen, Kaffee und Balaststoffen in der Ernährung, während ich alles was stopft möglichst vermeide.

Welche hochdosierten Abführmittel nimmst du denn?
 
Eine Darmentleerung musste ich nachdem ich ca. 1 bis 1,5 Wochen nicht mehr richtig auf der Toilette war mit einer Kombination forcieren. Das waren dann Abends 40 Tropfen Laxoberal (Wirkstoff Natriumpicosulfat) + Morgens 7 Dragees Dulcolax (Wirkstoff Bisacodyl) + 2-4 Beutel Movicol.

Ich habe meistens nur 1 - 2 Mal die Woche richtigen Stuhlgang. Ich versuche jeden Tag abzuführen, aber auf kleinere Dosierungen spricht mein Darm nicht mehr richtig an.
 
Ein Arbeitskollege (WfbM) reduzierte deshalb in Absprache mit seinem Arzt das Clozapin um die Hälfte. Laut einem anderen Arbeitskollegen nahm er es sogar einmal ein Jahr lang gar nicht mehr ein. Das war aber keine gute Zeit, denn statt Clozapin nahm er Zopiclon ein, wurde abhängig und war dann in einem noch schlechteren Zustand als vorher. Den Arzt kümmerte es nicht, er verschrieb ohne Willen zu echter Hilfe das Zopiclon weiter.
 
@Simon_ Hast du schon versucht mit Umstellung von Ernährung/Getränken und Bewegung deine Peristaltik zu beeinflussen? Darmträgheit muss gar nicht unbedingt von Antipsychotika kommen?
 
Hallo Simon,

dein Beitrag zeigt sehr deutlich, wie massiv belastend die clozapinbedingte Obstipation für dich geworden ist – gerade weil du trotz Bewegung, viel Flüssigkeit und ballaststoffreicher Ernährung weiterhin starke Probleme hast.
Dass du über einen Wechsel nachdenkst, ist absolut nachvollziehbar, zumal du inzwischen auf sehr hohe Dosen verschiedener Laxanzien angewiesen bist.

Ich möchte dir ein paar strukturierte Orientierungspunkte geben, die dir beim Gespräch mit deinem Arzt helfen können.


1. Warum Clozapin so häufig schwere Obstipation verursacht

Clozapin hat ein sehr stark anticholinerges Profil (M1‑Blockade), kombiniert mit Effekten auf α‑Rezeptoren und Serotoninrezeptoren.
Dadurch wird die Darmmotilität deutlich verlangsamt – bei manchen Menschen so stark, dass selbst hohe Laxanzien-Dosen kaum noch wirken.

Das ist ein bekanntes Problem und einer der häufigsten Gründe für Therapieabbrüche.


2. Welche SSRI theoretisch die Darmmotilität unterstützen können

Einige SSRI erhöhen die Serotoninaktivität im Darm und können dadurch weichen Stuhlgang oder Durchfall verursachen.
Das ist kein Ersatz für eine Obstipationsbehandlung – aber es kann in manchen Fällen eine unterstützende Wirkung haben.

Pharmakologisch am stärksten prokinetisch:

1. Sertralin
– starke SERT‑Blockade
– relevante NET‑Komponente
– häufig Durchfall / weicher Stuhl

Moderate Optionen:

2. Citalopram
– etwas „breitere“ Wirkung durch R‑Enantiomer
– bei manchen Menschen stärker prokinetisch

3. Escitalopram
– fokussierter, etwas weniger variabel
– ebenfalls möglich

Weniger geeignet:

  • Fluoxetin (CYP‑Interaktionen)
  • Paroxetin (anticholinerg → kann Obstipation verstärken)
  • Fluvoxamin (starke CYP1A2‑Hemmung → Clozapinspiegel steigt massiv → unbedingt vermeiden)
Ein SSRI wäre keine Behandlung der Ursache, aber könnte bei manchen Menschen die Motilität leicht unterstützen.


3. Welche Therapien bei Clozapin‑Obstipation üblich sind

Viele Betroffene nutzen bereits:
  • Macrogol (Movicol)
  • Bisacodyl (Dulcolax)
  • Natriumpicosulfat (Laxoberal)
  • Kombinationen daraus (wie du selbst beschrieben hast)
Wenn diese nicht mehr ausreichen, werden in der Gastroenterologie manchmal auch Prokinetika erwogen (z. B. Prucaloprid).
Das ist aber immer eine ärztliche Entscheidung.


4. Wenn ein Wechsel des Antipsychotikums erwogen wird

Ein Wechsel nach 17 Jahren Stabilität ist ein großer Schritt – aber es gibt Antipsychotika, die deutlich weniger anticholinerg sind und daher viel seltener schwere Obstipation verursachen.

Pharmakologisch günstigste Alternativen:

1. Aripiprazol
– keine M1‑Blockade
– kaum anticholinerg
– wenig Sedierung
– sehr günstiges Darmprofil

2. Lurasidon
– keine M1‑Blockade
– ebenfalls sehr günstiges Profil

3. Amisulprid
– keine anticholinergen Effekte
– oft gut verträglich

4. Ziprasidon
– günstig für den Darm
– aber QT‑Intervall beachten

Diese Substanzen haben ein viel niedrigeres Risiko für Obstipation als Clozapin.


5. Teilweiser Wechsel / Kombinationen

Manche Menschen reduzieren Clozapin und ergänzen ein zweites Antipsychotikum, um die anticholinerge Last zu senken – genau das wurde im Thread auch erwähnt (ein Nutzer berichtete von einer Halbierung der Clozapin-Dosis).

Das kann funktionieren, muss aber sehr eng ärztlich begleitet werden.


6. Was du deinem Arzt konkret ansprechen kannst

  • Wie stark die Obstipation inzwischen ist (1–2× pro Woche Stuhlgang)
  • Dass selbst hohe Laxanzien-Dosen kaum noch wirken
  • Ob ein SSRI als unterstützende Maßnahme sinnvoll wäre
  • Ob ein Prokinetikum infrage kommt
  • Ob eine Clozapin‑Reduktion oder ein Wechsel auf ein weniger anticholinerges Antipsychotikum möglich ist
  • Welche Risiken ein Wechsel nach 17 Jahren Stabilität hätte
  • Welche Alternativen (Aripiprazol, Lurasidon, Amisulprid) für dich geeignet wären

7. Abschließende Gedanken

Du gehst das Thema sehr reflektiert an und hast bereits viele Maßnahmen ausprobiert.
Die Belastung, die du beschreibst, ist real und ernst – und es gibt durchaus gangbare Wege, die du mit deinem Psychiater und Gastroenterologen besprechen kannst.


Mithilfe von KI erstellt.



PS: @Simon_ mir war bisher auch neu, dass Lurasidon ohne Probleme verordnet werden kann, hab das aktuell erst so mitbekommen:

✅ 1. Ist Lurasidon in Deutschland offiziell verfügbar?​

Ja – aber mit einem wichtigen Haken.

✔️ Lurasidon (Latuda) ist in der EU zugelassen (EMA‑Zulassung seit 2014).

✔️ Es ist in Deutschland grundsätzlich verordnungsfähig.​

❗ ABER: Es wird in Deutschland nicht aktiv vermarktet.​

Das bedeutet:
  • Es taucht nicht in jeder Apotheke automatisch auf
  • Viele Psychiater kennen es kaum oder gar nicht
  • Es wird nicht breit beworben
  • Manche Apotheken müssen es bestellen oder über den Großhandel beziehen
  • Es ist nicht in jeder Packungsgröße verfügbar
Trotzdem:
Es ist legal, verordnungsfähig und wird von Krankenkassen erstattet, wenn die Indikation passt.


🧾 2. Bekommt man Lurasidon über ein normales Kassenrezept?​

✔️ Ja.​

Ein Psychiater kann ganz normal ein Kassenrezept ausstellen.
Die Apotheke bestellt es dann über den Großhandel.

Es ist kein Import, keine Auslandsbestellung, keine Sondergenehmigung nötig.


💶 3. Übernehmen Krankenkassen Lurasidon?​

✔️ Ja, gesetzliche Krankenkassen übernehmen es,​

wenn die Indikation laut EMA‑Zulassung erfüllt ist:
  • Schizophrenie
  • Bipolare Depression (Monotherapie oder Add‑on)
Es gibt keine Ausschlüsse oder „Off‑Label‑Probleme“ wie bei manchen neueren Medikamenten.


🌍 4. Warum wirkt es so, als wäre es nicht verfügbar?​

Weil:
  • der Hersteller Sunovion in Deutschland keine aktive Vermarktung betreibt
  • viele Psychiater es nie verschrieben haben
  • es in Leitlinien zwar erwähnt wird, aber nicht prominent
  • Apotheken es oft nicht auf Lager haben
  • es in Deutschland weniger bekannt ist als in USA, Kanada, UK, Schweiz
Aber:
Es ist regulär erhältlich.


📦 5. Wie kommt man praktisch daran?​

Ganz normal:
  1. Psychiater stellt Rezept aus
  2. Apotheke bestellt es (Großhandel hat es)
  3. Lieferung meist innerhalb 24–48 Stunden
Du hast selbst gesehen:
Eine deutsche Online‑Apotheke (Shop‑Apotheke) listet es offen – das wäre ohne deutsche Verfügbarkeit unmöglich.


🔄 6. Vergleich Clozapin – Aripiprazol – Lurasidon (kompakt)​

Clozapin

  • stärkste Wirkung bei Therapieresistenz
  • massive anticholinerge Wirkung → Obstipation
  • Sedierung, Gewicht, Hypotonie
  • Blutbildkontrollen

Aripiprazol

  • keine M1‑Blockade → kaum Obstipation
  • sehr verträglich
  • Dopamin‑Modulator
  • manchmal zu schwach bei schwerer Psychose

Lurasidon

  • keine anticholinergen Effekte → sehr geringes Obstipationsrisiko
  • modern, gut verträglich
  • gute Wirkung auf Negativsymptome
  • nicht Clozapin‑stark

🔀 7. Teilwechsel: Clozapin + Aripiprazol

Das ist eine realistische Option, die viele Kliniken nutzen:
  • Clozapin wird reduziert
  • Aripiprazol wird ergänzt
  • anticholinerge Last sinkt
  • Obstipation bessert sich oft
  • Wirkung bleibt häufig stabil
Für jemanden wie Simon wäre das eine echte Option, wenn ein kompletter Wechsel zu riskant erscheint.


⚡ 8. Bupropion als Add‑on (rein theoretisch)​

  • DAT‑Blockade → moduliert dopaminerg
  • NET‑Blockade → stärkt präfrontalen Dopaminmangel
  • kann Antrieb, Kognition, Negativsymptome verbessern
  • kleine Studien zeigen Nutzen
  • aber: keine starke Evidenz für Positivsymptome
  • nur als Add‑on denkbar, nicht als Ersatz
  • müsste ärztlich begleitet werden
Pharmakologisch ist es interessant, aber klinisch nicht etabliert.


📌 Fazit​

  • Lurasidon ist in Deutschland verfügbar, aber nicht aktiv vermarktet.
  • Krankenkassen übernehmen es, wenn die Indikation passt.
  • Psychiater können es ganz normal verschreiben.
  • Aripiprazol und Lurasidon sind die besten Alternativen, wenn Clozapin wegen Obstipation nicht mehr tolerierbar ist.
  • Teilwechsel Clozapin + Aripiprazol ist eine realistische Zwischenlösung.
  • Bupropion ist pharmakologisch interessant, aber klinisch nicht etabliert.


Mithilfe von KI erstellt
 
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