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🧠 Dopamin‑Partialagonisten der dritten Generation

Dopamin‑Partialagonisten der dritten Generation

Aripiprazol, Brexpiprazol und Cariprazin – pharmakologische Profile, intrinsische AktivitĂ€t und klinische Implikationen​


1. Einordnung: Was unterscheidet diese Substanzen grundsĂ€tzlich?​

Aripiprazol, Brexpiprazol und Cariprazin gehören zu den sogenannten Dopamin‑D₂/D₃‑Partialagonisten. Sie unterscheiden sich von klassischen Antipsychotika dadurch, dass sie den Dopamin‑D₂‑Rezeptor nicht vollstĂ€ndig blockieren, sondern eine partielle Aktivierung aufrechterhalten. Dieses Prinzip fĂŒhrt zu einer funktionellen Dopaminstabilisierung und erklĂ€rt das insgesamt gĂŒnstigere Profil hinsichtlich Prolaktin, EPS und metabolischer Effekte Springer.
Entscheidend ist jedoch:
Partialagonismus ist kein einheitliches Konzept.
Die drei Substanzen unterscheiden sich deutlich in AffinitĂ€t (pKi) und intrinsischer AktivitĂ€t (Efficacy) – und genau daraus ergeben sich ihre klinischen Unterschiede.

2. RezeptoraffinitĂ€t (pKi) – BindungsstĂ€rke an Dopaminrezeptoren​

Die pKi‑Werte beschreiben, wie stark ein Wirkstoff an einen Rezeptor bindet. Ein höherer pKi‑Wert bedeutet eine höhere AffinitĂ€t.

Tabelle 1: Dopaminerge AffinitĂ€ten (human, in‑vitro)​

SubstanzD₂ pKiD₃ pKiD₄ pKi
Aripiprazol~9.3~8.55~7.2
Brexpiprazol~9.5~8.0~7.45
Cariprazin~9.3~9.6~7.0
Sources: brexpiprazole | Ligand Activity Charts | IUPHAR/BPS Guide to PHARMACOLOGY
Interpretation:
  • Alle drei Substanzen binden sehr stark an D₂
  • Cariprazin ist klar D₃‑prĂ€ferenziell
  • Brexpiprazol weist die höchste D₄‑AffinitĂ€t auf
  • D₄‑Bindung liegt bei allen im pharmakologisch relevanten Bereich

3. Intrinsische AktivitĂ€t – der entscheidende funktionelle Unterschied​

Die intrinsische AktivitÀt beschreibt, wie stark ein Wirkstoff den Rezeptor nach Bindung aktiviert, gemessen als Emax (% der Dopaminwirkung).

Tabelle 2: Intrinsische AktivitĂ€t am D₂‑Rezeptor​

SubstanzIntrinsische AktivitÀt (Emax)Funktionelle Einordnung
Aripiprazol~25–30 %hoch
Cariprazin~15–20 %mittel
Brexpiprazol~10 %niedrig
Sources: Springer
Zentraler Punkt:
AffinitĂ€t bestimmt, wo ein Wirkstoff wirkt – intrinsische AktivitĂ€t bestimmt, wie er wirkt.

4. Klinische Konsequenzen der unterschiedlichen Profile​

Aripiprazol​

  • hohe D₂‑AffinitĂ€t und hohe intrinsische AktivitĂ€t
  • wirkt funktionell agonistischer
  • klinisch:
    • aktivierend
    • höheres Akathisie‑Risiko
    • stark prolaktinsenkend
  • geeignet bei:
    • HyperprolaktinĂ€mie
    • dopaminerger Unterfunktion

Brexpiprazol​

  • vergleichbare AffinitĂ€t, aber deutlich geringere intrinsische AktivitĂ€t
  • funktionell nĂ€her am Antagonisten
  • klinisch:
    • geringere Akathisie
    • stabilisierender, „ruhiger“
  • geeignet bei:
    • empfindlichen Patienten
    • Angst, Agitation, Schlafstörung

Cariprazin​

  • moderate D₂‑AktivitĂ€t
  • sehr hohe D₃‑AffinitĂ€t
  • klinisch:
    • Wirkung auf Motivation, Negativsymptome
    • lĂ€ngere Halbwertszeit
  • geeignet bei:
    • Negativsymptomatik
    • affektiver InstabilitĂ€t
Sources: Springer

5. pKi vs. intrinsische AktivitĂ€t – warum beides entscheidend ist​

ParameterKlinische Bedeutung
pKiRezeptorbesetzung, Wirksamkeit bei niedriger Dosis
Intrinsische AktivitÀtRichtung der Wirkung (agonistisch vs. antagonistisch)
Kombinationbestimmt Aktivierung, EPS‑Risiko, Akathisie
Ein Wirkstoff mit:
  • hoher AffinitĂ€t + hoher intrinsischer AktivitĂ€t
    → funktionell dopaminerg (Aripiprazol)
  • hoher AffinitĂ€t + niedriger intrinsischer AktivitĂ€t
    → funktionell stabilisierend (Brexpiprazol)

6. Intrinsische AktivitĂ€t bei Dopamin‑SupersensitivitĂ€t und tardiver Dyskinesie (TD)​

Theoretischer Hintergrund​

Dopamin‑SupersensitivitĂ€t und TD sind mit:
  • Up‑Regulation von D₂‑Rezeptoren
  • post‑synaptischer Überempfindlichkeit assoziiert.

Potenzieller Nutzen von Partialagonisten​

Partialagonisten können:
  • exzessive Dopaminantworten abpuffern
  • gleichzeitig eine basale Aktivierung aufrechterhalten
  • theoretisch:
    • SupersensitivitĂ€t reduzieren
    • Rebound‑PhĂ€nomene vermeiden

Kritische Einordnung​

  • Hohe intrinsische AktivitĂ€t(z. B. Aripiprazol):
    • kann bei bestehender SupersensitivitĂ€t symptomverstĂ€rkend wirken
  • Niedrige intrinsische AktivitĂ€t(Brexpiprazol):
    • theoretisch gĂŒnstiger bei schwerer TD
    • weniger dopaminerge Stimulation
Die klinische Evidenz zur TD‑Behandlung ist noch begrenzt, aber das pharmakologische Modell spricht eher fĂŒr niedrig‑effiziente Partialagonisten bei ausgeprĂ€gter SupersensitivitĂ€t Springer.

7. Zusammenfassung in einem Satz​

Aripiprazol, Brexpiprazol und Cariprazin unterscheiden sich nicht primĂ€r durch ihre D₂‑AffinitĂ€t, sondern durch ihre intrinsische AktivitĂ€t und D₃/D₄‑Gewichtung – mit relevanten Konsequenzen fĂŒr Aktivierung, VertrĂ€glichkeit und den Umgang mit dopaminerger SupersensitivitĂ€t.


Start-Matrix fĂŒr Vergleichbarkeit​

In vivo D2/3‑Belegung im Menschen​

SubstanzPET‑Tracer/PopulationD2/3‑Occupancy Kernaussage
Aripiprazol([^{11}C])raclopride, gesunde Probanden, 14 TageDosisabhĂ€ngig ca. 40–95% bei 0.5–30 mg/Tag; >90% ohne EPS in dieser Stichprobe
Aripiprazol([^{18}F])fallypride, Patient:innen; plus TDM‑KohorteBei klinischen Dosen im Mittel ~90% D2/3‑Belegung ĂŒber Regionen; EC50 (Serum) ca. 5–10 ng/ml; nahe SĂ€ttigung >100–150 ng/ml; sehr langsame Dissoziation (nahe SĂ€ttigung bis ~1 Woche nach letzter Dosis möglich)
Cariprazin([^{11}C])(+)-PHNO, Patient:innenNach 2 Wochen: bei 1 mg/Tag D3 ~76% und D2 ~45% (D3‑PrĂ€ferenz bei niedriger Dosis); bei 12 mg/Tag ~100% fĂŒr beide; EC50 (Plasma) D3 3.84 nM vs D2 13.03 nM
Brexpiprazol([^{11}C])(+)-PHNO, Patient:innenD2‑Belegung ~64% bei 1 mg/Tag und ~80% bei 4 mg/Tag; D3‑VerfĂŒgbarkeit nahm nach 1 mg zu und Ă€nderte sich bei 4 mg nicht (mit den verwendeten Tracern keine „klassische“ D3‑Belegung sichtbar)
Brexpiprazol([^{11}C])raclopride, gesunde ProbandenStriatale D2/3‑Belegung steigt dosisabhĂ€ngig und plateauiert grob bei ~77–88% (5–6 mg, 4 h post-dose), Ă€hnlich nach 23.5 h; Omax-SchĂ€tzung ~89% Putamen/~95% Caudatum
Warum das fĂŒr SupersensitivitĂ€t wichtig ist: Es trennt „was bindet wirklich im Menschen?“ von „was behauptet eine In‑vitro‑Rangliste?“. Bei Aripiprazol ist zudem sauber belegt, dass klinische Spiegel praktisch SĂ€ttigungsnĂ€he erreichen können. download.uni-mainz.de
 

AnhÀnge

Zuletzt bearbeitet:
Hi, ich habe Fragen zu den Unterschieden in der Wirkung von Cariprazin und Aripiprazol. Ich bekam frĂŒher Cariprazin und andere Medikamente. Dann wurde das Cariprazin gegen Aripiprazol ausgetauscht. Aripiprazol hat bei mir eine deutliche Wirkung gegen Derealisation, Cariprazin gar keine. Meine Fragen dazu:
Ist der Effekt gegen Derealisation auf den Dopamin Partialagonismus des Aripiprazols zurĂŒckzufĂŒhren? Aber Cariprazin hat diese Wirkung auch. Ist es also noch etwas anderes, wo Aripiprazol gegen Derealisation wirkt.
 
Nach 2 Wochen: bei 1 mg/Tag D3 ~76% und D2 ~45% (D3‑PrĂ€ferenz bei niedriger Dosis)
Nach acht Wochen wieder andere Werte. Grund ist das Didesmethylcariprazin als long lasting metabolite. Man soll also nicht voreilig höher dosieren als gewohnt, auch wenn die EinschÀtzung (durch Beobachtung) schwierig ist, sondern erstmal bei 1,5 mg unten bleiben, ist mein Schluss.
 
Ist der Effekt gegen Derealisation auf den Dopamin Partialagonismus des Aripiprazols zurĂŒckzufĂŒhren? Aber Cariprazin hat diese Wirkung auch. Ist es also noch etwas anderes, wo Aripiprazol gegen Derealisation wirkt.
Welche Medikament hattest du als du Dereslisation hattest? Ich hatte so etwas in der Art 2012 unter Paliperidon bzw. Risperidon, da habe ich in der Akutbehandlung(nach ersten RĂŒckfall) so reagiert, fĂŒhlte mich wie leicht Manisch. Kurz hat man mich dann mit Flupentixol in der geschĂŒtzten Station behandelt, da ich kein Haloperidol vertragen habe. Mit Flupentixol war die Psychose und das Derealisation weg.

Also ich wĂŒrde Derealisation eher in dem Fall als persistierende Symptomatik sehen. Das Flupentixol hat man dann wieder fĂŒr die Erhaltungstherapie durch 150mg Paliperidon (Xeplion Depot in höchstdosis) ersetzt. Zuhause hatte ich wieder diese Derealisation, wo ich wie neben mir stehend komisches Zeugs geredet habe, also bisschen wie wenn man alles als Witz wahrnimmt.

Problem war einerseits die zu hohe Dosis da 25-50 mg normal in der Erhaltung ausreicht und 150 mg eine Überdosis ist die gleichzeitig keine Akutwirkung hat. Also die Derealisation im Grunde wie Therapieresistenz (TRS) sich dargestellt hat und in meinem Fall eine paradoxe Nebenwirkung gewesen sein kann. Wenn mehr Antipsychotika zu so einer Derealisation beitragen was man auch teils als psychotische Symptomatik sehen oder verwechseln kann. Bisschen wie leicht scherzhaft oder manisch.

@Chris25 meinst do so eine Art Symptomatik und wann im Verlauf ist bei dir diese Derealisation aufgetreten und welche Antipsychotika und andere Wirkstoffe hast du genau eingenommen in dieser Phase. Wurde etwas verÀndert vorher und nachher?

Welche Symptome der Derealisation kannst du nennen die das was du erlebt hast gut beschreiben wie du dich gefĂŒhlt hast und wie du auf andere gewirkt hast?

Flupentixol (hochpotentes klassisches Antipsychotikum) hat mir damals akut in der Klinik sehr schnell geholfen, Àhnlich schnell ist Aripiprazol bei mir im spÀteren Verlauf von der Wirkung her angeschlagen und hatte auch keine Derealisation bei mir.

Damals als ich Paliperdion(Xeplion) direkt nach der Klinik als Depot hatte, da habe ich ein SSRI Antidepressivum Citalopram eingenommen, was die Derealisation oder bei mir wie Ich-Störung gelindert hat, gleichzeitig habe ich das Depot von der Dosis reduziert. Also es lang bei mir eher an einer Überdosierung und am Wirkstoff selbst das ĂŒberhaupt derartige Derealisation aufgetreten ist.

Ein SSRI-Antidepressivum Citalopram wirkt als Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, also kann das mit der Derealisation auch etas mit den Serotoinrezeptoren zu tun haben, wo wir uns bei den Antipsychotika zusĂ€tzlich zum Partialagonismus an den D-Rezeptoren noch die 5-HT (Serotoninrezeptoren) anschauen mĂŒssten, da antipsychotika besonders Atypische auch darauf wirken:
Hier eine Übersicht der pKi-Werte die sich von den Einzelwerten bei D4 hier teils deutlich unterscheiden aber mit Blick auf 5-HT2A wir hier deutliche Unterschiede sehen:
Rezeptorbindungsprofile von Antipsychotika

Cariprazin und Aripiprazol auch Quetiapin und Amisulprid haben verglichen zu anderen atypischen weniger 5-HT2A Rezeptorblockade(ein serotoninrezeptor der fĂŒr die Atypische Wirkung wichtig ist) Ă€hnlich wie 5-HT2C. Auch der Partialagonismus an 5-HT1A kann wichtig sein um Derealisation zu vermeiden.

Es geht also da womöglich eher oder auch um die Serotoninrezeptoren, wobei der Partialagonismus an den D-Rezeptoren ebenso wichtig sein kann.
Flupentixol (typisches NL) hat in der Klinik antipsychotisch sehr gut gewirkt und hat kaum 5-HT-Wirkung, aber ich stand womöglich trotzdem von der Realisation etwas neben mir.

@Chris25 das sind von mir eher persönliche Erfahrungen und grobe SchÀtzung an welchen Rezeptoren es liegen könnte, da Antipsychotika ja wie du oben im Link siehst auf zig Rezeptoren wirken.
Um das nungenauer einschĂ€tzen zu können mĂŒsstest du die Derealisation bei dir genau beschreiben, vielleicht auch anhand eines Denkbeispiels, wie du dich da von dir normal unterschieden hast. Deine Medikamente die du zu der Zeit oder vorher hattest, ob du vorher abgesetzt hast und in einen RĂŒckfall warst, können zusĂ€tzlich helfen zu sehen welches Rezeptorprofil du genau eingenommen hattest als du die Derealisation hattest. Auch die zusĂ€tzlichen Wirkstoffe die du vorher oder nachher hattest sind wichtig um zu klĂ€ren wie es entstanden ist und warum es besser wurde.

Viele Atypische Antipsychotika haben eine starke 5-HTA2 Wirkung und da (Risperidon / Paliperidon) war zumindest bei mir die Derealisation am ausgeprÀgtesten.
Andersherum starke 5-HT1A Antagnonisten teils Partialagonisten könnten Vorteilhaft sein fĂŒr deine Erfahrung spricht das Aripirpazol bei dir viel besser als Cariprazin gegen Derealisation gewirkt hat. Dort schneidet Cariprazin mit einer pKI von 7,9 gut ab, aber Aripiprazol mit 8,7 hat da eine sehr starke Blockade als Partialagonist. Dies könnte etwas vergleichbar mit SSRI-Antidepressiva sein, da die antidepressive Wirkung auch von 5-HT1A kommt und nur die Mechanismen anders sind.

Aufgrund deiner Erfahrungen und meiner wĂŒrde zusammengenommen also dort die höchsten Überschneidungen sein welche die besten Erfahrungen bei dir mit Aripiprazol erklĂ€rt. Meist ist es ja ein zusammenspiel mehrere Rezeptoren, also Überblockade von 5-HT2A könnte Derealisation induzieren wo 5-HT1A Partialagonimus diese vielleicht löst.
Antagonismus blockiert zwar hÀufig die aktivitÀt der Botenstoffe, aber es kommt darauf an ob prÀ oder postsynaptisch die Rezeptoren sitzen die blockiert werden und manchmal kann dann Antagonismus auch die AktivitÀt in dem Fall von Serotonin verbessern.
Etwa gibt es Alpha 1 postsynaptischen Antagonismus der dort dĂ€mpft und sedierend wirkt. Aber auch Alpha 2 prĂ€synaptischen Antagonismus der in dem Fall Noradrenalin steigert oder aktivierend wirkt. Beides kann gewĂŒnscht sein, nur verbinden wir hĂ€ufig Antagonimus mit blockade.
MĂŒssten wir uns also auch genau anschauen was beim Serotonin genau passiert ob starke Blockade an 5-HT1A tatsĂ€chlich einer funktionellen Blockade nahekommt. SSRI-Antidepressiva wirken auf den SERT-Tansporter modulierend, was womöglich die Gehirnregionen mit Mangel an Serotonin etwas besser mit Serotonin versorgt also eher Steigerung der AktivitĂ€t bewirkt, was im Grunde an allen 5-HT unspezifisch ansetzt.

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Welche Medikament hattest du als du Dereslisation hattest? Ich hatte so etwas in der Art 2012 unter Paliperidon bzw. Risperidon, da habe ich in der Akutbehandlung(nach ersten RĂŒckfall) so reagiert, fĂŒhlte mich wie leicht Manisch. Kurz hat man mich dann mit Flupentixol in der geschĂŒtzten Station behandelt, da ich kein Haloperidol vertragen habe. Mit Flupentixol war die Psychose und das Derealisation weg.

Also ich wĂŒrde Derealisation eher in dem Fall als persistierende Symptomatik sehen. Das Flupentixol hat man dann wieder fĂŒr die Erhaltungstherapie durch 150mg Paliperidon (Xeplion Depot in höchstdosis) ersetzt. Zuhause hatte ich wieder diese Derealisation, wo ich wie neben mir stehend komisches Zeugs geredet habe, also bisschen wie wenn man alles als Witz wahrnimmt.

Problem war einerseits die zu hohe Dosis da 25-50 mg normal in der Erhaltung ausreicht und 150 mg eine Überdosis ist die gleichzeitig keine Akutwirkung hat. Also die Derealisation im Grunde wie Therapieresistenz (TRS) sich dargestellt hat und in meinem Fall eine paradoxe Nebenwirkung gewesen sein kann. Wenn mehr Antipsychotika zu so einer Derealisation beitragen was man auch teils als psychotische Symptomatik sehen oder verwechseln kann. Bisschen wie leicht scherzhaft oder manisch.

@Chris25 meinst do so eine Art Symptomatik und wann im Verlauf ist bei dir diese Derealisation aufgetreten und welche Antipsychotika und andere Wirkstoffe hast du genau eingenommen in dieser Phase. Wurde etwas verÀndert vorher und nachher?

Welche Symptome der Derealisation kannst du nennen die das was du erlebt hast gut beschreiben wie du dich gefĂŒhlt hast und wie du auf andere gewirkt hast?

Flupentixol (hochpotentes klassisches Antipsychotikum) hat mir damals akut in der Klinik sehr schnell geholfen, Àhnlich schnell ist Aripiprazol bei mir im spÀteren Verlauf von der Wirkung her angeschlagen und hatte auch keine Derealisation bei mir.

Damals als ich Paliperdion(Xeplion) direkt nach der Klinik als Depot hatte, da habe ich ein SSRI Antidepressivum Citalopram eingenommen, was die Derealisation oder bei mir wie Ich-Störung gelindert hat, gleichzeitig habe ich das Depot von der Dosis reduziert. Also es lang bei mir eher an einer Überdosierung und am Wirkstoff selbst das ĂŒberhaupt derartige Derealisation aufgetreten ist.

Ein SSRI-Antidepressivum Citalopram wirkt als Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, also kann das mit der Derealisation auch etas mit den Serotoinrezeptoren zu tun haben, wo wir uns bei den Antipsychotika zusĂ€tzlich zum Partialagonismus an den D-Rezeptoren noch die 5-HT (Serotoninrezeptoren) anschauen mĂŒssten, da antipsychotika besonders Atypische auch darauf wirken:
Hier eine Übersicht der pKi-Werte die sich von den Einzelwerten bei D4 hier teils deutlich unterscheiden aber mit Blick auf 5-HT2A wir hier deutliche Unterschiede sehen:
Rezeptorbindungsprofile von Antipsychotika

Cariprazin und Aripiprazol auch Quetiapin und Amisulprid haben verglichen zu anderen atypischen weniger 5-HT2A Rezeptorblockade(ein serotoninrezeptor der fĂŒr die Atypische Wirkung wichtig ist) Ă€hnlich wie 5-HT2C. Auch der Partialagonismus an 5-HT1A kann wichtig sein um Derealisation zu vermeiden.

Es geht also da womöglich eher oder auch um die Serotoninrezeptoren, wobei der Partialagonismus an den D-Rezeptoren ebenso wichtig sein kann.
Flupentixol (typisches NL) hat in der Klinik antipsychotisch sehr gut gewirkt und hat kaum 5-HT-Wirkung, aber ich stand womöglich trotzdem von der Realisation etwas neben mir.

@Chris25 das sind von mir eher persönliche Erfahrungen und grobe SchÀtzung an welchen Rezeptoren es liegen könnte, da Antipsychotika ja wie du oben im Link siehst auf zig Rezeptoren wirken.
Um das nungenauer einschĂ€tzen zu können mĂŒsstest du die Derealisation bei dir genau beschreiben, vielleicht auch anhand eines Denkbeispiels, wie du dich da von dir normal unterschieden hast. Deine Medikamente die du zu der Zeit oder vorher hattest, ob du vorher abgesetzt hast und in einen RĂŒckfall warst, können zusĂ€tzlich helfen zu sehen welches Rezeptorprofil du genau eingenommen hattest als du die Derealisation hattest. Auch die zusĂ€tzlichen Wirkstoffe die du vorher oder nachher hattest sind wichtig um zu klĂ€ren wie es entstanden ist und warum es besser wurde.

Viele Atypische Antipsychotika haben eine starke 5-HTA2 Wirkung und da (Risperidon / Paliperidon) war zumindest bei mir die Derealisation am ausgeprÀgtesten.
Andersherum starke 5-HT1A Antagnonisten teils Partialagonisten könnten Vorteilhaft sein fĂŒr deine Erfahrung spricht das Aripirpazol bei dir viel besser als Cariprazin gegen Derealisation gewirkt hat. Dort schneidet Cariprazin mit einer pKI von 7,9 gut ab, aber Aripiprazol mit 8,7 hat da eine sehr starke Blockade als Partialagonist. Dies könnte etwas vergleichbar mit SSRI-Antidepressiva sein, da die antidepressive Wirkung auch von 5-HT1A kommt und nur die Mechanismen anders sind.

Aufgrund deiner Erfahrungen und meiner wĂŒrde zusammengenommen also dort die höchsten Überschneidungen sein welche die besten Erfahrungen bei dir mit Aripiprazol erklĂ€rt. Meist ist es ja ein zusammenspiel mehrere Rezeptoren, also Überblockade von 5-HT2A könnte Derealisation induzieren wo 5-HT1A Partialagonimus diese vielleicht löst.
Antagonismus blockiert zwar hÀufig die aktivitÀt der Botenstoffe, aber es kommt darauf an ob prÀ oder postsynaptisch die Rezeptoren sitzen die blockiert werden und manchmal kann dann Antagonismus auch die AktivitÀt in dem Fall von Serotonin verbessern.
Etwa gibt es Alpha 1 postsynaptischen Antagonismus der dort dĂ€mpft und sedierend wirkt. Aber auch Alpha 2 prĂ€synaptischen Antagonismus der in dem Fall Noradrenalin steigert oder aktivierend wirkt. Beides kann gewĂŒnscht sein, nur verbinden wir hĂ€ufig Antagonimus mit blockade.
MĂŒssten wir uns also auch genau anschauen was beim Serotonin genau passiert ob starke Blockade an 5-HT1A tatsĂ€chlich einer funktionellen Blockade nahekommt. SSRI-Antidepressiva wirken auf den SERT-Tansporter modulierend, was womöglich die Gehirnregionen mit Mangel an Serotonin etwas besser mit Serotonin versorgt also eher Steigerung der AktivitĂ€t bewirkt, was im Grunde an allen 5-HT unspezifisch ansetzt.

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Danke fĂŒr diese sehr ausfĂŒhrliche Antwort. Die Art Derealisation, die ich meine ist die, eigentlich unter ICD-10 F 48.1 gefĂŒhrte Wahrnehmungsstörung. Das heißt, sie unterscheidet sich von der psychotischen Derealisation durch bestehende Krankheitseinsicht. Ich habe mittlerweile beide Diagnosen, Schizophrenie und Derealisation. Weil die Derealisation nicht allein durch die Schizophrenie erklĂ€rbar ist, und ich genau weiß was ich habe. Zur Zeit nehme ich Risperidon, Lamotrigin, Escitalopram und Aripiprazol. Außer dem Risperidon wirken die anderen drei, sich gegenseitig verstĂ€rkend, gegen die Derealisation. Jene Ă€ußert sich so: Die Umgebung wirkt fremd, leblos, fad, tot, langweilig. Das Sehen ist zweidimensional. Es gibt ein Flimmern als ob man auf einen schlecht eingestellten analogen Bildschirm eines Röhrenfernsehers blickt. Die Farben und das Licht werden grell. Alles wirkt surreal, wie bei Alice im Wunderland. Virtuell und nicht mehr real. Man blickt wie durch eine Wand oder Glasscheibe, abgetrennt von der Wirklichkeit und fĂŒhlt sich wie in einem Traum. Alles ist verschleiert. Das Sichtfeld unvollstĂ€ndig. Die eigene vertraute Umwelt wirkt so, als ob sie vollkommen fremd geworden ist. OberflĂ€chen bilden krĂ€uselnde Muster. Das eigene Spiegelbild sieht fremd und verzerrt aus. Die Gesichter anderer Menschen wirken seltsam. Bei GesprĂ€chen wirkt das Gesprochene so, als gĂ€be es eine kurze zeitliche Verzögerung. Alles klingt dumpf und wie in Zeitlupe. Das ZeitgefĂŒhl und emotionale GedĂ€chtnis scheint verloren zu gehen. Der Körper fĂŒhlt sich taub an, wie mit örtlichen BetĂ€ubungen, gedehnt. Oder man schwebt scheinbar ĂŒber den Boden. Dabei weiß man aber, dass es sich um eine Trugwahrnehmung handelt. Das unterscheidet es von einer Psychose. Soll aber auch innerhalb einer Wahnstimmung oder Wahnwahrnehmung vorkommen, nur dass alles wie auf einer BĂŒhne wirkt, wo alle noch einmal die Requisiten umrĂ€umen, bevor "ich" da bin (dann sind das Beziehungsideen innerhalb der Psychose). Die meisten Medikamente sind zwar gut antipsychotisch, beeinflussen aber die Derealisation nicht. Ich habe das seit 28 Jahren. In letzter Zeit ist es gelungen, diese Wahrnehmungsstörung, evt. Ich- Störung, mit den drei beschriebenen Medikamenten um einen Großteil zu bessern. Den Rest versuche ich ĂŒber einen rTMS (transkranielle Magnet Stimulation) womöglich am rechten TPJ, als Selbstzahler in einer Stimulationspraxis, behandeln zu lassen. Im Gehirn soll Derealisation etwas mit den NMDA-Rezeptoren, dem Glutamatsystem und vielleicht auch mit Dopamin und Serotonin zu tun haben. Kurz: Cariprazin beeinflusst Derealisation nicht. Aripiprazol durchaus, besonders in Verbindung mit einem SSRI und Lamotrigin. Risperidon soll Derealisation eher verstĂ€rken.– Derealisation ist eine dissoziative Störung. Meine Angststörung und Schizophrenie sind noch Kapitel fĂŒr sich.
 
Aus meiner Sicht sprechen wir hier von Dreck und weniger Dreck

Der SchlĂŒssel liegt aber woanders

Ihr mĂŒsst es zulassen um Heilung zu erfahren

Ich verstehe einfach nicht, warum die Natur diese TĂŒr noch offen gelassen hat, denn sie mag mit nicht wenig Leid fĂŒr dessen Erzeugnissen verbunden zu sein
 
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