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📘 A.3 Zytokin‑ & Inflammasom‑Achse

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  • 📘 Zytokin‑ & Inflammasom‑Achse bei Schizophrenie

    (Lexikon‑Artikel – Grundlagenblock)

    Kurzdefinition​

    Zytokine sind lösliche Botenstoffe des Immunsystems, die EntzĂŒndungs‑ und Stressreaktionen koordinieren. Im Gehirn werden sie u. a. von Mikroglia freigesetzt und beeinflussen neuronale AktivitĂ€t, SynapsenstabilitĂ€t und Neurotransmission.
    Das Inflammasom (z. B. NLRP3) ist ein intrazellulĂ€rer Signal‑Komplex, der Zytokinfreisetzung verstĂ€rkt und als „VerstĂ€rker“ neuroinflammatorischer Prozesse wirkt. In der Schizophrenie werden verĂ€nderte Zytokinprofile und eine dysregulierte Inflammasom‑AktivitĂ€t als mögliche pathophysiologische Achsen diskutiert MDPI Frontiers.


    Warum Zytokine fĂŒr Schizophrenie relevant sind​

    Mehrere Befundlinien sprechen fĂŒr eine Beteiligung:
    • Periphere Marker: Erhöhte EntzĂŒndungsmarker (z. B. Zytokine, CRP) wurden bei Erstmanifestation und in chronischen Stadien beschrieben ScienceDirect MDPI.
    • ZNS‑Bezug: Zytokine können die Blut‑Hirn‑Schranke beeinflussen oder ĂŒber periphere‑zentrale Signalwege neuronale Prozesse modulieren Frontiers.
    • Entwicklungsrisiko: PrĂ€natale Immunaktivierung (MIA) erhöht das spĂ€tere Psychoserisiko – vermittelt u. a. ĂŒber Zytokine Frontiers.
    • Therapie‑Relevanz: Antipsychotika zeigen teils antiinflammatorische Effekte, unabhĂ€ngig von Dopaminrezeptoren ScienceDirect.


    Zentrale Zytokine im Fokus​

    Die Literatur nennt wiederholt folgende proinflammatorische Zytokine:
    ZytokinMögliche Relevanz
    IL‑6Stress‑ und Akutphasen‑Marker; assoziiert mit kognitiven Defiziten
    TNF‑αModulation synaptischer PlastizitĂ€t; Einfluss auf Glutamat
    IL‑1ÎČSchlĂŒsselzytokin des Inflammasoms; beeinflusst Neurotransmission
    Diese Zytokine sind keine Diagnostikmarker, sondern dynamische Zustandsmarker mit hoher interindividueller VariabilitÀt MDPI.


    Das Inflammasom: VerstĂ€rker statt Auslöser​

    Das NLRP3‑Inflammasom ist ein intrazellulĂ€rer Proteinkomplex, der bei Aktivierung die Reifung und Freisetzung von IL‑1ÎČ und IL‑18 fördert.

    Wichtige Punkte:​

    • Es reagiert auf zellulĂ€ren Stress, nicht nur auf Infektionen.
    • Es wirkt als SignalverstĂ€rker, nicht als primĂ€rer Trigger.
    • Chronische Aktivierung kann einen niedriggradigen EntzĂŒndungszustand stabilisieren.
    In Schizophrenie‑Modellen wird diskutiert, dass Stress, metabolische VerĂ€nderungen oder Mikroglia‑Priming das Inflammasom leichter aktivierbar machen ScienceDirect Frontiers.


    Mikroglia‑Zytokin‑Achse: ein Arbeitsmodell​

    1. Trigger (Stress, Infekt, Schlafentzug, Absetzen von Medikamenten)
    2. → Mikroglia‑Aktivierung
    3. → Zytokinfreisetzung (IL‑6, TNF‑α, IL‑1ÎČ)
    4. → Inflammasom‑VerstĂ€rkung
    5. → VerĂ€nderung neuronaler Signalverarbeitung
    Wichtig:
    Diese Kaskade ist reversibel, aber bei wiederholter Aktivierung kann sie sich sensibilisieren.


    Verbindung zu Symptomen (hypothetisch)​

    EbeneMögliche Effekte
    SynaptischverĂ€nderte Glutamat‑SignalĂŒbertragung
    Netzwerkreduzierte Signal‑zu‑Rausch‑Trennung
    Funktionkognitive Verlangsamung, Antriebsminderung
    Dynamikerhöhte Stress‑ und Reizempfindlichkeit
    Zytokin‑Achsen erklĂ€ren eher Negativ‑ und kognitive Symptome als akute Positivsymptome ScienceDirect MDPI.


    Antipsychotika & Zytokine​

    Eine aktuelle Übersichtsarbeit zeigt:
    • Viele Antipsychotika senken IL‑6, TNF‑α, IL‑1ÎČ in prĂ€klinischen und klinischen Studien.
    • Zweite‑Generation‑Antipsychotika zeigen tendenziell stĂ€rkere antiinflammatorische Effekte.
    • Metabolische Nebenwirkungen können die Interpretation erschweren ScienceDirect.
    Lexikon‑Merksatz:
    Antipsychotika wirken nicht nur dopaminerg – sie modulieren auch angeborene Immunpfade.


    HĂ€ufige MissverstĂ€ndnisse​

    • „Zytokine = Ursache der Schizophrenie“ → zu simpel. Sie sind Modulatoren, keine alleinige Ursache.
    • „EntzĂŒndung ist immer schlecht“ → falsch. Kurzfristige Immunreaktionen sind physiologisch.
    • „Blutwerte spiegeln Gehirnprozesse direkt“ → nur eingeschrĂ€nkt zutreffend.


    Offene Fragen​

    • Welche Patient:innen profitieren von antiinflammatorischen Strategien?
    • Gibt es stabile Zytokin‑Subtypen?
    • Wie interagieren Zytokine mit Dopamin‑ und Stressachsen?


    Platzhalter fĂŒr Erfahrungsintegration​

    • Trigger: Stress, Infekt, Schlafmangel, Absetzen
    • Symptome: Antrieb, Kognition, Affekt
    • Zeitverlauf: akut vs. verzögert
    • Wirkstoffe: subjektive anti‑ oder proinflammatorische Effekte


    Quellen​

    • Antiinflammatorische Effekte von Antipsychotika ScienceDirect
    • Systematische Übersicht zu Zytokinen bei Schizophrenie MDPI
    • Überblick zu Neuroinflammation & Schizophrenie Frontiers


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