Zytokinâ & InflammasomâAchse bei Schizophrenie
(LexikonâArtikel â Grundlagenblock)
Kurzdefinition
Zytokine sind lösliche Botenstoffe des Immunsystems, die EntzĂŒndungsâ und Stressreaktionen koordinieren. Im Gehirn werden sie u.âŻa. von
Mikroglia freigesetzt und beeinflussen neuronale AktivitÀt, SynapsenstabilitÀt und Neurotransmission.
Das
Inflammasom (z.âŻB. NLRP3) ist ein intrazellulĂ€rer SignalâKomplex, der Zytokinfreisetzung verstĂ€rkt und als âVerstĂ€rkerâ neuroinflammatorischer Prozesse wirkt. In der Schizophrenie werden verĂ€nderte Zytokinprofile und eine dysregulierte InflammasomâAktivitĂ€t als mögliche pathophysiologische Achsen diskutiert
MDPI Frontiers.
Warum Zytokine fĂŒr Schizophrenie relevant sind
Mehrere Befundlinien sprechen fĂŒr eine Beteiligung:
- Periphere Marker: Erhöhte EntzĂŒndungsmarker (z.âŻB. Zytokine, CRP) wurden bei Erstmanifestation und in chronischen Stadien beschrieben ScienceDirect MDPI.
- ZNSâBezug: Zytokine können die BlutâHirnâSchranke beeinflussen oder ĂŒber periphereâzentrale Signalwege neuronale Prozesse modulieren Frontiers.
- Entwicklungsrisiko: PrĂ€natale Immunaktivierung (MIA) erhöht das spĂ€tere Psychoserisiko â vermittelt u.âŻa. ĂŒber Zytokine Frontiers.
- TherapieâRelevanz: Antipsychotika zeigen teils antiinflammatorische Effekte, unabhĂ€ngig von Dopaminrezeptoren ScienceDirect.
Zentrale Zytokine im Fokus
Die Literatur nennt wiederholt folgende proinflammatorische Zytokine:
| Zytokin | Mögliche Relevanz |
|---|
| ILâ6 | Stressâ und AkutphasenâMarker; assoziiert mit kognitiven Defiziten |
| TNFâα | Modulation synaptischer PlastizitĂ€t; Einfluss auf Glutamat |
| ILâ1ÎČ | SchlĂŒsselzytokin des Inflammasoms; beeinflusst Neurotransmission |
Diese Zytokine sind
keine Diagnostikmarker, sondern
dynamische Zustandsmarker mit hoher interindividueller VariabilitÀt
MDPI.
Das Inflammasom: VerstÀrker statt Auslöser
Das
NLRP3âInflammasom ist ein intrazellulĂ€rer Proteinkomplex, der bei Aktivierung die Reifung und Freisetzung von ILâ1ÎČ und ILâ18 fördert.
Wichtige Punkte:
- Es reagiert auf zellulÀren Stress, nicht nur auf Infektionen.
- Es wirkt als SignalverstÀrker, nicht als primÀrer Trigger.
- Chronische Aktivierung kann einen niedriggradigen EntzĂŒndungszustand stabilisieren.
In SchizophrenieâModellen wird diskutiert, dass Stress, metabolische VerĂ€nderungen oder MikrogliaâPriming das Inflammasom leichter aktivierbar machen
ScienceDirect Frontiers.
MikrogliaâZytokinâAchse: ein Arbeitsmodell
- Trigger (Stress, Infekt, Schlafentzug, Absetzen von Medikamenten)
- â MikrogliaâAktivierung
- â Zytokinfreisetzung (ILâ6, TNFâα, ILâ1ÎČ)
- â InflammasomâVerstĂ€rkung
- â VerĂ€nderung neuronaler Signalverarbeitung
Wichtig:
Diese Kaskade ist
reversibel, aber bei wiederholter Aktivierung kann sie sich
sensibilisieren.
Verbindung zu Symptomen (hypothetisch)
| Ebene | Mögliche Effekte |
|---|
| Synaptisch | verĂ€nderte GlutamatâSignalĂŒbertragung |
| Netzwerk | reduzierte SignalâzuâRauschâTrennung |
| Funktion | kognitive Verlangsamung, Antriebsminderung |
| Dynamik | erhöhte Stressâ und Reizempfindlichkeit |
ZytokinâAchsen erklĂ€ren eher
Negativâ und kognitive Symptome als akute Positivsymptome
ScienceDirect MDPI.
Antipsychotika & Zytokine
Eine aktuelle Ăbersichtsarbeit zeigt:
- Viele Antipsychotika senken ILâ6, TNFâα, ILâ1ÎČ in prĂ€klinischen und klinischen Studien.
- ZweiteâGenerationâAntipsychotika zeigen tendenziell stĂ€rkere antiinflammatorische Effekte.
- Metabolische Nebenwirkungen können die Interpretation erschweren ScienceDirect.
LexikonâMerksatz:
Antipsychotika wirken nicht nur dopaminerg â sie modulieren auch
angeborene Immunpfade.
HÀufige MissverstÀndnisse
- âZytokine = Ursache der Schizophrenieâ â zu simpel. Sie sind Modulatoren, keine alleinige Ursache.
- âEntzĂŒndung ist immer schlechtâ â falsch. Kurzfristige Immunreaktionen sind physiologisch.
- âBlutwerte spiegeln Gehirnprozesse direktâ â nur eingeschrĂ€nkt zutreffend.
Offene Fragen
- Welche Patient:innen profitieren von antiinflammatorischen Strategien?
- Gibt es stabile ZytokinâSubtypen?
- Wie interagieren Zytokine mit Dopaminâ und Stressachsen?
Platzhalter fĂŒr Erfahrungsintegration
- Trigger: Stress, Infekt, Schlafmangel, Absetzen
- Symptome: Antrieb, Kognition, Affekt
- Zeitverlauf: akut vs. verzögert
- Wirkstoffe: subjektive antiâ oder proinflammatorische Effekte
Quellen
- Antiinflammatorische Effekte von Antipsychotika ScienceDirect
- Systematische Ăbersicht zu Zytokinen bei Schizophrenie MDPI
- Ăberblick zu Neuroinflammation & Schizophrenie Frontiers
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