SystemschwĂ€chen: ErregungsâDĂ€mpfungsâBalance & metabolische Faktoren bei Schizophrenie
Kernidee
Das Gehirn benötigt eine
stabile Balance zwischen Erregung und DĂ€mpfung, um Reize zu filtern, Stress zu regulieren und kognitive Prozesse aufrechtzuerhalten.
Bei Schizophrenie finden sich Hinweise auf
systemische SchwĂ€chen, die diese Balance destabilisieren â insbesondere durch
oxidativen Stress,
mitochondriale Dysfunktion,
metabolische InstabilitÀt und
reduzierte EnergieverfĂŒgbarkeit. Diese Faktoren erhöhen die
VulnerabilitĂ€t neuronaler Netzwerke und verstĂ€rken die Effekte von Neuroinflammation und GABAâDefiziten.
ErregungsâDĂ€mpfungsâBalance als Systemeigenschaft
Die Balance zwischen exzitatorischen (v.âŻa. glutamatergen) und inhibitorischen (v.âŻa. GABAergen) Prozessen ist keine statische GröĂe, sondern eine
energieabhÀngige Systemeigenschaft.
Schon moderate Störungen der Energieversorgung oder des RedoxâGleichgewichts können:
- inhibitorische Kontrolle schwÀchen
- neuronale Erregbarkeit erhöhen
- NetzwerkâSynchronisation destabilisieren
Damit wird verstÀndlich, warum
metabolische Faktoren die klinische AusprÀgung und StressreaktivitÀt beeinflussen.
Oxidativer Stress
Mehrere Reviews zeigen, dass Schizophrenie mit
erhöhtem oxidativem Stress einhergeht, gekennzeichnet durch:
- erhöhte reaktive Sauerstoffspezies (ROS)
- reduzierte antioxidative KapazitÀt
- Lipidâ, Proteinâ und DNAâSchĂ€den
Oxidativer Stress wirkt dabei nicht als primÀre Ursache, sondern als
VerstĂ€rker, der neuronale Netzwerke anfĂ€lliger fĂŒr Dysfunktion macht und den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen kann
Frontiers.
Mitochondriale Dysfunktion
Mitochondrien sind zentral fĂŒr die
Energieversorgung des Gehirns.
Aktuelle Ăbersichtsarbeiten beschreiben bei Schizophrenie:
- verÀnderte mitochondriale Funktion
- gestörte oxidative Phosphorylierung
- verĂ€nderten Sauerstoffâ und Laktatstoffwechsel
Diese VerÀnderungen können zu einer
chronisch reduzierten EnergieverfĂŒgbarkeit fĂŒhren, insbesondere in energieintensiven Netzwerken wie prĂ€frontalen Schaltkreisen
MDPI.
Metabolische InstabilitĂ€t & EnergieverfĂŒgbarkeit
Neuronale Netzwerke benötigen kontinuierlich Energie, um:
- inhibitorische Kontrolle aufrechtzuerhalten
- synaptische PlastizitÀt zu ermöglichen
- Stressreaktionen zu puffern
Eine reduzierte EnergieverfĂŒgbarkeit verschiebt die Systembalance in Richtung
Ăbererregbarkeit, da inhibitorische Prozesse (z.âŻB. GABAâInterneurone) besonders energieabhĂ€ngig sind.
Dies erklÀrt, warum metabolische SchwÀchen mit
schneller Erschöpfbarkeit,
Grundanspannung und
kognitiver InstabilitÀt assoziiert sein können
MDPI Frontiers.
Verbindung zu Neuroinflammation & GABAâDefiziten (BlockâAâIntegration)
SystemschwÀchen wirken nicht isoliert, sondern
synergistisch mit anderen BlockâAâMechanismen:
- Oxidativer Stress verstĂ€rkt MikrogliaâAktivierung
- Neuroinflammation erhöht den Energiebedarf
- Energieknappheit schwĂ€cht GABAâvermittelte Inhibition
So entsteht ein
Teufelskreis aus Erregung, Stress und NetzwerkâInstabilitĂ€t, der die VulnerabilitĂ€t fĂŒr psychotische Dekompensation erhöht.
Funktionelle Relevanz
SystemschwÀchen helfen zu erklÀren:
- anhaltende âGrundanspannungâ
- erhöhte StressreaktivitÀt
- schnelle mentale Erschöpfung
- variable kognitive LeistungsfÀhigkeit
Diese PhÀnomene lassen sich als Ausdruck einer
reduzierten SystemâResilienz verstehen, nicht als isolierte Symptome.
Kurzfazit
Metabolische und energetische Faktoren sind ein
zentraler, oft unterschÀtzter Bestandteil der Pathophysiologie der Schizophrenie.
SystemschwĂ€chen in der ErregungsâDĂ€mpfungsâBalance erhöhen die AnfĂ€lligkeit neuronaler Netzwerke und verstĂ€rken die Effekte von Neuroinflammation und GABAâDefiziten.
Damit bilden sie einen wichtigen Baustein im VerstÀndnis von
SystemvulnerabilitĂ€t innerhalb von BlockâŻA.
Zentrale Quellen
- Mitochondrial dysfunction and energy metabolism in schizophrenia MDPI
- Oxidative stress and schizophrenia spectrum disorders Frontiers
Querverweise
â
BlockâŻF.5 â Oxidativer Stress
Oxidative Belastung ist ein zentraler Treiber von SystemschwÀchen.
â
BlockâŻD.1 â Stresskaskaden
Ein geschwÀchtes System reagiert stÀrker und schneller auf Stress.
NĂ€chster Schritt: