SerotoninâRezeptorprofile im Kontext von Neuroinflammation bei Schizophrenie
Kurzdefinition
Serotonin (5âHT) ist ein zentraler Modulator von
Stimmung, Kognition, Stressverarbeitung und NeuroplastizitÀt. Serotonerge Rezeptoren interagieren eng mit
Dopaminâ, Glutamatâ und Immunprozessen. In der Schizophrenie wird Serotonin zunehmend als
Netzwerkâ und Modulationssystem verstanden, das neuroinflammatorische Prozesse beeinflusst und von ihnen beeinflusst wird â insbesondere ĂŒber
5âHT2Aâ und 5âHT1AâRezeptoren.
Warum Serotonin im EntzĂŒndungskontext wichtig ist
Serotonin ist kein âreiner Stimmungsstoffâ, sondern:
- moduliert MikrogliaâAktivitĂ€t
- beeinflusst Zytokinfreisetzung
- reguliert Stressâ und HPAâAchse
- steuert glutamaterge Signalverarbeitung
- wirkt indirekt auf dopaminerge Systeme
Damit ist Serotonin ein
Vermittler zwischen EntzĂŒndung, Stress und neuronaler NetzwerkstabilitĂ€t.
Zentrale SerotoninâRezeptoren bei Schizophrenie
| Rezeptor | Hauptfunktion | Neuroinflammatorischer Bezug |
|---|
| 5âHT2A | exzitatorisch | GlutamatâModulation, MikrogliaâInteraktion |
| 5âHT1A | inhibitorisch | StressâDĂ€mpfung, antiinflammatorisch |
| 5âHT2C | modulierend | Antrieb, DopaminâRegulation |
| 5âHT7 | plastizitĂ€tsrelevant | circadiane & kognitive Effekte |
5âHT2AâRezeptor: Schnittstelle von Glutamat & EntzĂŒndung
Der
5âHT2AâRezeptor ist besonders relevant:
- stark exprimiert im prÀfrontalen Kortex
- moduliert glutamaterge Transmission
- Zielstruktur vieler atypischer Antipsychotika
Neuroinflammatorische Aspekte:
- Aktivierung von 5âHT2A kann glutamaterge Ăbererregung fördern
- EntzĂŒndungsprozesse verĂ€ndern 5âHT2AâSignalwege
- 5âHT2AâBlockade kann indirekt neuroinflammatorische Effekte dĂ€mpfen
Merksatz:
5âHT2A ist kein âHalluzinationsrezeptorâ, sondern ein
NetzwerkâVerstĂ€rker.
5âHT1AâRezeptor: Stressâ und EntzĂŒndungsbremse
Der
5âHT1AâRezeptor wirkt ĂŒberwiegend inhibitorisch:
- dĂ€mpft neuronale Ăbererregung
- stabilisiert die HPAâAchse
- wirkt antiinflammatorisch auf Mikroglia
Bedeutung:
- Aktivierung von 5âHT1A kann:
- Stressreaktionen reduzieren
- Zytokinfreisetzung senken
- kognitive StabilitÀt fördern
Viele moderne Antipsychotika zeigen
partielle 5âHT1AâAgonistik, was ihre Wirkung auf Negativâ und Stresssymptome erklĂ€ren könnte.
Serotonin & Mikroglia
- Mikroglia exprimieren SerotoninâRezeptoren.
- Serotonin kann Mikroglia:
- aktivieren oder
- in einen regulatorischen Zustand verschieben.
- Chronische EntzĂŒndung verĂ€ndert serotonerge Signalverarbeitung.
Arbeitsmodell:
Serotonin wirkt als
Feinregler, der entscheidet, ob EntzĂŒndung eskaliert oder abgepuffert wird.
Serotonin & KynureninâAchse
- EntzĂŒndung verschiebt TryptophanâMetabolismus:
- weniger Serotonin
- mehr KynureninâMetaboliten
- Das kann zu:
- serotonerger Dysbalance
- NMDAâModulation
- kognitiver Verlangsamung fĂŒhren
Serotonin ist hier
Opfer und Mitspieler zugleich.
Antipsychotika & Serotonin
- Atypische Antipsychotika blockieren hĂ€ufig 5âHT2A.
- Viele zeigen 5âHT1Aâpartielle Agonistik.
- Diese Kombination:
- stabilisiert Netzwerke
- reduziert StressâSensitivitĂ€t
- moduliert EntzĂŒndung indirekt
LexikonâMerksatz:
Serotonerge Effekte erklĂ€ren, warum Antipsychotika mehr tun als D2âBlockade.
Bezug zu Absetzen (Hypothese)
- Absetzen â serotonerge ReâAdaptation
- StressâAchse wird instabiler
- MikrogliaâPriming kann reaktiviert werden
- Symptome treten oft verzögert auf
Serotonin könnte erklÀren, warum Absetzreaktionen:
- emotional
- vegetativ
- stressabhÀngig sind.
HÀufige MissverstÀndnisse
- âSerotonin = Depressionâ â falsch.
- â5âHT2A nur Halluzinationenâ â zu eng.
- âSerotonin ist sekundĂ€râ â zunehmend widerlegt.
Offene Fragen
- Welche SerotoninâProfile sind entzĂŒndungsanfĂ€llig?
- Wie unterscheiden sich Subtypen?
- Welche Rolle spielt 5âHT7 langfristig?
Platzhalter fĂŒr Erfahrungsintegration
- Wirkstoffe: 5âHT2Aâstark vs. 5âHT1Aâbetont
- Effekte: Stress, Schlaf, emotionale StabilitÀt
- Absetzen: zeitlicher Verlauf
- Trigger: Stress, Schlafentzug, soziale Belastung
NĂ€chster Schritt