Schwitzen als autonomer Marker bei Psychopharmaka
Cholinerg vs. adrenerg â Stress, Geruch & NetzwerkzustĂ€nde
Kurzdefinition
Schwitzen ist kein einheitliches NebenwirkungsphÀnomen, sondern ein
sichtbarer Marker autonomer NervensystemâAktivitĂ€t. Art, Auslöser und Geruch des Schwitzens geben Hinweise darauf,
welche neurobiologischen Systeme (cholinerg vs. adrenerg) dominieren. Bei Psychopharmaka kann Schwitzen daher als
indirekter Marker fĂŒr StressachsenâAktivitĂ€t, parasympathische Regulation und NetzwerkzustĂ€nde interpretiert werden.
Zwei SchweiĂsysteme â entscheidend fĂŒr die Interpretation
Der menschliche Körper nutzt zwei funktionell unterschiedliche SchweiĂdrĂŒsentypen:
| Merkmal | Ekkrines Schwitzen | Apokrines Schwitzen |
|---|
| Steuerung | cholinerg (ACh â M3) | adrenerg (Stress) |
| Hauptfunktion | Thermoregulation | Stressâ/Emotionsreaktion |
| Auslöser | Hitze, Bewegung | psychischer Stress |
| SchweiĂzusammensetzung | wĂ€ssrig | lipidâ & proteinreich |
| Geruch | gering | oft stark |
| Neurobiologischer Kontext | Regulation | Alarmzustand |
Sources:
mayoclinic.elsevierpure.com Springer
Ekkrines Schwitzen â cholinerge Regulation
Ekkrine SchweiĂdrĂŒsen werden
cholinerg ĂŒber muskarinische M3âRezeptoren aktiviert. Dieses Schwitzen dient primĂ€r der
Temperaturregulation und ist:
- körperlich belastungsabhÀngig
- hitzeabhÀngig
- meist geruchsarm
Neurobiologische Bedeutung
Ekkrines Schwitzen zeigt:
- funktionierende cholinerge Endstrecke
- parasympathische Dominanz
- kein primÀrer Stressalarm

Es ist ein Marker fĂŒr
regulative autonome AktivitĂ€t, nicht fĂŒr psychische Eskalation.
Sources:
mayoclinic.elsevierpure.com Springer
Apokrines Schwitzen â adrenerger Stressmarker
Apokrine DrĂŒsen reagieren vor allem auf
emotionale und psychische Stressoren. Der Schweià enthÀlt Lipide und Proteine, die bakteriell zersetzt werden und dadurch
intensiven Geruch erzeugen.
Neurobiologische Bedeutung
Apokrines Schwitzen zeigt:
- sympathische Aktivierung
- StressachsenâAktivitĂ€t
- Alarmâ oder BedrohungszustĂ€nde

Der
Geruch ist hier der entscheidende Marker.
Sources:
Springer
Psychopharmaka & Schwitzen â zentrale Steuerung
Medikamenteninduziertes Schwitzen entsteht
nicht durch DrĂŒsendefekte, sondern durch
zentrale autonome Dysregulation. Psychopharmaka können:
- hypothalamische Thermoregulation beeinflussen
- parasympathische oder sympathische Tonuslagen verschieben
- Stressachsen modulieren
Drugâinduzierte Hyperhidrose ist eine der hĂ€ufigsten autonomen Nebenwirkungen psychotroper Substanzen
mayoclinic.elsevierpure.com Medsafe.
Differenzierte Muster bei Psychopharmaka (Beispiele)
Bupropion
- hÀufig ekkrines Schwitzen
- hitzeâ & aktivitĂ€tsabhĂ€ngig
- meist geruchsarm
- spricht fĂŒr:
- erhaltene cholinerge Regulation
- geringe Stresseskalation
- regulative autonome AktivitÀt
Aripiprazol (v.âŻa. in Absetzâ/Stressphasen)
- hÀufiger apokrines Schwitzen
- stressabhÀngig
- geruchsintensiv
- spricht fĂŒr:
- sympathische Dominanz
- Stressâ/AlarmzustĂ€nde
- autonome InstabilitÀt
Risperidon / Paliperidon
- oft wenig differenziertes Schwitzen
- starke DÀmpfung autonomer Wahrnehmung möglich
- eingeschrĂ€nkte Selbstwahrnehmung kann Marker ĂŒberdecken
Sources:
mayoclinic.elsevierpure.com Medsafe
Verbindung zum M3âRezeptor
- Ekkrine SchweiĂdrĂŒsen werden ĂŒber M3âRezeptoren gesteuert.
- M3âAktivitĂ€t zeigt:
- parasympathischen Tonus
- funktionierende cholinerge Achse
- Anticholinerge Blockade:
- reduziert Schwitzen
- verschlechtert Stressregulation
- erhöht Risiko autonomer Dysbalance

M3 ist kein antipsychotischer Zielrezeptor, aber ein
klinischer Marker cholinerger Balance.
Sources:
mayoclinic.elsevierpure.com
Schwitzen als Marker â keine Nebenwirkung im engeren Sinn
Wichtig fĂŒr das Lexikon:
- Schwitzen â bloĂe Nebenwirkung
- Geruch â Hygieneproblem
- Schwitzen â psychische SchwĂ€che

Schwitzen ist ein
körperlich sichtbares Fenster in autonome und neurobiologische ZustÀnde.
Klinische Einordnung (vorsichtig formuliert)
- Ekkrines, geruchsarmes Schwitzen â eher regulativer Zustand
- Apokrines, geruchsintensives Schwitzen â Stressâ/Alarmzustand
- VerÀnderungen im Schwitzmuster können:
- Absetzphasen anzeigen
- StressachsenâAktivitĂ€t widerspiegeln
- NetzwerkâInstabilitĂ€t markieren
HÀufige MissverstÀndnisse
- âMehr Schwitzen = schlechtere Wirkungâ â falsch
- âGeruch ist irrelevantâ â falsch
- âAnticholinergika sind harmlosâ â falsch
Platzhalter fĂŒr Erfahrungsintegration
(klar als subjektiv zu kennzeichnen)
- Substanz
- Schwitztyp (ekkrin / apokrin)
- Geruch (ja / nein)
- Stresskontext
- Begleitsymptome
Quellen
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