Muskarinische AcetylcholinâRezeptoren (mAChR) im Kontext von Schizophrenie
Anticholinerge vs. cholinerge Effekte, Speichelfluss & Therapieresistenz
Kurzdefinition
Muskarinische AcetylcholinâRezeptoren (M1âM5) sind GâProteinâgekoppelte Rezeptoren, die zentrale Funktionen von
Kognition, Aufmerksamkeit, Motivation, Stressregulation und neuronaler NetzwerkstabilitĂ€t steuern. In der Schizophrenie rĂŒcken sie zunehmend als
nichtâdopaminerge Kernzielstrukturen in den Fokus â insbesondere
M1 und M4.
Periphere Effekte wie
Speichelfluss sind dabei kein bloĂer âNebeneffektâ, sondern ein
Marker cholinerger Aktivierung, der RĂŒckschlĂŒsse auf zentrale Wirkmechanismen zulĂ€sst.
Warum das cholinerge System fĂŒr Schizophrenie wichtig ist
Mehrere Linien sprechen dafĂŒr:
- Kognitive Defizite korrelieren mit cholinerger Dysfunktion.
- Anticholinerge Medikamente verschlechtern Kognition und Negativsymptome.
- Muskarinische Agonisten zeigen antipsychotische Effekte ohne Dopaminblockade.
- Therapieresistenz ist hÀufig mit cholinerger Unterfunktion assoziiert.
Moderne Reviews betonen, dass mAChRâTargeting ein
fundamental anderes Wirkprinzip darstellt als klassische Antipsychotika
University of Strathclyde ScienceDirect.
Ăberblick: Muskarinische RezeptorâSubtypen
| Rezeptor | Hauptlokalisation | Zentrale Funktion | Relevanz fĂŒr SZ |
|---|
| M1 | Kortex, Hippocampus | Kognition, PlastizitÀt | hoch |
| M2 | prÀsynaptisch | Autoregulation | moderat |
| M3 | peripher (DrĂŒsen) | Speichel, GI | indirekt |
| M4 | Striatum, Kortex | DopaminâModulation | hoch |
| M5 | VTA | Dopaminfreisetzung | explorativ |
M1âRezeptor: Kognition & NetzwerkstabilitĂ€t
- Stark im prÀfrontalen Kortex exprimiert.
- Fördert NMDAâabhĂ€ngige PlastizitĂ€t.
- M1âAktivierung verbessert:
- ArbeitsgedÀchtnis
- Aufmerksamkeit
- kognitive FlexibilitÀt
Relevanz:
M1âHypofunktion wird als zentraler Mechanismus fĂŒr
kognitive und negative Symptome diskutiert
ScienceDirect ScienceDirect.
M4âRezeptor: DopaminâFeinregulation
- Stark im Striatum.
- Hemmt dopaminerge ĂberaktivitĂ€t, ohne D2âBlockade.
- M4âAgonismus wirkt:
- antipsychotisch
- stabilisierend
- weniger sedierend
Wichtig:
M4 erklÀrt, warum cholinerge Wirkstoffe
Positivsymptome reduzieren können, ohne klassische Nebenwirkungen
University of Strathclyde ScienceDirect.
Clozapin: Anticholinerg â und trotzdem cholinerg?
Clozapin ist
kein reiner Anticholinergikum.
Pharmakologisches Paradox:
- Antagonistisch an M1/M3
- Aber:
- fördert indirekt cholinerge AktivitÀt
- moduliert M4âabhĂ€ngige Netzwerke
- beeinflusst Speichelfluss ĂŒber periphere M3âAktivierung
Speichelfluss bei Clozapin
- Paradoxer HypersalivationâEffekt.
- Entsteht durch:
- zentrale cholinerge Dysbalance
- periphere M3âStimulation
- Klinisch relevant:
- Marker fĂŒr aktive cholinerge Achse
- korreliert bei manchen Patient:innen mit besserer Wirksamkeit (Beobachtung, keine harte Evidenz)
Aripiprazol & Speichelfluss â wie passt das?
Aripiprazol ist
kein klassisch cholinerges Medikament, aber:
- moduliert dopaminerge Autoregulation
- beeinflusst indirekt:
- parasympathische AktivitÀt
- DrĂŒsenfunktion
- kann bei sensiblen Personen:
- Speichelfluss verÀndern
- vegetative Reaktionen verstÀrken
Interpretation:
Nicht direkter MâAgonismus, sondern
NetzwerkâModulation, die cholinerge Systeme âfreischaltetâ.
Anticholinergika: Warum sie oft schaden
- Verschlechtern:
- Kognition
- Negativsymptome
- Stressverarbeitung
- Maskieren EPS, aber:
- destabilisieren Netzwerke
- erhöhen EntzĂŒndungsâ und StresssensitivitĂ€t
LexikonâMerksatz:
Anticholinerge Effekte sind kurzfristig symptomlindernd, langfristig netzwerkdestabilisierend.
Muskarinische Agonisten & neue Therapien
Der Durchbruch kam mit
M1/M4âAgonisten:
- Xanomeline (M1/M4âprĂ€ferent)
- KarXT (Xanomeline + peripherer Antagonist)
Diese Substanzen:
Therapieresistenz & cholinerge Hypothese
Bei therapieresistenter Schizophrenie (TRS):
- hÀufig:
- kognitive Dominanz
- StressâSensitivitĂ€t
- geringe D2âAntwort
- cholinerge Modulation könnte:
- NetzwerkstabilitÀt wiederherstellen
- Dopamin indirekt regulieren
- EntzĂŒndung dĂ€mpfen
Das erklÀrt die
Sonderstellung von Clozapin und das Interesse an M1/M4âAgonisten.
Speichelfluss als klinischer Marker (Hypothese)
Speichelfluss könnte anzeigen:
- aktive parasympathische/cholinerge Achse
- zentrale NetzwerkâReaktivierung
- bessere kognitive Integration
Nicht beweisend â aber klinisch hochinteressant.
Platzhalter fĂŒr deine Erfahrungsintegration
- Substanz
- Speichelfluss (ja/nein, StÀrke)
- Kognition
- Stressreaktion
- Absetzverlauf
Quellen
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