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📘 A.4 Kynurenin‑/Tryptophan‑Achse

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  • 📘 Kynurenin‑/Tryptophan‑Achse bei Schizophrenie

    (Neuroinflammation – BrĂŒckenmechanismus)

    Kurzdefinition​

    Die Kynurenin‑Achse beschreibt den Abbau der AminosĂ€ure Tryptophan ĂŒber den sogenannten Kynurenin‑Stoffwechselweg. Dieser Weg wird durch EntzĂŒndungs‑ und Stresssignale aktiviert und fĂŒhrt zur Bildung mehrerer neuroaktiver Metaboliten, die direkt auf NMDA‑Glutamatrezeptoren, neuronale PlastizitĂ€t und Mikroglia‑AktivitĂ€t wirken. In der Schizophrenie gilt die Kynurenin‑Achse als zentrale Schnittstelle zwischen Neuroinflammation und glutamaterger Dysregulation ScienceDirect jlupub.ub.uni-giessen.de Nature.


    Warum die Kynurenin‑Achse fĂŒr Schizophrenie relevant ist​

    Mehrere unabhĂ€ngige Befunde sprechen fĂŒr ihre Bedeutung:
    • EntzĂŒndungsabhĂ€ngige Aktivierung: Proinflammatorische Zytokine (z. B. IL‑6, TNF‑α) aktivieren das Enzym IDO (Indolamin‑2,3‑Dioxygenase), das Tryptophan in Kynurenin umwandelt jlupub.ub.uni-giessen.de Nature.
    • Glutamat‑Bezug: Kynurenin‑Metaboliten modulieren NMDA‑Rezeptoren direkt.
    • ZNS‑SpezifitĂ€t: Zentrale VerĂ€nderungen unterscheiden sich deutlich von peripheren Blutwerten Nature.
    • Therapieresistenz: Besonders bei therapieresistenter Schizophrenie (TRS) finden sich Hinweise auf eine stĂ€rkere Aktivierung der Kynurenin‑Achse ScienceDirect.


    Der Kynurenin‑Stoffwechsel – vereinfacht erklĂ€rt​

    1. Tryptophan
      ↓ (IDO, durch EntzĂŒndung aktiviert)
    2. Kynurenin (KYN)
      ↓
    3. Aufspaltung in zwei Hauptpfade:
      • KynureninsĂ€ure (KYNA) – eher NMDA‑hemmend
      • QuinolinsĂ€ure (QUIN) – NMDA‑aktivierend / potenziell neurotoxisch
    Wichtig:
    Nicht „hoch oder niedrig“ ist entscheidend, sondern das VerhĂ€ltnis dieser Metaboliten.


    Die zwei Gesichter der Kynurenin‑Achse​

    1. KynureninsĂ€ure (KYNA)​

    • Wirkt als negativer allosterischer Modulator am NMDA‑Rezeptor.
    • Kann glutamaterge Übererregung dĂ€mpfen.
    • Wird teils als neuroprotektiv interpretiert.
    • Zu hohe Spiegel könnten jedoch kognitive Verlangsamung begĂŒnstigen.

    2. QuinolinsĂ€ure (QUIN)​

    • Wirkt als NMDA‑Rezeptor‑Agonist.
    • Fördert exzitatorische Neurotransmission.
    • Wird mit neurotoxischen Effekten und Mikroglia‑Aktivierung in Verbindung gebracht.
    • Besonders relevant bei entzĂŒndungsgetriebenen ZustĂ€nden.


    Zentrale Befunde aus der Forschung​

    Eine große Meta‑Analyse zeigt:
    • Im ZNS von Menschen mit Schizophrenie:
      • erhöhte KYN/TRP‑Ratio (Hinweis auf erhöhte IDO‑AktivitĂ€t)
      • erhöhte KYNA‑Spiegel
      • reduzierte AktivitĂ€t des Enzyms KMO, das QUIN‑Bildung reguliert Nature.
    • Periphere Blutwerte spiegeln diese VerĂ€nderungen nur eingeschrĂ€nkt wider Nature.
    Eine aktuelle Studie zu therapieresistenter Schizophrenie zeigt:
    • stĂ€rkere Aktivierung der Kynurenin‑Achse bei TRS,
    • verĂ€nderte ZusammenhĂ€nge zwischen KYNA/QUIN und Symptomen,
    • mögliche modulierende Effekte von Clozapin auf NMDA‑bezogene Wirkungen ScienceDirect.


    Mikroglia als Schaltstelle der Kynurenin‑Achse​

    • Mikroglia exprimieren Enzyme des Kynurenin‑Stoffwechsels.

    • EntzĂŒndungsaktivierte Mikroglia verschieben den Stoffwechsel:
      • weg von „balancierter Regulation“
      • hin zu NMDA‑wirksamen Metaboliten
    • Dadurch entsteht eine RĂŒckkopplungsschleife:
      • EntzĂŒndung → Kynurenin‑Aktivierung → Glutamat‑Dysregulation → neuronaler Stress → weitere Mikroglia‑Aktivierung.


    Verbindung zu Symptomen (Arbeitsmodell)​

    EbeneMögliche Effekte
    RezeptorNMDA‑Hypo‑ oder Hyperfunktion
    Netzwerkgestörte kortikale Integration
    Funktionkognitive Defizite, Negativsymptome
    DynamikStress‑ und ReizĂŒberempfindlichkeit

    Die Kynurenin‑Achse erklĂ€rt besonders gut:
    • kognitive Symptome
    • Negativsymptome
    • Stress‑abhĂ€ngige Verschlechterungen


    Klinische Bedeutung​

    • Subtyp‑Modell: Nicht jede Schizophrenie ist Kynurenin‑getrieben.
      TherapieansĂ€tze: EntzĂŒndungsmodulation, Glutamat‑Modulation, Stressreduktion.
    • Absetzen: VerĂ€nderungen der EntzĂŒndungs‑ und Stresslage könnten die Achse reaktivieren (Hypothese).

    HĂ€ufige MissverstĂ€ndnisse​

    • „Mehr KYNA ist immer gut“ → falsch; Balance ist entscheidend.
    • „Blutwerte zeigen Gehirnprozesse“ → nur eingeschrĂ€nkt.
    • „Ein Stoffwechselweg erklĂ€rt alles“ → nein, aber er verbindet mehrere Ebenen.


    Offene Fragen​

    • Welche klinischen Muster passen zu KYNA‑dominanter vs. QUIN‑dominanter AktivitĂ€t?
    • Wie stark beeinflussen Antipsychotika die Kynurenin‑Achse langfristig?
    • Gibt es praktikable Marker fĂŒr individuelle Subtypen?


    Platzhalter fĂŒr Erfahrungsintegration​

    • Trigger: Stress, Infekt, Schlafentzug
    • Symptome: kognitive Verlangsamung, emotionale Abflachung, Übererregung
    • Zeitverlauf: akut vs. verzögert
    • Wirkstoffe: subjektive Effekte auf Klarheit, Antrieb, Reizverarbeitung


    Quellen​

    • Kynurenin‑Achse bei therapieresistenter Schizophrenie ScienceDirect
    • Systematische Übersicht: EntzĂŒndung & Kynurenin‑Stoffwechsel jlupub.ub.uni-giessen.de
    • Meta‑Analyse: Zentrale vs. periphere Kynurenin‑Marker Nature


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