D2âRezeptoren: Striatale Salienz & Fehlgewichtung
BlockâŻE â Dopaminerge Rezeptorlogik
Kernidee
D2âRezeptoren sind der
SalienzâSchalter des Gehirns.
Sie entscheiden nicht
was wahr ist, sondern
was Bedeutung bekommt.
Bei Psychosen ist nicht âzu viel Dopaminâ das Problem, sondern eine
Fehlgewichtung von Salienz â neutrale Reize werden als bedeutsam erlebt, wĂ€hrend Kontext und Kontrolle fehlen.
Neurobiologische Rolle der D2âRezeptoren
D2âRezeptoren sind vor allem im
Striatum (dorsal & ventral) lokalisiert und modulieren:
- ReizâBedeutung (Salienz)
- Handlungsselektion
- Motivation & Erwartung
- Lernsignale (Belohnung / Vorhersagefehler)
Sie wirken ĂŒberwiegend
Giâgekoppelt und regulieren die
SignalâzuâRauschâBalance dopaminerger AktivitĂ€t.
Salienz statt Inhalt
Ein zentraler Punkt von E.2:
D2 entscheidet nicht ĂŒber Inhalte â sondern ĂŒber Gewichtung.
Das bedeutet:
- Ein Gedanke wird nicht âfalschâ, sondern zu wichtig
- Ein GerĂ€usch wird nicht âhalluziniertâ, sondern ĂŒberbewertet
- Ein Zufall wird nicht erfunden, sondern bedeutungsvoll erlebt
D2âĂberaktivitĂ€t: Fehlgewichtung
Bei erhöhter D2âEmpfindlichkeit oder âAktivitĂ€t:
- neutrale Reize wirken bedeutsam
- ZufÀlle erscheinen intentionell
- Gedanken erhalten ĂŒbermĂ€Ăige Gewissheit
- Wahnideen werden stabilisiert
Diese Prozesse laufen
prĂ€reflexiv ab â sie sind nicht willentlich korrigierbar.
D2âUnteraktivitĂ€t: Motivationsverlust
Umgekehrt fĂŒhrt reduzierte D2âAktivitĂ€t zu:
- Antriebslosigkeit
- Anhedonie
- verminderter Zielgerichtetheit
- emotionaler Abflachung
Das erklĂ€rt, warum D2âBlockade zwar Positivsymptome reduziert, aber
Negativsymptome verstÀrken kann.
Verbindung zu Stress (BlockâŻD)
Stress verstĂ€rkt D2âFehlgewichtung auf mehreren Ebenen:
- adrenerge Eskalation (α1/ÎČ) erhöht dopaminerge ReaktivitĂ€t
- prÀfrontale Kontrolle (D1) sinkt
- limbische Salienz gewinnt Ăbergewicht
Stress verschiebt die Balance zugunsten D2âgetriebener Bedeutung
Das erklÀrt, warum psychotische Symptome hÀufig
stressabhÀngig eskalieren.
Verbindung zu D1 (E.1)
D2âFehlgewichtung wird besonders problematisch, wenn:
- D1âStabilisierung im PFC reduziert ist
- Kontextâ und ArbeitsgedĂ€chtnis fehlen
- Reize nicht mehr relativiert werden können
D1 niedrig + D2 hoch = klassische Positivsymptomatik
Klinischâtheoretische Einordnung
- D2âĂberaktivitĂ€t ist ein Kernbefund der Psychose
- sie erklĂ€rt Wahn, Fehlinterpretationen und ReizĂŒbergewichtung
- sie ist notwendig, aber nicht hinreichend fĂŒr Psychose
Psychose entsteht erst im Zusammenspiel mit:
- prÀfrontaler InstabilitÀt
- Stress
- fehlender Kontextintegration
Kurzfazit
D2âRezeptoren steuern Salienz â nicht Wahrheit.
Bei Psychosen wird Bedeutung fehlgewichtet: Neutrales wird wichtig, Wichtiges ĂŒbermĂ€chtig.
E.2 erklÀrt damit den
inhaltlichen Kern psychotischer Symptome, eingebettet in Stressâ und Kontrollmechanismen.
Querverweise
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