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Wie kommt man von Psychopharmaka weg, ohne eine Psychose zu bekommen?

zwangsneurotiker

Active member
Hallo,

ich kann nach 20 Jahren Neuroleptikaeinnahme nicht sagen, dass Medikamente gut sind.

Allerdings würde ohne alles schieflaufen.

Gibt es Alternativen? Gibt es eine Möglichkeit von Psychopharmaka weg zu kommen?

Ich hab meine Medikamente alle in der Klinik abgesetzt und ein neues bekommen. Ich frag mich jetzt, wie es wäre, wenn ich kein neues Medikament bekommen hätte.
 
Und wenn du auf die Frühwarnzeichen aufpasst? Und dir noch ein zwei schlaue Dinge mitnimmst die du schon über deine Psychose weisst? Ich habe zum Beispiel meinen Wahn durchschaut und das gibt mir viel Kraft fürs nächste Mal.
 
Man könnte versuchen es durchzuhalten, also dass du wenn die Frühwarnzeichen auftauchen alle besonderen Gedanken und Gefühle hinterfragst und sie so auf Wahn prüfst. Das ist schon eine Zwickmühle.
 
Mein Problem war, dass ich durch Schlaflosigkeit nicht mehr richtig atmen konnte und nur noch da lag. Dann habe ich versehentlich die Polizei gerufen, weil ich noch nicht einmal wusste, dass 112 der Notruf ist.
 
Ich denke, die Frage der Dosis ist wirklich eine entscheidende, davon hängt es wohl meistens ab, ob es einem mit dem Medikament gut oder schlecht geht. Man müsste wohl probieren, was die geringstmögliche, noch wirksame Dosis ist und welches Medikament der Betroffene am besten verträgt. Das kostet Zeit und Geduld, die die wenigsten Psychiater aufbringen. Es werden höhere Dosen verordnet als nötig "zur Sicherheit" und viele Ärzte sind dann sehr unwillig, zu reduzieren, auch "zur Sicherheit" (auch zur Sicherheit des Arztes?) Dann gibt es keine Probleme (außer für den Patienten). Die Dosis kann aber so einen Unterschied machen.
Mein Bruder bekam 45 Jahre lang Hoch-Dosis-Therapie, von seinem Gehirn war am Schluss nicht mehr viel übrig.
Weiß nicht, ob man dazu raten kann, es mit der Dosis-Reduktion ohne Psychiater auszuprobieren, wenn der nicht mitmacht. Manche tun das ja. Aber wenn der Arzt nicht mitmacht, kann man vielleicht einen besseren/anderen finden?
 
Wie meinst du das, dass du durch Schlaflosigkeit nicht mehr richtig atmen konntest? Hört sich für mich eher wie eine Medikamenten-Nebenwirkung an.
 
Oh das tut mir leid. Du hast es schon nicht so einfach. Wenn bei dir dann noch somatische Symptome dazukommen ist es schwer auf Neuroleptika zu verzichten. Du kannst nur versuchen eine passende Dosis zu bekommen, da müsste man eben etwas herumprobieren.
 
Viele wollen irgendwann ihre Medikamente absetzen – verständlich. Aber was viele unterschätzen: Das Absetzen selbst kann gefährlich sein, vor allem wenn man es zu schnell oder ohne ärztliche Begleitung macht.

Dr. Chris Palmer (Psychiater und Forscher) hat in einem Gespräch mit Andrew Huberman betont, wie wichtig es ist, sehr langsam vorzugehen. Er spricht von der sogenannten "10%-Methode":

👉 Man reduziert nicht einfach die ganze Dosis auf einmal, sondern immer nur ca. 10% der aktuellen Dosis – pro Monat oder sogar langsamer.
Denn: Je niedriger die Dosis wird, desto sensibler reagiert das Gehirn auf Veränderungen.

Warum ist das so kritisch?
Das Gehirn passt sich an die Medikamente an – oft über Jahre. Wenn man sie plötzlich oder zu schnell reduziert, entsteht ein "chemisches Ungleichgewicht", das zu Entzugssymptomen oder sogar einem Rückfall in die Psychose führen kann. Und der kann schlimmer sein als der erste.

Was heißt das konkret?
  • Nie auf eigene Faust absetzen. Immer mit einer/m Psychiater*in sprechen.
  • Stabilität ist Voraussetzung. Wenn es dir psychisch schlecht geht, ist nicht der richtige Zeitpunkt fürs Absetzen.
  • Langsam ist sicher. Lieber über viele Monate oder sogar Jahre ausschleichen als einen Rückfall riskieren.
  • Psychotherapie, Schlaf, Ernährung, Bewegung – das alles unterstützt die Stabilität in der Reduktion.
Meine Meinung:
Wer Medikamente nehmen muss, ist nicht schwach. Wer sie absetzen will, braucht Geduld, ärztliche Begleitung und Ehrlichkeit mit sich selbst.
 
Was heißt das konkret?
  • Nie auf eigene Faust absetzen.
Das ergibt sich für mich aber nicht aus dem vorher Geschriebenen.

Wenn man immer nur 10% vom letzten Schritt reduziert (mal ganz abgesehen davon, dass das Ziel einer Reduktion ja nicht immer die auf Null sein muss), wird man nie fertig und es wird auch nie unterlegt, warum man es sich so schwer machen soll - wenn die Neuroleptika (sind gemeint) doch angeblich süchtig machen (machen sie nicht).
 
Das ergibt sich für mich aber nicht aus dem vorher Geschriebenen.

Wenn man immer nur 10% vom letzten Schritt reduziert (mal ganz abgesehen davon, dass das Ziel einer Reduktion ja nicht immer die auf Null sein muss), wird man nie fertig und es wird auch nie unterlegt, warum man es sich so schwer machen soll - wenn die Neuroleptika (sind gemeint) doch angeblich süchtig machen (machen sie nicht).
ich verstehe deinen Punkt – aber ich glaube, hier geht etwas durcheinander.

Die 10%-Methode ist keine fixe Regel, sondern eine empfohlene Vorgehensweise, die sich an der klinischen Praxis orientiert, gerade bei sensiblen Medikamenten wie Neuroleptika. Es geht nicht darum, „nie fertig zu werden“, sondern darum, das Gehirn nicht mit plötzlichen Veränderungen zu überfordern. Viele, die zu schnell reduzieren, berichten von massiven Entzugssymptomen oder sogar Rückfällen – und genau das will man vermeiden.

Und ja, du hast recht: Das Ziel muss nicht immer 0 mg sein. Manche kommen mit einer minimalen Erhaltungsdosis gut klar – andere schaffen den Ausstieg. Es geht um individuelle Wege, nicht um eine Einheitslösung.

Was die „Sucht“ betrifft: Streng genommen machen Neuroleptika keine klassische Sucht wie bei Substanzen mit Kick und Craving. Aber das bedeutet nicht, dass eine körperliche Abhängigkeit im Sinne einer Anpassung des Nervensystems nicht existiert. Und genau diese Anpassung ist es, die beim Reduzieren Probleme machen kann.

Mir geht’s einfach darum, dass man achtsam vorgeht – und nicht in die Falle tappt, „ich fühl mich gut, also kann ich’s jetzt einfach weglassen“. Genau das hat bei vielen zu Rückschlägen geführt, auch bei mir.
 
Keine Ahnung, warum die Atmung weg blieb. Ich vermute mal, dass Dopamin die Atmung auch steuert. Gleichzeitig hatte ich Harninkontinenz, weil Dopamin auch die Nieren steuert.

Naja, wenn ihr das haben wollt, was ich habe, dann könnt ihr ruhig absetzen :D
 
Die Psychiater sagen ja oft, "lassen Sie es dann halt ganz weg (werden Sie schon sehen, was passiert)". Der Gegenpol zu dieser flapsigen Aussage ist dann oft die nicht lineare 10%-Regel, die nie fertig wird mit dem Ausschleichen, was ebenfalls nicht sein muss.

Die Frage ist halt auch, wenn man Schübe etc. riskiert durch keine Medikamenteneinnahme (also wirkliches Absetzen), ob dann die oft benötigten und ebenfalls oft nicht fest gewährten Sozialleistungen (ein unbefristeter Grad der Behinderung ist keine Sozialleistung!) bleiben. Man hat die psychiatrische Behandlung ja abgelehnt (Psychiater verschreiben nur Medikamente und sind keine Psychologen außer in ihrem engen Fachgebiet). Also wird man wieder als "Paria", als Ausgestoßener behandelt (was vielleicht mehr am Anfang der Erkrankung Schizophrenie zu deren (erstmaligem) Ausbruch geführt hat. Das ist auch ein Faktor, aber man sollte dann nicht erfinden, dass man nicht absetzen könne außer extrem langsam, besonders am Schluss.
 
eine körperliche Abhängigkeit im Sinne einer Anpassung des Nervensystems nicht existiert
Ich vermute, die existiert bei den Partialagonisten eher weniger, bei den 2nd gen / "Atypika" so wie z. B. Olanzapin ebenfalls nicht so stark wie beim klassischen hochdosierten (was dadurch aber evtl. sein muss im Behandlungsverlauf) Haloperidol, Fluphenazin, Perphenazin etc. Die Rezeptoren werden heraufgeregelt, da das Gehirn sich wehrt gegen die sehr starke Blockade ohne Anregung an anderer Stelle (z. B. Serotonin 5HT1A agonisiert, der 5HT2A und der 5HT7 geblockt). Beim z. B. Aripiprazol erhält das Gehirn die Illusion, dass die dopaminerge Neurotransmission wie bisher funktioniert, dadurch gelingt dieser Substanz auch der Kunstgriff, dass eben doch beim Exzess geblockt wird, eben weil der der spricht das Aripiprazol ist zu z. B. 85-90% bei einer Dosierung von 10 mg, am DA D2-Rezeptor.
 
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