QTc‑Zeit & kardiovaskuläre Effekte: Was ist tatsächlich belegt?
Grundsätzlich
- Risperidon und Paliperidon gehören beide zu den Antipsychotika mit moderatem QTc‑Verlängerungspotenzial.
- Weder das eine noch das andere gilt als Hochrisiko‑Substanz (im Gegensatz z. B. zu Ziprasidon oder Thioridazin).
Vergleichsdaten
In Studien und Pharmakovigilanz‑Analysen zeigt sich:
- Risperidon oral
- meist geringfügig geringere mittlere QTc‑Verlängerung
- stärkere interindividuelle Schwankung
- Paliperidon (v. a. Depot)
- konstantere QTc‑Verlängerung
- weniger Peaks, aber dauerhafte Exposition
Das ist u. a. aus Zulassungsdaten und Post‑Marketing‑Analysen bekannt .
Gilt das auch für Paliperidon oral?
Kurzantwort:
Ja – abgeschwächt, aber prinzipiell ja.
Warum?
Paliperidon ER (oral) erzeugt:
- einen flachen, gleichmäßigen Plasmaspiegel
- kaum Tal‑Phasen
- kaum metabolische Variabilität

Das bedeutet:
- keine hohen Peaks (gut)
- aber auch keine Erholungsphasenfür:
- QT‑Repolarisation
- autonome Regulation
- Blutdruck‑Adaptation
Im Gegensatz dazu hat Risperidon oral:
- höhere Peaks
- aber auch niedrigere Talspiegel, besonders nachts
Kann der konstante Spiegel ein Nachteil sein?
Ja – in bestimmten Konstellationen
Das ist kein theoretisches Konstrukt, sondern pharmakologisch plausibel und klinisch beobachtet.
Mögliche Nachteile eines konstanten Paliperidon‑Spiegels:
| Bereich | Möglicher Effekt |
|---|
| QTc | dauerhafte leichte Verlängerung statt intermittierend |
| Herzfrequenz | weniger vagale Erholung |
| Blutdruck | persistente orthostatische Tendenz |
| Schlaf | fehlende nächtliche D₂‑Entlastung |
| Prolaktin | kontinuierlich erhöht |

Besonders relevant bei:
- vorbestehender QTc‑Grenzlage
- Elektrolytstörungen
- gleichzeitiger QT‑wirksamer Medikation
- autonomer Dysregulation
Warum wirkt Risperidon manchmal „kardiologisch günstiger“?
Nicht weil es „harmloser“ ist, sondern weil:
- die Exposition zeitlich begrenzt ist
- der Körper zwischen den Dosen kompensieren kann
- nächtliche Talspiegel auftreten
Das kann – paradoxerweise –
protektiv sein, obwohl Peaks höher sind.
Depot vs. oral – wichtiger Unterschied
| Form | Bewertung |
|---|
| Paliperidon Depot | höchste konstante Belastung |
| Paliperidon oral ER | konstant, aber niedriger |
| Risperidon oral | schwankend, mit Erholungsphasen |

Deshalb sind die QTc‑Signale
am deutlichsten beim Depot, weniger bei oralem Paliperidon, und am geringsten bei oralem Risperidon –
im Mittel, nicht individuell garantiert.
Klinische Relevanz – realistisch eingeordnet
Wann relevant?
- QTc > 450–470 ms
- Synkopen, Palpitationen
- Kombination mit SSRI, Makroliden, Antiarrhythmika
- ältere Patienten
Wann meist irrelevant?
- junge, herzgesunde Personen
- niedrige Dosierungen
- keine Interaktionen
Fazit (klar & ohne Marketing)
Ja: Risperidon kann kardiologisch
minimal günstiger sein als Paliperidon –
nicht wegen geringerer Potenz, sondern wegen
nicht‑konstanter Exposition.
Ja: Auch Paliperidon oral kann theoretisch Nachteile durch Dauerblockade haben –
weniger als Depot, aber mehr als Risperidon oral.
Das ist kein Grundsatzargument gegen Paliperidon, aber ein
valider individueller Abwägungspunkt.