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Paliperidon, Unterschiede zu Risperidon

Ich kann an den 3 Antipsychotika sowieso nix ändern
@goped
Ich verstehe gut, was du meinst mit „Ich kann an den 3 Antipsychotika sowieso nix ändern“. In der Situation fühlt man sich oft komplett festgefahren und auch nicht in einer guten Verhandlungsposition gegenüber den Ärzten.

Aus meiner persönlichen Sicht liegt das Kernproblem in solchen Fällen häufig weniger bei den einzelnen Antipsychotika, sondern bei der über Jahre entstandenen Dosiseskalations‑Spirale. Wenn immer höhere Dosen nötig werden, um Stabilität zu halten, kann sich dabei eine dopaminerge Supersensitivität entwickeln. Genau diese kann dann paradoxerweise zu mehr Unruhe, Bewegungsstörungen und letztlich auch zu frühen Dyskinesien führen – besonders dann, wenn eine Reduktion versucht wird.

Der entscheidende Punkt ist aus meiner Sicht:Auch wenn man formal nichts an den Antipsychotika ändern kann, kann sich die Gesamtstabilität trotzdem verbessern, wenn die zugrunde liegende Supersensitivität funktionell abgepuffert wird. In dem Moment entsteht oft erst wieder Spielraum, sodass Ärzte später von sich aus bereit sind, Dosierungen zu reduzieren.

In diesem Zusammenhang halte ich ein NDRI‑Antidepressivum wie Bupropion für relevant, weil es Noradrenalin und Dopamin nicht blockiert, sondern moduliert. Theoretisch kann dadurch ein dopaminerges „Grundrauschen“ entstehen, das unterversorgte Hirnareale stabilisiert, während dopaminerge Überschüsse weiterhin durch Antipsychotika abgefangen werden. Aus meiner Sicht unterscheidet sich dieser Ansatz grundlegend von einer reinen D₂‑Blockade.

Ich habe diese Überlegungen auch mit Prof. Stephen M. Stahl geteilt, der dazu angemerkt hat, dass eine solche Strategie plausibel sein kann, um einer dopaminergen Supersensitivität entgegenzuwirken – auch wenn hierfür bislang keine belastbare klinische Evidenz vorliegt:“It is plausible that this strategy prevents potential dopaminergic supersensitivity.”

Aus meiner Sicht ist dabei wichtig zu berücksichtigen, dass bei bestehender Supersensitivität bereits sehr kleine Dosierungen spürbare Effekte haben können – insbesondere auch in Form von Schlafstörungen. Gerade wenn diese bereits bestehen, ist ein besonders vorsichtiges Vorgehen sinnvoll, da sich das System erst an den Wirkstoff gewöhnen muss. Langfristig kann genau das aber die Voraussetzung dafür sein, später überhaupt wieder Antipsychotika reduzieren zu können.

Ein konkretes Beispiel, das ich hier nennen möchte, ist der Verlauf von Byakko. Aus meiner Sicht wurde seine langfristige Reduktion hoher Antipsychotika‑Dosierungen erst dadurch möglich, dass zuvor eine funktionelle Stabilisierung eingetreten ist. Seine aktuellen Fortschritte sind hier dokumentiert:
Ein Versuch des Absetzens

Ich schreibe das ausdrücklich als meine persönliche Sicht und Erfahrung, nicht als allgemeine Empfehlung. Für dich könnte es aber hilfreich sein, diesen Mechanismus der Supersensitivität und die Dosiseskalations‑Spirale im Hinterkopf zu behalten und – wenn möglich – auch gegenüber deinen Behandlern anzusprechen. Ziel wäre aus meiner Sicht nicht, sofort etwas „zu ändern“, sondern langfristig wieder aus dieser Spirale herauszukommen.
 
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