Danke für Eure Antworten. Ich habe Aripripazol 10 mg vor vielen Jahren mal stationär bekommen, die Akathisie war so stark, dass ich kaum 1 min irgendwo sitzen konnte und den ganzen Tag nur monoton gelaufen bin. Das wäre gewichtstechnisch gar nicht schlecht (mein Stoffwechsel hat sich mit Olanzapin verschlechtert), aber wenn dann möchte ich Aripiprazol auch nur unter 5 mg nehmen. Und Bupropion kenne ich auch schon, hatte 150 mg und war super fokussiert und aufmerksam, das hat diese ganze Negativsymptomatik prima beeinflusst, nur musste ich es wegen stärkeren Schlafstörungen wieder absetzen. Ich wünschte echt, ich hätte es weiter nehmen können. Ich hatte 2 postpartale Psychosen, von daher weiß ich, dass die Hormone bei mir ganz stark eine Rolle spielen. Und dann fing es irgendwann mit 42 wieder mit Schlafstörungen an. Ich denke, wir brauchen viel mehr Forschung, wie Östrogene und Progesteron die Psyche beeinflussen, statt dass jeder pauschal Neuroleptika bekommt. Aber wir Betroffenen haben einfach keine Lobby. Von daher, ich find‘s klasse, Maggie, was Du hier für eine Aufklärungsarbeit leistest.
Hier sind die PET-Daten von Aripiprazol:
Aripiprazol (Rohdaten)
Striatal liegst du bei 10mg bereits bei 70–80 % D2‑Rezeptorblockade. Man sollte es auch so mit 5mg bis max. 7,5mg einschleichen, da dies den optimalen therapeutischen Bereich von 55–75 % abbildet. Meist sollte man da auch in der Akuttherapie erst nach einer Woche mit 5–7,5 mg kurzzeitig auf 10 oder 15mg steigern. Beispielsweise 3 Tage 5mg, dann 3 Tage 7,5 mg, dann 6 Tage 10 mg und erst dann, wenn nötig, kurzzeitig 15 mg, was einer extremen striatalen Dopaminblockade von 80–88 % entspricht, was bei Antagonisten toxisch wäre.
Das erklärt, warum du auf 10mg so empfindlich reagiert hast.
Vor allem zum Behandlungsbeginn hast du aufgrund der inneren Unruhe bereits vor der Antipsychotikaeinnahme starke innere Spannungen. Wenn man da praktisch gleich 10mg Aripiprazol oder 15mg Aripiprazol einsetzt, dann ist die Dopaminblockade zu abrupt und massiv und der Wirkvorteil ist, wenn überhaupt, minimal. Abrupt 10mg wäre von daher eher für jene länger therapierten Patienten geeignet, die wegen dopaminerger Supersensitivität generell höhere Dosierungen benötigen oder deutlich vorgedämpft sind.
Hast du damals stationär die 10mg Aripiprazol direkt die erste Woche in der Akutphase bekommen? Welche Olanzapindosis hast du, dann kann ich dir das korrekte Dosisäquivalent zum Aripiprazol suchen.
Aripiprazol (Rohdaten)
Olanzapin (Rohdaten)
5mg Aripiprazol entsprechen etwa 10–15 mg Olanzapin.
7,5mg Aripiprazol 15-20mg Olanzapin
10mg Aripiprazol 25-30mg Olanzapin
Aripiprazol fördert bei 5–7,5 mg den Schlaf.
Bupropion kann Aripiprazol vom Wirkspiegel um 40–70 % anheben. Angesichts dessen solltest du dann, wenn du es anschließend nach Umstellung ergänzen möchtest, das Aripiprazol auf minimal 5mg oder sogar in Tropfenform ca. 3 oder 4mg einnehmen, da die kleinste Tablettenform 5mg ist (meist keine Teilbarkeit).
Fürs grundverständnis im nächsten Absatz:
Monamintransporter regulieren allgemein Serotonin, Dopamin und Noradrenalin:
SERT=Serotonintransporter, NET=Noradrenalintransproter, DAT=Dopamintransproter (Antidepressiva decken meist SERT und NET ab, DAT nur selten wie beim Bupropion)
Rezeptoren werden spezifischer Ortsgebundener wo diese vorkommen gehemmt oder aktiviert, Antagonisten und Agonisten. Partialagonisten als Zwischending.
5HT=Serotoninrezeptoren, D=Dopaminrezeptoren, Alpha Beta = Noradrenalinrezeptoren, M=Muskarinrezeptoren(Cholinerg/Anticholinerg), H=Histaminrezeptoren, gibt mehr und viele feine Unterscheidungen, nur um einen groben Überblick zu machen.
Und Bupropion kenne ich auch schon, hatte 150 mg und war super fokussiert und aufmerksam, das hat diese ganze Negativsymptomatik prima beeinflusst, nur musste ich es wegen stärkeren Schlafstörungen wieder absetzen.
Bupropion macht ohne Antipsychotika wie in der Intervalltherapie starke Schlafstörungen. Aripiprazol sollte das locker kompensieren, aber wenn in der Intervalltherapie das Aripiprazol phasenweise wegfällt, dann macht Bupropion sehr wach und verursacht Ein- und Durchschlafstörungen.
Trimipramin-Tropfen (trizyklisches Antidepressivum) sind in der Phase nützlich. Diese Ergänzungen findest du in der
Broschüre, da in diesen Intervallphasen einerseits der Schlaf und Nebenwirkungen zu beachten sind. Siehe linke und mittlere Spalte bis Nahrungsergänzung.
Trimipramin-Tropfen helfen in Absetzphasen ohne Antipsychotikum nur, einen Schlafpuffer zu geben, aber selbst diese ansonsten sehr starke Sedierung wird zu schwach und innere Unruhe und Schlafstörungen bzw. Frühwarnsymptome der Psychose kommen durch. Dann hilft nur noch die dringend nötige Intervalltherapie vom Aripiprazol um eine Mindestgrunddämpfung herzustellen, indem die Antidepressiva wie Bupropion, Citalopram und Trimipramin-Tropfen überhaupt wirksam sind und bleiben.
SSRI wie Citalopram sind in den Phasen ohne Antipsychotikum zu Emotions- und Libidodämpfung wichtig, weil das stark zurückkommen kann. Gleichzeitig fördern SSRIs den Parasympathikus über die SERT-Hemmung, was vegetativ Muskeln entspannt. Damit werden NET bedingt Nebenwirkungen wie Miktionsstörungen (Blasenverkrampfung) oder Schließmuskelspasmen, die vorwiegend bei höheren Dosierungen von Bupropion und Dauereinnahme auftreten können, vermieden.
SERT‑Hemmung (Wirkung von selektiven SRI‑Antidepressiva) fördert den Parasympathikus, während NET‑Hemmung (wichtige Teilwirkung von Bupropion) den Sympathikus als Gegenspieler fördert.
SSRIs (Citalopram, Escitalopram oder Sertralin sind geeignet) ermöglichen auch eine höhere Dosierung von Bupropion, welches auf 300 mg Maximaldosis reguliert ist, aber mit SSRI-Zugabe auch 450mg bis max. 600 mg Bupropion am Tag möglich sind.
SSRI-Antidepressiva begünstigen auch weichen Stuhlgang, wirken also auch so Obstipation entgegen. Das ist für eine spätere Intervalltherapie wichtig zu wissen, um bedarfsgerecht SSRIs passend dosiert und es auch zeitweise ohne SSRIs machen zukönnen. Das ist, sagen wir, die Emotionsachse, also emotionale Valenz (Gewichtung), die bei starkem magischem Denken, Liebeswahn oder wenn Bauchentscheidungen über Wissen gestellt werden, wichtig ist, über SERT zu dämpfen, wobei diese Achse unter Antipsychotikaeinnahme keine so starke Relevanz hat.
Kleine Dosierungen von SSRIs sind für die vegetativen Nebenwirkungen meist ausreichend, höhere Dosierungen sind bei starken Emotionen und Libido gerade in den ersten längeren Intervallphasen wichtig, da Emotionen stärker zurückkommen, was lange antipsychotisch unterdrückt war.
Für anfänglich stärkere Schlafstörungen sind Trimipramin-Tropfen ideal. Dies ist ein atypisches Trizyklikum, da es keine gängige SERT oder NET Wirkung hat. Also statt Monamintransportern nur Rezeptoren wie 5HT oder Sedierungsrezeptoren Alpha1, Histamin und Muskarin anspricht.
Später, wenn man leichtere Sedierung möchte, ist Trazodon als SARI-Antidepressivum ein guter Ersatz zu den Trimipramin-Tropfen und hat eine leichte SSRI Komponente die meist vegativ auch das SSRI ersetzen kann.
Ich hatte 2 postpartale Psychosen, von daher weiß ich, dass die Hormone bei mir ganz stark eine Rolle spielen. Und dann fing es irgendwann mit 42 wieder mit Schlafstörungen an. Ich denke, wir brauchen viel mehr Forschung, wie Östrogene und Progesteron die Psyche beeinflussen, statt dass jeder pauschal Neuroleptika bekommt. Aber wir Betroffenen haben einfach keine Lobby. Von daher, ich find‘s klasse, Maggie, was Du hier für eine Aufklärungsarbeit leistest.
Amisulprid macht Prolaktinerhöhungen, also greift es in dieses Östrogensystem stark ein. Ich bin da kein Experte, aber ich glaube, das sind eher Nebenwirkungen, als dass es nützt. Risperidon, Paliperidon und Amisulprid machen starke Prolaktinerhöhung.
Aripiprazol hingegen kann erhöhtes Prolaktin sogar herunterstabilisieren. Deswegen in der Nebenwirkungsübersicht ein -0 ähnlich wie beim Diabetes -0 da Aripiprazol eher dort nützlich ist, statt zu schaden:
https://schizophrenie-forum.com/psy...hotika_nebenwirkungen_referenz_2026-pdf.2772/
Olanzapin löst häufig Diabetes aus. Hoffe, du bist da noch verschont geblieben oder hast nur leichte Symptome.