Herzlich willkommen ❤️

Das Schizophrenie-Forum ist da für Diskussionen rund um das Thema Psychose. Hier findest Du individuelle Beratung und Hilfe.

Registriere Dich, um alle Vorteile und individuelle Beratung nutzen zu können! Die Diskussionen sollen auch dabei helfen, unverarbeitete Themen in der Psychose besser verarbeiten zu können, andere Meinungen und Sichtweisen zu bekommen, um besser mit der Erkrankung umzugehen.
Für Angehörige, Betroffene, Therapeuten und alle, die sich interessieren und sich einbringen wollen.

Jetzt registrieren!

Im Forum findest Du eine Medikamente-Empfehlung.

Die empfohlene Wirkstoffkombination ermöglicht ein relativ normales Leben trotz Erkrankung. Anders als bei den herkömmlichen Therapien hilft diese Wirkstoffkombination auch bei Negativsymptomen, was den Verlauf der Erkrankung erheblich verbessern kann.

Empfehlung

Negativsymptomatik

Member
Registriert
29.12.2021
Beiträge
39
"Danke"
21
Hallo Menschen, die vielleicht verstehen was ich meine. Vor einem halben Jahr hatte ich meine erste psychose mit allem drum und dran. Hab mir da meine Wahnwelt gebastelt bin durch den siebten Himmel geflogen, konnte zaubern und mit der Natur sprechen. Ich muss ehrlich sagen es hat spass gemacht. Ich habe nie so intensiv gelebt. Seit dem ich auf dem harten Boden der Tatsachen angekommen bin und die Realität wieder erkenne, habe ich mit Negativsymptomen zu kämpfen. Ich habe viele Freunde verloren, bin sehr still und sozial unsicher geworden. Oft habe ich keine Einfälle und weiss einfach nicht was ich sagen könnte. Antrieb habe ich auch kaum noch Mich belastet das sehr. Ich war früher ein sehr aktiver und lebhafter Mensch, habe gequasselt wie wild und immer Lust neues und unbekannte Menschen kennen zu lernen. War kreativ und voller Ideen, das hat die Spitze in der Psychose genommen, wo ich vor Ideen gesprüht bin. Jetzt ist das alles weg, ich habe wie keinen Zugang zu meinem früheren Selbst und bin total leer. Ich habe total Angst mit Menschen zu reden. Kennt ihr das und wie geht ihr damit um?
 
Member
Registriert
14.01.2021
Beiträge
81
"Danke"
28
Mir ging es ein halbes Jahr nach meiner ersten Psychose sehr ähnlich wie dir. Ich dachte ich hätte mein früheres Ich für immer verloren, vor allem meine Kreativität und meine Fähigkeit mit Menschen zu reden, aber das kam alles nach und nach zurück. Jetzt bin ich genauso kreativ und rede wieder genauso viel wie vorher, wenn nicht sogar mehr. Bei mir hat es ein Jahr gedauert, bis ich mich wieder einigermaßen "normal" gefühlt habe. Wichtig ist dabei, dass du das richtige Medikament für dich findest. Risperidon hat diese innere Leere bei mir stark verschlimmert, darunter konnte ich kaum denken, geschweige denn mit anderen reden. Jetzt nehme ich Reagila, was mich überhaupt nicht beeinträchtigt, aber das kann von Person zu Person unterschiedlich sein. Allgemein gilt aber, dass hochdosierte Neuroleptika diese Abflachung oft schlimmer machen.

Ich würde bei einem halben Jahr auch noch nicht von Negativsymptomatik sprechen, es gibt auch so etwas wie eine postschizophrene Depression. Die wurde mir diagnostiziert und dagegen hat alles geholfen, was bei einer "normalen" Depression auch hilft - möglichst aktiv bleiben, spazieren gehen, sich eine Routine geben, Achtsamkeitsübungen usw.
Was mir auch geholfen hat ist weiter meinem kreativen Hobby nachzugehen, selbst wenn ich mich nicht kreativ gefühlt habe. Wenn du noch keins hast, vielleicht kannst du ja anfangen zu malen oder zu schreiben, ein Tagebuch zu führen soll auch hilfreich sein, weil man so kleine Verbesserungen eher sieht und dankbar dafür sein kann.

Ich kann verstehen, dass du die Psychose vermisst, ich hatte vorher manische Phasen, in denen es mir so ging wie dir und die vermisse ich auch manchmal, aber es hilft sich immer wieder vor Augen zu rufen, dass auch dieses Übersprudelnde nicht gesund war und auf Dauer dazu führt, dass es einem schlecht geht. Versuche nicht mit der Psychose zu vergleichen, sondern mit dem Normalzustand vor der Psychose, dann fällt der Vergleich auch schon etwas weniger schlecht für dich aus. Und versuch geduldig mit dir zu sein, deine Psyche hat viel durchgemacht und braucht Erholung, Dinge wie kreativ sein und soziale Kontakte sind anstrengend und wenn du da für eine Weile zurückschrauben musst, um dich zu erholen, ist das in Ordnung und bedeutet nicht, dass du nie wieder so sein wirst wie früher.
 
Administrator
Registriert
08.11.2016
Beiträge
1.595
"Danke"
197
@struppi ,
das Problem mit den Negativsymptomen haben die meisten Betroffenen. Innere Leere kann auch von bestimmten Wirkstoffen begünstigt werden.
Welche Medikamente nimmst du zur Zeit ein?

Mein Ratschlag wäre, das du dich auf längere Sicht komplett umstellen lässt von deinen Medikamenten.

Hier im Forum findest du eine Empfehlung die auch bei den Negativsymptomen effektiv hilft.

Im Unterschied zu den normalen Wirkstoffen, wird da mit einem speziellen Antidepressivum und Nikotinentwöhnungsmittel(Bupropion) ganz gezielt die Negativsymptomatik behandelt. Das Aripiprazol ist da ein vergleichsweise gut verträgliches Neuroleptikum was schon bei 5mg recht effektiv wirkt und da Nebenwirkungsarm ist, also da sollte keine innere Leere auftreten. Zusätzlich dazu wird in der Empfehlung noch Citlopram empfohlen, weil das die Libido etwas dämpft, was sonnst aufgrund des Aripiprazols verglichen zu anderen Neuroleptika eher zu viel wäre. Zusätzlich reduziert das Citalopram auch bestimmte Nebenwirkungen die das Bupropion sonnst hätte.

Das wäre mein Ratschlag und meiner Meinung nach sinnvoller als wenn du teuere neue Präperate wie Reagila auf gut Glück ausprobierst, die meistens bezüglich der Negativsymptome nur leichte Vorteile haben. Allgemein sind Neuroleptika problematisch was die Negativsymtome angeht und das Aripiprazol wäre auch schon ein neueres gut verträgliches Medikament, wo du da weniger Negativsymtome als bei anderen Neuroleptika hast.
Das Problem ist, das ohne dem Bupropion keine Effektive Wirkung gegen Negativsymptome da wäre. Die Antidepressiva ermöglichen auch das Neuroleptikum(Aripiprazol) sehr reduziert und in Intervallform einzunehmen, was dann nochmal die Negativsymptome reduziert und damit dann die Antidepressiva besser wirken können.

An sich kein Hexenwerk. Du findest bei dem Artikel dazu auch eine Druckversion die du deinen Arzt zeigen kannst wenn du dich umstellen lassen möchtest, weil das eben mehrere Schritte und mehrere Medikamente erfordert.

Üblicherweise wird meist das Neuroleptikum bei Beschwerden getauscht, was aber ob das Medikament dann Reagila oder Aripiprazol heißt auch nix 100%iges ist sondern meist nur teilweise Besserung verspricht.

Da du erst ein halbes Jahr krank ist, wird die Zeit für dich derzeit auch sehr belastend sein. Wenn du die Möglichkeit hast und vorher arbeiten warst, dann solltest du im Falle eines Rentenanspruchs dir überlegen ob du eine Erwerbsminderungsrente beantragst um finanziell mit den Gesunden wieder gleichgestellt zu sein, da hättest du Möglichkeiten der Entlastung.
Wichtiger wäre überhaupt eben das mit den Medikamenten, das du erstmal schaust was da möglich ist und dann sollte Arbeiten auch einfacher fallen, da dann die Negativsymptome deutlich gelindert werden(bei richtiger Einnahme).
Zumindest solltest du erst schauen das du gesundheitlich wieder klar kommst und deinen Beruf oder berufliche Karriere hinten anstellen, weil anderweitig der berufliche oder soziale Abstieg vorprogrammiert ist.
Besser erstmal deine Kraft in so Umstellungsmöglichkeiten stecken.
Problem bei meiner Empfehlung sind leichte Schlafstörungen die dabei etwas störend sein können (gerade bei der Intervalleinnahme des Neuroleptikums), da muss man eben schauen wie sich das mit dem Beruf vereinbaren lässt. Wenn du diese Wirkstoffe täglich einnimmst wie üblich dann ist das mit dem Schlaf normal gar kein Problem, erst wenn du das Aripiprazol in Intervallform einnehmen möchtest um die Negativsymptome nochmal deutlich zu verringern, wäre das mit den leichten Schlafstörungen eben etwas worauf man sich einstellen sollte.
 
Member
Registriert
30.10.2021
Beiträge
54
"Danke"
32
Meine eigene Erfahrung zu Negativsymptomen und Schizophrenie / Psychose:

Vorgeschichte:
Ich hatte 3 psychotische Phasen mit 3 Klinikaufenthalten über etwa 1,5 Jahre. Der letzte Klinikaufenthalt vor etwa 2 Jahren. Ich habe es nach 2 Jahren ohne Medikamente wieder in die Berufstätigkeit geschafft halbtags. Allerdings musste ich einiges dafür Opfern, hatte mit heftigen Negativsymptomen zu kämpfen.

Negativsymptome:
Die schlimmsten negativ - Symptome die ich hatte waren Denkunfähigkeit, sehr hohes Schlafbedürfnis und sehr schnelle Erschöpfung.
Das lesen von einfachen Googles - News online Artikeln war bereits zu anstrengend für mich. Das formulieren von einfachem Text am Computer war ebenfalls undenkbar. Das verrichten von einfachen Hausarbeiten (Wäsche waschen, Geschirrs spülen, Essen kochen) hat mich damals an mein tägliches Energielimit gebracht.
Ich habe etwa für 2 Jahre täglich 12 - 16 Stunden pro Tag geschlafen, regulär zu arbeiten war in dieser Zeit für mich undenkbar. Ohne die Hilfe von Familienmitgliedern hätte ich die Zeit wahrscheinlich nicht so gut zur Erholung nutzen können.

Die folgenden 4 Dinge hatten bei mir die besten positiven Effekte und zur fast vollständigen Beseitigung meiner Negativsymptomen geführt (auch zur Beseitigung von Positivsymptomen):
1. So viel schlafen wie möglich
2. High Carb, low Fat Diät um genügend Energie zu bekommen mit Sport (wenn es die Zeit zulässt) oder einfaches spazieren gehen
3. Eine berufliche Umorientierung von einem sozial isolierten Job zu einer sozialen Arbeit mit sehr großer täglicher Kommunikation mit Kunden / Kollegen (im sozialen Bereich)
4. Selbstlose, produktive Arbeit mit / für andere Mitmenschen

Als introvertierter schizophrener Mensch arbeite ich jetzt in der Dienstleistungsbranche mit sehr großer täglicher sozialer Interaktion. Ich hasse es zwar weiterhin mich mit Menschen zu unterhalten, aber ich bin bereit / habe gelernt nach außen hin ein positives Image zu faken. Dass macht mich zwar nicht glücklich, aber ich kann meine sozialen Fähigkeiten ausbauen und meine Denkfähigkeit verbessert sich langfristig wesentlich besser / schneller als mit allen anderen Dingen die ich ausprobiert habe. Deshalb werde ich das auch weiterhin so fortführen.

Für alternative Vorschläge für Hobbies / Verhaltensweisen die sich positiv auf ein schizophrenes Krankheitsbild auswirken bin ich dankbar und würde diese bei Gelegenheit auch ausprobieren.
 
Zuletzt bearbeitet:
Member
Registriert
30.10.2021
Beiträge
54
"Danke"
32
Mein Bericht ist vielleicht für alle interessant die noch Medikamente nehmen. Denn ich kann als strikter Medikamentenverweigerer alle negativen Symptome eindeutig und ausschließlich als Ursache der Psychosen zuordnen.
 
Member
Registriert
30.10.2021
Beiträge
54
"Danke"
32
@struppi
Du hattest erwähnt, dass du wegen deiner psychotischen Phase Freunde verloren hast. Ich kann aus eigener Erfahrung berichten, dass man traurigerweise nur die Freunde nach einer Psychose auch langfristig halten kann, wenn diese nichts von der eigenen Erkrankung oder den Negativsymptomen erfahren. Dass heißt eine Freundschaftspause aus Fadenscheinigen gründen, wenn es einem dreckig geht oder wenn man sich in einer Psychose - Hoch oder Tiefphase befindet.

Dieser Tipp gilt nicht nur für Freunde sondern darüber hinaus noch stärker für den eigenen Job, vor allem wenn es sich um ein privates Unternehmen und keinen sozialen Job handelt. Da wird man sonst schneller als Verrückter abgestempelt und aus dem Unternehmen geekelt inklusive negativer Arbeitgeber Bewertung (durchgedreht, unberechenbar), als einem lieb ist.

Außerdem würde ich jedem raten auch gegen positive Psychose - Symptome zu handeln, da man ansonsten den Bezug zur Realität und damit die Kontrolle über das eigene Verhalten meistens verliert.
Wer reich ist und finanziell von der Gesellschaft unabhängig dem sage ich nur, lasse deiner Psychose freien lauf. Du wirst schlimmstenfalls sozialen Kontakte, deinen Ruf und deine beruflichen Kontakte verlieren, aber das wäre mir dann auch scheiß egal. Tatsache ist, man wird niemals glücklicher und kreativer leben als in einer psychotischen Hochphase.
Das ist etwas, was die Gesunden und das Gesundheitssystem niemals verstehen werden.
 
Zuletzt bearbeitet:
TS
S
Member
Registriert
29.12.2021
Beiträge
39
"Danke"
21
@Maggi Erstmal danke an Alle die geantwortet haben! @maxi Es freut mich sehr zu hören, dass es dir wieder besser geht und dass es anscheinend auch einen Weg aus der Sprachlosigkeit gibt, die mich einfach am stärksten belastet, da ich aus Kommunikation immer viel positives ziehen konnte.
@Supertrooper Danke dir vor allem für die vielen Tips und ich denke du kannst echt stolz auf dich sein, was du mittlerweile erreicht hast und dass ohne Medikamenten. Echt chapeau mein Freund. Ich kann dir auch nur zustimmen was du über die Positivsymptome sagst. Es war die kreativste und lustigste Zeit in meinem Leben, das Tief danach hat aber so viel zunichte gemacht, dass ich darauf dann doch lieber verzichtet hätte. Und bei mir hat leider jeder mitbekommen, was los war, weil ich sehr skurrile Sachen im Netz gepostet habe und das auch einfach vom Verhalten her nicht zu kaschieren war. Die wahren Freunde sind wohl auch geblieben, sind halt kaum welche, aber ich finde es so schade, dass man sich noch immer so für diese psychische Krankheit schämen muss bzw. das Gefühl hat sich verstecken zu müssen und nicht sein zu können wer man wirklich ist.
 
Member
Registriert
30.10.2021
Beiträge
54
"Danke"
32
Hier noch eine kontroverse These:

Wer lernt ein kontrolliertes und geregeltes Leben mit positiven Psychose Symptomen zu führen lebt glücklicher, als jemand der dauerhaft unter starken Medikamenten-Nebenwirkungen und negativen Psychose Symptomen leidet (negative Stimmen, Schmerzen, Energielosigkeit, Denkstörungen).

Die traurige Wahrheit ist leider, dass die Psychiatrie bisher die psychische Krankheiten nicht gut genug versteht um sie korrekt behandeln zu können. Eine Dopamin - Fehlregulation ist zum Beispiel nur ein Symptom, aber nicht die Ursache der Krankheit.
Die Menschen werden meiner Meinung in diesem Bereich wie auf dem Stand des medizinischen Mittelalters behandelt. Man weiß die Ursache der Krankheit nicht, also versucht man durch rumprobieren eine Medikamenten-Kombination zu finden die irgendwie wirkt.

Dass ist etwa so wie wenn einem Mann im Mittelalter wegen einer Schnittverletzung am Bein das Bein amputiert oder die Wunde mit einem Brandeisen verschlossen wurde um den Tod (durch eine Infektion - diese Ursache war im Mittelalter unbekannt) zu verhindern.

Wir sind leider einfach noch nicht medizinisch weit genug entwickelt um diese geistige Krankheit vollständig zu diagnostizieren (z.B. zellbiologische Ursachen?) und pharmazeutisch korrekt zu behandeln. Vielleicht hat die nächste Generation da mehr Glück.
 
Zuletzt bearbeitet:
Administrator
Registriert
08.11.2016
Beiträge
1.595
"Danke"
197
@Supertrooper
Ich stimme dir bei vielen Punkten zu. Was die Medikamente angeht so können diese wie bei meiner Medikamente-Empfehlung (was auch eine Kombination ist) eine sehr große Entlastung sein. Wie wenn man das Bein schient und langsam die Muskeln und Belastbarkeit wieder aufbaut.
Das wäre auch schon ein rießen Fortschritt, wenn solchen neuartigen Kombis mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden würde.
Das Problem ist aber, das man da nahezu unendlich viele Möglichkeiten hat die Medikamente zu kombinieren und unterschiedlich zu dosieren, von daher kann viel richtig machen, aber wenn man das planlos macht auch viel Risiken eingehen.

Wie du schreibst, ist da die Psychiatrie einfach noch in den Kinderschuhen, da man eben noch keine perfekte Therapie gefunden hat, die sich offensichtlich lohnt. Der Vergleich mit den Bein amputieren trifft es da schon etwas, aber bei den Behandlungen hat sich die letzten 30 Jahre vermutlich trotzdem einiges verbessert.

Die Erkrankung oder Erkrankungen an sich mögen eben auch eine Aufgabe sein die man im Leben bekommt, ob man will oder nicht. Ziel sollte es sein das Leid eben zu lindern und keinen weitere Schäden zu schaffen wie es beim hippokratischen Eid eben vorgesehen ist, aber selbst da scheiden sich in der Psychiatrie etwas die Geister.

Ich finde wenn man das Beste von allen zusammennimmt und zu einer perfekten Therapie macht (wo immer noch einige Variablen sein können), dann könnte man auch heute schon die Erkrankung gut behandeln. Meiner Meinung setzen aber derzeit noch die üblichen Medikamente Grenzen, weil so Kombis wie ich sie empfehle gerade erst der Anfang sind und da auch ganz gezielt die Negativsymptomatik mit dem Bupropion behandelt wird, wofür kaum ein anderes Antidepressivum in Frage kommt. Also ein paar Grundlegende richtungsweisende Sachen auch bei den Medikamenten sollte eben schon stimmen.
Das mag auch nur für einen Teil der Patienten so gut wie bei mir funktionieren.

Ich finde da ist mit den heutigen Wirkstoffen bereits viel mehr machbar und an sich hat man da wirklich eine breite Palette an Medikamenten die das erst für mich möglich gemacht hat.
__

Wenn man die Psychose besser behandeln kann, dann muss man sich auch weder von Freunden noch beim Arbeitgeber dafür schämen, aber bis dieses negative Image abgebaut ist braucht es Zeit und zum Teil ist es eben auch begründet.
Ein Vollzeitjob ist bei einer Psychose zum Teil undenkbar, von daher klar das dann irgendwann der Körper rebelliert wenn man sich dann aufgrund von Negativsymptomen durch den Tag quält oder Positivsymptome für Aufregung sorgen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, das man vor engen Freunden möglichst wenig Geheimnisse haben sollte und das wenn der Arbeitgeber im Vorfeld bescheid weis, das es dann etwas einfacher ist. Erstmal muss man aber im Betrieb sein und da kommt das im Bewerbungsgespräch weniger gut, wenn man von so einer Erkrankung erzählt.

Da finde ich @Supertrooper gehst du zu sehr von dir aus, weil wenn man eine Psychose quasi auslebt, das da alles viel zu heftig sein kann, also Positiv- und Negativsymptome dann eben schon offensichtlicher sind, aber das ist bei den üblichen Behandlungen eben heute auch schon schwierig. Die Frage der Arbeitsfähigkeit sollte anders gedacht werden, also eher wie man trotz z.B. 12 Stunden schlafbedarf eben einen Job nachgehen kann.
Bei mir war gut einen Minijob zu machen, wo ich eine Woche am Stück die Woche durchgearbeitet habe und dann 3 Wochen Zeit zum regenerieren hatte.
Ich finde da sollte man sich solche neuartigen beruflichen Konzepte vor Augen führen, statt das man Leute für 2 oder 3 Stunden am Tag auf die arbeit schickt. Das ist aber eben sehr Individuell und hängt von der Belastbarkeit durch die Medikamente ab. Zumindest sollte man sich Teilzeitkonzepte für Betroffene vor Augen führen, wo man den Betroffenen entlastet aber gleichzeitig auch der Arbeitgeber etwas davon hat. Da man bei manchen Jobs erstmal eine Zeit braucht bis man reinkommt um effektiv zu arbeiten finde ich sollten Teilzeitkonzepte eben auch die Möglichkeit haben, das man eine Woche im Monat wie bei einen 40Wochenstunden Job durcharbeitet, also je 7-8 Stunden am Tag und dann die restlichen 3 Wochen des Monats frei hat. Da hätten Arbeitgeber und Betroffene (wenn es die Erkrankung und Medikamente zulassen) beide einen Nutzen und man würde sich viel unnötige gefährliche Zeit auf den Arbeitsweg ersparen, weil den Weg hat man ja auch wenn man nur ein paar Stunden am Tag arbeitet. Wenn man also nur eine Woche arbeitet wie die gesunden auch, dann kann man ja auch einfacher eine Fahrgemeinschaft einrichten oder sich an den Tagen zur Arbeit fahren zu lassen.

Mir geht es darum das 35 oder 40 Stunden für den Betroffenen in der Woche einfach auf Dauer zuviel sind und das man diese Entlastung auch so vornehmen kann indem man zwar 35-40 Stunden arbeitet aber nur eine Woche im Monat. Das wären dann 10 effektive Arbeitsstunden die Woche. Aber auch das muss erstmal von den Medikamenten her funktionieren und bei den derzeitigen Therapien ist dieses Konzept womöglich nur teilweise anwendbar. Also es müssten da grade was Arbeit angeht individuelle Möglichkeiten für Betroffene geschaffen werden, wie es da für Arbeitgeber und Betroffene am leichtesten fällt.
 
Oben