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Ich brauche Hilfe/Ratschlag

Monchi

New member
Meine Freundin ist Rentnerin, 73, sie leidet an einer Schizophrenie die simplex heißt. Jetzt will sie keine Tabletten mehr nehmen. Sie hat keine Psychose oder so, eher nur negativsymptome, wie das sie alleine sein will, sich selber isoliert, sich bei andern unwohl fühlt, depressiv ist, sie verliert schnell die Lust an allem, kann sich nicht konzentrieren. Jetzt soll ein Pflegedienst kommen, weil sie sich nicht pflegt und, ehrlich gesagt, scheint sie Urin zu verlieren. Ihre Wohnung sieht schlimm aus, aber sie sieht das alles gar nicht ein und will keinen Pflegedienst. Der Sohn weiß nicht weiter. Meint ihr ein Pflegedienst kann ihr helfen? Ich weiß nicht, ob der Sohn ihr damit was gutes tut...
 
Ich denke im Endeffekt ja.
Wenn sie damit klarkommt, daß sie erstmal jemanden kennenlernen müsste, die/der sie unterstützt, wäre es bestimmt gut für sie.
Leider, wie du beschreibst, kann man aufgrund der Erkrankung das Gefühl für Hygiene aus den Augen verlieren.
Vielleicht kann man sie dazu überreden, es mal auszuprobieren.
 
@Monchi

Die Schizophrenie simplex ist eine Form, bei der fast nur Negativsymptome auftreten (Rückzug, Antriebslosigkeit, Konzentrationsprobleme), während Positivsymptome wie Wahn oder Halluzinationen kaum vorhanden sind.

Das macht die Behandlung schwierig: Antipsychotika wirken vor allem gegen Positivsymptome, bei Negativsymptomen ist der Nutzen oft begrenzt – manchmal können sie diese sogar verstärken. Trotzdem ist ein komplettes Absetzen riskant, weil sich dadurch andere Symptome oder die Kognition verschlechtern können.

Ich verstehe gut, dass sich die Therapie für deine Freundin belastend anfühlt. Aber ein kontrollierter Medikamentenwechsel ist sicherer als ein Absetzen. Manche Wirkstoffe – z. B. Aripiprazol (oft schon in niedriger Dosis wirksam) – haben ein günstigeres Profil bei Negativsymptomen. Auch Bupropion kann zusätzlich helfen, Antrieb und Kognition zu verbessern.

Daher wäre es sinnvoll, mit ihrem Arzt über eine Umstellung statt Absetzen zu sprechen. Allein wird sie das kaum schaffen – hier ist deine Begleitung wichtig.

Mich würde interessieren:
  • Welche Medikamente nimmt sie aktuell?
  • Gibt es weitere Diagnosen oder Faktoren (z. B. Rauchen), die eine Rolle spielen könnten?
 
Zuletzt bearbeitet:
Sie hat Amisulprud genommen. Das Absetzen hat sie alleine entschieden. Es geht ihr jetzt schlechter, finde ich. Finden alle. Aber man kann sie ja nicht zwingen. Der Arzt hat gesagt, da kann man nichts machen, jeder darf das selbst entscheiden. Einweisen kann man sie nicht und sie selber will nicht ins Spital. Zu weiteren Diagnosen weiß ich nichts, außer das ich denke sie verliert Urin. Sie versteckt auch Schlüpfer in Schränken.Rauchen tut sie nicht. Aber sie hat auch viel abgenommen. Da soll jetzt Essen auf Rädern kommen. De Sohn versucht ja alles. Aber vielleicht wird das zuviel? Die Wohnung muss teilweise auch saniert werden. Da müssen Handwerker kommen. Sie zieht sich immer weiter zurück, ist depressiv. Will nur noch alleine sein, hat Angst. Jetzt soll ein Mann kommen für eine Pflegestufe. Ja und dann?
 
Schaut mir leider schwer nach Alterspflegeheim aus und ab da kann es dann recht schnell gehen ...?
 
Das möchte sie aber nicht. Und ihr Sohn will sie ja auch unterstützen damit sie nach Möglichkeit zu Hause bleiben kann. Ich helfe ihr auch, so gut ich kann, bin aber selber auch schon 69. Irgendwie muss sie die Tabletten wieder nehmen. Ich versuche ihr das zu erklären. Der Sohn macht sich wirklich Sorgen und ich mir auch. Niemand will sie zwingen auszuziehen, aber sie müsste mitmachen. Die Tabletten waren das wichtigste, damit sie auch aus ihrer Traurigkeit raus kommt. Wie soll das werden, wenn die Handwerker kommen? Sie scheint absolut uninteressiert an allem. Gehört das zu ihrer Krankheit? Oder spielt sie das nur vor? Sie war ja schon immer ziemlich ohne Motivation, aber jetzt... Eigentlich stimmt sie allem zu, außer den Tabletten, aber sie wird das nicht ertragen, ich bin mir sicher. Der Pflegedienst der kommen soll, dann ein Mensch der ihr Essen bringt, Handwerker. Sie mag keine Gesellschaft, das ist ihr immer zuviel. Sie ist ja noch sehr beweglich, kann eigentlich alles selber, nur macht sie es nicht. Sie sagt, die Tabletten machen Bauchschmerzen, aber der Arzt meint, sie hat da noch nie Nebenwirkungen von bekommen. Kann sowas auch erst nach langer Zeit kommen, das man dann Nebenwirkungen hat? Der Arzt will ihr keine anderen geben, also will sie die nicht mehr nehmen. Der Arzt meint eine Umstellung wäre schwierig, aber sie nimmt die sowieso schon knapp 4 Wochen nicht mehr... Ich weiß nicht weiter. Ich bin dankbar für eure Vorschläge. Ich will doch das es ihr gut geht.
 
Eine Demenz hat sie nicht, es ist die Schizophrenie und diese ganzen Ängste, Traurigkeit, Unlust und obwohl sie einfach allem zustimmt, was vorgeschlagen wird, wirkt sie trotzdem negativ gestimmt und ich bin der Meinung, dass das alles zuviel ist. All die Veränderungen mit Pflegedienst, Essen auf Rädern Handwerker. Dann kommt ja auch noch dieser Gutachter für die Pflegestufe. Ich möchte einfach bestmöglich für sie da sein, ihre teilweise Ablehnende Haltung mir gegenüber halte ich aus, denn ich weiß, das sie so eigentlich nicht ist.
 
Ja, das verstehe ich schon, aber man kann sie doch nicht zwingen. Wie also überzeugen? Vielleicht sollte der Arzt doch andere Tabletten verschreiben? Sie sagt ja, sie bekommt davon Bauchschmerzen.
 
Ja, der Arzt soll da mal was für sie finden!
Vielleicht auch mal mit Antidepressiva probieren?
Es ist ja schnuppe, ob der Arzt die Bauchschmerzen als Nebenwirkung nicht annimmt.Wenn sie sie spürt, muss man eben was anderes ausprobieren.
Begleitet sie jemand zum Arzt? Die oder der kann da doch mal etwas Druck machen und schildern, wie schlecht es ihr geht.
 
Bei Negativsymptomatik sind Antidepressiva glaube ich nicht so wirksam wie bei Depressionen, aber ausgeschlossen ist nicht, dass sie wirken können.
 
Da kenne ich mich leider gar nicht mit aus, mit den Tabletten, der Sohn begleitet sie. Am liebsten wäre es ihr ja, sie müsste nie raus gehen. Sie äußert zwar Ängste, in vielerlei Hinsicht, aber das Gesicht wirkt so ausdruckslos. Wie passt das nur zusammen?
 
Ich habe auch gehört, dass es so Spritzen statt Tabletten gibt. Geht das?
Wäre eher schädlich, damit würdest du das Vertrauen bei ihr zerstören. Zudem sind Depotspritzen eine Art von Geldwäsche, ich würde von diesen Dingern die Finger lassen.
Da sie ja keine Demenz hat, müsste sie täglich ihrer Medikamenteneinnahme eigenständig nachkommen(wenn sie will), da sind Tabletten gleichwertig und sie wäre flexibler bei der Einnahme.
Zu weiteren Diagnosen weiß ich nichts, außer das ich denke sie verliert Urin.
Warum denkst du, sie verliert Urin? Es könnte bei Geruch vielleicht auch fehlende Körperpflege sein, da Negativsymptome auch solche Dinge erschweren.
Rauchen tut sie nicht. Aber sie hat auch viel abgenommen.
Spricht erstmal etwas weniger fürs Bupropion, da es eher den Appetit reduzieren kann, trotzdem wäre es bei Negativsymptomen und den kognitiven Einschränkungen sehr wichtig! Zumindest später im Zweiten Schritt.
Sie hat Amisulprud genommen. Das Absetzen hat sie alleine entschieden.
Ich zeige dir jetzt mal eine Tabelle mit den Verträglichkeitsprofilen, das kannst du ausdrucken und ihr zeigen das Aripiprazol (Tablettenform bitte) deutlich verträglicher ist und sie erstmal dieses Antipsychotikum testen sollte. Aripiprazol in kleiner 5mg Dosis sollte erstmal ausreichen, da es bei manchen Betroffenen da schon voll wirkt. Weißt du die Dosis des Amisulprid's, die sie da tatsächlich auch eingenommen hatte?

Hier die Tabelle:
nebenwirkungen_antipsychotika_neu_2-1-kopie-png.1307


Amisulprid ist da das 3. von Rechts. Nach unten der Balken zeigt farblich die Verträglichkeit an. Grün ist gut, Orange schon deutlich und Rot gravierend oder du kannst die + Zeichen auch als Wertung sehen für jeweis mehr Nebenwirkungen. 0/+ wäre neben 0 das Beste bezüglich der Verträglichkeit

Amisulprid macht viele endokrine Störungen, was vor allem Hormone angeht, das kann etwa zu Knochenproblemen führen:

🧠 Hormonelle Mechanismen​

  • Östrogenmangel durch Prolaktinüberschuss Erhöhtes Prolaktin hemmt die Ausschüttung von GnRH → weniger LH/FSH → weniger Östrogen/Testosteron. → Bei Frauen (besonders postmenopausal) führt das zu beschleunigtem Knochenabbau.
  • Störung des Knochenstoffwechsels Prolaktin beeinflusst direkt die Aktivität von Osteoblasten (Knochenaufbau) und Osteoklasten (Knochenabbau). → Ungleichgewicht zugunsten des Abbaus → Risiko für Osteopenie und Osteoporose.
  • Beeinträchtigung von Wachstumshormon und IGF-1 Chronisch erhöhte Prolaktinwerte können die Achse GH/IGF-1 stören, die für Knochenwachstum und -erhalt wichtig ist.

🦴 Klinische Folgen im Alter​

RisikoBeschreibung
OsteoporoseVerminderte Knochendichte, erhöhte Frakturanfälligkeit (v. a. Wirbelkörper, Hüfte)
FrakturenSchon bei Bagatelltrauma möglich, z. B. Sturz aus dem Stand
Kyphose / WirbelverformungDurch strukturelle Schwächung der Wirbelkörper
Verzögerte KnochenheilungBei Frakturen oder Operationen
Arthrose-RisikoIndirekt erhöht durch veränderte Belastung und Muskelabbau


🛡️ Prävention und Monitoring​

  • Knochendichtemessung (DXA) ab 40–50 Jahren bei Risikopatient:innen
  • Vitamin-D- und Kalziumspiegel prüfen und ggf. supplementieren
  • Bewegungstherapie zur Stärkung von Knochen und Muskulatur
  • Endokrinologische Kontrolle bei medikamentös induzierter Hyperprolaktinämie
  • Frühzeitige Therapie eines Prolaktinoms, z. B. mit Dopaminagonisten

Aripiprazol macht da keine Probleme und kann im Gegenteil sogar helfen, dass sich die Prolaktinerhöhung wieder senkt.

Ja, dein Eindruck ist korrekt und wird durch mehrere Studien gestützt: Aripiprazol kann eine bestehende Prolaktinerhöhung senken und stabilisieren, selbst wenn gleichzeitig ein stark prolaktinerhöhendes Antipsychotikum wie Risperidon oder Amisulprid eingesetzt wird.


🧪 Wirkmechanismus von Aripiprazol​

  • Partieller Dopamin-D2-Agonist Aripiprazol wirkt nicht als reiner Antagonist, sondern moduliert die Rezeptoraktivität je nach Dopaminlevel.→ Im tuberoinfundibulären System kann es die Dopaminhemmung aufheben → Prolaktin sinkt.
  • Prolaktinsparendes Profil In Monotherapie führt Aripiprazol meist zu normalen oder sogar erniedrigten Prolaktinwerten.

📊 Studienlage zur Kombinationstherapie​

1. DAAMSEL-Studie (University of Maryland)​

  • Design: Doppelblind, Placebo-kontrolliert
  • Population: Frauen mit Hyperprolaktinämie unter Risperidon/Paliperidon
  • Intervention: Zusatz von Aripiprazol (5–15 mg)
  • Ergebnis:
    • Signifikante Senkung der Prolaktinwerte
    • Wiederkehr der Menstruation bei vielen Teilnehmerinnen
    • Verbesserung von Galaktorrhoe und sexueller Dysfunktion
    • Hinweis auf mögliche Schutzwirkung gegen Knochenschwund

2. Springer-Artikel (Hüll, Emmendingen)​

  • Aripiprazol als Add-on zu Risperidon/Paliperidon
  • Individualisiertes Nebenwirkungsmanagement bei Galaktorrhoe und Amenorrhoe
  • Autoren sehen Osteoporoseprävention als potenziellen Vorteil

3. GPnotebook-Leitlinie (UK)​

  • Aripiprazol, Clozapin und Quetiapin gelten als prolaktinsparend
  • Bei Risperidon/Amisulprid-induzierter Hyperprolaktinämie wird Aripiprazol als Umstellungs- oder Zusatzoption empfohlen

🧩 Kombination mit Amisulprid: Weniger erforscht, aber plausibel​

  • Amisulprid verursacht oft massive Prolaktinerhöhung, auch bei niedriger Dosis.
  • Daten zur Kombination mit Aripiprazol sind seltener, aber:
    • Theoretisch kann Aripiprazol auch hier antagonistisch wirken.
    • Klinische Berichte deuten auf stabilisierende Wirkung bei Zusatz von Aripiprazol hin, v. a. bei sexuellen Nebenwirkungen und Zyklusstörungen.


Auch wenn deine Freundin das Amisulprid aktuell absetzt, würde die Prolaktinerhöhung womöglich erst langsam sinken. Auch von daher wäre Aripiprazol wichtig, da es damit reduziert und stabilisiert wird.

Aripiprazol ist in der Tabelle von mir ganz links abgebildet. Dort siehst du, dass es bis auf Akathisie (innere Unruhe / oder auch Sitzunruhe) sehr gut verträglich ist.
Gerade am Anfang sollte man mit der kleinsten Tabletten Dosis anfangen 5mg, da Akathisie auch Dosisabhängig ist und kleinere Dosierungen meist besser sind.
Auch so kann am Anfang kann es erstmal ein paar Tage dauern, bis psychotische Symptome sich lösen, das fühlt sich bisschen wie ein Rauschzustand an, was aber nach ein paar Tagen wenn die Psychose abklingt aufhört. So ein anfänglich etwas komisches Gefühl ist also eher ein gutes Zeichen und Akathisie lässt auch häufig nach oder kann man auch leicht mit anderen Wirkstoffen behandeln, etwa eines davon +Vitamin B6 auffüllen:

💊 Medikamentöse Optionen bei Akathisie (mit Fokus auf ältere Frauen)​

WirkstoffklasseBeispielWirkung bei AkathisieBesonderheiten im Alter
BetablockerPropranolol (20–40 mg/d)Mittel der Wahl bei klassischer AkathisieVorsicht bei Bradykardie, Asthma, Hypotonie
BenzodiazepineLorazepam, ClonazepamKurzfristige Linderung der UnruheSturzrisiko, Delirgefahr, Abhängigkeitsrisiko
AnticholinergikaBiperiden, TrihexyphenidylWirksam bei Parkinsonoid + AkathisieRisiko für Verwirrtheit, Mundtrockenheit, Obstipation
5-HT2A-AntagonistenMirtazapin, CyproheptadinOff-label, aber hilfreich bei UnruheSedierend, Gewichtszunahme möglich
Vitamin B6 (Pyridoxin)300–600 mg/d für wenige Wochen, dann Reduktion auf max. 100 mg/dIn Studien wirksam bei tardiver AkathisieLangzeitrisiko für sensorische Neuropathie: Taubheit, Kribbeln, „Ameisenlaufen“ – regelmäßige Selbstbeobachtung empfohlen
AmantadinDopaminmodulatorBei therapieresistenter AkathisieVorsicht bei Niereninsuffizienz, Halluzinationen


🧠 Ergänzende Hinweise zur B6-Therapie​

  • Therapiedauer begrenzen: Hochdosis nur für 3–6 Wochen, dann auf Erhaltungsdosis (≤100 mg/d) reduzieren.
  • Neuropathie-Risiko: Symptome wie Taubheit, Kribbeln, Brennen in Fingern/Händen → sofort absetzen.
  • Monitoring: Kein Routine-Laborwert für B6-Toxizität – daher auf subjektive Symptome achten.
  • Alternativen bei Unverträglichkeit: Magnesium, Omega-3, Bewegungstherapie
An sich eignet sich von den im Zitat genannten Wirkstoffen Betablocker oder Anticholinerge. Benzodiazepine sollte man möglichst vermeiden, weil es suizidal macht und starke Abhängigkeit auslöst.
Wichtig wäre ergänzend auch Vitamin B6 zu supplementieren, da es zentral für die Synthese wichtiger Neurotransmitter ist und da auch teilweise Mangelzustände auftreten, die ähnliche Symptome wie zu viel davon auslösen können.

Vermutlich unnötig, aber falls diese Nebenwirkung in der Nebenwirkungstabelle oben aufgeführte Akathisie auftritt, dann hat man viele Möglichkeiten. Wobei die B-Vitamine B12, B6 und B9 relativ wichtig sind und auch Magnesium helfen kann. Da würde sich ein Bluttest anbieten, was man aber dann selbst zahlen muss. Da Betroffene häufiger solche Mangelzustände haben, bietet sich das vor Supplementierung an, aber auch ohne Mangel. Mir hat es geholfen, aber ich hab eben vorher keinen Bluttest gemacht, um meinen B6 Status etwa zu kennen.

Empfehlung:

@Monchi, wenn du ihr helfen möchtest, dann solltest du sie fragen, ob sie schonmal Aripiprazol (Abilify) in der Vergangenheit bekommen hat.
Dann kannst du ihr etwa die farbige Tabelle ausdrucken, um ihr das leichter aufzeigen zu können, dass die Verträglichkeit zum Amisulprid deutlich besser sein kann.
Es ist zudem antidepressiv wirksam.

Erstmal auf Aripiprazol umzustellen wäre mein Ratschlag und dazu kann es sehr gut sein, dass sie Amisulprid bereits abgesetzt hat, da dann weniger additive Nebenwirkungen bei der Umstellung auftreten.
Mein Ratschlag wäre da frühzeitig mit ihr das zu besprechen, da es ihre Entscheidung ist. Die Tabelle wäre zur Überzeugung gut, weil das wirklich gravierende Verträglichkeitsunterschiede sind.

Wenn du sie da von der kleinsten Tablettendosis 5mg überzeugen kannst ist das wirklich ein großer Schritt, Dosisbereich liegt bei 5-30mg.

Aber sie hat auch viel abgenommen. Da soll jetzt Essen auf Rädern kommen.
Aripiprazol macht relativ wenig Gewichtszunahme, da es eher den Stoffwechsel aktiviert hält, aber es macht schon etwas Heißhunger. Das sollte ihr also dahingehend auch helfen.

Ist kein "Wundermittel" aber es hat einige Vorzüge und sie könnte dann später, wenn sie Bupropion vom Antrieb, Motivation und Kognitionen später ergänzen sollte, dann auch auf die Intervalltherapie zurückgreifen, die ich entworfen habe:
Medikamente-Empfehlung für Psychose – Schizophrenie – Kurzfassung v2
Da könnte man dann anknüpfen, wenn sie bei Negativsymptome und kognitiven Symptome weitere echte Verbesserungen anstrebt.

Alle Antipsychotika, ob Amisulprid oder Aripiprazol helfen recht verlässlich bei Positivsymptomen wie Halluzinationen, Wahn usw.
Negativsymptome und Kognitionen sind schwieriger behandelbar. Kognitiv ist Aripiprazol relativ gut, das hilft auch leichter wieder unter Leute zu kommen und auch leichter über die Erkrankung zu sprechen (selbst wenn man innerlich an die Psychose irgendwo glaubt). Auch zur weiteren Stabilisierung wäre eben die Intervalltherpie (mit Bupropion) wichtig und die funktioniert mit Aripiprazol, was dann über Monate abgesetzt wird (durchs stabilisierende Bupropion möglich) und durch das Bupropion in der Zeit die Negativsymptome und Kognitionen sich beträchtlich verbessern.

Dafür wäre Zeit und die Umstellung aufs Aripiprazol sollte sie schon zu einem relativ glücklichen Leben führen.

Wäre super, wenn ihr sie vom Aripiprazol überreden würdet, wenn du zwischendurch mal schreibst wie es ihr geht und wie die Umstellung gelungen ist!? Dann wäre auch leichter, mit dem Bupropion im nächsten Schritt anzuknüpfen.
Gut sie ist schon 73, aber ist ja auch schön, wenn sie noch ein paar richtig schöne Jahre hat und ihr Sohn das miterlebt.
 
Wäre eher schädlich, damit würdest du das Vertrauen bei ihr zerstören. Zudem sind Depotspritzen eine Art von Geldwäsche, ich würde von diesen Dingern die Finger lassen.
Da sie ja keine Demenz hat, müsste sie täglich ihrer Medikamenteneinnahme eigenständig nachkommen(wenn sie will), da sind Tabletten gleichwertig und sie wäre flexibler bei der Einnahme.

Warum denkst du, sie verliert Urin? Es könnte bei Geruch vielleicht auch fehlende Körperpflege sein, da Negativsymptome auch solche Dinge erschweren.

Spricht erstmal etwas weniger fürs Bupropion, da es eher den Appetit reduzieren kann, trotzdem wäre es bei Negativsymptomen und den kognitiven Einschränkungen sehr wichtig! Zumindest später im Zweiten Schritt.

Ich zeige dir jetzt mal eine Tabelle mit den Verträglichkeitsprofilen, das kannst du ausdrucken und ihr zeigen das Aripiprazol (Tablettenform bitte) deutlich verträglicher ist und sie erstmal dieses Antipsychotikum testen sollte. Aripiprazol in kleiner 5mg Dosis sollte erstmal ausreichen, da es bei manchen Betroffenen da schon voll wirkt. Weißt du die Dosis des Amisulprid's, die sie da tatsächlich auch eingenommen hatte?

Hier die Tabelle:
nebenwirkungen_antipsychotika_neu_2-1-kopie-png.1307


Amisulprid ist da das 3. von Rechts. Nach unten der Balken zeigt farblich die Verträglichkeit an. Grün ist gut, Orange schon deutlich und Rot gravierend oder du kannst die + Zeichen auch als Wertung sehen für jeweis mehr Nebenwirkungen. 0/+ wäre neben 0 das Beste bezüglich der Verträglichkeit

Amisulprid macht viele endokrine Störungen, was vor allem Hormone angeht, das kann etwa zu Knochenproblemen führen:


Aripiprazol macht da keine Probleme und kann im Gegenteil sogar helfen, dass sich die Prolaktinerhöhung wieder senkt.




Auch wenn deine Freundin das Amisulprid aktuell absetzt, würde die Prolaktinerhöhung womöglich erst langsam sinken. Auch von daher wäre Aripiprazol wichtig, da es damit reduziert und stabilisiert wird.

Aripiprazol ist in der Tabelle von mir ganz links abgebildet. Dort siehst du, dass es bis auf Akathisie (innere Unruhe / oder auch Sitzunruhe) sehr gut verträglich ist.
Gerade am Anfang sollte man mit der kleinsten Tabletten Dosis anfangen 5mg, da Akathisie auch Dosisabhängig ist und kleinere Dosierungen meist besser sind.
Auch so kann am Anfang kann es erstmal ein paar Tage dauern, bis psychotische Symptome sich lösen, das fühlt sich bisschen wie ein Rauschzustand an, was aber nach ein paar Tagen wenn die Psychose abklingt aufhört. So ein anfänglich etwas komisches Gefühl ist also eher ein gutes Zeichen und Akathisie lässt auch häufig nach oder kann man auch leicht mit anderen Wirkstoffen behandeln, etwa eines davon +Vitamin B6 auffüllen:

An sich eignet sich von den im Zitat genannten Wirkstoffen Betablocker oder Anticholinerge. Benzodiazepine sollte man möglichst vermeiden, weil es suizidal macht und starke Abhängigkeit auslöst.
Wichtig wäre ergänzend auch Vitamin B6 zu supplementieren, da es zentral für die Synthese wichtiger Neurotransmitter ist und da auch teilweise Mangelzustände auftreten, die ähnliche Symptome wie zu viel davon auslösen können.

Vermutlich unnötig, aber falls diese Nebenwirkung in der Nebenwirkungstabelle oben aufgeführte Akathisie auftritt, dann hat man viele Möglichkeiten. Wobei die B-Vitamine B12, B6 und B9 relativ wichtig sind und auch Magnesium helfen kann. Da würde sich ein Bluttest anbieten, was man aber dann selbst zahlen muss. Da Betroffene häufiger solche Mangelzustände haben, bietet sich das vor Supplementierung an, aber auch ohne Mangel. Mir hat es geholfen, aber ich hab eben vorher keinen Bluttest gemacht, um meinen B6 Status etwa zu kennen.

Empfehlung:

@Monchi, wenn du ihr helfen möchtest, dann solltest du sie fragen, ob sie schonmal Aripiprazol (Abilify) in der Vergangenheit bekommen hat.
Dann kannst du ihr etwa die farbige Tabelle ausdrucken, um ihr das leichter aufzeigen zu können, dass die Verträglichkeit zum Amisulprid deutlich besser sein kann.
Es ist zudem antidepressiv wirksam.

Erstmal auf Aripiprazol umzustellen wäre mein Ratschlag und dazu kann es sehr gut sein, dass sie Amisulprid bereits abgesetzt hat, da dann weniger additive Nebenwirkungen bei der Umstellung auftreten.
Mein Ratschlag wäre da frühzeitig mit ihr das zu besprechen, da es ihre Entscheidung ist. Die Tabelle wäre zur Überzeugung gut, weil das wirklich gravierende Verträglichkeitsunterschiede sind.

Wenn du sie da von der kleinsten Tablettendosis 5mg überzeugen kannst ist das wirklich ein großer Schritt, Dosisbereich liegt bei 5-30mg.


Aripiprazol macht relativ wenig Gewichtszunahme, da es eher den Stoffwechsel aktiviert hält, aber es macht schon etwas Heißhunger. Das sollte ihr also dahingehend auch helfen.

Ist kein "Wundermittel" aber es hat einige Vorzüge und sie könnte dann später, wenn sie Bupropion vom Antrieb, Motivation und Kognitionen später ergänzen sollte, dann auch auf die Intervalltherapie zurückgreifen, die ich entworfen habe:
Medikamente-Empfehlung für Psychose – Schizophrenie – Kurzfassung v2
Da könnte man dann anknüpfen, wenn sie bei Negativsymptome und kognitiven Symptome weitere echte Verbesserungen anstrebt.

Alle Antipsychotika, ob Amisulprid oder Aripiprazol helfen recht verlässlich bei Positivsymptomen wie Halluzinationen, Wahn usw.
Negativsymptome und Kognitionen sind schwieriger behandelbar. Kognitiv ist Aripiprazol relativ gut, das hilft auch leichter wieder unter Leute zu kommen und auch leichter über die Erkrankung zu sprechen (selbst wenn man innerlich an die Psychose irgendwo glaubt). Auch zur weiteren Stabilisierung wäre eben die Intervalltherpie (mit Bupropion) wichtig und die funktioniert mit Aripiprazol, was dann über Monate abgesetzt wird (durchs stabilisierende Bupropion möglich) und durch das Bupropion in der Zeit die Negativsymptome und Kognitionen sich beträchtlich verbessern.

Dafür wäre Zeit und die Umstellung aufs Aripiprazol sollte sie schon zu einem relativ glücklichen Leben führen.

Wäre super, wenn ihr sie vom Aripiprazol überreden würdet, wenn du zwischendurch mal schreibst wie es ihr geht und wie die Umstellung gelungen ist!? Dann wäre auch leichter, mit dem Bupropion im nächsten Schritt anzuknüpfen.
Gut sie ist schon 73, aber ist ja auch schön, wenn sie noch ein paar richtig schöne Jahre hat und ihr Sohn das miterlebt.
Maggi, vielen lieben Dank für die ausführliche Erklärung. Mir hilft das sehr, denn auch wenn ich nachlesen, ich verstehe diese ganzen Zusammenhänge nur schwer. Und da ist ein konkreter Ratschlag schon wirklich Gold wert.
Ich gebe dem Sohn das weiter, denn er begleitet sie Montag zum Neurologen. Da muß was passieren.
 
Warum denkst du, sie verliert Urin? Es könnte bei Geruch vielleicht auch fehlende Körperpflege sein, da Negativsymptome auch solche Dinge erschweren.
Es ist so schwierig. Ich räume manchmal bei ihr auf, da habe ich schon Schlüpfer in Schränken gefunden. Die waren nicht sauber, deswegen dachte ich das. Sie pflegt sich leider gar nicht, aus diesem Grund soll der Pflegedienst ja kommen. Ich bezweifle nur, ob sie die an sich ran lässt. Aber die sind wohl, laut dem Sohnemann, speziell geschult.
 
Da kenne ich mich leider gar nicht mit aus, mit den Tabletten, der Sohn begleitet sie. Am liebsten wäre es ihr ja, sie müsste nie raus gehen. Sie äußert zwar Ängste, in vielerlei Hinsicht, aber das Gesicht wirkt so ausdruckslos. Wie passt das nur zusammen?
Die eingeschränkte/verflachte Mimik kann ein Symptom der Erkrankung sein.
 
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