Wäre eher schädlich, damit würdest du das Vertrauen bei ihr zerstören. Zudem sind Depotspritzen eine Art von Geldwäsche, ich würde von diesen Dingern die Finger lassen.
Da sie ja keine Demenz hat, müsste sie täglich ihrer Medikamenteneinnahme eigenständig nachkommen(wenn sie will), da sind Tabletten gleichwertig und sie wäre flexibler bei der Einnahme.
Warum denkst du, sie verliert Urin? Es könnte bei Geruch vielleicht auch fehlende Körperpflege sein, da Negativsymptome auch solche Dinge erschweren.
Spricht erstmal etwas weniger fürs Bupropion, da es eher den Appetit reduzieren kann, trotzdem wäre es bei Negativsymptomen und den kognitiven Einschränkungen sehr wichtig! Zumindest später im Zweiten Schritt.
Ich zeige dir jetzt mal eine Tabelle mit den Verträglichkeitsprofilen, das kannst du ausdrucken und ihr zeigen das Aripiprazol (Tablettenform bitte) deutlich verträglicher ist und sie erstmal dieses Antipsychotikum testen sollte. Aripiprazol in kleiner 5mg Dosis sollte erstmal ausreichen, da es bei manchen Betroffenen da schon voll wirkt. Weißt du die Dosis des Amisulprid's, die sie da tatsächlich auch eingenommen hatte?
Hier die Tabelle:
Amisulprid ist da das
3. von Rechts. Nach unten der Balken zeigt farblich die Verträglichkeit an. Grün ist gut, Orange schon deutlich und Rot gravierend oder du kannst die + Zeichen auch als Wertung sehen für jeweis mehr Nebenwirkungen. 0/+ wäre neben 0 das Beste bezüglich der Verträglichkeit
Amisulprid macht viele endokrine Störungen, was vor allem Hormone angeht, das kann etwa zu Knochenproblemen führen:
Aripiprazol macht da keine Probleme und kann im Gegenteil sogar helfen, dass sich die Prolaktinerhöhung wieder senkt.
Auch wenn deine Freundin das Amisulprid aktuell absetzt, würde die Prolaktinerhöhung womöglich erst langsam sinken. Auch von daher wäre Aripiprazol wichtig, da es damit reduziert und stabilisiert wird.
Aripiprazol ist in der Tabelle von mir
ganz links abgebildet. Dort siehst du, dass es bis auf Akathisie (innere Unruhe / oder auch Sitzunruhe) sehr gut verträglich ist.
Gerade am Anfang sollte man mit der kleinsten Tabletten Dosis anfangen 5mg, da Akathisie auch Dosisabhängig ist und kleinere Dosierungen meist besser sind.
Auch so kann am Anfang kann es erstmal ein paar Tage dauern, bis psychotische Symptome sich lösen, das fühlt sich bisschen wie ein Rauschzustand an, was aber nach ein paar Tagen wenn die Psychose abklingt aufhört. So ein anfänglich etwas komisches Gefühl ist also eher ein gutes Zeichen und Akathisie lässt auch häufig nach oder kann man auch leicht mit anderen Wirkstoffen behandeln, etwa eines davon +Vitamin B6 auffüllen:
An sich eignet sich von den im Zitat genannten Wirkstoffen Betablocker oder Anticholinerge. Benzodiazepine sollte man möglichst vermeiden, weil es suizidal macht und starke Abhängigkeit auslöst.
Wichtig wäre ergänzend auch Vitamin B6 zu supplementieren, da es zentral für die Synthese wichtiger Neurotransmitter ist und da auch teilweise Mangelzustände auftreten, die ähnliche Symptome wie zu viel davon auslösen können.
Vermutlich unnötig, aber falls diese Nebenwirkung in der Nebenwirkungstabelle oben aufgeführte Akathisie auftritt, dann hat man viele Möglichkeiten. Wobei die B-Vitamine B12, B6 und B9 relativ wichtig sind und auch Magnesium helfen kann. Da würde sich ein Bluttest anbieten, was man aber dann selbst zahlen muss. Da Betroffene häufiger solche Mangelzustände haben, bietet sich das vor Supplementierung an, aber auch ohne Mangel. Mir hat es geholfen, aber ich hab eben vorher keinen Bluttest gemacht, um meinen B6 Status etwa zu kennen.
Empfehlung:
@Monchi, wenn du ihr helfen möchtest, dann solltest du sie fragen, ob sie schonmal Aripiprazol (Abilify) in der Vergangenheit bekommen hat.
Dann kannst du ihr etwa die farbige Tabelle ausdrucken, um ihr das leichter aufzeigen zu können, dass die Verträglichkeit zum Amisulprid deutlich besser sein kann.
Es ist zudem antidepressiv wirksam.
Erstmal auf Aripiprazol umzustellen wäre mein Ratschlag und dazu kann es sehr gut sein, dass sie Amisulprid bereits abgesetzt hat, da dann weniger additive Nebenwirkungen bei der Umstellung auftreten.
Mein Ratschlag wäre da frühzeitig mit ihr das zu besprechen, da es ihre Entscheidung ist. Die Tabelle wäre zur Überzeugung gut, weil das wirklich gravierende Verträglichkeitsunterschiede sind.
Wenn du sie da von der kleinsten Tablettendosis 5mg überzeugen kannst ist das wirklich ein großer Schritt, Dosisbereich liegt bei 5-30mg.
Aripiprazol macht relativ wenig Gewichtszunahme, da es eher den Stoffwechsel aktiviert hält, aber es macht schon etwas Heißhunger. Das sollte ihr also dahingehend auch helfen.
Ist kein "Wundermittel" aber es hat einige Vorzüge und sie könnte dann später, wenn sie Bupropion vom Antrieb, Motivation und Kognitionen später ergänzen sollte, dann auch auf die Intervalltherapie zurückgreifen, die ich entworfen habe:
Medikamente-Empfehlung für Psychose – Schizophrenie – Kurzfassung v2
Da könnte man dann anknüpfen, wenn sie bei Negativsymptome und kognitiven Symptome weitere echte Verbesserungen anstrebt.
Alle Antipsychotika, ob Amisulprid oder Aripiprazol helfen recht verlässlich bei Positivsymptomen wie Halluzinationen, Wahn usw.
Negativsymptome und Kognitionen sind schwieriger behandelbar. Kognitiv ist Aripiprazol relativ gut, das hilft auch leichter wieder unter Leute zu kommen und auch leichter über die Erkrankung zu sprechen (selbst wenn man innerlich an die Psychose irgendwo glaubt). Auch zur weiteren Stabilisierung wäre eben die Intervalltherpie (mit Bupropion) wichtig und die funktioniert mit Aripiprazol, was dann über Monate abgesetzt wird (durchs stabilisierende Bupropion möglich) und durch das Bupropion in der Zeit die Negativsymptome und Kognitionen sich beträchtlich verbessern.
Dafür wäre Zeit und die Umstellung aufs Aripiprazol sollte sie schon zu einem relativ glücklichen Leben führen.
Wäre super, wenn ihr sie vom Aripiprazol überreden würdet, wenn du zwischendurch mal schreibst wie es ihr geht und wie die Umstellung gelungen ist!? Dann wäre auch leichter, mit dem Bupropion im nächsten Schritt anzuknüpfen.
Gut sie ist schon 73, aber ist ja auch schön, wenn sie noch ein paar richtig schöne Jahre hat und ihr Sohn das miterlebt.