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Ich akzeptiere mich so wie ich bin

LordHabicht

Well-known member



Gestern hatte ich ein erhellendes Gespräch mit meiner Psychiaterin. Wir haben den Staudammeffekt besprochen, die Tatsache dass ich im Alltag Gedanken und Gefühle unterdrücke und sich diese alle 3,4 Tage Bahn brechen.

Meine Ärztin ist der Meinung ich habe ein zu starres Selbstbild von mir und versuche krampfhaft zu funktionieren und eine Fassade zu wahren. Ich soll akzeptieren dass ich eine chronische, psychische Erkrankung habe und flexibler werden.

Da könnte etwas dran sein. Ich bin in meinem Denken sehr auf Erfolg getrimmt und möchte es immer allen recht machen. Es gibt bei der ganzen Sache einen Gedanken der mir große Angst macht: „Was wenn ich nicht gesund zu werde?“ Ganz gesund zu werden ist das was mir immer Hoffnung und die Kraft weiterzumachen gegeben hat!

Ich muss gestehen, auch auf meinem Blog habe ich es oft propagiert (verzeihen Sie mir das), dass Gesundheit eine Entscheidung, ein Akt der Willenskraft ist und sich der Erfolg automatisch einstellt wenn man sich nur genügend optimiert und anstrengt. So einfach ist es leider nicht. Das Thema mentale Gesundheit ist viel komplexer.

Ich hatte vorgestern das Erlebnis, dass trotz Tagesstruktur, trotz Sport und Entspannungstraining doch wieder eine Krise kam. Dann war ich wütend, traurig und enttäuscht. Ich fand es unfair vom Leben dass ich wieder in Schwierigkeiten kam obwohl ich mir solche Mühe gebe gegenzusteuern.

Ich war deprimiert, warum soll ich mich noch anstrengen und mich weiter abstrampeln wenn ich eh chronisch krank bin und es nicht besser wird?

Dann kam aber eine wichtige Erkenntnis. Die Krankheit als Teil meines Lebens zu akzeptieren, ist kein resigniertes Aufgeben, im Gegenteil! Es ist ein Akt der Selbstliebe und Selbstfürsorge! Es geht darum eine realistische Perspektive auf das eigene Leben zu gewinnen, die Spielräume zu nutzen die man hat, sich über kleine Dinge zu freuen.

Ok, vielleicht werde ich nicht zu 100% gesund, aber dass ist doch nicht so schlimm. Mein Leben ist immer noch gut und lebenswert! Ich habe mein Leben im Griff. Ich kann immer noch meine Träume und Ziele verfolgen, ich kann sie erreichen, ich kann glücklich sein und das ist doch die Hauptsache. Es geht um ein mitfühlendes Anerkennen von dem was ist. Eine neue, positive Perspektive MIT einer chronischen, psychischen Erkrankung.

Ich akzeptiere mich nun so wie ich bin. Ich bin ok! Ich bin genug! Ich bin wertvoll! Ich bin was Besonderes. Auch wenn ich Schwierigkeiten habe, ich lebe mein Leben gerne!

Ich freue mich über all das was positiv in meinem Leben ist: Mein guter Schlaf, mein regelmäßiges Training, meine Freude am Lesen, meine Freunde und Familie, meine tägliche Morgenroutine und Tagesstruktur, der erste Morgenkaffee.

Bald kommt die Langzeittherapie in Heilbronn in mein Leben und ich treffe meine neuen WG-Freunde. Für das Geld findet sich eine Lösung.

Im ersten Moment fühlte sich das Thema Krankheitsakzeptanz wie eine große Niederlage an. Das ist verständlich. Es ist aber kein Scheitern sondern die Chance mit einem ewigen Kampf und Dauerstress alles kontrollieren zu wollen aufzuhören. Sehr viel Energie verschwende ich darauf meine Emotionen und Gedanken auszumerzen und im Griff haben zu wollen, weil ich unbedingt funktionieren will. Ich mache meinen Mitmenschen etwas vor und trage eine Maske die signalisiert: „Ich bin gut. Ich bin toll. Mein Leben ist super. Gib mir Anerkennung“

Wenn ich lerne diese Gedanken und Gefühle loszulassen und zuzulassen habe ich mehr Energie für meine Träume und Ziele! Das ist Selbstmitgefühl! Ich bin oft hart und grausam zu mir. Ich will lernen loszulassen und etwas flexibler zu werden. Ich will mich annehmen so wie ich bin: Unvollkommen aber einzigartig! Mit all meinen Fehlern und Erfolgen. Ich will aufhören gegen mich selbst zu kämpfen und ich darf einfach nur „sein“. Ich bin ein Mensch und darf Fehler und Schwächen haben. Ich darf schlechte Gedanken und Gefühle haben, ich darf mich manchmal unwohl fühlen, dann ist das einfach so. Ich bin wertvoll auch wenn ich nicht perfekt bin und nicht das alles leisten kann was ich gerne leisten würde.

Ich bin gar nicht so weit von einer guten Lebensrealität weg, aber ich habe noch einen weiten Weg vor mir, das ist ok. Heute gehe ich fröhlich und gelassen in meinen Alltag MIT Schizophrenie. Ich schenke mir heute eine extra Portion Liebe, Mitgefühl und Selbstfürsorge.
 
Wer sich selbst lieben kann, kann auch andere lieben. Wer gegenüber sich selbst grausam ist, wird auch anderen nichts Gutes abgeben. Leider werden wir vor allem dazu erzogen, zu gehorchen und nicht nur zu funktionieren, sondern uns auch selbst zu bestrafen etc., wenn wir (angeblich) nicht konform sind. Das ist ein großes Problem...
 
Das finde ich alles sehr bedeutungsvoll!
Mittlerweile habe ich mir selbst gegenüber -bezüglich der Erkrankung- ein fast schon zärtliches und beschützendes Gefühl.
So wie ich es auch für eine andere Person empfinden würde, nur stärker.
 
Ich habe meine Krankheit immer akzeptiert. Auch wenn grosse Rückschläge kamen. Bei mir war es aber auch so dass mich die Krankheit für Freundschaften geöffnet hat, ich war vorher ziemlich verschlossen. Die Krankheit ist für mich ein Weg wie sich das Leben ausdrückt und das nehme ich an. Ich habe viele positive Erlebnisse damit und muss sagen dass ich durch meine Kindheit nie eine Chance auf ein "normales"Leben hatte. Gerade muss ich viele Medikamente nehmen und ich habe mich selber in diese Situation gebracht, aber trotzdem ist das Verständnis für die Krankheit da.
 
Wer zwanghaft versucht, glücklich zu werden, landet am Ende in der Frustration. Wer ist schon permanent glücklich? Man würde sich all zu schnell an den Zustand gewöhnen und immer mehr brauchen...
 
Ich möchte mich immer glücklich fühlen in Zukunft gerne deshalb, weil ich in meiner Kindheit-und Jugendzeit vieles entbehren musste nämlich wahre Liebe meiner Eltern. Heute kommt es mir so vor, als wenn sie mich nur geduldet haben.
Heute kompensiere ich mein Glücksgefühl und Selbstliebe mit viel Schokolade essen (setzt bei mir ein Glücksgefühl frei), mit Medikamenten wie Amisulprid ( welches in kleiner Dosierung bei mir stimmungsaufhellend wirkt), und das Tavor ( Lorazepam), was ich leider gerne absetzen möchte zu gegebener Zeit, sonst würde ich diesen Wahnsinn sprich Krankheit gar nicht mehr aushalten.
 
Ich würde nicht sagen, dass ich die Krankheit und ihre Folgen akzeptiert habe, aber es bringt nichts dagegen anzukämpfen. Und zum Glück helfen Medikamente und Therapie so gut, dass schlechte Phasen abgefedert werden. Vor allem aber allein sein macht nicht glücklich.
 
Vielleicht ist auch Zeit ein entscheidender Faktor. Man denk z.B. jetzt habe ich mein Schicksal akzeptiert, jetzt müsste doch alles gut sein. Aber es ist nie „alles“ gut. Man könnte auch sagen, es wird einem besser gehen, wenn die Zeit gekommen ist, bis dahin kann man sich verbiegen wie man will und noch so viel Gedankenakrobatik vollführen, Therapie machen, achtsam sein, nichts wird etwas ändern. Alles nur Trostpflaster die die Illusion aufrecht erhalten man würde voran kommen. Stattdessen ist man dann „seiner Zeit voraus“ mit allen Problemen, die sich daraus ergeben.
 
Zuletzt bearbeitet:
Tragisch aber wahr.

Solange ich selbst eingebunden war in Arbeiten und Familie ging nichts. Jetzt mit bescheidener Rente, viel Zeit an mir selbst zu Arbeiten, geht etwas.

Es ist paradox, aber manche profitieren an einer Rente, andere zerbrechen.
 
Ich bin nicht zerbrochen an meiner EM-Rente. Im Gegenteil, ich konnte mich besser mit meiner Krankheit auseinandersetzen. Das hatte/hat immense Vorteile.
Wenn man mit dieser Erkrankung noch arbeiten geht, ist man ja doppelt belastet. Kommt natürlich auf den Schweregrad der Erkrankung an.
Leichtes Arbeiten ohne viel Konzentration zu benötigen geht noch. Meine Erfahrung.
 
Ich bin nicht zerbrochen an meiner EM-Rente. Im Gegenteil, ich konnte mich besser mit meiner Krankheit auseinandersetzen. Das hatte/hat immense Vorteile.
Wenn man mit dieser Erkrankung noch arbeiten geht, ist man ja doppelt belastet. Kommt natürlich auf den Schweregrad der Erkrankung an.
Leichtes Arbeiten ohne viel Konzentration zu benötigen geht noch. Meine Erfahrung.
Meine Rede. Endlich Zeit an sich zu Arbeiten. Schizophrene, wenn nicht alle, brauchen mehr Zeit. Die meisten sind nicht mehr "norm" und müssen mehr Freizeit haben. Die wieder um ist nicht "Frei" sondern oft getragen und gefüllt mit Selbstaufgaben.
 
Ich sehe für mich die ganze Sache so: Ein Schritt zurück gehen und zu sich selbst sagen - im Großen und Ganzen bin ich gesund, es besteht aber die Möglichkeit, aufgrund einer Verletzlichkeit in eine psychotische Krise zu rutschen. Und der Klassiker: Nobody's perfect.

Von daher einen entspannten Umgang damit ist definitiv vorzuziehen - da steigt auch wieder die Lebensqualität. Das soll auf keinen Fall heißen, man solle etwas Verdrängen - ganz im Gegenteil.

Die Über-Optimierung vereinzelter Lebensbereiche und möglichst eine Pseudo-Normalität zu leben, die uns vorgespiegelt wurde, die jeder von uns übergestülpt bekommen hat - halte ich mittlerweile fast schon für ein Verbrechen.
 
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