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📘 A.5 Mikroglia‑Priming & Stress‑Achse (HPA‑Kopplung)

Maggi

Administrator

📘 Mikroglia‑Priming & Stress‑Achse (HPA‑Kopplung) bei Schizophrenie



Kurzdefinition​

Mikroglia‑Priming beschreibt einen Zustand erhöhter Reaktionsbereitschaft von Mikroglia nach frĂŒheren Belastungen (z. B. Stress, EntzĂŒndung, Medikamente). In diesem Zustand reagieren Mikroglia auf spĂ€tere Reize ĂŒberproportional stark.
Die Stress‑Achse (HPA‑Achse) verbindet psychischen Stress mit neuroendokrinen und immunologischen Reaktionen. In der Schizophrenie wird angenommen, dass eine dysregulierte HPA‑Achse Mikroglia‑Priming begĂŒnstigt und so Stress‑abhĂ€ngige Symptomverschlechterungen vermittelt.


Warum dieser Mechanismus zentral ist​

Dieser Block erklÀrt, warum:
  • Symptome nicht konstant, sondern trigger‑abhĂ€ngig sind
  • Stress, Schlafentzug oder Absetzen ĂŒberraschend stark wirken können
  • EntzĂŒndung oft episodisch und nicht dauerhaft messbar ist
  • dieselbe Person auf denselben Reiz zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich reagiert
Er verbindet:
  • Mikroglia
  • Zytokine
  • Kynurenin‑Achse
  • Stressphysiologie
    zu einem dynamischen Modell.


Die HPA‑Achse – stark vereinfacht​

  1. Stresswahrnehmung (psychisch oder körperlich)
  2. → Hypothalamus: CRH‑Freisetzung
  3. → Hypophyse: ACTH‑Freisetzung
  4. → Nebennieren: Cortisol
  5. → RĂŒckkopplung auf Gehirn & Immunsystem

Physiologisch: kurzfristig adaptiv
Pathologisch: bei chronischer Aktivierung dysregulierend


Wie Stress Mikroglia beeinflusst​

Aktuelle Übersichtsarbeiten zeigen:
  • Glukokortikoide modulieren Mikroglia‑AktivitĂ€t ĂŒber Glukokortikoid‑ (GR) und Mineralokortikoid‑Rezeptoren (MR).
  • Akuter Stress kann kurzfristig antiinflammatorisch wirken.
  • Chronischer Stress fĂŒhrt jedoch zu:
    • verĂ€nderter Mikroglia‑Morphologie
    • erhöhter Zytokin‑Bereitschaft
    • leichterer Aktivierung des NLRP3‑Inflammasoms
    • gestörter RĂŒckkopplung der HPA‑Achse pdfs.semanticscholar.org MDPI.


Mikroglia‑Priming: das Kernkonzept​

Priming bedeutet:
Mikroglia sind nicht dauerhaft aktiv, aber „vorgeladen“.

Auslösende Faktoren (Priming‑Trigger)​

  • frĂŒhe EntzĂŒndungen / Infekte
  • chronischer Stress
  • Schlafentzug
  • neurotoxischer Stress
  • psychotische Episoden
  • langfristige Psychopharmaka‑Exposition (Hypothese)

Konsequenz​

Ein spĂ€terer, eigentlich moderater Reiz fĂŒhrt zu:
  • ĂŒbermĂ€ĂŸiger Zytokinfreisetzung
  • stĂ€rkerer Kynurenin‑Aktivierung
  • erhöhter neuronaler Dysregulation


Inflammasom als Stress‑VerstĂ€rker​

Das NLRP3‑Inflammasom fungiert als molekularer VerstĂ€rker zwischen Stress und EntzĂŒndung:
  • Stress → mitochondriale Dysfunktion
  • → NLRP3‑Aktivierung
  • → IL‑1ÎČ / IL‑18‑Freisetzung
  • → weitere Mikroglia‑Aktivierung
  • → VerstĂ€rkung der HPA‑Dysregulation pdfs.semanticscholar.org MDPI
Wichtig:
Das Inflammasom ist kein Auslöser, sondern ein Multiplikator.


Arbeitsmodell: Stress → Symptomverschlechterung​

  1. Primed Mikroglia (Vorgeschichte)
    • Stress‑Trigger (psychisch, körperlich, Absetzen)
  2. → ĂŒberproportionale Immunantwort
  3. → Kynurenin‑Verschiebung
  4. → Glutamat‑Dysregulation
  5. → kognitive / negative / affektive Symptome
Dieses Modell erklÀrt:
  • verzögerte Reaktionen
  • „unerklĂ€rliche“ RĂŒckfĂ€lle
  • hohe interindividuelle Unterschiede


Bezug zu Absetzen von Psychopharmaka (Hypothese)​

  • Absetzen = neurobiologischer Stressor
  • Aktivierung der HPA‑Achse
  • Wegfall antiinflammatorischer Effekte mancher Substanzen
  • Reaktivierung primed Mikroglia
  • zeitverzögerte Symptome (Tage–Wochen)
Lexikon‑Merksatz:
Nicht das Absetzen allein, sondern die Stress‑Reaktion darauf könnte entscheidend sein.


Klinische Bedeutung​

  • Stressmanagement ist kein „Add‑on“, sondern potenziell neurobiologisch relevant.
  • Schlaf wirkt als zentraler Modulator der Mikroglia‑ReaktivitĂ€t.
  • Subtyp‑Denken: Mikroglia‑primed Patient:innen reagieren besonders stresssensitiv.
  • ZeitverlĂ€ufe sind wichtiger als Momentaufnahmen.


HĂ€ufige MissverstĂ€ndnisse​

  • „Stress ist psychologisch“ → falsch; er ist neuroimmunologisch.
  • „Cortisol ist immer entzĂŒndungshemmend“ → nur kurzfristig.
  • „Keine EntzĂŒndungsmarker = keine EntzĂŒndung“ → falsch bei Priming‑Modellen.


Offene Fragen​

  • Wie lĂ€sst sich Mikroglia‑Priming beim Individuum erkennen?
  • Welche Rolle spielen frĂŒhe Lebensereignisse?
  • Welche Medikamente modulieren Priming gĂŒnstig oder ungĂŒnstig?


Platzhalter fĂŒr Erfahrungsintegration​

  • Stressoren: emotional, körperlich, sozial
  • Zeitverlauf: sofort vs. verzögert
  • Symptome: kognitiv, affektiv, vegetativ
  • Wirkstoffe: stabilisierend vs. destabilisierend
  • Schlaf: QualitĂ€t, Rhythmus, Erholung


Quellen​



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