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💊 Medikamente-Empfehlung fĂŒr Psychose – Schizophrenie – Kurzfassung

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  • 💊 Medikamente-Empfehlung fĂŒr Psychose – Schizophrenie (Kurzfassung)

    Bearbeitungsstand: 04.08.2025

    🧭 Überblick​

    Der Therapieansatz beruht auf einer intervallbasierten Einnahme eines atypischen Antipsychotikums (vorzugsweise Aripiprazol) in Kombination mit der tĂ€glichen Gabe von Bupropion (ein SNDRI-Antidepressivum). Ziel ist nicht nur die Kontrolle von Positivsymptomen, sondern vor allem die Verbesserung von Negativsymptomen und kognitiven Funktionen (z. B. ArbeitsgedĂ€chtnis, Aufmerksamkeit, exekutive Steuerung).

    🧠 Vorteile und Einsatz von Bupropion und Aripiprazol in der Intervalltherapie (Kurzfassung)
    • Bupropion verbessert Wachheit, Konzentration und kognitive Klarheit → deutlich geringeres Risiko fĂŒr Wahnideen dank reflektierterer Verarbeitung psychotischer Trigger.
    • WĂ€hrend aripiprazolfreier Intervalle reduziert Bupropion Reizbarkeit und innere Unruhe – Symptome kehren meist erst nach Monaten zurĂŒck.
    • Besonders wirksam gegen Negativsymptome wie Denkverlangsamung und Antriebsmangel.
    • Eignet sich vor allem fĂŒr Menschen mit guter Selbstreflexion oder Krankheitseinsicht.
    đŸŒ± Positionierung der Intervalltherapie im Therapieverlauf
    • Klassische Antipsychotika (z. B. Risperidon, DepotprĂ€parate) sind in der Anfangsphase zur Akutbehandlung sinnvoll.
    • Übergang zu aktivierenden Wirkstoffen wie Aripiprazol oder Cariprazin verbessert VertrĂ€glichkeit und Motivation.
    • Aripiprazol ist besonders geeignet fĂŒr die Intervallstrategie: bereits 5 mg reichen oft zur Stabilisierung.
    • Intervalltherapie gibt Hoffnung: viele Betroffene erleben unter Dauermedikation RĂŒckfĂ€lle oder TherapieabbrĂŒche.
    • Monotherapie empfohlen – leichte Restsymptome können sogar die Selbstreflexion stĂ€rken.
    💬 Gedanklicher Rahmen
    • VollstĂ€ndige Symptomfreiheit ist unrealistisch – einige Symptome (z. B. paranoide Ängste) spiegeln reale innere Konflikte wider.
    • Die Intervalltherapie schafft Raum fĂŒr kontrollierte Konfrontation mit psychotischen Erfahrungen.
    • Ziel: mehr Autonomie, Perspektive auf Teilzeit-Arbeit und gesellschaftliche Reintegration bei stabiler Phase.

    Intervalltherapie.png


    đŸ”č Kernbestandteile der Strategie

    1. Intermittierende Einnahme von Aripiprazol

    • Einsatz bei FrĂŒhwarnsymptomen fĂŒr ca. 1–3 Wochen, anschließend Absetzphase ĂŒber 2 bis 6 Monate
    • Ziel: Kurzzeitige Symptomkontrolle – insbesondere Stabilisierung der Positivsymptomatik
    • Nach Absetzphase deutliche Besserung von Negativsymptomen und Kognition (in Kombination mit Bupropion)
    • Bei beginnender Verschlechterung erneut kurzzeitige Einnahme von Aripiprazol notwendig
    💡 Wichtig: Da Bupropion ein CYP2D6-Hemmer ist, kann der Aripiprazol-Blutspiegel um ca. 40–80 % steigen – Dosisanpassung ist ratsam. Therapeutisches Drug-Monitoring wird empfohlen.

    2. Kontinuierliche Einnahme von Bupropion (SNDRI)

    • Dosierung: 300–450 mg tĂ€glich (mit individueller Aufdosierung)
    • Wirkung:
      • Verbesserung von Kognition und Negativsymptomen
      • Reduktion von innerer Unruhe, Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen
      • UnterstĂŒtzung beim Rauchstopp durch Dopaminwirkung
    • Grenzen: Wirkung lĂ€sst nach ca. 4–6 Monaten nach → Aripiprazol muss dann zur Stabilisierung erneut eingenommen werden
    🔎 Hinweis: Bupropion wirkt kaum gegen andere SĂŒchte wie Alkohol, GlĂŒcksspiel oder Kaufsucht – hier sind ergĂ€nzende Maßnahmen nötig.

    3. Begleittherapie in der Intervallphase

    SSRI-Antidepressiva (Citalopram, Sertralin oder Escitalopram)
    • Regulieren gesteigerte EmotionalitĂ€t und Libido
    • Mildern depressive Symptome und helfen bei Miktionsstörungen oder Verstopfung unter Bupropion
    Vorsicht: Bei Wechseln kann Unruhe auftreten → Bupropion zuerst stabil einnehmen
    Trizyklische Antidepressiva (Trimipramin-Tropfen oder Trazodon)
    • Trimipramin: stark sedierend, mögliches SchlafĂŒberhang
    • Trazodon: sanfter, weniger SchlafĂŒberhang
    • Einsatz bei Schlafstörungen und als Schutz bei Suchtrisiken (v. a. gegen Alkohol-, Kauf- und Spielsucht)
    Besonders wichtig in stÀrker aktivierten Phasen (Schlafstörungen) und zu beginn und nach der Intervalleinnahme von Aripiprazol, da dort verstÀrkt Suchtproblematik auftreten kann.
    SARI (Trazodon) als Alternative bzw. Zusatz zu SSRI
    • Bei isolierten Schlafstörungen reicht Trazodon 100 mg abends meist aus.
    • In Dosierungen von 150–300 mg zeigt Trazodon eine mĂ€ĂŸige SSRI-Wirkung und kann die Rolle eines SSRI-Ersatzes ĂŒbernehmen.
    Eine gleichzeitige Gabe von SSRI + Trazodon sollte nur unter strenger Beobachtung erfolgen (Monitoring auf Serotoninsyndrom, engmaschige klinische Kontrolle).

    📊 Vergleich der SERT-Wiederaufnahmehemmung:
    WirkstoffDosisKi am humanen SERT (nM)GeschÀtzte SERT-Occupancy
    Citalopram20 mg1–280–90 %
    Trazodon100 mg600–1 00010–15 %
    Trazodon150–300 mg600–1 00020–30 %
    Ki = Inhibitionskonstante, niedrigerer Wert = höhere Potenz SERT-Occupancy = Anteil blockierter Serotonin-Transporter in vivo

    4. Suchtproblematik und Prophylaxe

    • Intervallphasen ohne Antipsychotikum gehen oft mit gesteigerter AktivitĂ€t und einem „Neugeborenen-GefĂŒhl“ einher → Risiko fĂŒr Alkohol-, Kauf- oder GlĂŒcksspielsucht erhöht
    • Auch Aripiprazol in kurzzeitiger Anwendung kann in EinzelfĂ€llen Suchtdynamiken verstĂ€rken
    • Trimipramin oder Trazodon können vorbeugend wirken, ggf. ergĂ€nzt durch Naltrexon
    ➕ Bei Nikotinsucht wirkt Bupropion besonders effektiv, da der Suchtdruck durch die Wiederaufnahmehemmung deutlich abnimmt.

    5. NahrungsergÀnzung

    • Vitamin B6 (50–100 mg tĂ€glich): reduziert innere Unruhe und hilft bei Akathisie
    • Magnesium & B-Komplex: unterstĂŒtzen allgemeine StabilitĂ€t, wirken ausgleichend
    ⚠ Hinweis: Bei höheren Vitamin-B6-Dosen (200–1200 mg) zur Akathisie-Behandlung bitte nur kurzzeitig unter strenge Ă€rztliche Kontrolle – ab 200 mg besteht bei lĂ€ngerfristiger Einnahme Risiko fĂŒr Neuropathie!


    🔬 Dosierungsanpassung & Wechselwirkungen​

    Da Bupropion ein moderater CYP2D6-Inhibitor ist, kommt es zu Wechselwirkungen mit Aripiprazol:
    WirkstoffErhöhter Aripiprazol-AUC
    Quinidin (stark)+100–120 %
    Paroxetin (moderat)+80–120 %
    Bupropion (moderat)geschĂ€tzt: +40–80 %
    🔬 Empfehlung: → Vor- und Nachfolgende TDM-Messungen bei Umstellung auf Bupropion → Ggf. Dosisreduktion (40-80%) von Aripiprazol → CYP2D6-Polymorphismen individuell prĂŒfen
    📚 Quelle: Aktuelle EinschĂ€tzung


    đŸ§© Therapeutisches Konzept

    Die Kombination aus kurzzeitiger Aripiprazol-Einnahme und kontinuierlicher Bupropion-Therapie bietet eine effektive Strategie zur Langzeitstabilisierung:
    • Aripiprazol kontrolliert Positivsymptome punktuell
    • Bupropion verbessert Negativsymptome und Kognition
    • ErgĂ€nzende Medikamente regulieren Nebenwirkungen und schĂŒtzen vor Sucht und Schlafstörungen
    • NahrungsergĂ€nzung unterstĂŒtzt neurophysiologische StabilitĂ€t

    âžĄïž Ziel ist ein möglichst normaler Alltag mit reduzierter medikamentöser Belastung, ohne durchgehende Antipsychotikagabe.

    → Langfassung (strukturiert einfach) | Bitte auch durchlesen! ←

    → Druckversion vom 04.08.25 ←

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