Medikamente-Empfehlung fĂŒr Psychose â Schizophrenie (Kurzfassung)
Bearbeitungsstand: 04.08.2025
Ăberblick
Der Therapieansatz beruht auf einer
intervallbasierten Einnahme eines atypischen Antipsychotikums (vorzugsweise
Aripiprazol) in Kombination mit der
tÀglichen Gabe von Bupropion (ein SNDRI-Antidepressivum). Ziel ist nicht nur die Kontrolle von
Positivsymptomen, sondern vor allem die Verbesserung von
Negativsymptomen und
kognitiven Funktionen (z.âŻB. ArbeitsgedĂ€chtnis, Aufmerksamkeit, exekutive Steuerung).
Vorteile und Einsatz von Bupropion und Aripiprazol in der Intervalltherapie (Kurzfassung)
- Bupropion verbessert Wachheit, Konzentration und kognitive Klarheit â deutlich geringeres Risiko fĂŒr Wahnideen dank reflektierterer Verarbeitung psychotischer Trigger.
- WĂ€hrend aripiprazolfreier Intervalle reduziert Bupropion Reizbarkeit und innere Unruhe â Symptome kehren meist erst nach Monaten zurĂŒck.
- Besonders wirksam gegen Negativsymptome wie Denkverlangsamung und Antriebsmangel.
- Eignet sich vor allem fĂŒr Menschen mit guter Selbstreflexion oder Krankheitseinsicht.
Positionierung der Intervalltherapie im Therapieverlauf
- Klassische Antipsychotika (z.âŻB. Risperidon, DepotprĂ€parate) sind in der Anfangsphase zur Akutbehandlung sinnvoll.
- Ăbergang zu aktivierenden Wirkstoffen wie Aripiprazol oder Cariprazin verbessert VertrĂ€glichkeit und Motivation.
- Aripiprazol ist besonders geeignet fĂŒr die Intervallstrategie: bereits 5âŻmg reichen oft zur Stabilisierung.
- Intervalltherapie gibt Hoffnung: viele Betroffene erleben unter Dauermedikation RĂŒckfĂ€lle oder TherapieabbrĂŒche.
- Monotherapie empfohlen â leichte Restsymptome können sogar die Selbstreflexion stĂ€rken.
Gedanklicher Rahmen
- VollstĂ€ndige Symptomfreiheit ist unrealistisch â einige Symptome (z.âŻB. paranoide Ăngste) spiegeln reale innere Konflikte wider.
- Die Intervalltherapie schafft Raum fĂŒr kontrollierte Konfrontation mit psychotischen Erfahrungen.
- Ziel: mehr Autonomie, Perspektive auf Teilzeit-Arbeit und gesellschaftliche Reintegration bei stabiler Phase.
Kernbestandteile der Strategie
1. Intermittierende Einnahme von Aripiprazol
- Einsatz bei FrĂŒhwarnsymptomen fĂŒr ca. 1â3 Wochen, anschlieĂend Absetzphase ĂŒber 2 bis 6 Monate
- Ziel: Kurzzeitige Symptomkontrolle â insbesondere Stabilisierung der Positivsymptomatik
- Nach Absetzphase deutliche Besserung von Negativsymptomen und Kognition (in Kombination mit Bupropion)
- Bei beginnender Verschlechterung erneut kurzzeitige Einnahme von Aripiprazol notwendig
Wichtig: Da
Bupropion ein CYP2D6-Hemmer ist, kann der Aripiprazol-Blutspiegel um ca. 40â80âŻ% steigen â Dosisanpassung ist ratsam. Therapeutisches Drug-Monitoring wird empfohlen.
2. Kontinuierliche Einnahme von Bupropion (SNDRI)
- Dosierung: 300â450âŻmg tĂ€glich (mit individueller Aufdosierung)
- Wirkung:
- Verbesserung von Kognition und Negativsymptomen
- Reduktion von innerer Unruhe, Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen
- UnterstĂŒtzung beim Rauchstopp durch Dopaminwirkung
- Grenzen: Wirkung lĂ€sst nach ca. 4â6 Monaten nach â Aripiprazol muss dann zur Stabilisierung erneut eingenommen werden
Hinweis: Bupropion wirkt kaum gegen andere SĂŒchte wie Alkohol, GlĂŒcksspiel oder Kaufsucht â hier sind ergĂ€nzende MaĂnahmen nötig.
3. Begleittherapie in der Intervallphase
SSRI-Antidepressiva (Citalopram, Sertralin oder Escitalopram)
- Regulieren gesteigerte EmotionalitÀt und Libido
- Mildern depressive Symptome und helfen bei Miktionsstörungen oder Verstopfung unter Bupropion
Vorsicht: Bei Wechseln kann Unruhe auftreten â Bupropion zuerst stabil einnehmen
Trizyklische Antidepressiva (Trimipramin-Tropfen oder Trazodon)
- Trimipramin: stark sedierend, mögliches SchlafĂŒberhang
- Trazodon: sanfter, weniger SchlafĂŒberhang
- Einsatz bei Schlafstörungen und als Schutz bei Suchtrisiken (v.âŻa. gegen Alkohol-, Kauf- und Spielsucht)
Besonders wichtig in stÀrker aktivierten Phasen (Schlafstörungen) und zu beginn und nach der Intervalleinnahme von Aripiprazol, da dort verstÀrkt Suchtproblematik auftreten kann.
SARI (Trazodon) als Alternative bzw. Zusatz zu SSRI
- Bei isolierten Schlafstörungen reicht Trazodon 100 mg abends meist aus.
- In Dosierungen von 150â300 mg zeigt Trazodon eine mĂ€Ăige SSRI-Wirkung und kann die Rolle eines SSRI-Ersatzes ĂŒbernehmen.
Eine gleichzeitige Gabe von SSRI + Trazodon sollte nur unter strenger Beobachtung erfolgen (Monitoring auf Serotoninsyndrom, engmaschige klinische Kontrolle).
Vergleich der SERT-Wiederaufnahmehemmung:
Wirkstoff | Dosis | Ki am humanen SERT (nM) | GeschÀtzte SERT-Occupancy |
---|
Citalopram | 20 mg | 1â2 | 80â90 % |
Trazodon | 100 mg | 600â1 000 | 10â15 % |
Trazodon | 150â300 mg | 600â1 000 | 20â30 % |
Ki = Inhibitionskonstante, niedrigerer Wert = höhere Potenz SERT-Occupancy = Anteil blockierter Serotonin-Transporter in vivo
4. Suchtproblematik und Prophylaxe
- Intervallphasen ohne Antipsychotikum gehen oft mit gesteigerter AktivitĂ€t und einem âNeugeborenen-GefĂŒhlâ einher â Risiko fĂŒr Alkohol-, Kauf- oder GlĂŒcksspielsucht erhöht
- Auch Aripiprazol in kurzzeitiger Anwendung kann in EinzelfÀllen Suchtdynamiken verstÀrken
- Trimipramin oder Trazodon können vorbeugend wirken, ggf. ergÀnzt durch Naltrexon
Bei Nikotinsucht wirkt Bupropion besonders effektiv, da der Suchtdruck durch die Wiederaufnahmehemmung deutlich abnimmt.
5. NahrungsergÀnzung
- Vitamin B6 (50â100âŻmg tĂ€glich): reduziert innere Unruhe und hilft bei Akathisie
- Magnesium & B-Komplex: unterstĂŒtzen allgemeine StabilitĂ€t, wirken ausgleichend
Hinweis: Bei höheren Vitamin-B6-Dosen (200â1200âŻmg) zur Akathisie-Behandlung bitte nur kurzzeitig unter strenge Ă€rztliche Kontrolle â ab 200âŻmg besteht bei lĂ€ngerfristiger Einnahme Risiko fĂŒr Neuropathie!
Dosierungsanpassung & Wechselwirkungen
Da
Bupropion ein moderater CYP2D6-Inhibitor ist, kommt es zu Wechselwirkungen mit Aripiprazol:
Wirkstoff | Erhöhter Aripiprazol-AUC |
---|
Quinidin (stark) | +100â120âŻ% |
Paroxetin (moderat) | +80â120âŻ% |
Bupropion (moderat) | geschĂ€tzt: +40â80âŻ% |
Empfehlung: â Vor- und Nachfolgende TDM-Messungen bei Umstellung auf Bupropion â Ggf.
Dosisreduktion (40-80%) von Aripiprazol â CYP2D6-Polymorphismen individuell prĂŒfen
Quelle: Aktuelle EinschÀtzung
Therapeutisches Konzept
Die Kombination aus
kurzzeitiger Aripiprazol-Einnahme und
kontinuierlicher Bupropion-Therapie bietet eine effektive Strategie zur Langzeitstabilisierung:
- Aripiprazol kontrolliert Positivsymptome punktuell
- Bupropion verbessert Negativsymptome und Kognition
- ErgĂ€nzende Medikamente regulieren Nebenwirkungen und schĂŒtzen vor Sucht und Schlafstörungen
- NahrungsergĂ€nzung unterstĂŒtzt neurophysiologische StabilitĂ€t

Ziel ist ein möglichst normaler Alltag mit reduzierter medikamentöser Belastung, ohne durchgehende Antipsychotikagabe.