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Zur Depot‑ vs. Tabletten‑Logik – eine sachliche Einordnung

Maggi

Administrator
Mir geht es hier nicht um einzelne Medikamente oder individuelle Entscheidungen, sondern um die grundsätzliche Kosten‑ und Versorgungslogik.

Faktisch ist es so:
  • Depot‑Antipsychotika werden überwiegend von den gesetzlichen Krankenkassen finanziert, also aus Beiträgen der Versicherten.
  • Viele Depots enthalten alte Wirkstoffe, sind aber durch Darreichungsform‑Patente weiterhin sehr teuer.
  • Orale Antipsychotika – auch neuere patentierte Wirkstoffe – sind im Vergleich 5‑ bis 10‑fach günstiger, teilweise noch deutlich mehr, wenn realistische Einnahmemengen berücksichtigt werden.
In der Praxis nehmen viele Betroffene:
  • reduzierte orale Dosen,
  • Intervall‑Einnahmen,
  • oder individuell angepasste Mengen,
wodurch sich die realen Medikamentenkosten nochmals deutlich senken – ohne zwingend auf neue Wirkstoffe verzichten zu müssen.


Die zentrale Frage ist daher keine medizinische, sondern eine systemische:

Wenn bei vergleichbaren oder besseren Outcomes
  • orale Therapien ein Vielfaches günstiger sind,
  • Depots aber weiterhin als Standardlösung finanziert werden,
dann stellt sich die Frage, ob hier Kostenverlagerung statt Kostenersparnis stattfindet.

Die häufige Begründung „Depots sparen Klinikaufenthalte“ ist nachvollziehbar, wird aber selten transparent gegengerechnet:
  • Rückfälle sind multifaktoriell,
  • Nebenwirkungen und Langzeitfolgen werden kaum monetarisiert,
  • individuelle Verträglichkeit und flexible Dosierung spielen im Kostennarrativ eine untergeordnete Rolle.


Wichtig:

Das ist keine Korruptionsbehauptung, sondern eine Frage nach Wirtschaftlichkeit und Prioritätensetzung.

Die Verantwortung liegt nicht bei einzelnen Ärzt:innen oder Patient:innen, sondern verteilt sich auf:
  • Nutzenbewertung,
  • Preisverhandlungen,
  • Verordnungsanreize,
  • und regulatorische Rahmenbedingungen.
Gerade deshalb halte ich es für legitim, diese Logik kritisch zu hinterfragen – ohne Schuldzuweisungen, aber mit dem Anspruch, dass Beitragsgelder effizient und patientenzentriert eingesetzt werden sollten.



  • Wie erlebt ihr selbst den Unterschied zwischen Depot‑ und Tablettentherapie – nicht nur medizinisch, sondern auch im Alltag (Flexibilität, Nebenwirkungen, Selbstbestimmung)?

  • Wird eurer Meinung nach bei der Verordnung von Depots ausreichend zwischen individueller Verträglichkeit und administrativer „Sicherheit“ abgewogen? Oder überwiegt oft die Sorge um Adhärenz und Rückfallstatistiken?

  • Habt ihr den Eindruck, dass Kostenfragen bei der Wahl der Therapie transparent kommuniziert werden? Oder spielt der tatsächliche Preis im Arzt‑Patient‑Gespräch kaum eine Rolle?

  • Wie realistisch ist aus eurer Sicht die Annahme, dass Depots automatisch Klinikaufenthalte vermeiden? Welche anderen Faktoren spielen eurer Erfahrung nach eine größere Rolle?

  • Sollte es mehr Raum für individuell reduzierte orale Therapien geben, gerade wenn neue Wirkstoffe verfügbar sind, die verträglicher sind als ältere Substanzen?

  • Wo seht ihr die Verantwortung, wenn sehr teure Therapien zum Standard werden, obwohl günstigere Alternativen existieren – bei Ärzt:innen, Krankenkassen, Leitlinien oder dem System insgesamt?
 
Depot-Spritzen machen nur Sinn, wenn keine oder nur verminderte Krankheitseinsicht besteht, ansonsten ist es Freiheitsberaubung.
 
Depot-Spritzen machen nur Sinn, wenn keine oder nur verminderte Krankheitseinsicht besteht, ansonsten ist es Freiheitsberaubung.
Da möchte ich folgendes einbringen:

🧠 Was bedeutet „verminderte Krankheitseinsicht“ bei Schizophrenie?​

In der Psychiatrie meint Krankheitseinsicht drei getrennte Bereiche:
  1. Einsicht, dass Symptome vorhanden sind (z. B. „Ich habe Stimmen gehört“)
  2. Einsicht, dass diese Symptome krankheitsbedingt sind (z. B. „Die Stimmen kommen nicht von außen, sondern aus der Erkrankung“)
  3. Einsicht, dass Behandlung sinnvoll ist (z. B. „Medikamente reduzieren Rückfallrisiko“)
Eine verminderte Krankheitseinsicht bedeutet, dass einer oder mehrere dieser Punkte nicht vollständig akzeptiert oder verstanden werden.Das ist ein deskriptiver klinischer Begriff, kein moralisches Urteil.


🔍 Fällt Medikamentenreduktion oder Unzufriedenheit damit darunter?​

Kurz: Nein — nicht automatisch. Und genau hier wird in der Praxis oft vorschnell pathologisiert.

❌ Was NICHT automatisch „verminderte Krankheitseinsicht“ ist:​

  • Unzufriedenheit mit Nebenwirkungen
  • Wunsch nach Dosisreduktion
  • Phasenweises Absetzen
  • Der Wunsch, langfristig ohne Medikamente auszukommen
  • Kritik an der bisherigen Behandlung
  • Der Wunsch nach mehr Autonomie oder weniger Sedierung
All das kann völlig rational, informiert und gesund sein.

✔️ Wann es als verminderte Krankheitseinsicht gewertet wird:​

Nur wenn jemand ausdrücklich sagt oder zeigt:
  • „Ich war nie krank.“
  • „Die Stimmen waren real, keine Symptome.“
  • „Ich brauche keine Behandlung, weil nichts mit mir war.“
  • „Die Ärzte haben sich alles ausgedacht.“
  • „Die Medikamente wirken nicht, weil ich gar keine Erkrankung habe.“
Also: Es geht um die Interpretation der Symptome, nicht um die Haltung zu Medikamenten.


🧩 Warum wird das in der Praxis oft verwechselt?​

Weil manche Behandler leider:
  • Medikamentenakzeptanz = Krankheitseinsicht
  • Reduktionswunsch = Non-Compliance
  • Nebenwirkungsprobleme = „fehlende Einsicht“
gleichsetzen.

Das ist fachlich falsch und führt zu unnötigen Konflikten.

Eine Person kann voll einsichtig sein und trotzdem sagen:

„Ich möchte die Dosis reduzieren, weil die Nebenwirkungen meine Lebensqualität beeinträchtigen.“
Das ist keine Krankheitseinsichtsstörung, sondern informierte Autonomie.


🧠 Der entscheidende Punkt​

Krankheitseinsicht bezieht sich auf die Bewertung der Symptome — nicht auf die Bewertung der Therapie.
 
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Darunter hatte ich viel zu leiden. Die Ärzte warfen mir wiederholt mangelnde Krankheitseinsicht vor, wobei ich die Symptome und den Umstand dass ich erkrankt bin akzeptiert habe. Wie ein Totschlagargument wurde das gegen mich vorgebracht. Mich haben auch die Arztbriefe immer wütend gemacht, weil darin regelrechte Lügen verbreitet wurden.
 
Darunter hatte ich viel zu leiden. Die Ärzte warfen mir wiederholt mangelnde Krankheitseinsicht vor, wobei ich die Symptome und den Umstand dass ich erkrankt bin akzeptiert habe. Wie ein Totschlagargument wurde das gegen mich vorgebracht. Mich haben auch die Arztbriefe immer wütend gemacht, weil darin regelrechte Lügen verbreitet wurden.
Nur, bist du leider rückfällig geworden, ansonsten wäre deine Bewährung schon längst abgelaufen.:(

Mir hätte so etwas damals auch blühen können. Ich hab 2014 in der Psychose ein fahrendes Auto aus dem Verkehr gewunken, bin auf die Motorhaube gesprungen und hab die Windschutzscheibe eingetreten.
 
Depot-Spritzen machen nur Sinn, wenn keine oder nur verminderte Krankheitseinsicht besteht, ansonsten ist es Freiheitsberaubung.
Ich sehe den Punkt, den du meinst – aber für mich ist „verminderte Krankheitseinsicht“ kein stabiler Zustand, sondern fast immer ein akutpsychiatrisches Phänomen, das sich im Verlauf verändert. Gerade zu Beginn einer Psychose ist die Einsicht oft eingeschränkt, gleichzeitig besteht aber auch ein erhöhtes Risiko für Belastung, Verwirrung oder Suizidalität. In dieser Phase kann ein Depot tatsächlich Zeit verschaffen, bis jemand wieder klarer denken kann.

Sobald die Akutphase vorbei ist, verändert sich die Lage aber komplett. Viele entwickeln dann echte Einsicht, auch wenn sie Medikamente kritisch sehen oder reduzieren möchten. Das ist für mich etwas völlig anderes als „fehlende Einsicht“. Wenn man diese Begriffe zu weit fasst, besteht die Gefahr, dass jede Unzufriedenheit mit der Therapie automatisch als „verminderte Einsicht“ gewertet wird – und das würde Depots im privaten Bereich viel zu leicht rechtfertigen.

Für mich macht ein Depot daher nur in einer klaren Akutsituation Sinn, nicht als Dauerlösung oder als Reaktion auf Kritik, Reduktionswünsche oder Nebenwirkungen. Nach der Stabilisierung kann man in Kliniken problemlos mit Tabletten arbeiten, und viele brauchen dann auch Raum, um ihre Diagnose überhaupt zu verstehen und zu lernen, Rückfälle zu erkennen.
 
Das stimmt. Rückfällig bin ich leider geworden. Mir ist das Ganze mit den Medikamenten auch eine Lehre.
Da hast du Glück gehabt. Gut dass es nur einmal vorkam.
 
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Dann nehme ich ich verminderte Krankheitseinsicht zurück.:) Aber wenn jemand sich partout nicht helfen lassen will, mach ein Depot schon Sinn.
 
Ich finde die Diskussion interessant. Hab aber nicht viel beizutragen. Aber tatsächlich hab ich überlegt aus bequemlichkeit auf depot spritzen umzustellen.
 
Um mal auf die Medikamentepreise zurückzukommen, wo ich das ernste Problem sehe.
Diese Depotformen der Wirkstoffe gab es früher ja in Pflanzenölen oder so und heute verwendet man glaube ich so etwas wie chirurgische Fäden wo die Wirkstoffe eingebracht sind die sich dann langsam freisetzen.
Von der Herstellung ist so etwas kein Hexenwerk und in der Massenproduktion werden die Herstellungskosten für eine Monats-Depot-Spritze kaum mehr als 5 Euro betragen.

Preise liegen da meist im hohen 3 oder teils im 4 stelligen bereich.
Das Paliperidon-Depot (Xeplion) gab es schon 2012, damals hab ich das bekommen, kostet noch ca. 1000 €
XEPLION 150 mg Depot Injektionssusp. Fertigspr. (1 St)

Hier wird für hohe Dosierungen auch noch höhere Preise aufgeschlagen, was generell eher dazu beiträgt das man seitens der Hersteller höhere Dosierungen empfiehlt oder einsetzt als sinnvoll erscheint.
Da wären für alle Dosierungen Einheitspreise durchaus zweckmäßig.

Bei Aripiprazol-Depot (Abilify-Maintena) ist das möglich mit den Einheitspreis und dort liegen die Kosten bei 550€ was auch zuviel ist:
abilfiy maintena Preisvergleich - günstige Preise

Hier bräuchte es neben 300 mg(12,5 mg oral) und 400 mg(ca. 17,5 mg oral), auch kleinere, etwa 100, 150 und 200 um 5 mg, 7,5 mg und 10 mg Tagesdosis zu ermöglichen was in Tablettenform auch meistens völlit ausreichend ist. Hier findet aufgrund unnötig hoher Dosierungen eine Schräglage statt.
Bei manchen Patienten reichen 2-5 mg um die rezeptoren antipsychotisch ausreichend zu belegen, was auch im Akutfall durschlägt


Jetzt zum gerechtfertigen Depotpreis:

Nehmen wir uns Cariprazin (Reagila) in Tablettenform (kein Depot), was ein neuer patentierter Wirkstoff der auch in unterschiedlichen Dosierungen etwa den gleichen Preis kostet also 280€ für 98 Stück das entspricht 86€ im Monat:
Reagila 4.5 mg Hartkapseln (98 St) Apotheken Preise

Reagila also Cariprazin ist ein neuer Wirkstoff in patentierter Form wo tatsächlich hohe Forschungskosten entstehen. Hier werden also keine 100€ im Monat bereitgestellt, für einen neuen Erstwirkstoff.



Folgerung:
Logisch wäre für diese Depots maximal 100 € pro Monat zu bezahlen, damit wären die geschätzten 5 Euro Herstellungskosten locker gedeckt.

Andersherum kann man für neue Wirkstoffe die man aktuell den Marktzugang verweigert hat, wie Lurasidon und Brexpiprazol die ersten Jahre auch 250 € pro Monat zahlen und diese Preise dann auch auf um die 100 € anpassen.

Weiteres Problem sind Generika:
Hier wird bei Tabletten Preisdumping betrieben und teils wirklich nur der allergünstigste Anbieter bezahlt. Andersherum bei Depot-Generika liegen diese häufig nur 30% unterhalb den Orginalpräperaten für die es die letzten 20 Jahre keine Preissenkungen gab und gleichzeitig ist ein Wechsel von Orginal zu Generika nach abgelaufenen Patenten keine Verpflichtung.

Bei Tabletten ist das mehr oder weniger eine Zwangsmaßnahme dass sobald die Patente ausgelaufen sind die Generikaform eingesetzt werden muss.

Bei Depots besteht da kein Zwang oder Umstellungsgrund auf Generika dieses fehlende Pflicht ist auch bewusst Wettbewerbsverletztend da dann es für Generikaanbieter untraktiv ist oder gar kein Wettbewerb entsteht.

Eine Pflicht von Depots wen die Patente abgelaufen sind, auf das günstigere Medikament als Generika in Depotform (gleicher Wirkstoff) zu wechseln, wäre zwingend notwendig, da Tablettenanbieter hier extrem benachteiligt sind. Diese Hersteller von Depots haben ja Tablettenvarianten und alles schon vorher über die letzten Jahrzehnte teuer vermarktet.

Dazu kommt das 2 wochen Depots sinnvoller als 4 wöchige sein können, also die Folgeprodukte mit 3 und 5 Monaten teils völlig aus der Zeit gegriffen sind und für die Patienten zusätzliche Risiken darstellen.

Hersteller von Depotspritzen haben nahezu keinen Forschungsaufwand und werden aktuell belohnt, wo andere Tablettenhersteller bestraft werden.
Brexpiprazol und Lurasidon haben etwa keinen Marktzugang in Deutschland, obwohl diese sicher keine 500 oder 1000 € im Monat kosten würden und die Patente man nach wenigen Jahren auch wie bei Reagila bei 100 € für Orginalpräperate im Monat wäre.

Das Problem ist das diese Althersteller vor allem der des obersten Präperats die letzten 40 Jahre mit einem Ausgangswirkstoff sehr hohe Preise verlangt hat, wo andere hersteller extrem benachteiligt werden. Das ist wie Geldwäsche nur in einen Ausmaß das undenkbar ist und das für ein ansonsten sehr schlecht verträgliches Medikament.
Das trägt zu keiner Erkrankungseinsicht bei wenn verträgliche Wirkstoffe dann erst gar keinen Markzugang bekommen.
Hier ein recht präziser Nebenwirkugnsvergleich:
https://schizophrenie-forum.com/psy...enwirkungen_von_antipsychotika_2026-pdf.2211/


Warum sollten Betroffene also unverträgliche überteuerte Medikamete einnehmen, wenn es längst verträglichere Wirkstoffe wie etwa Lurasidon (Antagonist) gibt und auch bei den Partialagonisten mit Brexpiprazol. Würde man diese die längst zugelassen sind auch sich leisten wollen (es wäre eine deutliche Kostenersparnis) und Depots strenger regulieren, dann hätten Patienen auch mehr grund diesem psychiatrischen System zu vertrauen.

So kann einen Angst und Bange werden, weil dieser noch akueller Zustand jene Patienten recht gibt die wenig bis keine Erkrankungseinsicht haben und den Vertrauensverlust in die Medizin insgesammt untergraben.

Ich sehe den Willen die Dinge besser zu machen bei den Ärzten und Professoren die ich kennenlernen durfte. Wir wehren uns hier nur keinen Anfängen mehr sondern einem zutiefst Korrupten und ungerechten System, wo Reiche immer weiter belohnt werden und echte Arbeit und Leistung nix mehr wert ist.
 
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