Zur Depot‑ vs. Tabletten‑Logik – eine sachliche Einordnung
Um mal auf die Medikamentepreise zurückzukommen, wo ich das ernste Problem sehe.
Diese Depotformen der Wirkstoffe gab es früher ja in Pflanzenölen oder so, und heute verwendet man, glaube ich, so etwas wie chirurgische Fäden, in denen die Wirkstoffe eingebracht sind, die sich dann langsam freisetzen.
Von der Herstellung ist so etwas kein Hexenwerk und in der Massenproduktion werden die Herstellungskosten für eine Monats-Depot-Spritze kaum mehr als 5 Euro betragen.
Preise liegen da meist im hohen 3- oder teils im 4-stelligen bereich.
Das Paliperidon-Depot (Xeplion) gab es schon 2012, damals habe ich das bekommen, kostet noch ca.
1000 €.
XEPLION 150 mg Depot Injektionssusp. Fertigspr. (1 St)
Hier wird für hohe Dosierungen auch noch höhere Preise aufgeschlagen, was generell eher dazu beiträgt, dass man seitens der Hersteller höhere Dosierungen empfiehlt oder einsetzt, als sinnvoll erscheint.
Da wären für alle Dosierungen Einheitspreise durchaus zweckmäßig.
Bei Aripiprazol-Depot (Abilify-Maintena) ist das mit dem Einheitspreis möglich und dort liegen die Kosten mit
550 € auch viel zu hoch:
abilify maintena Preisvergleich – günstige Preise
Hier bräuchte es neben 300 mg (12,5 mg oral) und 400 mg (ca. 17,5 mg oral) auch kleinere, etwa 100, 150 und 200, um 5 mg, 7,5 mg und 10 mg Tagesdosis zu ermöglichen, was in Tablettenform auch meistens völlig ausreichend ist. Hier findet aufgrund unnötig hoher Dosierungen eine Schräglage statt.
Bei manchen Patienten reichen 2–5 mg, um die Rezeptoren antipsychotisch ausreichend zu belegen, was auch im Akutfall durschlägt
Jetzt zum gerechtfertigten Depotpreis:
Nehmen wir Cariprazin (Reagila) in Tablettenform
(kein Depot), was ein neuer patentierter Wirkstoff ist, kostet auch in unterschiedlichen Dosierungen etwa den gleichen Preis, also 280 € für 98 Stück, das entspricht
86€ im Monat:
Reagila 4,5 mg Hartkapseln (98 St) Apotheken Preise
Reagila, also Cariprazin, ist ein neuer Wirkstoff in patentierter Form, wo tatsächlich hohe Forschungskosten entstehen. Hier werden also keine
100€ im Monat bereitgestellt, für einen neuen Erstwirkstoff.
Folgerung:
Logisch wäre es, für diese Depots maximal 100 € pro Monat zu bezahlen, damit wären die geschätzten 5 Euro Herstellungskosten locker gedeckt.
Andersherum kann man für neue Wirkstoffe, denen man aktuell den Marktzugang verweigert hat, wie Lurasidon und Brexpiprazol, die ersten Jahre auch 250 € pro Monat zahlen und diese Preise dann auch auf um die 100 € anpassen.
Weiteres Problem sind Generika:
Hier wird bei Tabletten Preisdumping betrieben und teils wird wirklich nur der allergünstigste Anbieter bezahlt. Andersherum: Bei Depot-Generika liegen diese häufig nur 30 % unterhalb der Originalpräparate, für die es die letzten 20 Jahre keine Preissenkungen gab, und gleichzeitig ist ein Wechsel von Original zu Generika nach abgelaufenen Patenten keine Verpflichtung.
Bei Tabletten sollte das in der Regel eine Zwangsmaßnahme sein, dass, sobald die Patente ausgelaufen sind, die Generikaform eingesetzt werden muss. Auch hier scheint es Ausnahmen zu geben.
Bei Depots besteht da kein Zwang oder Umstellungsgrund auf Generika. Diese fehlende Pflicht ist auch bewusst wettbewerbsverzerrend, da es dann für Generikaanbieter unattraktiv ist oder gar kein Wettbewerb entsteht.
Eine Pflicht von Depots, wenn die Patente abgelaufen sind, auf das günstigere Medikament als Generika in Depotform (gleicher Wirkstoff) zu wechseln, wäre zwingend notwendig, da Tablettenanbieter hier extrem benachteiligt sind. Diese Hersteller von Depots haben ja Tablettenvarianten und alles schon vorher über die letzten Jahrzehnte teuer vermarktet.
Dazu kommt, dass 2-Wochen-Depots sinnvoller als 4-wöchige sein können, also die Folgeprodukte mit 3 und 5 Monaten teils völlig aus der Zeit gegriffen sind und für die Patienten zusätzliche Risiken darstellen.
Hersteller von Depotspritzen haben nahezu keinen Forschungsaufwand und werden aktuell belohnt, wo andere Tablettenhersteller bestraft werden.
Brexpiprazol und Lurasidon haben etwa keinen Marktzugang in Deutschland, obwohl diese sicher keine 500 oder 1000 € im Monat kosten würden und die Patente man nach wenigen Jahren auch wie bei Reagila bei 100 € für Originalpräparate im Monat wäre.
Das Problem ist, dass Althersteller, vor allem der des obersten Präparats, die letzten 40 Jahre mit einem Ausgangswirkstoff sehr hohe Preise verlangt haben, sodass andere Hersteller extrem benachteiligt worden sind. Das ist wie Geldwäsche, nur in einem Ausmaß, das undenkbar ist und das für ein ansonsten miserabel verträgliches Medikament.
Für Erkrankte kann so auch keine Erkrankungseinsicht entstehen, wenn verträgliche Wirkstoffe in preiswerter Form da sind, von der EMA längst zugelassen, aber keinen Marktzugang bekommen, weil irgendein Institut für Wirtschaftlichkeit (IQWIG) und BfArM keinen Zusatznutzen sehen wollten. Diese Behörden stellen sich nach außen transparent dar, aber die Macht liegt bei den großen Pharmaherstellern, welche neue Innovationen anderer Hersteller bewusst unterbinden wie auch Brexpiprazol und Lurasidon.
Hier ein recht präziser Nebenwirkugnsvergleich:
https://schizophrenie-forum.com/psy...enwirkungen_von_antipsychotika_2026-pdf.2211/
Die Logik müsste nach der deutlich besseren Verträglichkeit gehen, weil man Antipsychotika von der Wirkung her kaum vergleichen kann, und hier gerade mit Brexpiprazol einen wichtigen Partialagonisten zurückhält, den man bei Unverträglichkeiten bräuchte, da gerade mal zwei bestehende Partialagonisten vorhanden sind.
Warum sollten Betroffene also unverträgliche, überteuerte Medikamente einnehmen, wenn es längst verträglichere Wirkstoffe wie etwa Lurasidon (Antagonist) gibt und Partialagonisten wie Brexpiprazol längst da sind? Würde man diese, die längst zugelassen sind, sich auch leisten wollen (es wäre eine deutliche Kostenersparnis) und Depots strenger regulieren, dann hätten Patienten auch mehr Grund, diesem psychiatrischen System Vertrauen entgegenbringen zu können.
Aktuell kann einem Angst und Bange werden, weil dieser noch problematische Zustand jene Patienten bestätigt, die wenig bis keine Erkrankungseinsicht haben, was zwangsläufig auch zum Vertrauensverlust beiträgt.
Ich sehe den Willen, die Dinge besser zu machen, auch bei den Ärzten und Professoren, die ich kennenlernen durfte. Wir wehren uns hier nicht nur gegen Anfänge, sondern gegen ein bereits zutiefst korruptes und ungerechtes System, welches sich selbst erhält und das man nur mit einem Willen brechen kann, damit es Patienten wieder hilft, statt Schaden durch Stagnation und Rückschritt zu erzeuge.