Ich arbeite in einer Behindertenwerkstatt, Industrie-Buchbinderei. Wir fertigen Flyer, Broschüren, Visitenkarten etc. Macht zum Teil echt Spaß, bin fit an den Maschinen. Nur die Handarbeit nervt ein wenig. Bekomme dort auch eine warme Mahlzeit am Tag, die bis zum Ende des Tages ausreicht.
Verdiene dort um die 220 Euro im Monat, dazu bekomme ich noch 1045 Grundsicherung und die Fahrkarte gezahlt (mit dieser kann ich in halb Baden-Württemberg rumfahren).
Rentenanspruch hab ich leider nicht.
Dazu hab ich noch ein Hobby: ich programmiere gern.
Bin generell froh, dass ich ein Dach über dem Kopf habe, regelmäßig essen kann, einer Arbeit nachgehen kann und mich zu Hause beschäftigen kann.
Trotz hoher Dosis an Medikamenten kann ich gut leben, habe keine Negativ-Symptomatik.
Mit dem Geld komme ich auch gut zurecht, ich kaufe halt nur Dinge, die im Angebot sind und die dann halt auf Vorrat.
Man kann mit Schizophrenie schon ein lebenswertes Leben führen, wenn man Glück hat.
Ich kenne aber auch die andere Seite der Schizophrenie, mit viel Negativ-Symptomatik. In dieser Zeit ging es mir wie
@zwangsneurotiker . In dieser Zeit bin ich auch in die Behindertenwerkstatt gegangen, habe nur funktioniert. Zu Hause habe ich dann die Zeit mit Zigaretten rauchen verbracht. Struktur schaffen war überhaupt nicht möglich (ich meine Ordnung schaffen etc). Ich habe dann die Medikamente abgesetzt und bin schwerst psychotisch geworden und hatte auch einen Suizidversuch hinter mir. Nach 10 Monaten Psychiatrie bin ich aber fit wie ein Turnschuh entlassen worden. Wie gesagt, ich nehme viele Medikamente, aber kann gut leben.
Ich kann mir selbst nicht erklären, warum es mir so gut geht. Hoffe aber nur, dass es so bleibt und die Medikamente weiter wirken. Irgendjemand schrieb in diesem Forum, dass sie nach 4 Jahren an Wirkung verlieren. Ich hoffe, dass dies nicht der Fall ist.