@Unruhe,
ich verstehe dich. Hochsensibel ist bei dir, wenn es die Diagnose gäbe, auch eher zutreffend, als wenn man dir auf Verdacht eine Schizophreniediagnose anhängt.
Verständlicherweise willst du kein Stigma, aber gleichzeitig beschreibst du reale Symptome die bei Psychose auftreten.
Alle F20.X sind chronische Schizophreniediagnosen.
Psychose ist der große Überbegriff, der hinter allem F20-F29 Diagnosen steht. Da sind also auch jene Diagnosen dabei, die man bei deinen Symptomen erst einmal stellt. Du müsstest dich da selbst erkundigen, wo man dich aktuell und damals eingeordnet hat?
1. Warum F06.2 für viele Psychiater schwer zu stellen ist
- F06.2 erfordert einen nachweisbaren körperlichen Auslöser
- Psychiater haben oft keine Laborwerte, keine Rheuma-Befunde, keine Autoimmun-Diagnostik
- Die Ursache ist oft unklar, besonders am Anfang
- Deshalb scheuen viele die Diagnose, obwohl sie korrekt wäre
Genau deshalb gibt es
Zwischencodes, die NICHT „Schizophrenie“ bedeuten.
2. Welche Übergangsdiagnosen es im ICD‑10 gibt (ohne F20–F29!)
A) F23 – Akute vorübergehende psychotische Störung
Das ist die wichtigste Übergangsdiagnose.
Sie bedeutet:
- keine Schizophrenie
- keine Chronifizierung
- Symptome sind akut, vorübergehend, oft stress- oder körperbedingt
- Ursache noch unklar
Sie wird sehr häufig genutzt, wenn:
- eine organische Ursache möglich ist
- aber noch nicht bewiesen
- und man die Person nicht stigmatisieren will
Für Betroffene ist F23 viel leichter zu akzeptieren.
B) F29 – Nicht näher bezeichnete Psychose
Das ist die „Sicherheitsdiagnose“, wenn:
- man weiß, es ist eine Psychose
- aber man weiß NICHT, ob es Schizophrenie, organisch oder stressinduziert ist
Auch das ist
keine Schizophrenie.
C) F06.8 – Sonstige psychische Störungen durch körperliche Erkrankung
Wenn man eine körperliche Ursache
vermutet, aber noch nicht sicher ist.
Das ist quasi:
„Wir sehen Hinweise auf eine körperliche Ursache, aber wir brauchen noch Diagnostik.“
Auch das ist
keine Schizophrenie.
3. Wann F06.2 (organisch wahnhafte Störung) gestellt wird
Erst wenn klar ist:
- es gibt eine körperliche Erkrankung (z. B. Rheuma, Autoimmunprozess, SLS)
- und diese kann die Psychose erklären
Dann lautet die Diagnose:
F06.2 – Organisch wahnhafte (schizophreniforme) Störung
Das ist die
korrekteste und entstigmatisierendste Diagnose bei:
- rheumatisch induzierter Psychose
- SLS‑bedingter Psychose
- Autoimmunpsychose
- entzündungsbedingter Psychose
- metabolisch ausgelöster Psychose
4. Wie die diagnostische Reihenfolge in der Praxis aussieht
Psychiater gehen meist so vor:
- F23 (akute psychotische Störung)
- F29 (unklare Psychose)
- F06.8 (Verdacht auf organische Ursache)
- F06.2 (bestätigte organische Psychose)
Das ist eine
saubere, nicht-stigmatisierende Diagnostik, die Zeit lässt, ohne vorschnell „Schizophrenie“ zu vergeben.
5. Warum das wichtig ist
Weil:
- F20 (Schizophrenie) eine lebenslange Diagnose ist
- F06.2 dagegen voll reversibel sein kann
- F23 und F29 keine Stigmatisierung bedeuten
- Betroffene sich in F06‑Diagnosen viel eher wiederfinden
- man damit die Angst vor „Abstempelung“ massiv reduziert
Viele Menschen wehren sich gegen F20, weil sie Angst vor sozialem Abstieg haben. Mit F23/F29/F06.8/F06.2 nimmt man ihnen diese Angst.
@Unruhe
Du benötigst im Grunde keine Bestätigung, dass du hochsensibel bist. Das sind auch andere Betroffene und Schizophrene ebenso, nur dass man medikamentös teils bewusst etwas abgestumpft wird, was beim Absetzen dann im Übermaß zurückkommt.
Insofern hast du eine sekundäre Psychose, die sich ähnlich wie eine drogeninduzierte Psychose atypisch zeigt, aber trotzdem Überschneidungen mit schizophrenietypischen Symptomen da sind, was es für Ärzte auch schwer machen kann, da es bei dir auch Schizophrenie sein
kann. Deswegen
F23 oder F29 als korrekte Zwischendiagnosen, womit sich deine sensiblen Symptome dann auch einer Psychose zuordnen, ohne dass es eine chronische Schizophrenie (spezielle Unterform von Psychose) ist.
Man kann dir ansonsten fehlende Krankheitseinsicht unterstellen, was wiederum schizophrenietypisch ist.
Demnach wäre es gut, wenn du zumindest eine F23 oder F29 beim Arztbrief deines Psychiaters hast, damit du das anhand eines Arztbriefes erst einmal prüfst, welchen Diagnosecode du hast. Wir drehen uns sonst im Kreis und mit hochsensibel willst du dann F29 (unklare Psychose) oder F06.8 (Verdacht auf organische Ursache) bekommen, aber das ist selbst mit KI schwer, sich im Diagnose-Dschungel zurechtzufinden und die Hintergründe zu verstehen.
Leider sind die Diagnosen häufig schnell gemacht, aber Betroffene erfahren meist als Letzte, was für eine genaue Diagnose vorliegt. Vielleicht, weil wir Betroffene das wegen der Einschränkungen und ohne genaues Wissen darüber kaum verstehen können.
Bei Betroffenen wie dir wäre eine Klarstellung schon gut, damit du die Psychose als sekundär und behandlungswürdig annimmst, aber keine Schizophrenie dem Gefühl eines Therapiezwangs da ist.
Nur wenn du mit einer unbehandelten F29 durchdrehst und dir oder jemand anderem etwas tust oder ein Unfall passiert, wäre das schlecht. Denn wenn du zu psychotisch bist, dann greifen auch bei organischen Ursachen häufig Antipsychotika, da die Psychose als Sekundärerkrankung eben real ist.
Ich mit paranoider Schizophrenie war in den Absetzphasen ohne Antipsychotikum auch immer hochsensibel und extrem unruhig und hatte praktisch ähnliche Symptome wie du, bis auf dass ich keine Stimmen hatte. Gründe dafür sind sehr breit und man muss jede Baustelle eben beiderseits betrachten, von deiner psychotischen und von deiner rheumatischen Seite.
Psychose komplett zu verleugnen ist eine Therapieflucht und zeugt von fehlender Erkrankungseinsicht. Genau da drehst du dir deinen eigenen Strick, wobei du vielleicht wie andere Patienten keine Antipsychotika möchtest, aber man dir eben keine Zwischenlösungen anbietet und die Behandlung von F29 eben fast wie F20 sein kann.
Das sind Versorgungsprobleme, die ich auch mit der Intervalltherapie und dem Bupropion anspreche. Da dieses Schema "Friss oder stirb“, mit harten Antipsychotika selbst bei Betroffenen ohne echte Schizophrenie ein reales Problem darstellt und deine Angst, dich von Antipsychotika gewissermaßen abhängig zu machen.
Wir haben noch keine so individualisierte Psychiatrie, weil man dort in der Pharmabranche und Medizin auch viele Altlasten bedienen muss. Also bekommst du, wenn es blöd läuft, die Depot-Spritze bei fehlender Einsicht, mit einem unverträglichen Wirkstoff von den 80ern. Weil man ja für solche Altmedikamente hohe Patentpreise bezahlt und sich daran dummverdient. Andere Medikamentehersteller mit Wirkstoffen und Innovationen mit denen du verträglicher und besser dran wärst um es anzunehmen, werden verdrängt.
Du hast gestern geschrieben: "Geld regiert die Welt".
Aber willst du auch, dass du eine abhängigmachende Schrotttherapie bekommst, damit wir hier teils auch in Deutschland ansässige Pharmafirmen durchfüttern, die längst kein echtes Interesse an Heilung mehr haben, weil das Geschäftsmodell ein vollkommen anderes ist?
Kein Wunder, dass sensible Menschen wie du wegrennen, aber den richtig an Schizophrenie Betroffenen geht es eben diesbezüglich noch schlechter.
@Unruhe
Ich wünsche mir sehr, dass du aus deinem manchmal wahnhaften Selbstbestätigungstrip herausfindest, ohne dass für dich alles neu erfunden werden muss, aber du die strukturellen und systemischen Probleme wahrnimmst, welche deinen Fluchtplan ins Hochsensible verständlich und begründbar machen.
Denn was bringt selbst die richtige Diagnose, wenn sich von der Psychotherapie wenig ändert?
Geht aber Schizophrenen teils auch so, da hoch dosierte und dauerhafte Neuroleptika ebenso zu Rückfällen führen und Betroffene, die früh reduzieren, teils die besseren Verläufe haben. Gut, da widersprechen sich die Studien etwas.