@goped
angenommen, du bist selbst kein richtiger Telepath, aber hast ebenso wie gesunde Menschen Stimmen im Kopf. Bei dir sind diese laut geworden, haben dich zum Getriebenen gemacht. Man könnte von Dämonen oder Engeln sprechen, die dir zwar einerseits schaden können, aber auch helfen.
Dazwischen gibt es noch das wirklich Böse und Teuflische, wenn Betroffene die als gesund wahrgenommenen Fantasien und Projektionen der Gesunden praktisch wie in einem mentalen Gefängnis ausüben sollen. Wenn Betroffene als Zugang zur Macht missbraucht statt geholfen wird, dann kennen wir ja das Ergebnis an negativen Dingen, die unabhängig von dem Betroffenen jeden treffen können.
Einmal keinen Schutzengel gehabt, gibt so viel unnötiges und schlimmes Leid. Ich würde fast von Karma sprechen. Wir sind ein Spiegel der Realität und diese spiegelt uns ebenso. Die Medikamente brechen zwar unseren Willen, was in extremen Wahnzuständen wirklich gut ist, aber auch eine Unterdrückung von Wahrheiten sein kann. Wahn wird teilweise als unwiderlegbar bezeichnet, also dass man uns kaum vom Gegenteil überzeugen kann, weil viele Dinge für etwas sprechen, aber die Beweise, die Betroffene bringen, häufig oberflächlich und minderwertig sind.
Einflüsterungen von Stimmen können von Dämonen oder Engeln sein, um mal etwas im religiösen Kontext zu bleiben. Jeder hat ja Kollegen, Freunde usw., auf die man sich unterschiedlich verlassen kann, wobei wie bei einer Wahl viele für das stimmen, was Emotion und Bauchgefühl sagen.
In den Akutphasen können Intuition und Bauchgefühl und die eigene Vorstellung von der Realität sehr abstrakt, teils umgedreht sein, da wir uns in einer dann zu emotionalen geistigen Welt befinden, die umgekehrt eben zu kalt und berechnend wäre. Man schwingt bei einer Psychose zwischen diesen Extremen.
Psychose als emotionaler Höhepunkt, teils eben auch extreme Ängste, Wut und Kontrollverlust. Andersherum aber durch Antipsychotika schwingt das ins andere Extrem, wo man eher von den psychoseauslösenden Emotionen abgetrennt ist und das auch Angst machen kann, da etwas wegbricht.
Bei dir
@goped schätze ich, dass Aripiprazol bei dir hervorragend gewirkt hätte, aber die Angst war eher ein innerer Widerstand durch die Psychose, die diese Angst ja auch macht, bis die Wirkstoffe nach 1–2 Wochen durchschlagen. Warum also keine Angst vor dem Wegfall von guten, leisen Stimmen, die man neben der Beschallung vielleicht braucht als Ratgeber oder Stütze, um vor anderen Fallstricken bewahrt zu sein.
Ich bin deswegen auch eher für schwache bis mittlere Dämpfung. Stressabbau ist bei Antipsychotika einerseits gut, gleichzeitig häufen sich durch Negativsymptome die Aufgaben an, wo selbst einfache Dinge wie Selbstpflege, Putzen und andere Dinge im Schatten des Wahns, Stress und Überzeugungen untergehen.
Antipsychotika geben erst einmal Zeit zur Verarbeitung. Die Möglichkeit, von der Leistungsgesellschaft vom anderen Ende von unten her zu denken, wenn man keine Leistung mehr bringen kann oder an sich selbst scheitert. Da lernt man auch viel dazu.
Kreativität ist gesteigert. Unterschiedliche Medikamente können sehr unterschiedliche Wesenszüge und Denkarten zeigen, vielleicht auch mehr Autonomie, als ohne, da man als Getriebener eben wie jemand, der sich abarbeitet, ist.
Leichte Getriebenheit kann zur Selbstfindung und Genesung beitragen, wenn man sie als Antrieb zur Verarbeitung nutzt und sich nur minimal den Symptomen aussetzt. Völlig ungeschütztes Absetzen ohne Leitplanken ist wie ein Tanz auf Messers Schneide.
Da wohl Monate oder Jahre vergangen sind
@goped , solltest du vielleicht doch noch einmal über eine Umstellung auf Aripiprazol nachdenken, da es an sich ein sehr starkes, verlässlich wirksames Medikament ist. Dass du damals vielleicht Ängste hattest, könnte damit zu tun haben, wenn sich der Körper wehrt, da man die Medikamente ja selbst in der Klinik unfreiwillig einnimmt und diese Angst in bestimmten Erkrankungsphasen größer ist, vor allem wenn unklar ist, was auf einen zukommt. Eben wie Panik.
Psychiatrie hat viele gute und vermutlich auch negative Seiten, aber heute kannst du deine Situation ja anders einschätzen, hast mental dich besser im Griff usw.
Aripiprazol wirkt und dämpft gut, aber wenn man am Anfang der Erkrankung immer wieder absetzt, kann Impulsivität zunehmen. Da bräuchte man ein
NRI wie Reboxetin oder Atomoxetin, da Noradrenalinwiederaufnahmehemmung wirken würde. Bupropion eben Neben dem N das D für Dopamin NDRI. RI für Wiederaufnahmehemmung.
Dopamin
RI (DRI) wirkt überraschenderweise antipsychotisch, fördert Wachheit und Konzentration, was bei sedierenden Antipsychotika meist kein Schaden ist. Bessere Wahrnehmung und Konzentration führen dazu, dass man sich weniger einbildet, da im Kopf die Informationen auch richtig ankommen.
Stimmen habe ich keine und nie wirklich gehabt, aber das Gefühl, wie manchmal einen Tipp oder eine Eingabe bekommen zu haben. Wenn jeder telepathisch abstrakt auf Gefühlsebene verbunden ist, dann können starke Emotionen auch gefährlich sein, ähnlich wie auch Liebe und so manchmal blind macht.
Telepathie ja, aber vielleicht ist die Therapie auch eine Chance, sich selbst kennenzulernen, eigene Probleme und Schwächen mühsam aufzuarbeiten, um vielleicht den Blick aufs Wesentliche zurückzubekommen.