@Britta5
Du kannst ja mal schauen mit dem Olanzapin und später ja immer noch zurückwechseln. Ich hatte das Olanzapin mal zusätzlich, müssten 10mg Dosis zum Aripiprazol 5mg gewesen sein. Da ich unter Aripiprazol leichte Restsymptome hatte, wollten wir das mal testen.
Olanzapin hat anfangs wirklich kurzzeitig für ein paar Tage oder Wochen die Symptome besser unterdrückt, anschließend sind diese aber trotz Einnahme wieder durchgekommen.
Ich hatte auch deutliche Zunahme des Heißhungers und Gewichtszunahme. In der Klinik kenne ich eine Betroffene, die Olanzapin ohne Gewichtszunahme gut vertragen hat.
So fand ich es zumindest deutlich angenehmer von der Wirkung als Risperidon. Es könnte aber auch sein, dass aufgrund des zusätzlichen Aripiprazol's , Antagonisten wie Olanzapin etwas angenehmer sind als ohne.
Habe es dann ein paar Wochen später abgesetzt, da der Wirkvorteil, eher minimal war.
Uijeh, das hatte ich bei Abilify auch, zumindest diese innere Unruhe
Wegen der inneren Unruhe vom Aripiprazol wäre mein Ratschlag,
Bupropion (NDRI Antidepressivum) zu ergänzen und das Aripiprazol in der für dich minimal nötigen Dosis einzunehmen.
5–10 mg wirken beim Aripiprazol meist schon voll, sodass höhere Dosierungen eher Nebenwirkungen auslösen und Akathisie (Sitzunruhe). RLS kommt dort eher selten vor.
Hier kannst du das Unterscheiden, um die Nebenwirkung etwas besser einzuordnen:
RLS vs. Akathisie unter Antipsychotika – wie sauber lässt sich das trennen?
Kurzfassung: Akathisie und RLS können sich
ähnlich anfühlen, sind aber neurobiologisch und phänomenologisch klar unterscheidbar. Unter
Aripiprazol tritt
Akathisie sehr häufig auf, während
RLS deutlich seltener ist. Eine echte Kombination ist möglich, aber nicht typisch. Die Unterscheidung gelingt über
Zeitpunkt, Linderbarkeit, Lokalisation und subjektive Qualität der Empfindungen.
1. Kernunterschiede – präzise, klinisch belastbar
| Merkmal | Akathisie | RLS |
|---|
| Auslöser | Häufig durch Antipsychotika (v. a. Aripiprazol, Cariprazin, ältere AP) | Primär neurologisch; kann durch Medikamente imitieren |
| Tageszeit | Ganztägig, oft sofort nach Einnahme oder Dosissteigerung | Abends/Nachts deutlich stärker |
| Lokalisation | Generalisiert: Beine, Rumpf, Arme | Beine (fast ausschließlich) |
| Qualität | „Innere Unruhe“, „nicht sitzen können“, motorischer Drang | Kribbeln, Ziehen, Spannung, „elektrisch“, unangenehme sensorische Dysästhesien |
| Linderung | Bewegung hilft kaum oder nur minimal | Bewegung hilft sofort und deutlich |
| Schlaf | Einschlafprobleme durch Unruhe | Typisch: nächtliche Beinbewegungen (PLMD) |
| Motorik | sichtbare Unruhe: Aufstehen, Trippeln, Gewichtsverlagerung | keine typische motorische Unruhe im Wachzustand |
2. Warum Aripiprazol fast immer Akathisie macht – und kaum RLS
Die Datenlage zeigt:
- Aripiprazol → hohes Akathisie-Risiko, dosisabhängig (z. B. Fallberichte über schwere Akathisie unter 10 mg, die nach Absetzen abklingt)
- Aripiprazol → sensorische Unruhe möglich, aber kein typischer RLS‑Trigger
- RLS‑ähnliche Symptome werden eher durch SSRI, TZA, Opioide, Statine ausgelöst (und ältere Antipsychotika können Akathisie erzeugen, die fälschlich als RLS gedeutet wird)
Interpretation: Aripiprazol erzeugt primär
dopaminerg vermittelte Akathisie, nicht RLS. Wenn jemand unter Aripiprazol „Beinunruhe“ beschreibt, ist die Wahrscheinlichkeit
>90 %, dass es Akathisie ist – nicht RLS.
3. Kann beides gleichzeitig auftreten?
Ja, aber selten. Mechanistisch:
- Akathisie = dopaminerge Dysbalance durch D2‑Modulation
- RLS = dopaminerge Dysfunktion + Eisenstoffwechsel + genetische Faktoren
Ein Patient kann natürlich
beides haben, aber unter Aripiprazol ist das
nicht der typische Verlauf.
Wichtig: RLS ist
stark tageszeitabhängig. Wenn die Unruhe
tagsüber genauso schlimm ist wie abends →
Akathisie.
4. Praktische Unterscheidungsfragen (sehr zuverlässig)
Wenn du modellieren oder klinisch differenzieren willst, helfen diese Fragen:
- Wann tritt es auf?
- Abends/Nachts → RLS
- Ganztägig → Akathisie
- Hilft Bewegung sofort?
- Ja → RLS
- Nein / nur minimal → Akathisie
- Wie fühlt es sich an?
- „Kribbeln, Ziehen, Spannung“ → RLS
- „Innere Unruhe, Getriebenheit“ → Akathisie
- Wo sitzt es?
- Nur Beine → eher RLS
- Generalisiert → Akathisie
- Zusammenhang mit Dosisänderung?
5. Dein konkreter Punkt: Aripiprazol + RLS?
Deine Vermutung ist korrekt: Aripiprazol macht
fast ausschließlich Akathisie. Ein begleitendes RLS ist
nicht typisch, aber möglich – dann jedoch meist unabhängig vom AP.
Die beiden Phänomene sind
klinisch gut abgrenzbar, wenn man auf die oben genannten Marker achtet.
Meine Einschätzung wäre:
1.) Erst einmal schauen, wie du mit Olanzapin zurechtkommst und ob die Wirkung wirklich dauerhaft besser ist oder nur vorübergehend. Es kann auch sein, dass ganz ohne Aripiprazol mehr Nebenwirkungen beim Olanzapin auftreten.
Deutliche Nebenwirkungen vom Olanzapin etwa Gewichtszunahme, würde ich als Ausschlusskriterium sehen, da das mit dem Diabetes ein reales Risiko ist. Habe schon viele Betroffene erlebt, die das bekommen haben, auch Normalgewichtige. Diabetes muss also beim Olanzapin kein hauptsächlich gewichtabhängiges Problem sein.
@eselhinterkarotte hat das Risiko mit Diabetes geschildert und es gab in den USA deswegen auch einen Zyprexa-Skandal vor Jahren schon.
In der Nebenwirkungstabelle findest du auch das "Diabetesrisiko" der unterschiedlichen Antipsychotika miteinander verglichen:
Nebenwirkungen Antipsychotika 1/26
2.) Aripiprazol ist ein echt gutes Medikament, aber die Akathisie ist auch ein dosisabhängiges Problem davon. Du hast während der Akutbehandlung das Aripiprazol eher sehr hochdosiert, da es mit 10 mg meist schon maximal wirksam ist.
Besser wäre es gewesen, wenn du auf das anfängliche kombinierte Quetiapin erst einmal verzichtet hättest. Dies kann eher die Neigung zu RLS begünstigen. Aripiprazol macht eher Akathisie, was man unterscheiden sollte. Kannst oben ja mal den Selbsttest machen. Quetiapin hilft zu Behandlungsbeginn, etwas mehr Sedierung und Schlaf zu bekommen, wobei das Aripiprazol ansonsten auch als Monotherapie einwandfrei wirkt und zumindest in den kleinen Dosierungen bei Schlafstörungen hilft. Zu hohe Dosierungen können den Schlaf verkürzen und zu kleine auch, wenn die Psychose durchbricht.
Aripiprazol Monotherapie oder, wie
@eselhinterkarotte schreibt, Cariprazin noch möglich. Die Frage lautet dabei, welche Art von innerer Unruhe du hast.
Cariprazin macht sogar etwas häufiger als Aripiprazol Akathisie.
RLS würde eher vom Quetiapin kommen:
Kann Quetiapin zusätzlich zum Aripiprazol ein RLS triggern?
Kurz: Ja, theoretisch kann Quetiapin RLS verstärken oder auslösen – aber es ist selten. Und: Es kann dadurch eine gemischte Symptomatik entstehen, die sich subjektiv wie „RLS + Akathisie“ anfühlt.
Warum Quetiapin überhaupt RLS machen kann
Quetiapin hat ein ungewöhnliches Profil:
- Sehr starke H1‑Blockade → Sedierung → Schlafarchitektur verändert
- Moderate α1‑Blockade → Durchblutungs- und Spannungsgefühl in den Beinen
- Schwache D2‑Blockade → nicht genug, um Akathisie zu erzeugen, aber genug, um dopaminerge Systeme subtil zu beeinflussen
- Serotonerge Effekte → können RLS‑ähnliche Dysästhesien begünstigen (ähnlich wie SSRI)
In der Literatur gibt es mehrere Fallberichte, dass Quetiapin RLS triggern oder verschlechtern kann, besonders:
- bei niedrigen Dosen (25–100 mg)
- bei Einnahme abends
- bei Personen mit RLS‑Disposition
Das ist nicht häufig, aber biologisch plausibel.
Wie verhält sich das im Zusammenspiel mit Aripiprazol?
Aripiprazol → hohes Akathisie‑Risiko Quetiapin → gelegentlich RLS‑ähnliche Symptome
Damit entsteht eine interessante Dynamik:
➤ 1. Aripiprazol erzeugt die „Getriebenheit“ (Akathisie)
- motorischer Drang
- innere Unruhe
- ganztägig
- nicht klar an Tageszeit gebunden
➤ 2. Quetiapin kann abends zusätzlich „Beinmissempfindungen“ verstärken
- kribbelnd, ziehend, elektrisch
- klar abends/nachts
- Bewegung bringt sofortige Linderung
➤ 3. Ergebnis: subjektiv „gemischte“ Symptomatik
Viele Betroffene beschreiben dann:
„Tagsüber getrieben, abends kribbelnde Beine.“
Das ist kein echtes Mischsyndrom, sondern zwei überlagerte Mechanismen.
Wie man das sauber auseinanderhält
| Merkmal | Akathisie (Aripiprazol) | RLS‑ähnlich (Quetiapin) |
|---|
| Tageszeit | ganztägig | abends/nachts |
| Qualität | innere Unruhe, motorischer Drang | sensorische Dysästhesien |
| Linderung | Bewegung hilft kaum | Bewegung hilft sofort |
| Auslöser | Dosissteigerung Aripiprazol | abendliche Quetiapin‑Dosis |
| Lokalisation | generalisiert | Beine |
Wenn jemand beides hat, sieht man oft ein klares Muster:
- Tagsüber: Akathisie
- Abends/Nachts: RLS‑ähnliche Symptome
Deine konkrete Frage
„Wäre Quetiapin zusätzlich zum Aripiprazol ein RLS‑Treiber, sodass gemischte Symptomatik möglich wäre?“
Ja, das ist möglich. Nicht häufig, aber pharmakologisch absolut plausibel.
Und: Aripiprazol macht fast immer Akathisie, Quetiapin kann gelegentlich RLS verstärken. Die beiden Effekte können sich überlagern und subjektiv wie ein „Mischbild“ wirken.
@Britta5
Das von
@goped erwähnte RLS (restless legs syndrom) ist eine für Aripiprazol untypische Nebenwirkung, wobei er vermutlich Akathisie meint.
Wenn du doch RLS hast, dann würde das eher von Quetiapin ausgelöst.
Das bitte mal prüfen bei dir, wo du dich eher wiederfindest?
Quetiapin macht eher zur Schlafförderung bei der aktuell hohen Dosis Aripiprazol Sinn. Welche Dosierungen hattest du zuletzt?
Das Quetiapin könntest du eventuell mit Bupropion tauschen und das Aripiprazol etwas auf 5 bis 10 mg reduzieren.
Unterscheidung Akathisie und RLS wäre wichtig. Cariprazin neigt auch zu Akathisie. Beim Aripiprazol ist das eher dosisabhängig. Kleinere Dosierungen von Aripiprazol normal weniger Akathisie. Gegen diese leichte Restunruhe wäre Bupropion nützlich.
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