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Konntet ihr während einer Psychose alles machen?

struwwelpeter

Well-known member
Mein Wahnsystem war, dass die Menschen, von denen ich wusste, dass sie tot sind, wieder die reinen Wesen waren, die sie vor ihrer Geburt bei Allah waren, und dass ich der Punkt in der Mitte des Kreises bin und alles sich um mich dreht und Allah und sie bei mir waren oder mich hörten, wenn ich zu ihnen in Gedanken sprach, und dass unsere Existenz aus Dämonen, Geistern, Engeln, Teufeln und so besteht. Allah war für mich das Ansich und Fürsich, also Angst, Wahn, Antrieb, Schmerz, Liebe, Hass etc. an sich und für sich. Allah war quasi mein einziger absolute(r) Wahn(sinn). Ich konnte trotz Psychose einkaufen gehen und niemand hat etwas mitbekommen. Bin auch nicht einmal von dem Punkt in der Mitte des Kreises abgewichen, war stabil und ganz normal. Ich glaube schon seit meiner Kindheit an Allah. Es war schon heftig, aber ich konnte es wegstecken, ohne in die Psychiatrie zu müssen. Ich habe auch keine Angstzustände oder so gehabt, fühle mich einfach geborgen. Leistungsfähig bin ich trotzdem nicht, habe eine Antriebsschwäche, und ich merke, dass die Krankheit (paranoide Form) chronisch ist, weshalb ich auf feste Schlafenszeiten achte. Doch ich bin nicht komplett antriebslos. Scheinbar ist diese Schizophrenie leicht bei mir und irgendwie habe ich das überwunden. Im Endeffekt hilft viel Lachen. Ich danke Allah jeden Tag dafür, dass ich nicht drogen- oder alkoholabhängig bin, das nimmt einem auch die Angst generell.

Edit: Ich sage wirklich die Wahrheit.
 
Zuletzt bearbeitet:
In meiner ersten Psychose bin ich von einer Überzeugung in die nächste abgerutscht . BND, Reinkarnation eines Fürsten, griechische Götter und andere Dinge. Letzten Endes bin ich als gebürtiger Moslem wieder bei meiner Religion gelandet. Ich hingegen bin in der Psychiatrie gelandet :D in der ruhigsten Phase sogar selbst eingewiesen xD
 
Übrigens ist es bei mir so dass ich den Islam endlich auch praktiziere und nicht mehr wie früher sage dass ich nicht streng religiös bin. Mir gibt Allah auch viel Ruhe und Entspannung. :)
 
kann man mit euch irgendwie schreiben? ich hatte auch eine psychose bin auch muslim. die psychose war aber vor 10 jahren, die unbehandelt blieb. erst 2021 begab ich mich in eine klinik in der türkei, bekam 10 ekt behandlungen und wurde auf medikamente eingestellt. mir gehts gott sei dank besser. trotzdem seh ich die lage etwas kritisch an.

hätte gerne mit euch kontakt
 
ich habe auch mal eine zeitlang gebetet. in den jahren war ich beschwerdefrei. ich glaube weil das wie sport ist. ich gehe z.B. jeden tag raus spazieren. habe gelernt, mit der krankheit umzugehen. man kann gut mit schizophrenie umgehen. beten ist auf jeden fall gut. ich empfehle feste schlafenszeiten, also eine struktur im alltag und leben. das ist das a und o. auf jeden fall geniesse ich das leben und bin sehr dankbar.
 
Leistungsfähig bin ich trotzdem nicht, habe eine Antriebsschwäche, und ich merke, dass die Krankheit (paranoide Form) chronisch ist, weshalb ich auf feste Schlafenszeiten achte.
@struwwelpeter
die Antriebsschwäche kommt von den Negativsymptomen, welche schwerer behandelbar als Positivsymptome sind.
Nimmst du regelmäßig bestimmte Neuroleptika ein? Wenn Ja, welches Medikament/e, welche Dosierungen und wie häufig nimmst du diese ein?

Bei mir hatten die Neuroleptika nur begrenzt geholfen, da bleibt eben auch eine Antriebsschwäche und Restsymptomatik zurück, bezüglich der Akutsymptome sind diese aber sehr nützlich.

Wenn du bezüglich der Antriebsschwäche weiterkommen willst, dann kann ich dir die Medikamente-Orientierung von mir hier im Forum empfehlen.
Dabei wird das Neuroleptikum Aripiprazol(Abilify) in kleiner Dosis eingesetzt, was vergleichsweise gut verträglich ist und ein recht moderner Wirkstoff ist. Die Besonderheit ist die Bedarfs-/Intervalleinnahme davon, sodass wirklich nur sehr wenig dieser stärkeren Wirkstoffe notwendig sind.
Die Antriebsschwäche und Negativsymptomatik wird dabei mit speziellen Antidepressiva(Bupropion+Citalopram) behandelt, wo Bupropion(Elontril) dabei sehr wichtig ist.
Bei mir sind einige unterschiedliche Neuroleptika vorangegangen, bis ich mit Aripiprazol besser zurechtgekommen bin. Echte Fortschritte gab es aber erst mithilfe des Bupropions, was diese Negativsymptome und Antriebsschwäche in der Einnahmeform behandelt und indirekt auch Positiv- und Restsymptome reduziert wird. Es hilft insgesamt von den stärkeren Neuroleptika wegzukommen, ohne dabei gleich instabil oder gar unruhig/aggressiv zu werden.

Wenn du bisher noch keine Neuroleptika oder Psychopharmaka hattest, dann bist du ohne eventuell besser dran, aber falls du bereits Neuroleptika hattest und bei Absetzversuchen gescheitert bist, ist das mit das Beste, was man machen kann.

Ich hatte auch eine paranoide Psychose mit religiösen Wahnvorstellungen. Stimmen hatte ich im Grunde keine, was man ja häufig glaubt das jeder Erkrankte Stimmen hören würde.

Mich würde interessieren, wie du es ohne Psychiatrie geschafft hast und ob du ambulant bei einem Psychiater in Behandlung bist? Wie äußert sich die Erkrankung bei dir und wie hast du das überstanden und verarbeiten können?

Ich hatte selbst einen religiösen Wahn und mich würde da besonders interessieren, ob es bei dir einen direkten Bezug zum Islam hatte, oder das Erleben eher neutral gewesen ist. Gab es da irgendeinen einprägsamen Text oder Ansprache, die du auf dich bezogen hast?
Bei mir war es etwa eine Art Botschaft, die ich über einen Priester im christlichen Gottesdienst bekommen habe, was mich damals in eine Art von Erlösungswahn getrieben hat, wo ich mich mit einer religiösen Figur identifiziert habe, wie bei einer Art Reinkarnation. Wie wenn man da eben von einer höheren Macht ermahnt oder aktiviert wurde und dann alles völlig verrückt wurde.
 
Was Religion angeht, so kann das auch den Wahn und so fördern. Klar ist ein gewisser Gottesbezug und Glaube wichtig, aber ich finde, man sollte sich ein eigenes ungeschminktes Bild von den Religionen machen ohne sich da zu sehr auf etwas zu versteifen. Teils fördern religiöse Märchengeschichten die Psychose, wo man im Akutfall eben da noch stärker abdriftet, also dass dann auch ins Leichtgläubige gehen kann.
 
Da hast du wohl Recht Maggi. Aber im Wahn hat man glaub ich keine Kontrolle darüber wieviel man sich mit etwas beschäftigt. Bei mir war das so, dass ich dermaßen überzeugt von etwas war und wenn es das dann doch nicht war kam direkt das nächste. Ohne Pause dazwischen um darüber nachzudenken ob das zu extrem ist oder nicht :D in meinen Wahninhalten bin ich von einem Verfolgungswahn in den nächsten gerutscht. Vergiftungswahn usw. Das einzig gute in allem war der religiöse Wahn wo ich dachte dass nur Gott sowas machen kann mit einem Menschen und aus meiner Trauer, Stress und allem kam plötzlich das Gefühl der Verbundenheit.

Das war bei mir auch neutral übrigens. Keinen Bezug zu irgendeiner Religion, sondern einfach der Glaube an Gott. War wunderschön muss ich zugeben.
 
Das ist sehr schwierig zu erklären ? Ich fühle mich halt geborgen. In einer Psychotherapie geht es bestimmt auch um Geborgenheit, also bei der Behandlung einer Psychose. Mir macht eine Psychose einfach keine Angst und ich bin wieder glücklich wie in meiner Kindheit. Doch ich muss trotzdem acht auf mich geben, regelmässige, feste Schlafzeiten sind das a und o. Ich bin einfach glückselig und fühle mich restlos geborgen, schlafe auch immer gut.
 
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