P.S. Bei uns ist es so dass sie immer wieder den Kontakt mit bösen hasserfüllten Worten komplett für Wochen/Monate abbricht, sich dann wieder meldet "als wenn nichts gewesen wäre", dann ist alles für ein paar Tage oder Wochen "gut", ZU gut eigentlich, bis ich wieder "was falsches sage" oder "was falsches mache" und von Null auf 100 wieder die böseste mieseste Mutter der Welt bin, beschimpft werde und der Kontakt wieder von ihr abgebrochen wird. Ich bin inzwischen selbst seelisch total am Ende dadurch. Wie ist es bei Euch?
Manchmal ziehen sich solche Mauern hoch, da die Psychose extremer psychischer Stress ist. Betroffene tun sich selbst schwer, ihre Diagnose anzunehmen, und wenn das dann noch auf Unverständnis seitens der Eltern stößt, dann kann es schwierig werden.
Solche Schwankungen kenne ich von mir, als ich damals viele Absetzversuche der Antipsychotika gemacht habe. Da traten solche Symptome auch in psychotischen Schüben auf, wie du es beschreibst.
Angehörige stehen dazwischen, da wir Betroffene mit Medikamenten teils sehr eingeschränkt sind und diese tendenziell absetzen wollen.
Medikamentöse Therapien sind zwar notwendig, aber wichtig sind Verträglichkeit und Lebensqualität, damit sie die Medikamente und Therapien für sich annimmt, denn da mangelt es schon in der psychiatrischen Grundlage häufig.
Viele Betroffene haben immer wieder Rückfälle oder setzen immer wieder ab. Genau dort kannst du deiner Tochter helfen, indem du dich für sie über die insbesondere hier aufgezeigten Behandlungsmöglichkeiten informierst. Du solltest für deine Tochter verständnisvoll für die Schwierigkeit der Einnahme dieser teils extrem einschränkenden oder nebenwirkungsbehafteten Wirkstoffe sein.
Hier findest du von den gängigen Wirkstoffen eine Übersicht, wobei die Verträglichkeitsunterschiede teils extrem sind:
Nebenwirkungen Antipsychotika 1/26
Weißt du, welche Medikamente deine Tochter bisher hatte und wie sie diese jeweils vertragen hat?
Wie steht deine Tochter zu ihrer Diagnose und zu den Medikamenten? Weißt du, ob und wie häufig sie diese einnimmt, oder nimmt sie nur das allernötigste?
Seit wann ist deine Tochter erkrankt, wie häufig war sie in der Klinik bisher?
Du solltest ihr keinen zusätzlichen Druck machen, denn für Eltern und Erkrankte kann es schwer sein, diese Diagnose und die Konsequenzen für Beruf und alles anzunehmen. Viele Betroffene landen in der vollen Erwerbsminderung und sind auch auf Hilfen ihrer Angehörigen angewiesen. Arbeitet deine Tochter voll, teilzeit oder unter 3 Stunden? Denn Erwerbsminderungsrente würde immer noch einen bis drei Stunden Arbeit erlauben und finanzielle Sicherheit schaffen, dass man auch ohne Arbeit durchkommt und derartiger psychischer Druck wegfällt, irgendjemandem oder auch dir als Elternteil etwas beweisen zu müssen.
Antragsverfahren und diese Dinge sind ja für Betroffene häufig schon ein Hindernis.
Wichtig ist, dass Eltern die Komplexität der Erkrankung annehmen und verstehen, ohne Betroffenen ihre ganze Wahrnehmung abzusprechen.
Nach dem Motto:
Mit Medikamenten fehlt dir nichts, du musst nur auf deinen Psychiater hören und deine Medikamente einnehmen
oder im Gegenteil zu glauben, dass es deine Tochter irgendwie ganz ohne Medikamente schaffen muss und es keine Schizophrenie gibt.
Meist ist es für Betroffene sehr schwierig, wenn Angehörige sich auf eine Seite schlagen, denn es zählt, dass ihr eure Tochter mit Diagnose annehmt. Die Diagnose ist Ausdruck extremer innerer Zerwürfnisse. Erkrankte tragen teils in sich die Zerwürfnisse im Außen aus und brauchen selbst Jahre, um ihre eigene Diagnose anzunehmen und zu verstehen, ohne in eines dieser Extreme abzurutschen.
Teils werden Betroffene mit sündhaft teuren Depotspritzen, die man immer wieder neu verpackt, abgespeist, statt dass man die verfügbaren verträglichen Medikamente und Möglichkeiten nutzt.
Ziel sollte es sein, dass deine Tochter zufrieden mit ihren Medikamenten ist, diese wirken und es ihr damit besser geht. Dann ist es für Betroffene viel einfacher, die eigene Diagnose anzunehmen.
Im Gegensatz dazu: Wenn es einem unter Medikamenten aufgrund gravierender Einschränkungen subjektiv schlechter geht als vor der Behandlung, dann setzt man eben immer wieder ab.
Als Mutter könnte es für deine Tochter ein Segen sein, wenn du dir die Therapieangebote im Forum anschaust:
Medikamentöse Orientierung bei Psychose – Schizophrenie (Langfassung)
Broschüre-Kurzfassung: Schizophrenie_Intervalltherapie
Bupropion bei Schizophrenie: Transporter, Rezeptoren und Kombinationsstrategien
Oben die Fragen zu den Medikamenten:
- Weißt du, welche Medikamente deine Tochter bisher hatte und wie sie diese jeweils vertragen hat?
- Welche Wirkstoffe nimmt sie aktuell und in welchen Dosierungen?
- Wie steht deine Tochter zu ihrer Diagnose und zu den Medikamenten?
- Geht sie regelmäßig zum Psychiater?
- Nimmt sie ihre Medikamente wie verordnet ein? Oder setzt sie diese ständig ab, bzw. nimmt diese nur gering dosiert oder kurzzeitig ein?
- Wie viele Jahre ist deine Tochter erkrankt und wie häufig war sie schon in der Klinik?