Maggi
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Inhalt
Absetzphasen als Hochstresszustände
Kurzüberblick
Fortbestehende Grunderkrankung ≠ akute Symptomatik
Absetzphasen als kumulative Hochstresszustände
Supersensibilisierung als Langzeitrisiko
Reduktion ≠ Absetzen
Absetzversuche als Ausdruck von Autonomie
Rolle modulierender Mechanismen in Absetzphasen
Intervall‑Stabilisierung als Krankheitsmodell
Fazit
Einordnung im Block C
Absetzphasen als Hochstresszustände
Vulnerabilität, Supersensibilisierung und die Bedeutung begleiteter Reduktion
Kurzüberblick
Bei Schizophrenie bleibt die neurobiologische Vulnerabilität auch nach Symptomrückgang bestehen.Absetz‑ und Reduktionsphasen sind daher keine neutralen Zustände, sondern Phasen erhöhter Instabilität, in denen Schutzmechanismen reduziert werden, während krankheitsrelevante Prozesse fortbestehen.
Dieser Artikel beschreibt:
- warum Absetzphasen häufig eskalieren,
- welche Rolle Supersensibilisierung spielt,
- warum Reduktion und Absetzen unterschieden werden müssen,
- und weshalb begleitete Absetzversuche für Autonomie und Therapiebindung zentral sind.
Fortbestehende Grunderkrankung ≠ akute Symptomatik
Symptomfreiheit bedeutet nicht Krankheitsfreiheit.Auch in stabilen Phasen bestehen häufig:
- erhöhte Stresssensitivität
- veränderte dopaminerge Regulation
- reduzierte präfrontale Kontrolle
Absetzphasen als kumulative Hochstresszustände
Absetzphasen sind gekennzeichnet durch:- zunehmende Stressachsenaktivierung
- schrittweise Rückkehr dopaminerger Dynamik
- wachsende Reizoffenheit
- Gedankenbeschleunigung und innere Unruhe
- langsam
- kumulativ
- oft unabhängig von der Halbwertszeit einzelner Substanzen
Supersensibilisierung als Langzeitrisiko
Langfristige antipsychotische Behandlung kann zu:- Rezeptor‑Supersensibilisierung
- erhöhter Rückfallanfälligkeit beim Absetzen
- veränderter Symptomcharakteristik
Diese Überlegung betrifft Reduktion, nicht unkontrolliertes Absetzen.
Reduktion ≠ Absetzen
Ein zentraler Unterschied:- Reduktion zielt auf Nebenwirkungsminimierung und Langzeitverträglichkeit
- Absetzen bedeutet vollständigen Wegfall eines Schutzfaktors
- Nebenwirkungen nur begrenzt reduzieren
- gleichzeitig weiterhin Rezeptorbindung aufrechterhalten
Absetzversuche als Ausdruck von Autonomie
Der Wunsch, Medikamente abzusetzen, ist kein Therapieversagen, sondern Ausdruck von:- Autonomie
- Selbstwirksamkeit
- dem Bedürfnis nach Erfahrung und Kontrolle
- Einsicht fördern
- Frühwarnzeichen schärfen
- Vertrauen in die therapeutische Beziehung stärken
Unbegleitete Absetzversuche erhöhen dagegen das Risiko von:
- Therapieabbrüchen
- unkontrollierter Eskalation
- verspäteter Rückmeldung bei Verschlechterung
Rolle modulierender Mechanismen in Absetzphasen
Modulierende Mechanismen können in Absetzphasen:- Reizbarkeit und Agitiertheit abmildern
- kognitive Integration unterstützen
- emotionale Eskalation dämpfen
- Eskalationskaskaden zeitlich verzögern
- ersetzen keine antipsychotische Akutwirkung
- verhindern keinen Rückfall
- können aber Zeit und Stabilität gewinnen
Intervall‑Stabilisierung als Krankheitsmodell
Aus neurobiologischer Sicht ist plausibel, dass:- zeitlich begrenzte Stabilisierung
- Eskalationsprozesse zurücksetzen kann
- modulierende Mechanismen danach wieder wirksam werden
Fazit
- Absetzphasen sind Hochstresszustände bei fortbestehender Vulnerabilität
- Supersensibilisierung macht vollständiges Absetzen risikoreich
- Reduktion auf die kleinst wirksame Dosis ist sinnvoll
- Absetzversuche sind Ausdruck von Autonomie, nicht Illoyalität
- Begleitung schützt vor Therapieabbrüchen
- Modulierende Mechanismen können Eskalation verzögern, nicht verhindern
Einordnung im Block C
- integriert C.1–C.3
- bereitet C.5 – Antidepressiva im Psychose‑Kontext vor
- trennt Modell von Therapie
- stärkt Patientenautonomie ohne Verharmlosung