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📘 B.4 Muskarinische Acetylcholin‑Rezeptoren

Maggi

Administrator

Muskarinische Acetylcholin‑Rezeptoren (mAChR) im Kontext von Schizophrenie

Anticholinerge vs. cholinerge Effekte, Speichelfluss & Therapieresistenz

Kurzdefinition​

Muskarinische Acetylcholin‑Rezeptoren (M1–M5) sind G‑Protein‑gekoppelte Rezeptoren, die zentrale Funktionen von Kognition, Aufmerksamkeit, Motivation, Stressregulation und neuronaler NetzwerkstabilitĂ€t steuern. In der Schizophrenie rĂŒcken sie zunehmend als nicht‑dopaminerge Kernzielstrukturen in den Fokus – insbesondere M1 und M4.
Periphere Effekte wie Speichelfluss sind dabei kein bloßer „Nebeneffekt“, sondern ein Marker cholinerger Aktivierung, der RĂŒckschlĂŒsse auf zentrale Wirkmechanismen zulĂ€sst.


Warum das cholinerge System fĂŒr Schizophrenie wichtig ist​

Mehrere Linien sprechen dafĂŒr:
  • Kognitive Defizite korrelieren mit cholinerger Dysfunktion.
  • Anticholinerge Medikamente verschlechtern Kognition und Negativsymptome.
  • Muskarinische Agonisten zeigen antipsychotische Effekte ohne Dopaminblockade.
  • Therapieresistenz ist hĂ€ufig mit cholinerger Unterfunktion assoziiert.
Moderne Reviews betonen, dass mAChR‑Targeting ein fundamental anderes Wirkprinzip darstellt als klassische Antipsychotika University of Strathclyde ScienceDirect.


Überblick: Muskarinische Rezeptor‑Subtypen​

RezeptorHauptlokalisationZentrale FunktionRelevanz fĂŒr SZ
M1Kortex, HippocampusKognition, PlastizitÀthoch
M2prÀsynaptischAutoregulationmoderat
M3peripher (DrĂŒsen)Speichel, GIindirekt
M4Striatum, KortexDopamin‑Modulationhoch
M5VTADopaminfreisetzungexplorativ


M1‑Rezeptor: Kognition & NetzwerkstabilitĂ€t​

  • Stark im prĂ€frontalen Kortex exprimiert.
  • Fördert NMDA‑abhĂ€ngige PlastizitĂ€t.
  • M1‑Aktivierung verbessert:
    • ArbeitsgedĂ€chtnis
    • Aufmerksamkeit
    • kognitive FlexibilitĂ€t
Relevanz:
M1‑Hypofunktion wird als zentraler Mechanismus fĂŒr kognitive und negative Symptome diskutiert ScienceDirect ScienceDirect.


M4‑Rezeptor: Dopamin‑Feinregulation​

  • Stark im Striatum.
  • Hemmt dopaminerge ÜberaktivitĂ€t, ohne D2‑Blockade.
  • M4‑Agonismus wirkt:
    • antipsychotisch
    • stabilisierend
    • weniger sedierend
Wichtig:
M4 erklÀrt, warum cholinerge Wirkstoffe Positivsymptome reduzieren können, ohne klassische Nebenwirkungen University of Strathclyde ScienceDirect.


Clozapin: Anticholinerg – und trotzdem cholinerg?​

Clozapin ist kein reiner Anticholinergikum.

Pharmakologisches Paradox:​

  • Antagonistisch an M1/M3
  • Aber:
    • fördert indirekt cholinerge AktivitĂ€t
    • moduliert M4‑abhĂ€ngige Netzwerke
    • beeinflusst Speichelfluss ĂŒber periphere M3‑Aktivierung

Speichelfluss bei Clozapin​

  • Paradoxer Hypersalivation‑Effekt.
  • Entsteht durch:
    • zentrale cholinerge Dysbalance
    • periphere M3‑Stimulation
  • Klinisch relevant:
    • Marker fĂŒr aktive cholinerge Achse
    • korreliert bei manchen Patient:innen mit besserer Wirksamkeit (Beobachtung, keine harte Evidenz)


Aripiprazol & Speichelfluss – wie passt das?​

Aripiprazol ist kein klassisch cholinerges Medikament, aber:
  • moduliert dopaminerge Autoregulation
  • beeinflusst indirekt:
    • parasympathische AktivitĂ€t
    • DrĂŒsenfunktion
  • kann bei sensiblen Personen:
    • Speichelfluss verĂ€ndern
    • vegetative Reaktionen verstĂ€rken
Interpretation:
Nicht direkter M‑Agonismus, sondern Netzwerk‑Modulation, die cholinerge Systeme „freischaltet“.


Anticholinergika: Warum sie oft schaden​

  • Verschlechtern:
    • Kognition
    • Negativsymptome
    • Stressverarbeitung
  • Maskieren EPS, aber:
    • destabilisieren Netzwerke
    • erhöhen EntzĂŒndungs‑ und StresssensitivitĂ€t
Lexikon‑Merksatz:
Anticholinerge Effekte sind kurzfristig symptomlindernd, langfristig netzwerkdestabilisierend.


Muskarinische Agonisten & neue Therapien​

Der Durchbruch kam mit M1/M4‑Agonisten:
  • Xanomeline (M1/M4‑prĂ€ferent)
  • KarXT (Xanomeline + peripherer Antagonist)
Diese Substanzen:


Therapieresistenz & cholinerge Hypothese​

Bei therapieresistenter Schizophrenie (TRS):
  • hĂ€ufig:
    • kognitive Dominanz
    • Stress‑SensitivitĂ€t
    • geringe D2‑Antwort
  • cholinerge Modulation könnte:
    • NetzwerkstabilitĂ€t wiederherstellen
    • Dopamin indirekt regulieren
    • EntzĂŒndung dĂ€mpfen
Das erklĂ€rt die Sonderstellung von Clozapin und das Interesse an M1/M4‑Agonisten.


Speichelfluss als klinischer Marker (Hypothese)​

Speichelfluss könnte anzeigen:
  • aktive parasympathische/cholinerge Achse
  • zentrale Netzwerk‑Reaktivierung
  • bessere kognitive Integration
Nicht beweisend – aber klinisch hochinteressant.


Platzhalter fĂŒr deine Erfahrungsintegration​

  • Substanz
  • Speichelfluss (ja/nein, StĂ€rke)
  • Kognition
  • Stressreaktion
  • Absetzverlauf


Quellen​



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