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Rezeptorprofile & NA‑Achsen von Tri- und Tetrazyklika

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  • Inhalt


    Vergleichstabelle: TCA vs. TZA (Rezeptorprofile & Besonderheiten)​

    Legende der Rezeptoren​

    • H1 = Sedierung
    • M1 = anticholinerg (kognitiv, Delirrisiko)
    • α1 = Orthostase, Sedierung
    • α2 = NA‑Freisetzung ↑
    • SERT/NET = Monoamin‑Wiederaufnahme
    • Na‑Kanäle = Schmerzmodulation

    1. Trizyklische Antidepressiva (TCA)​

    WirkstoffSERTNETH1M1α1α2BesonderheitenNutzen bei SchizophrenieRisiken
    Amitriptylin++++++++++–sehr sedierend, analgetischSchlaf, Schmerzstarke Sedierung, anticholinerg, QT
    Imipramin++++++++++–aktivierend + sedierendDepressionAktivierung, anticholinerg
    Clomipramin++++++++++–stärkstes SERT aller TCAZwangSerotonin‑Syndrom, QT
    Nortriptylin++++++–weniger sedierendDepressionAktivierung, anticholinerg
    Desipramin–++++++–stärkste NET‑Blockadetheoretisch NegativsymptomeAktivierung, Psychoserisiko
    Doxepin+++++++++–extrem sedierendSchlafstarke Sedierung
    Trimipramin––+++++++–kein echtes AD, vegetativSchlaf, Angstanticholinerg, QT

    2. Tetrazyklika (TZA)​

    WirkstoffSERTNETH1M1α1α2BesonderheitenNutzen bei SchizophrenieRisiken
    Maprotilin–+++++++–stark NET, krampfrisikoselten sinnvollAktivierung, Krämpfe
    Mianserin––+++++++α2‑Blockade, BlutbildSchlaf, AngstAgranulozytose, Sedierung
    Mirtazapin (NaSSA)––++++++++α2‑Blockade, 5‑HT2/3‑BlockadeSchlaf, Angst, leichte NegativsymptomeGewicht, Aktivierung bei hohen Dosen

    3. Was die Tabelle zeigt (Analyse)​

    A. TCA und TZA haben ähnliche niedrige Dosisbänder​

    Die niedrigen Dosen wirken fast identisch, weil dort H1, M1 und α1 dominieren.

    Das bedeutet:
    • Trimipramin, Amitriptylin, Doxepin, Mianserin, Mirtazapin (niedrig)
      → wirken alle primär sedierend und vegetativ stabilisierend.

    B. NET‑Blockade ist theoretisch gut – praktisch aber riskant​

    • Desipramin, Nortriptylin, Imipramin, Maprotilin
      → können Negativsymptome theoretisch verbessern (PFC‑Dopamin ↑)
    Aber:
    • Aktivierung
    • Schlafstörung
    • Psychoseverschlechterung möglich
    • Interaktion mit Antipsychotika (CYP2D6)
    Daher nur theoretisch interessant, praktisch selten sinnvoll.


    C. α2‑Blockade ist der kritische Punkt​

    • α2 > α1 > β
      → α2‑Blockade kippt das Verhältnis Richtung Aktivierung.
    Mirtazapin & Mianserin:
    • niedrige Dosis → H1 dominiert → sicher
    • mittlere Dosis → α2 wird relevant → NA ↑ → Aktivierung möglich
    • hohe Dosis → volle NA‑Freisetzung → bei Psychose riskant

    D. Sedierung potenziert sich massiv mit Antipsychotika​

    Weil:
    • Antipsychotika: H1 + α1 + M1
    • TCA/TZA: H1 + α1 + M1
    → H1 + H1 = extrem
    → α1 + α1 = Orthostase
    → M1 + M1 = Delirrisiko

    Deshalb sind kleine Dosierungen sinnvoll.


    E. Schmerzmodulation ist ein echter Vorteil​

    Amitriptylin, Nortriptylin, Trimipramin:
    • Na‑Kanal‑Blockade
    • Schlafverbesserung
    • Muskeltonus ↓
    → Schmerzreduktion ist ein realer Nutzen bei Schizophrenie, weil Schmerz oft übersehen wird.


    F. Zwang: SSRI vs. Clomipramin​

    Du hast recht, SSRI sind stark (Citalopram/Escitalopram).

    Warum Clomipramin trotzdem besonders ist:

    • SERT‑Blockade stärker als SSRI
    • zusätzliche NET‑Blockade → dopaminerge Modulation
    • 5‑HT2‑Modulation
    • wirkt bei therapieresistenten Zwangsstörungen oft besser
    Aber:
    • mehr Nebenwirkungen
    • mehr Interaktionen
    • mehr Sedierung
    • mehr QT‑Risiko
    SSRI sind die erste Wahl.
    Clomipramin ist die „Schwergewichts‑Option“ für Spezialfälle.



    4. Die wichtigsten Unterschiede in einem Satz pro Wirkstoff​

    Trimipramin​

    → vegetatives TCA ohne Monoamin‑Wiederaufnahme, ideal für Schlaf.

    Amitriptylin​

    → sedierend + analgetisch, gut bei Schmerz.

    Imipramin​

    → klassisches AD, aber aktivierend → bei Psychose riskanter.

    Clomipramin​

    → stärkstes serotonerges AD, gut bei Zwang, aber riskant.

    Nortriptylin/Desipramin​

    → aktivierend, theoretisch gut für Negativsymptome, praktisch riskant.

    Doxepin​

    → extrem sedierend, gut für Schlaf, aber sehr starke H1‑Last.

    Maprotilin​

    → NET‑lastig, krampfrisiko, wenig geeignet.

    Mianserin​

    → sedierend + α2‑Blockade, Blutbildrisiko.

    Mirtazapin​

    → niedrig sedierend, hoch aktivierend → zweischneidig.



    Große Vergleichstabelle (20+ Parameter): TCA vs. TZA​

    Parameter‑Legende (für Klarheit)​

    • SERT/NET = Wiederaufnahmehemmung
    • H1/M1/α1/α2 = Rezeptorblockade
    • 5‑HT2/5‑HT3 = serotonerge Modulation
    • Na‑Kanäle = analgetische Wirkung
    • CYP‑Metabolismus = Interaktionsrisiko
    • Sedierung / Aktivierung = klinische Wirkung
    • Psychoserisiko = Aktivierung durch NA/DA
    • Schmerzmodulation = Na‑Kanal‑Blockade
    • Zwang = serotonerge Potenz
    • Vegetative Stabilisierung = H1/M1/α1‑Profil
    • QT‑Risiko = kardiale Sicherheit
    • Anticholinerge Last = Delir/Kognition
    • Gewicht = metabolische Effekte
    • Schlaf = H1‑Potenz
    • Interaktionspotenzial = CYP + Rezeptoren
    • Dosisband (niedrig) = relevante Wirkung bei kleinen Dosen
    • Dosisband (hoch) = Wirkung bei antidepressiven Dosen

    1. TRIZYKLISCHE ANTIDEPRESSIVA (TCA)​

    WirkstoffSERTNETH1M1α1α25‑HT2/3Na‑KanäleSedierungAktivierungPsychoserisikoSchmerzZwangVegetativQTAnticholinergGewichtSchlafCYPInteraktionenDosis niedrigDosis hoch
    Amitriptylin++++++++++–+++++++gering+++–++++++++++++CYP2D6hochstark sedierendantidepressiv
    Imipramin++++++++++–++++++mittel+++++++++++CYP2D6hochsedierendaktivierend
    Clomipramin++++++++++–++++++mittel+++++++++++++CYP2D6sehr hochsedierendstark serotonerg
    Nortriptylin++++++––++++hoch+–+++++CYP2D6mittelleicht sedierendaktivierend
    Desipramin–++++++––+++++sehr hoch+–+++++CYP2D6mittelminimal sedierendstark aktivierend
    Doxepin+++++++++–++++++–gering+++–++++++++++++CYP2D6hochextrem sedierendsedierend
    Trimipramin––+++++++–++++++–sehr gering++–++++++++++++CYP2D6mittelvegetativ stabilisierendvegetativ

    2. TETRAZYKLISCHE ANTIDEPRESSIVA (TZA / NaSSA)​

    WirkstoffSERTNETH1M1α1α25‑HT2/3Na‑KanäleSedierungAktivierungPsychoserisikoSchmerzZwangVegetativQTAnticholinergGewichtSchlafCYPInteraktionenDosis niedrigDosis hoch
    Maprotilin–+++++++––+++++hoch+–+++++++CYP2D6mittelsedierendaktivierend
    Mianserin––++++++++–+++mittel+–++++++++CYP2D6mittelsedierendaktivierend
    Mirtazapin––++++++++++–+++++mittel+–++++++++++CYP1A2/2D6/3A4hochstark sedierendaktivierend


    ⭐ 1. Fundament: Die drei Noradrenalin‑Achsen im Gehirn​

    Es gibt drei Wege, wie NA im Gehirn erhöht werden kann:

    A. α2‑Blockade → tonische NA‑Freisetzung ↑​

    • α2 sind Autorezeptoren auf NA‑Neuronen
    • Blockade = Bremse wegnehmen
    • Ergebnis: globale, tonische NA‑Erhöhung
    • überall im Gehirn gleichzeitig
    • unabhängig von Aktivität oder Kontext
    → globaler Grundtonus steigt

    B. NET‑Blockade → phasische NA‑Erhöhung ↑​

    • NET ist der Transporter, der NA wieder aufnimmt
    • Blockade = NA bleibt länger im synaptischen Spalt
    • Ergebnis: modulierende, kontextabhängige NA‑Erhöhung
    • nur dort, wo NA gerade freigesetzt wurde
    • abhängig von Aktivität des Systems
    → Signalverstärkung, nicht Grundtonus

    C. β‑Rezeptoren → postsynaptische Aktivierung​

    • β1/β2 sind postsynaptische NA‑Rezeptoren
    • werden durch NA aktiviert
    • aber: β‑Blockade ist selten relevant bei AD
    • β‑Aktivierung ist Folge, nicht Ursache

    ⭐ 2. Warum α2‑Blockade und NET‑Blockade völlig unterschiedliche klinische Effekte haben​

    α2‑Blockade (Mirtazapin, Mianserin)​

    → tonische NA‑Erhöhung
    → global, unspezifisch
    → kann Aktivierung, Unruhe, Schlafstörung verursachen
    → kann Positivsymptome verstärken
    → wirkt unabhängig von neuronaler Aktivität
    → kann „Grundrauschen“ erhöhen

    Vorteil:
    • kann Negativsymptome verbessern, wenn α1 nicht zu stark blockiert wird
    • kann Antrieb erhöhen
    • kann Stimmung heben
    Nachteil:
    • kann Psychose verschlechtern
    • kann vegetative Instabilität erzeugen
    • α2‑Blockade ist schwer zu dosieren (Sprung zwischen 15 mg → 30 mg → 45 mg)

    NET‑Blockade (Nortriptylin, Desipramin, Maprotilin)​

    → phasische NA‑Erhöhung
    → nur dort, wo NA freigesetzt wird
    → kontextabhängig
    → moduliert PFC‑Dopamin (über NA‑D1‑Interaktion)
    → kann Kognition und Negativsymptome verbessern
    → weniger Risiko für Psychose als α2‑Blockade

    Vorteil:
    • wirkt wie ein „Verstärker“ des präfrontalen Systems
    • kann Antrieb verbessern ohne globales Rauschen
    • wirkt selektiver
    Nachteil:
    • kann trotzdem aktivierend sein
    • kann Schlaf stören
    • kann Psychose verschlechtern, aber seltener als α2‑Blockade

    ⭐ 3. Warum α2‑Blockade manchmal einen Grundtonus für NET‑Blockade liefert​

    NET‑Blockade wirkt besser, wenn ein gewisser NA‑Grundtonus vorhanden ist.

    Mechanismus:
    • NET‑Blockade braucht vorhandenes NA, um es länger im Spalt zu halten
    • wenn NA sehr niedrig ist (z. B. bei schweren Negativsymptomen), wirkt NET‑Blockade schwach
    • α2‑Blockade erhöht NA tonisch → liefert „Grundmaterial“
    • NET‑Blockade verstärkt dieses NA dann phasisch
    Das bedeutet:

    α2‑Blockade = Grundtonus​

    NET‑Blockade = Verstärker​

    Das ist exakt das Verhältnis, das du beschrieben hast.


    ⭐ 4. Wie stabilisiert man das Verhältnis α2 > α1 > β?​

    Ziel:​

    • α2‑Aktivierung (oder Blockade) soll NA ↑
    • α1‑Blockade soll nicht zu stark sein (sonst vegetative Instabilität)
    • β soll nicht überaktiviert werden (sonst Unruhe)

    Problem:​

    Viele TCA blockieren α1 sehr stark → verhindern stabile NA‑Modulation.

    Lösung:​

    Man braucht Wirkstoffe mit:
    • moderater α2‑Blockade
    • schwacher α1‑Blockade
    • keine starke SERT‑Blockade
    • keine starke M1‑Blockade
    Das ist der Grund, warum:
    • Mirtazapin in niedriger Dosis gut ist (H1)
    • Mirtazapin in mittlerer Dosis riskant ist (α2)
    • Nortriptylin/Desipramin theoretisch gut wären, aber α1 zu stark blockieren
    • Trimipramin perfekt vegetativ ist, aber keine NA‑Modulation hat



    Tabelle 1 – Rezeptorprofile & NA‑Achsen (α2 vs. NET)​

    Fokus: Was macht der Wirkstoff pharmakologisch?

    WirkstoffKlasseSERTNETα2α1H1M15‑HT2/3NA‑AktivierungstypTonisch vs. phasischPFC‑DA‑ModulationLimbische AktivierungRezeptor‑Balance α2/α1/β
    AmitriptylinTCA+++–++++++++NETphasischmoderatmoderatα2 neutral / α1 hoch
    ImipraminTCA++++–+++++++NET+SERTphasischmoderathochα2 neutral / α1 hoch
    ClomipraminTCA++++–++++++++SERTphasischgeringmoderatα2 neutral / α1 hoch
    NortriptylinTCA+++–+++–NETphasischhochhochα2 neutral / α1 moderat
    DesipraminTCA–+++–+++–NETphasischsehr hochsehr hochα2 neutral / α1 moderat
    DoxepinTCA++–++++++++NETphasischgeringgeringα2 neutral / α1 hoch
    TrimipraminTCA–––++++++++kein NAkeinerkeinerkeinerα2 neutral / α1 hoch
    MaprotilinTZA–++–+++++–NETphasischmoderathochα2 neutral / α1 hoch
    MianserinTZA––++++++++α2tonischmoderatmoderatα2 hoch / α1 hoch
    MirtazapinNaSSA––++++++++++α2tonischhochmoderatα2 sehr hoch / α1 moderat


    Tabelle 2 – Klinische Wirkprofile & Psychose‑Relevanz​

    Fokus: Was bedeutet das pharmakologisch für Schizophrenie?

    WirkstoffSedierungAktivierungPsychoserisikoVegetative StabilitätSchmerzmodulationZwangspotenzSchlafwirkungQT‑RisikoAnticholinerge LastGewichtCYP‑PfadInteraktion mit AntipsychotikaInteraktion mit MAO‑HemmernInteraktion mit SSRIEignung bei NegativsymptomenEignung bei akuter PsychoseEignung bei SchmerzEignung bei SchlafEignung bei ZwangBesonderheit
    Amitriptylin++++geringmittel+++gering+++++++++CYP2D6hoch (Sedierung, M1)hochmittelbegrenztungeeignetsehr geeignetsehr geeignetungeeignetSchmerz + Schlaf
    Imipramin++++mittelmittel+++++++++CYP2D6hochhochmitteltheoretischungeeignetbegrenztbegrenztbegrenztklassisches AD
    Clomipramin+++mittelmittel+++++++++++CYP2D6hochsehr hochsehr hochungeeignetungeeignetbegrenztbegrenztsehr geeignetstärkstes SERT
    Nortriptylin+++hochmittel+gering++++CYP2D6mittelmittelmitteltheoretisch gutriskantbegrenztbegrenztungeeignetaktivierend
    Desipramin++++sehr hochmittel+gering++++CYP2D6mittelmittelgeringtheoretisch sehr gutsehr riskantbegrenztgeringungeeignetstärkste NET
    Doxepin+++–geringhoch++gering+++++++++CYP2D6hochmittelmittelungeeignetungeeignetbegrenztsehr geeignetungeeignetSchlafhammer
    Trimipramin+++–sehr geringhoch++gering+++++++++CYP2D6mittelgeringgeringungeeignetgeeignetbegrenztsehr geeignetungeeignetvegetativ stabilisierend
    Maprotilin++++hochmittel++gering++++++CYP2D6mittelmittelgeringtheoretischriskantbegrenztbegrenztungeeignetKrampfrisiko
    Mianserin+++mittelmittel+gering++++++CYP2D6mittelmittelgeringbegrenztriskantbegrenztgeeignetungeeignetBlutbildrisiko
    Mirtazapin+++++mittelmittel+gering++++++++CYP1A2/2D6/3A4hochmittelmittelmoderatriskantbegrenztsehr geeignetungeeignetNaSSA, zweischneidig


    Was du jetzt klar siehst​

    1. α2‑Aktivierung (Mirtazapin, Mianserin)​

    → tonisch, global, Grundrauschen ↑
    → gut für Negativsymptome in stabilen Fällen
    → riskant bei akuter Psychose
    → α1‑Blockade entscheidet, ob es kippt

    2. NET‑Aktivierung (Nortriptylin, Desipramin, Maprotilin)​

    → phasisch, kontextabhängig
    → theoretisch ideal für PFC‑Dopamin
    → praktisch oft zu aktivierend
    → α1‑Blockade limitiert Nutzen

    3. Trimipramin / Doxepin / Amitriptylin​

    → vegetativ, nicht NA‑modulierend
    → perfekt für Schlaf, Angst, Schmerz
    → sicherer bei Psychose
    → keine Aktivierung



    Tabelle 3 – Reine NA‑Achsen & Aktivierungslogik (α2 vs. NET vs. vegetativ)​

    WirkstoffNA‑Aktivierungstypα2NETα1NA‑Grundtonus (α2)NA‑Signalverstärkung (NET)PFC‑DA‑ModulationLimbische AktivierungAktivierungsrisikoVegetative Last (H1/M1/α1)Kurzfazit für Psychose
    AmitriptylinNET + vegetativ–+++niedrigmoderatmoderatmoderatgeringhochSchlaf/Schmerz, nicht für Aktivierung
    ImipraminNET + SERT–++++niedrighochmoderathochmittelmitteleher AD, bei Psychose riskanter
    ClomipraminSERT‑dominant–+++niedriggeringgeringmoderatmittelmittelZwang, nicht NA‑Modulator
    NortriptylinNET‑dominant–+++niedrighochhochhochhochmitteltheoretisch Negativsymptome, praktisch aktivierend
    DesipraminNET‑rein–++++niedrigsehr hochsehr hochsehr hochsehr hochmittelmaximaler NA‑Verstärker, bei Psychose sehr riskant
    DoxepinNET + H1–+++niedriggeringgeringgeringgeringsehr hochSchlafhammer, kein NA‑Modulator
    Trimipraminrein vegetativ––++keinekeinekeinekeinesehr geringsehr hochideal für vegetative Stabilisierung
    MaprotilinNET‑dominant–++++niedrighochmoderathochhochmitteltheoretisch NA‑Modulator, praktisch riskant
    Mianserinα2 + H1++–++moderatkeinemoderatmoderatmittelhochtonische NA + Sedierung, zweischneidig
    Mirtazapinα2 + H1 + 5‑HT2/3+++–+hochkeinehochmoderatmittelhochtonische NA‑Aktivierung, gut bei Stabilität, riskant bei akuter Psychose

    Legende zur NA‑Achsen‑Tabelle (α2 / NET / α1 / H1)​

    1. NA‑Aktivierungstyp​

    Beschreibt, wie der Wirkstoff Noradrenalin im Gehirn beeinflusst:
    • α2‑Blockade → tonische NA‑Erhöhung
      (global, unabhängig von neuronaler Aktivität)
    • NET‑Blockade → phasische NA‑Erhöhung
      (nur dort, wo NA gerade freigesetzt wurde)
    • vegetativ (H1/M1/α1)
      → keine echte NA‑Modulation, nur Sedierung/Entspannung

    2. α2​

    Autorezeptoren auf NA‑Neuronen.
    Blockade = Bremse wegnehmen → NA‑Freisetzung ↑.
    • hoch = starke tonische Aktivierung
    • mittel = moderate Aktivierung
    • niedrig/– = keine Aktivierung

    3. NET​

    Noradrenalin‑Transporter.
    Blockade = NA bleibt länger im synaptischen Spalt → Signalverstärkung.
    • hoch = starke phasische Aktivierung
    • mittel = moderate Aktivierung
    • niedrig/– = keine Aktivierung

    4. α1​

    Postsynaptische NA‑Rezeptoren.Blockade = Sedierung, Orthostase, vegetative Dämpfung.
    • hoch = starke Sedierung, Blutdruckabfall
    • mittel = moderate Sedierung
    • niedrig = wenig vegetative Last

    5. NA‑Grundtonus (α2)​

    Wie stark der Wirkstoff den globalen NA‑Spiegel erhöht.
    • hoch = tonische Aktivierung (Mirtazapin)
    • mittel = leichte Aktivierung (Mianserin)
    • niedrig = keine Aktivierung (TCA außer Mirtazapin/Mianserin)

    6. NA‑Signalverstärkung (NET)​

    Wie stark der Wirkstoff NA‑Signale verlängert.
    • hoch = starke Verstärkung (Desipramin, Nortriptylin)
    • mittel = moderate Verstärkung (Imipramin, Maprotilin)
    • niedrig = kaum Verstärkung (Trimipramin, Mirtazapin)

    7. PFC‑DA‑Modulation​

    Wie stark der Wirkstoff Dopamin im präfrontalen Cortex indirekt erhöht.
    Passiert über NA‑D1‑Interaktion.
    • hoch = theoretisch gut für Negativsymptome
    • mittel = leichte Verbesserung
    • niedrig = kein Effekt

    8. Limbische Aktivierung​

    Wie stark der Wirkstoff Dopamin/Noradrenalin im limbischen System erhöht.
    Das limbische System steuert Emotion, Motivation, Stress — und ist bei Psychose empfindlich.
    • hoch = Risiko für Positivsymptome
    • mittel = leichte Aktivierung
    • niedrig = sicher
    Warum wichtig?
    Limbische Aktivierung = Risiko für Unruhe, Angst, psychotische Verschlechterung.


    9. Aktivierungsrisiko​

    Gesamtwert aus α2 + NET + limbischer Aktivierung.
    • hoch = kann Psychose verschlechtern
    • mittel = Vorsicht
    • niedrig = sicher

    10. Vegetative Last (H1/M1/α1)​

    Wie stark der Wirkstoff:
    • sediert
    • orthostatisch macht
    • anticholinerg wirkt
    hoch = Trimipramin, Doxepinmittel = Amitriptylin, Imipraminniedrig = Nortriptylin, Desipramin

    11. Kurzfazit für Psychose​

    Zusammenfassung der klinischen Bedeutung:
    • gut für Schlaf/Schmerz
    • gut für vegetative Stabilisierung
    • theoretisch gut für Negativsymptome
    • riskant bei akuter Psychose
    • ungeeignet wegen Aktivierung
    • geeignet bei Zwang
    • zweischneidig (Mirtazapin/Mianserin)
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