🧠 Olfaktorische Halluzinationen bei Schizophrenie
Die Illusion des Geruchs – wenn die Nase täuscht
👃 Was sind olfaktorische Halluzinationen?
Olfaktorische Halluzinationen beschreiben die
Wahrnehmung von Gerüchen, die nicht vorhanden sind. Betroffene riechen etwa Rauch, Gas, Fäulnis oder Parfüm – obwohl keine tatsächliche Quelle existiert. Im Rahmen der Schizophrenie treten sie seltener auf als auditive oder visuelle Halluzinationen, gelten aber als besonders irritierend und können große psychische Belastung auslösen.
🧩 Typische Geruchswahrnehmungen
| Kategorie | Beispiele | Wirkung auf Betroffene |
|---|
| Unangenehme Gerüche | Fäulnis, Verwesung, Schweiß, Benzin | Angst, Ekel, Rückzugsverhalten |
| Bedrohliche Gerüche | Gas, Rauch, Feuer | Panik, Verunsicherung, Fluchtverhalten |
| Angenehme Gerüche | Blumen, Parfüm, Süßigkeiten | Euphorie oder spirituelle Assoziationen |
🔍 In manchen Fällen sind die Halluzinationen
mit Wahninhalten verknüpft – z. B. die Überzeugung, vergiftet zu werden oder von unsichtbaren Kräften beeinflusst zu sein.
🧠 Neurobiologische Hintergründe
Die genauen Mechanismen sind noch nicht vollständig entschlüsselt, aber zentral beteiligt sind:
- Primärer olfaktorischer Cortex im Temporallappen
- Dopamin- und Glutamat-Ungleichgewichte
- Thalamus als Reizfilter
- Amygdala bei emotionaler Bewertung der Gerüche
👃 Die Geruchswahrnehmung ist direkt mit dem
Limbischen System verknüpft – dem Zentrum für Emotionen und Gedächtnis. Deshalb sind diese Halluzinationen oft besonders
emotional intensiv.
⚠️ Auswirkungen im Alltag
- Misstrauen gegenüber Umgebung (z. B. „Jemand will mich vergasen“)
- Vermeidungsverhalten (Zimmer lüften, Raum wechseln, Desinfizieren)
- Überhöhte Körperwahrnehmung („Ich rieche schlecht“, „Etwas fault in mir“)
- Häufiger sozialer Rückzug und Schamgefühle
🩺 Therapieansätze
1. Medikamentös
- Antipsychotika
- Anpassung je nach Reizintensität und Wahnkomponente
2. Psychotherapie
- Kognitive Verhaltenstherapie (CBT-p) zur Realitätsprüfung
- Expositionsübungen in geruchsneutraler Umgebung
- Entkatastrophisierung – z. B. durch Geruchstagebücher
3. Kreative und unterstützende Methoden
- Kunst- und Musiktherapie zur Emotionsverarbeitung
- Geruchsretraining: bewusste Auseinandersetzung mit echten Düften
- Achtsamkeit & Biofeedback zur Reizmodulation
🧭 Fazit
Olfaktorische Halluzinationen bei Schizophrenie sind mehr als nur „Einbildung von Gerüchen“ – sie sind
komplexe neuropsychologische Phänomene, die tiefe Einblicke in das Zusammenspiel von Sinneseindruck und psychischer Realität bieten. 📌 Eine frühe Erkennung und ein individuell abgestimmtes Behandlungskonzept können helfen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität deutlich zu verbessern.