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Schizophrenie: Neurodivergenz und keine psychische Krankheit?

Nova

Well-known member
Meine erste akute Psychose bekam ich, als ich davor weglaufen wollte, dass mir plötzlich klar wurde, dass ich anders bin. Anders als ich vorher dachte und anders als es normalerweise angeblich sein soll. Aus meinem Studium kannte ich die Symptome, die ich als schizophren einordnete, wie "Wahn" und "Halluzination" und lief davon in eine Traumwelt, einen eigenen Film, da mir der Gedanke, selber schizophren zu sein, unerträglich war.

Hätte mir damals jemand gesagt: "Ja, Sie sind anders. Neurodivergent. Das ist nicht schlimm. Sie können lernen, damit zu leben. Wir finden einen gangbaren Weg.", anstatt mich wegzusperren und mit (damals noch) Haldol vollzupumpen, wäre mein Leben vollkommen anders verlaufen. Hätten sie mir einen Kräutertee zur Beruhigung gegeben, würde ich den wahrscheinlich heute noch gerne trinken und wäre nicht medikamentenabhängig geworden. Denn die weiteren akuten Psychosen kamen bei mir immer nur bei Absetzen der Medikamente.

Wäre die Sichtweise auf das, was als Schizophrenie gilt eine andere, nämlich, dass es einfach nur ein Anderssein, eine Neurodivergenz, ist und keine Krankheit, gäbe es die Krankheit und die herrschende Behandlung in der bekannten Form gar nicht. Davon gehe ich zumindest aus.

Bei mir ist es so, dass meine Hülle durchlässig ist. Viele Menschen bekommen mit, was in mir vorgeht und antworten auch real darauf. Und ich bekomme ihre Antworten mit und drehe deswegen nicht mehr durch. Damals aber schon, als plötzlich eine real zu hörende Stimme durch die Wand meine Gedanken mitsprach, als ich einen Text, der unter Datenschutz stand, in meine Schreibmaschine tippte.

Berufstätigkeit ohne Datenschutz einhalten zu können, nicht einmal Firmeninterna, nicht einmal ein Passwort für sich behalten zu können, ist bei meiner erlernten geistigen Arbeit so gut wie unmöglich.

Was mir blieb, war privat weiterzuforschen, zu lesen, eine neue Sichtweise mitzuentwickeln, die mir ein sozial angepasstes Leben ermöglicht. Ich hatte, besonders über das Internet, die Möglichkeit dazu und bin allen Mitbetroffenen, denen ich auf meinem Lebensweg begegnen durfte, dankbar.

Viele wehren meine Sichtweise ab. Wohl, da es sicherer ist, der herrschenden Psychiatrie zu glauben und weiter brav die Patientenrolle zu spielen, in diesem falschen Spiel, das krank macht.

Es sind auch nicht alle sogenannten Schizophrenen so hochbegabt, was ich leider feststellen musste.

Und: Meine Angst davor, meine erarbeitete Sichtweise öffentlich zu machen, ist weg, nun da ich älter werde und nur noch mir selber gegenüber verantwortlich bin.

Da ich nicht akut bin, gibt es keinen Grund mehr, mich wegzusperren, nur weil ich meine abweichende Meinung äußere. Und die Todesangst ist weg, was am Alter liegen mag oder daran, dass es mir wichtiger ist, meine Sichtweise zu teilen, wem auch immer es helfen mag, als mein Überleben zu schützen.
 
Nachdem ich über Obiges geschlafen habe, frage ich mich, ob es überhaupt einen Grund gegeben hätte, akut psychotisch zu werden, wenn ich als neurodivergent aufgewachsen wäre und die Existenz von sogenannter Schizophrenie als einfaches Anderssein nicht geleugnet worden wäre.
 
Aus meinem Studium kannte ich die Symptome, die ich als schizophren einordnete, wie "Wahn" und "Halluzination"
Du kannst aber trotzdem borderline sein, das wird meistens in der Psychiatrie unter von dort aus definierter Syptomatik geführt. Die Borderline-Menschen bilden sich auch oft eine zur Invalidität führende Schizophrenie bzw. deren Symptome ein bzw. missdeuten ihr seelisches Geschehen als solche.

Auch viele der Menschen, die du im Psychologiestudium kennengelernt hast, haben kein Verständnis für Menschen mit einer schizophrenen Erkrankung, deshalb lehnen sie sie später als Klienten ab. Dieser Wahrheit muss man halt auch ins Auge sehen. Was du schreibst, ist daher keine Lehrmeinung "der Psychologen" versus die Psychiater, sondern eine Theorie, mit der du dir unter Rechtfertigungszwang erklärst, dass du momentan ohne Medikamente gut zurecht kommst (was aber auch andere Gründe, etwa eine "totgelaufene wahnhafte Schizophrenie" im Verlauf, haben kann).
 
Du kannst aber trotzdem borderline sein, das wird meistens in der Psychiatrie unter von dort aus definierter Syptomatik geführt. Die Borderline-Menschen bilden sich auch oft eine zur Invalidität führende Schizophrenie bzw. deren Symptome ein bzw. missdeuten ihr seelisches Geschehen als solche.

Auch viele der Menschen, die du im Psychologiestudium kennengelernt hast, haben kein Verständnis für Menschen mit einer schizophrenen Erkrankung, deshalb lehnen sie sie später als Klienten ab. Dieser Wahrheit muss man halt auch ins Auge sehen. Was du schreibst, ist daher keine Lehrmeinung "der Psychologen" versus die Psychiater, sondern eine Theorie, mit der du dir unter Rechtfertigungszwang erklärst, dass du momentan ohne Medikamente gut zurecht kommst (was aber auch andere Gründe, etwa eine "totgelaufene wahnhafte Schizophrenie" im Verlauf, haben kann).
Grenzgängerin war ich tatsächlich immer schon. Das gehört zu mir, das was Borderline genannt wird.

Was ich schreibe, ist tatsächlich keine gängige Lehrmeinung, sondern meine Weiterentwicklung von systemischen Betrachtungsweisen sowie dem radikalen Konstruktivismus und der Transaktionsanalyse.

Einen Rechtfertigungszwang habe ich nicht, eher Forschergeist, und ich nehme hochdosierte Antipsychotika, da ich von diesen unter Zwang abhängig gemacht worden bin.
 
Ich finde deine Sichtweise sehr interessant. Es wäre sicher einfacher wenn man uns nicht so pathologisieren würde. Medikamente als kann aber muss nicht wäre eine große Erleichterung. So wie es jetzt ist finden viele Leute die Erkrankung schlimm und grenzen einen aus. Ich kann meine Halluzinationen auch geniessen und meine Stimmen sind toll. Es wäre schön wenn ich darüber mit einem Arzt sprechen könnte, aber ich habe gelernt zu schweigen. Um normal zu wirken. Wenn sich doch nicht alle an die sogenannte Normalität klammern würden.
 
Schizophrenie hat mit neurodivergenz nichts zu tun. Und medis sind nun mal die wirksamste Therapie, das einzige was die Symptome stoppen kann. Der Wahrheit muss man ins Auge sehen, aber auch mit Schizophrenie ist ein normales Leben möglich, wenn man eben krankheitseinsichtig ist. Da es jetzt auch mehr auf den sozialen Medien dazu kontent machen, bin ich zuversichtlich dass dieses Thema auch mehr in die Gesellschaft kommen wird.
 
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