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📘 C.3 Wiederaufnahmehemmung ≠ Freisetzung

Maggi

Administrator

📘 Wiederaufnahmehemmung ≠ Freisetzung

NET, DAT und SERT als regionale Modulatoren neuronaler Netzwerke

🔹 KurzĂźberblick​

In der Diskussion um Neurotransmitter wird häufig nicht zwischen Freisetzung und Wiederaufnahme unterschieden.
Beide Prozesse beeinflussen die Signalübertragung – jedoch auf grundlegend unterschiedlichen Ebenen.
Dieser Artikel erklärt:
  • den Unterschied zwischen Rezeptor‑ und Transporter‑Modulation,
  • die spezifischen Rollen von NET, DAT und SERT,
  • warum Wiederaufnahmehemmung keine „Überstimulation“ bedeutet,
  • und warum diese Differenzierung fĂźr Stress‑, Reizbarkeits‑ und Absetzmodelle zentral ist.


1️⃣ Zwei Ebenen der Neurotransmission​

🔸 Rezeptorebene​

  • steuert Freisetzung und postsynaptische Antwort
  • wirkt lokal und oft schnell
  • stark zustandsabhängig
  • Beispiele: Îą2‑, D2‑, 5‑HT1A‑Rezeptoren

🔸 Transporterebene​

  • steuert Wiederaufnahme aus dem synaptischen Spalt
  • reguliert Dauer und Reichweite vorhandener Signale
  • wirkt regional und netzwerkweit
  • Beispiele: NET, DAT, SERT
➡️ Rezeptoren bestimmen, ob ein Signal entsteht – Transporter bestimmen, wie lange und wie stabil es wirkt.


2️⃣ Wiederaufnahmehemmung – was sie tut und was nicht​

Wiederaufnahmehemmung bedeutet funktionell:
  • vorhandene Neurotransmitter verbleiben länger im synaptischen Raum
  • die Signalwirkung wird zeitlich verlängert
  • schwache oder instabile Signale werden stabilisiert
Wiederaufnahmehemmung bedeutet nicht:
  • erhĂśhte Freisetzung
  • unkontrollierte AusschĂźttung
  • automatische Überstimulation
➡️ Sie verändert die Signalverfügbarkeit, nicht die Signalentstehung.


3️⃣ NET – Noradrenalin‑Transporter

Reizbarkeits‑ und Agitationskontrolle statt Aktivierung​

Der Noradrenalin‑Transporter (NET) ist besonders relevant für:
  • präfrontalen Kortex
  • Stress‑ und Impulskontrolle
  • Regulation von Reizbarkeit und Agitiertheit
Eigenschaften:
  • hohe Expression im PFC
  • transportiert Noradrenalin und regional auch Dopamin
  • reguliert die Dauer präfrontaler Signale

Funktionelle Bedeutung:​

NET‑Modulation wirkt primär:
  • stabilisierend
  • ordnend
  • reduzierend auf innere Unruhe
  • dämpfend auf stressgetriebene Eskalation
➡️ NET‑Hemmung bedeutet nicht „mehr Noradrenalin“, sondern besser nutzbares Noradrenalin im präfrontalen Kontrollsystem.
Gerade bei:
  • Reizbarkeit
  • Agitiertheit
  • impulsiver Aggression
kann NET‑Modulation dazu beitragen, unkontrollierte Eskalation zu verhindern, ohne emotionale Abflachung oder Sedierung.

Grenzen:​

  • Übermäßige noradrenerge Aktivierung kann peripher:
    • MiktionsstĂśrungen
    • Obstipation
      begĂźnstigen
  • In solchen Fällen kann eine balancierende serotonerge Modulation funktionell entlastend wirken


4️⃣ DAT – Dopamin‑Transporter

Motivation, Integration und verzĂśgerte Eskalation​

Der Dopamin‑Transporter (DAT) ist vor allem aktiv in:
  • Striatum
  • mesolimbischen Systemen
  • motivationalen Netzwerken
DAT‑Modulation:
  • stabilisiert dopaminerge SignalverfĂźgbarkeit
  • unterstĂźtzt Antrieb und Motivation
  • wirkt nicht als direkte Freisetzungssteigerung

Bedeutung im Absetz‑ und Stresskontext:​

  • kann präfrontale Dopaminmangelzustände abfedern
  • reduziert kompensatorische Übererregung
  • verzĂśgert psychotische Eskalationskaskaden, ohne sie akut zu blockieren
➡️ Das ist keine Akut‑Antipsychose, sondern stabilisierender Schutz, insbesondere in Übergangs‑ und Absetzphasen.


5️⃣ SERT – Serotonin‑Transporter

Emotionale Gewichtung von Information​

Der Serotonin‑Transporter (SERT) beeinflusst weniger die Signalstärke als die Bewertung und Gewichtung von Information.
SERT‑Modulation kann:
  • emotionale Überladung reduzieren
  • affektive Reaktivität dämpfen
  • Angst und emotionale Eskalation abschwächen
Gleichzeitig kann sie:
  • Unterschiede in der Salienz nivellieren
  • emotionale und kognitive Priorisierung erschweren
  • Libido und emotionale Differenzierung reduzieren
➡️ SERT wirkt emotional glättend, nicht gezielt beruhigend.
Das kann:
  • in stabilisierten Phasen entlastend sein
  • in instabilen oder akuten Phasen Reizbarkeit und Unruhe indirekt begĂźnstigen, wenn emotionale Gewichtung verloren geht


6️⃣ Regionale Unterschiede – warum das entscheidend ist​

TransporterHauptwirkung
NETpräfrontale Kontrolle & Reizbarkeitsdämpfung
DATMotivation & Integrationsstabilität
SERTemotionale Gewichtung & Affektdämpfung
➡️ Dieselbe pharmakologische Strategie kann je nach Region und Zustand völlig unterschiedliche Effekte haben.


7️⃣ Wiederaufnahmehemmung im Stress‑ und Absetzkontext​

In Hochstress‑ oder Absetzphasen:
  • ist die Freisetzung oft bereits erhĂśht
  • präfrontale Kontrolle reduziert
  • Netzwerke instabil
In solchen Zuständen kann Transporter‑Modulation:
  • Reizfilterung verbessern
  • innere Unruhe reduzieren
  • Eskalationsbedingungen verzĂśgern
➡️ Das ist keine antipsychotische Akutwirkung, sondern Netzwerk‑Stabilisierung.


🔹 Fazit​

  • Wiederaufnahmehemmung ist nicht gleich Freisetzung.
  • NET spielt eine zentrale Rolle bei Reizbarkeit und Agitiertheit.
  • DAT unterstĂźtzt Motivation und verzĂśgert Eskalation.
  • SERT moduliert emotionale Gewichtung – mit Vor‑ und Nachteilen.
  • Transporter‑Modulation wirkt ausgleichend, nicht blockierend.
➡️ Nicht jede Stabilisierung ist Sedierung – oft ist sie präfrontale Kontrolle.


🔗 Einordnung im Block C​


 
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