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📘 B.4.4 Schwitzen als autonomer Marker

Maggi

Administrator

Schwitzen als autonomer Marker bei Psychopharmaka

Cholinerg vs. adrenerg – Stress, Geruch & NetzwerkzustĂ€nde

Kurzdefinition​

Schwitzen ist kein einheitliches NebenwirkungsphĂ€nomen, sondern ein sichtbarer Marker autonomer Nervensystem‑AktivitĂ€t. Art, Auslöser und Geruch des Schwitzens geben Hinweise darauf, welche neurobiologischen Systeme (cholinerg vs. adrenerg) dominieren. Bei Psychopharmaka kann Schwitzen daher als indirekter Marker fĂŒr Stressachsen‑AktivitĂ€t, parasympathische Regulation und NetzwerkzustĂ€nde interpretiert werden.


Zwei Schweißsysteme – entscheidend fĂŒr die Interpretation​

Der menschliche Körper nutzt zwei funktionell unterschiedliche SchweißdrĂŒsentypen:
MerkmalEkkrines SchwitzenApokrines Schwitzen
Steuerungcholinerg (ACh → M3)adrenerg (Stress)
HauptfunktionThermoregulationStress‑/Emotionsreaktion
AuslöserHitze, Bewegungpsychischer Stress
SchweißzusammensetzungwĂ€ssriglipid‑ & proteinreich
Geruchgeringoft stark
Neurobiologischer KontextRegulationAlarmzustand
Sources: mayoclinic.elsevierpure.com Springer


Ekkrines Schwitzen – cholinerge Regulation​

Ekkrine SchweißdrĂŒsen werden cholinerg ĂŒber muskarinische M3‑Rezeptoren aktiviert. Dieses Schwitzen dient primĂ€r der Temperaturregulation und ist:
  • körperlich belastungsabhĂ€ngig
  • hitzeabhĂ€ngig
  • meist geruchsarm

Neurobiologische Bedeutung​

Ekkrines Schwitzen zeigt:
  • funktionierende cholinerge Endstrecke
  • parasympathische Dominanz
  • kein primĂ€rer Stressalarm
âžĄïž Es ist ein Marker fĂŒr regulative autonome AktivitĂ€t, nicht fĂŒr psychische Eskalation.
Sources: mayoclinic.elsevierpure.com Springer


Apokrines Schwitzen – adrenerger Stressmarker​

Apokrine DrĂŒsen reagieren vor allem auf emotionale und psychische Stressoren. Der Schweiß enthĂ€lt Lipide und Proteine, die bakteriell zersetzt werden und dadurch intensiven Geruch erzeugen.

Neurobiologische Bedeutung​

Apokrines Schwitzen zeigt:
  • sympathische Aktivierung
  • Stressachsen‑AktivitĂ€t
  • Alarm‑ oder BedrohungszustĂ€nde
âžĄïž Der Geruch ist hier der entscheidende Marker.
Sources: Springer


Psychopharmaka & Schwitzen – zentrale Steuerung​

Medikamenteninduziertes Schwitzen entsteht nicht durch DrĂŒsendefekte, sondern durch zentrale autonome Dysregulation. Psychopharmaka können:
  • hypothalamische Thermoregulation beeinflussen
  • parasympathische oder sympathische Tonuslagen verschieben
  • Stressachsen modulieren
Drug‑induzierte Hyperhidrose ist eine der hĂ€ufigsten autonomen Nebenwirkungen psychotroper Substanzen mayoclinic.elsevierpure.com Medsafe.


Differenzierte Muster bei Psychopharmaka (Beispiele)​

Bupropion​

  • hĂ€ufig ekkrines Schwitzen
  • hitze‑ & aktivitĂ€tsabhĂ€ngig
  • meist geruchsarm
  • spricht fĂŒr:
    • erhaltene cholinerge Regulation
    • geringe Stresseskalation
    • regulative autonome AktivitĂ€t

Aripiprazol (v. a. in Absetz‑/Stressphasen)​

  • hĂ€ufiger apokrines Schwitzen
  • stressabhĂ€ngig
  • geruchsintensiv
  • spricht fĂŒr:
    • sympathische Dominanz
    • Stress‑/AlarmzustĂ€nde
    • autonome InstabilitĂ€t

Risperidon / Paliperidon​

  • oft wenig differenziertes Schwitzen
  • starke DĂ€mpfung autonomer Wahrnehmung möglich
  • eingeschrĂ€nkte Selbstwahrnehmung kann Marker ĂŒberdecken
Sources: mayoclinic.elsevierpure.com Medsafe


Verbindung zum M3‑Rezeptor​

  • Ekkrine SchweißdrĂŒsen werden ĂŒber M3‑Rezeptoren gesteuert.
  • M3‑AktivitĂ€t zeigt:
    • parasympathischen Tonus
    • funktionierende cholinerge Achse
  • Anticholinerge Blockade:
    • reduziert Schwitzen
    • verschlechtert Stressregulation
    • erhöht Risiko autonomer Dysbalance
âžĄïž M3 ist kein antipsychotischer Zielrezeptor, aber ein klinischer Marker cholinerger Balance.
Sources: mayoclinic.elsevierpure.com


Schwitzen als Marker – keine Nebenwirkung im engeren Sinn​

Wichtig fĂŒr das Lexikon:
  • Schwitzen ≠ bloße Nebenwirkung
  • Geruch ≠ Hygieneproblem
  • Schwitzen ≠ psychische SchwĂ€che
âžĄïž Schwitzen ist ein körperlich sichtbares Fenster in autonome und neurobiologische ZustĂ€nde.


Klinische Einordnung (vorsichtig formuliert)​

  • Ekkrines, geruchsarmes Schwitzen → eher regulativer Zustand
  • Apokrines, geruchsintensives Schwitzen → Stress‑/Alarmzustand
  • VerĂ€nderungen im Schwitzmuster können:
    • Absetzphasen anzeigen
    • Stressachsen‑AktivitĂ€t widerspiegeln
    • Netzwerk‑InstabilitĂ€t markieren


HĂ€ufige MissverstĂ€ndnisse​

  • „Mehr Schwitzen = schlechtere Wirkung“ → falsch
  • „Geruch ist irrelevant“ → falsch
  • „Anticholinergika sind harmlos“ → falsch


Platzhalter fĂŒr Erfahrungsintegration​

(klar als subjektiv zu kennzeichnen)
  • Substanz
  • Schwitztyp (ekkrin / apokrin)
  • Geruch (ja / nein)
  • Stresskontext
  • Begleitsymptome


Quellen​



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