Bekämpfung von Negativsymptomen
Wichtig ist erst einmal, nicht mit der manischen Phase zu vergleichen. Ich hatte auch eine manische Phase, in der ich vor Begeisterung und Lebensfreude geradezu übergesprudelt bin, vor meiner ersten Psychose und ich weiß, dass es sehr schwer ist, das nicht zurückzuwollen. Ich helfe mir damit, indem ich mir vor Augen führe, dass das kein Normalzustand war und er auch Nachteile für mich hatte (ich habe zum Beispiel in meiner Manie sehr viel Geld ausgegeben für Dinge, wo ich jetzt sagen würde, ich hätte sie nicht unbedingt gebraucht).
Ich musste danach erst mal wieder lernen, dass ein "normaler" Affekt nicht bedeutet, sofort von etwas begeistert zu sein, wenn man mit einer Sache beginnt. Begeisterung baut sich auf, deswegen ist es wichtig, bei einer Sache dabei zu bleiben und sich Zeit zu geben und die Gedanken immer wieder auf die Sache zu lenken und weg von grüblerischen Gedanken wie "habe ich gerade Negativsymptome" oder "wäre ich früher begeisterter dafür gewesen". Ich weiß, dass das sehr schwer ist.
Mir hat Meditation geholfen, wo es darum ging, das Glück in kleinen Dingen zu finden und so auch Momente, in denen ich glücklich bin oder Spaß habe intensiver wahrzunehmen. Ich knabbere immer noch daran, nicht immer mit früher zu vergleichen und Dingen eine Chance zu geben bevor sie mich begeistern sollen, allgemein würde ich aber sagen ich habe das Gröbste an Depression / Negativsymptomen überstanden und mein Problem ist einzig dieses Grübeln, was mir oft Dinge ein bisschen kaputt macht, weil ich eben in mich gekehrt bin und mich nicht auf das konzentriere was ich mache und so auch kein Interesse / Begeisterung entstehen kann.
Was ich in der Meditation auch gelernt habe, ist diesen grüblerischen Gedanken ein Etikett zu geben und sie dann gehen zu lassen. Dadurch merkt man, dass die Gedanken meist in der Vergangenheit oder in der Zukunft sind und selten im Moment. Es hilft also, sich darauf zu konzentrieren wieder im Moment anzukommen.
Dabei haben mir auch Malbücher für Erwachsene geholfen, ich weiß nicht, ob das was für dich wäre. Ansonsten sind kreative Hobbies immer gut, um Gefühle wachzurütteln, mir macht kreatives Schreiben sehr viel Spaß.
Was ich sonst noch aus der Therapie zu diesem Thema mitgenommen habe, ist dass man verständnisvoll sein sollte mit dem Teil von einem, der erst mal eine Weile braucht, um sich von der Psychose zu erholen. Da ist es ganz normal, dass Gefühle wie Begeisterung noch nicht wieder so intensiv sein können, weil die Lebensumstände anders sind. Ich weiß nicht, wie es bei dir ist, aber ich denke noch oft an meine Psychosen und das zieht meine Grundstimmung automatisch ein wenig runter. Auch fand ich es hilfreich, diese leichte Abflachung der Begeisterungsfähigkeit und der Gefühle als Schutzmechanismus zu betrachten und weniger als Verlust. Dein Hirn sorgt sozusagen dafür, dass du nicht wieder mit Reizen überflutet wirst, die dazu führen könnten, dass du in eine erneute Psychose abrutschst.
Teilweise machen das ja auch die Medikamente, diese leichte Dämpfung von allem ist ja gewollt durch die Neuroleptika. Ich habe Gott sei Dank ein Medikament gefunden, bei dem ich mich nicht mehr stark sediert sondern nur noch leicht abgeflacht fühle (Reagila), solltest du dich durch dein Medikament sehr stark abgeflacht fühlen, lohnt es sich auf jeden Fall, noch mal mit deinem Psychiater zu sprechen.
Man kann aber auf jeden Fall mit Therapie und Mindfulness, also Meditation und das Konzentrieren auf den Moment viel erreichen.