Welche Erfahrungen habt ihr beim Reduzieren von Neuroleptika gemacht? Ich bin frustriert!
Ich kann mich gern zu Wort melden, habe aber nichts konstruktives beizutragen zu deiner Situation.
Meine Psychiater haben damals immer gefragt "sind sie noch krank?" Dann meinte ich "ja" dann meinte der psychiater zufrieden "gut, dann erhöhen wir die dosis". Das war über jahre bei zahlreichen psychiatern so. Einen guten zu finden war wirklich schwer.
Ich kam mir oft vor wie in einer Medikamentenstudie. Am Ende habe ich 10 Tabletten Amisulprid, 5 Tabletten Olanazapin und ein Antidepressivum genommen.
Dann habe ich angefangen auf die Meinung der Psychiater zu scheißen und auf meine eigene Einschätzung zu vertrauen.
Habe dann alles reduziert bis ich nur noch die Minimaldosis Amisulprid genommen habe und das hat mir enorm geholfen. Mir ging es viel besser.
Ich kann meine Warnzeichen gut einschätzen und sobald sich eine stressige Zeit oder eine Psychose ankündigt, erhöhe ich die Tabletten etwas.
Es gab unendlich viele Faktoren, die dazu beigetragen haben, dass ich mit meiner Krankheit besser leben kann. Für mich war das wichtigste zu akzeptieren, dass es eine chronische unheilbare Erkrankung ist und das sie niemals weg gehen wird, sondern für mich das richtige ist zu lernen damit zu leben und damit umzugehen.
Ich bin momentan in der wahrscheinlich schlimmsten Krise meines Lebens und habe es geschafft trotzdem eine akutphase zu verhindern. Aber trotzdem: ich gehe nicht arbeiten und das bedeutet nochmal einen ganz anderen Stress. Ich bin gespannt wie ich das hinbekomme.
Allgemein hat mir enorm geholfen: Gedanken kontrollieren und Irrationale Gedanken nicht füttern, sondern deren Wahrscheinlichkeit berechnen, sodass keine Wahnvorstellungen entstehen. (Dabei hilft eine Ahnung von der Metaphysik der Realität. Also: Wahrscheinlich existieren wir und diese Realität gar nicht, aber es ist sinnlos darüber nachzudenken.)
Dementsprechend auch das Bewusstsein kontrollieren, um psychotische Zustände oder Halluzinationen zu vermeiden. Sich quasi "zusammen reißen" und lernen das Bewusstsein wieder in ruhiges und rationales Fahrwasser zu lenken. (Sorry bessere Worte habe ich dafür nicht)
Gegen Depressionen hat mir eine zeitlang Dankbarkeit sehr geholfen. (Das kann man halt trainieren)
Und bei Einschlafproblemen hat mir Schlafhygiene geholfen und zu lernen wie der Prozess des Einschlafens funktioniert. Also "sich in den Schlaf fallen lassen" oder auch soweit entspannen, dass das Bewusstsein ausgeschaltet wird. Anstatt zu grübeln eben den Ausschalter finden. Und "ein gutes Gewissen ist ein gutes Ruhekissen"
Insgesamt geht es mir trotzdem momentan richtig dreckig, aber solche Phasen gehören eben auch dazu.
Viel Erfolg. Hoffe das hilft.